21. Juli 2013: 16. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Da nahm Marta voll Freude die Schürze ab und setze sich wie Maria zu Jesu Füßen hin und hörte ihm zu.

Liebe Schwestern und Brüder, man könnte sich noch einige Möglichkeiten ausdenken, wie die Geschichte weitergeht, oder auch anders ginge.

Je mehr man sich ausdenkt, desto mehr merkt man: Genauso wie sie da steht, ist die Geschichte richtig.

Herausragend ist die Antwort Jesu: „Martha, Martha, du sorgst und beunruhigst dich um vieles. Eines aber ist nötig.“
Vieles beunruhigt – eines ist nötig!

Ich will versuchen, diesen Denkspruch zu verstehen und für mich zu deuten. Doch, bevor ich mich daran mache, wird mir schon klar:
Dieser Spruch kann nicht eindeutig gedeutet werden. Je nachdem, wer darüber nachdenkt, wird das für sich heraus hören, was für ihn nötig und passend ist.

Und – das möchte ich benennen – mit einer Vorentscheidung gehe ich daran:
Ich setze voraus, dass auch dieser Spruch mir helfen soll, zufrieden zu werden, eins zu werden mit mir und meinem Leben, mit den Mitmenschen, mit Gott.

Deshalb kann ich Jesus nicht so verstehen, dass er Faulenzerei empfiehlt. Er ruft so intensiv zur tatkräftigen und wirksamen Nächstenliebe auf;  er sendet die Apostel zur Verkündigung.
Ich kann nicht denken, dass er jemand tadelt, weil er für andere sorgt. Schon deshalb nicht, weil er in der Geschichte über die Nächstenliebe den barmherzigen Samariter als Vorbild entwirft.

Jesus sagt: „Maria hat das Gute gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“ Was würde ihr genommen, wenn Jesus sie wegschicken würde? Sie hört Jesu Worten zu. Sie hört auf seine Botschaft vom Reich Gottes, von der Versöhnung, vom Frieden. Das ist das Eine, das nötig ist.

Marta ist im gleichen Raum wie Jesus und Maria. Sie !  hat Jesus freundlich aufgenommen. Ganz sicher hört sie Jesu Worte genauso wie Maria.
Doch zu ihr sagt Jesus:  „Martha, du sorgst dich und beunruhigst dich um vieles.“

Sie sich sorgt sich und beunruhigt sich! Es geht also nicht um die Arbeit.  Es geht um das „sich sorgen und sich beunruhigen!“

Sich beunruhigen, sich unruhig machen mit Gedanken, was noch sein könnte, und ob alle zufrieden sind und ob es gut genug ist, ob es das richtige ist, ob nichts vergessen wird, …

Ich möchte diese Szene und die Nachfolgeworten zusammen sehen,  die wir vor zwei oder drei Wochen bedacht haben:

Maria ist es, in diesem Fall, die Jesus folgt, die alles liegen und stehen lässt, die sich ihm und dem neuen öffnet. Sie schaut nicht zurück, während sie die Hand an den Pflug legt. Das darf ihr nicht genommen werden.

Eines nun wäre gar nicht im Sinne des Evangeliums:

Ich darf nicht sagen:
wenn ich mich um etwas oder jemand kümmere,
wenn ich ganz aktiv bin und mich engagiere,
dann wäre ich wie Martha und müsste werden wir Maria.

Damit würde ich alles ins Gegenteil verkehren.
Vielmehr sehe ich die Geschichte von der Nächstenliebe und die Antwort an Martha zusammen und deute sie so:

Wenn Du Gott dienen willst und seinem Reich,
dann lass dich durch nichts abhalten, dem zu helfen, der in Not ist – in ihm dienst du Gott.

Wenn du aber Gott dienen willst und seinem Reich,
dann beunruhige dich nicht selbst mit vielen Sorgen, glaube nicht, du könntest alles regeln und besorgen.
sondern höre auf Jesu Wort und nimm seine Botschaft vom Frieden in dich auf.

Das ist das eine, das wirklich nötig ist – damit du Frieden hast in dir und deine Arbeit tun kannst für Gottes Reich.

14. Juli 2013: 15. Sonntag im Jahreskreis

Barmherziger Samariter (Gisela Harupa)Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Die Gleichnisgeschichte vom barmherzigen Samariter überliefert nur das Lukasevangelium!

Eigentlich ist das verwunderlich – denn diese Geschichte ist doch so anschaulich, dass man sie sich immer merken wird, wenn man sie einmal gehört hat.

Zugleich aber: wir wissen ja, dass Lukas es versteht einzigartig anschaulich Geschichten zu erzählen, die sich jedem einprägen, der sie hört.

Ich muss sie aber heute ein wenig enttäuschen:
Dieses Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist nur ein Beispiel und es geht weniger darum, die jüdischen Tempelpriester und ihre Helfer, die Leviten in einem schlechten Licht darzustellen.

Etwas anderes möchte ich betonen:

Ist ihnen aufgefallen, dass sowohl das Gebot der Liebe zu Gott als auch das Gebot der Liebe zum Nächsten der Thora entnommen sind,
also der Heiligen Schrift der Juden?
Das Gebot der Gottesliebe findet sich im Buch Deuteronomium und das Gebot der Nächstenliebe im Buch Leviticus!

Das Doppelgebot der Liebe sehen wir für uns Christen als besonders und ursprünglich und wesentlich an – und doch stammen diese beiden aus dem Schatz unserer älteren Schwestern und Brüder, aus dem Schatz des Volkes Israel und der Juden, wie wir sie heute nennen.

Wir sollten also große Hochachtung haben vor den Juden – denn ihnen verdanken wir die Offenbarung Gottes in Jesus Christus: und Jesus Christus schöpfte ganz und gar aus dem Schatz der Offenbarung Gottes in seinem Volk Israel.

Wenn aber sogar das Liebesgebot der jüdischen Überlieferung entstammt? Was unterscheidet uns eigentlich voneinander?
Was ist das besondere, einzige an unserem christlichen Glauben im Vergleich zur jüdischen Religion?

Dieses Bild, ist zugegeben eine sehr schlichte Darstellung der Samaritergeschichte.
Die Räuber, der Priester und der Levit, der überfallene auf dem Reittier, die Herberge – alles ist leicht erkennbar und sehr einfach für Kinder gezeichnet.

Entscheidend ist die Gestalt in der Mitte, der barmherzige Samariter:
Er ist doppelt so groß dargestellt wie alle anderen Personen. Er blickt gleichzeitig auf uns und auf den überfallenen Mann!
Überaus auffallen ist das weiße Tuch, das nach Beduinen Art seinen Kopf schützt und lange auf den Rückenherunterfällt.

Dieses weiße Tuch erinnert an das Leinentuch, mit dem Jesus am Kreuz noch bedeckt bleibt. Es erinnert an das Untergewand Jesu, um das die Soldaten würfeln, weil sie es nicht zerstückeln wollen.

Das Bild identifiziert den barmherzigen Samariter in der Geschichte mit Jesus selbst, der in einer Tat völlig selbstloser Liebe und Hingabe sein Leben gab, um so Gottes Liebe sichtbar zu machen.

Der also, der sein Leben aus Liebe hingibt,
der ist es, der die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt,
und es ist seine eigene Geschichte,
und er ist es, der seine Schüler ermuntert:
Geh und handle genauso!

7. Juli 2013: 14. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Im großen Glaubensbekenntnis heißt es:  „Ich glaube die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“

Apostolisch heißt die Kirche, weil die Verkündigung der Apostel ihr Ausgangspunkt ist. Apostel – das sind die Gesandten, die Boten.

Die Kirche ist apostolisch, das heißt: die Kirche ist gesandt zu den Menschen. Papst Franziskus weist immer wieder darauf hin, dass die Kirche zu den Menschen gesandt ist, besonders zu denen, die am Rand leben.
Wer gesandt wird, hat auch eine Aufgabe, eine Botschaft. Seine Sendung hat einen Inhalt und ein Ziel!

Die Jünger Jesu sollen als erstes sagen: „Friede diesem Haus!“
Sie sollen die Kranken heilen und verkünden:
Das Reich Gottes ist euch nahe!“

Wie kann ich als Pfarrer einer Pfarrei in Regensburg diese Sendung erfüllen? Und sie, Christen die 80, 70, 60, 50, Jahre alt sind?

Die Situation ist die:
Es gibt die Boten und es gibt die, zu denen die Boten gesandt sind.
Wenn jemand die Boten aufnimmt – was bedeutet das für ihn?

Muss er selbst zum Boten werden? Manche sicher – aber gewiss nicht alle.

Wer die Jünger Jesu aufnimmt, nimmt den Frieden an, den sie bringen;
bei dem werden die Kranken geheilt und er wird hineingenommen in eine besondere Gottesbeziehung: Das Reich Gottes ist ihm nahe!
Gott ist ihm nahe!

Es gibt allerdings folgende Erscheinung:
Es gibt viele, die die Jünger Jesu aufgenommen haben und die ihre Botschaft angenommen haben. Aber das bleibt nicht automatisch und für immer so:
Man stellt fest, dass es mit dem Nachbarn immer noch Zwistigkeiten gibt, dass Tote aus dem Haus getragen werden, dass nach wie vor das Brot im Schweiße des Angesichts verdient werden muss – dann können schon Zweifel kommen.

Dann bleibt für das Neue nicht mehr so viel Zeit und Begeisterung.
Man muss ja schließlich im Leben bestehen. – Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott – heißt es. Das Leben ist, wie es immer schon war.

Ist es das? Muss es so sein? – Ist das alles?

Ich erinnere an die Botschaft: „Friede diesem Haus. Sorgt für die Kranken. Vertraut Gott, der bei euch ist.

Das befreit niemanden davon, für sich und sein Leben Verantwortung zu übernehmen.
Doch ich kann, wenn ich glaube, alles unter eine neue Überschrift stellen.

Nicht mehr: „Hilf dir selbst. Nicht: Hast du was, dann bist du was! Der Stärkere hat Recht. Jeder ist sich selbst der Nächste!“

Sondern:
Wem kann ich helfen? Wer braucht meinen Beistand!
Wie kann ich gegen Unrecht eintreten? Wem kann ich zum Nächsten werden?

Schwestern und Brüder, das ist die Lebensweise der Menschen, die darauf vertrauen, dass Gott sein Leben mit ihnen teilt.
Menschen, die daran glauben, dass Frieden dem Menschen aufgetragen ist und dass der Mensch für das Heil bestimmt ist, für den großen Frieden, den wir in Gott erfahren dürfen.

Schwestern und Brüder,  wir dürfen leben in dem Vertrauen, dass Gott sich durch uns der Welt mitteilen will: als Frieden und als Zukunft.

30. Juni 2013: 13. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Der Menschensohn hat keinen Ort, zum Ausruhen!
Lass die Toten die Toten begraben!
Keiner, der zurückblickt, taugt für das Reich Gottes!

Wie reagieren wir auf diese Denksprüche Jesu?

Vielleicht haben wir uns ja daran gewohnt:  Wenn in der Kirche, wenn in der Bibel solche Sätze gesagt werden, muss man sie nicht so ernst nehmen.

Aber werden wir mit dieser Einstellung Jesus gerecht?
Tun wir ihm nicht Unrecht, wenn wir ihn einfach nicht für ganz ernst nehmen?

Doch bevor ich diese Sätze für mich auslegen kann – es sind ja sogenannte „Denksprüche“ – muss ich unbedingt nachschauen, in welchem Zusammenhang sie stehen:

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er geht auf Konfrontation und er weiß, dass es für ihn keinen Ausweg mehr geben wird.
Er weiß, dass die Lehrer der Religion und ihre Richter ihn und sein Handeln und Reden nur verurteilen können.
Zugleich aber ist er entschlossen, seine Botschaft bis zum Ende zu verkünden: Das Reich Gottes ist nahe! Gott verurteilt nicht. Gott schließt niemanden von seiner Liebe aus.

Doch gerade diese frohe Botschaft, die er kompromisslos lebt und verkündet, bringt ihn so in Gefahr und in die Zwickmühle.

Gerade in dem Ausschnitt, den wir gerade gehört haben, werden beide Seiten deutlich:
Die jünger weist er Zurecht: sie sollen nicht über das Dorf richten, das ihn nicht aufnehmen wollte – niemand wird ausgeschlossen.
Gott liebt auch die, die ihn ablehnen. Das aber bedeutet ein so grundlegendes Umdenken, dass es nur ein entweder oder gibt:

Wer mit Jesus geht, wer wie er rückhaltlos Gott und seiner Liebe traut, der ist anders als alle Welt, der beginnt etwas neues, der kann nicht mehr zurück ins alte Leben! In das Leben, das aus beurteilen und verurteilen aus abgrenzen und ausgrenzen besteht.

Liebe Schwestern! Liebe Brüder!
Ich will das mit drei Beispielen unserer gegenwärtigen Situation in Verbindung bringen:

1. Heute (GESTERN) empfingen 12 Männer die Priesterweihe.
Jeder folgt auf seine Weise dieser Berufung, im Auftrag Jesu das Reich Gottes zu verkünden. Ich wünsche ihnen, dass sie das Vertrauen in Gottes Liebe für sich selbst durchhalten und sich bis in die Wurzeln ihrer Persönlichkeit davon prägen lassen.

2. Am kommenden Freitag werden in unserer Pfarrkirche 104 junge Menschen gefirmt: ich wünsche ihnen, dass der Geist Jesu sie stärkt für ihr Leben: dass alles, was sie anfangen, seinen Ausgangspunkt hat, beim Vertrauen in Gott, der niemanden ausschließt von seiner Liebe.

3. Über eine Denkschrift der ev. Kirche in Deutschland wird in diesen Tagen heftig diskutiert: „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken!“
Gibt diese Schrift die christlichen Standpunkte zu Ehe und Familie auf? – das werfen ihr die Kritiker jedenfalls vor!
Auch in den Fragen von Familie, Partnerschaft und Ehe geht es um das Vertrauen in Gottes Liebe, die niemanden ausschließt und die jedem gibt, was er zu seinem Heil braucht.

Leben entsteht durch die Liebe zwischen Mann und Frau. Und wer liebt, wünscht sich, dass diese Liebe unzertrennlich ist.
Dies anzuerkennen und dies zu unterstützen ist die eine Sache.

Die andere Sache ist, dass es auch andere Lebensformen gibt und schon immer gab.
Darf ich glauben, dass Gottes Liebe auch Frauen und Männer umfasst, die nicht in einer Ehe leben oder deren Liebe doch zerbrochen ist?

Muss ich deswegen aufhören, die Liebe zwischen Frau und Mann in der Ehe besonders zu schätzen: als Sakrament, in dem Gottes Leben schaffende und treue Liebe sichtbar wird?

23. Juni 2013: 12. Sonntag im Jahreskreis

P1080470Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder, es ist nicht besonders geschickt, jemanden zu fragen: Was hältst du von mir?
Man bringt den anderen und sich selbst damit in eine schwierige Situation.

Was soll man darauf antworten? Was, wenn der Fragende enttäuscht ist?

Doch Lukas schildert eine Szene, in der Jesus gleich zweimal die Frage stellt: „Für wen halten mich die Leute?“ und dann noch mal:
Und ihr: für wen haltet ihr mich?

Wenn ich könnte, würde ich Jesus gerne fragen:
„Wie hast du dich selbst gesehen?
Wolltest du deine Religion erneuern?
Wolltest du nur das Verhältnis zu Gott von Angst befreien?
Für wen hast du, Jesus, dich selbst gehalten?“

Die Antwort werde ich in diesem Leben nicht erhalten können, denn die Evangelien verkünden Jesus als den Auferstandenen!

Auch das Leben Jesu wird immer in diesem Licht dargestellt und erzählt. So hören wir auch heute das österliche Bekenntnis des Petrus – stellvertretend für alle Jünger Jesu.
„Du bist der Messias Gottes“

Damit keine Missverständnisse aufkommen, fügt das Evangelium gleich noch eine Vorausschau an: Jesu steht das Leiden bevor und die Verurteilung durch die Schriftgelehrten – doch er wird auferstehen!

Messias – das heißt also nicht: Der Friedenskönig, der sich alles unterwirft.
Mit ihm kommt nicht das Ende der Weltzeit: Werden und Vergehen, Friede und Streit, Wohlstand und Not ‑
das alles räumt Jesus nicht aus der Welt.

Für die Glaubenden ist Jesus ist der Messias, weil er ihnen offenbart, dass sie Gottes geliebte Kinder sind – und dass Gottes Liebe größer ist,
als jede Lieblosigkeit z der Menschen fähig sind.

Schwestern und Brüder! Für wen haltet ihr mich?

Die Firmlinge dieses Jahres haben sich dieser Frage gestellt und diese Antworten gegeben:

  • Ich möchte dein Freund sein und in deiner Liebe sein.
    Durch dich kann ich an Gott, den himmlischen Vater, glauben.
  • Du bist für mich wie eine Hand, die mich hält
  • Du beschützt mich davor, dass ich etwas Böses tue
  • Du bist mir ein gutes Vorbild, weil du den Kranken und Armen geholfen hast.
  • Du bewahrst mich davor, Böses zu tun.
    Du hilfst mir, in guten und in bösen Zeiten an das Gute zu glauben.
    Du gibst mir Kraft und Mut
  • Du verurteilst mich nicht, sondern bist mein Freund, auch wenn ich etwas Falsches mache.
  • Ich kann immer zu dir kommen und dich um Mut bitten
  • Du bist mutig. Du opferst dein Leben für andere.
  • Du bist der Messias für alle Menschen.

Das sind ganz echte und persönliche Antworten. Und ich war sehr beeindruckt, dass sich die 12 jährigen darauf eingelassen haben.

Vielleicht reizt es Sie auch: Nehmen Sie sich einen Zettel und schreiben Sie – zuhause oder nach dem Gottesdienst – darauf, was sie Jesus antworten würden auf seine Frage:
Wer bin ich für Dich? Was bedeute ich Dir?

16. Juni 2013: 11. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:  Schott

Liebe Schwestern und Brüder!

Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? fragen sich die Gäste des Pharisäers Simon.

„Wer ist das?“ diese Frage und ihre Antwort ist entscheidend, damit wir diese Geschichte des Lukasevangeliums verstehen.

Noch etwas ist wichtig und darf nicht übergangen werden:

Das Gleichnis von den beiden Schuldnern steht in der Mitte dieses Evangeliums. Simon zieht die Schlussfolgerung:
Der, dem die größere Schuld vergeben wurde, wird den Geldverleiher mehr lieben!
Dann vergleicht Jesus das Verhalten des Simon mit dem der Frau und zieht den Schluss: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat:

Wie nun: Zeigt der Sünder Liebe, weil ihm vergeben wurde?
Oder wird dem Sünder vergeben, weil er viel Liebe zeigt?

Vor allem aber kommt es als drittes darauf an:
Was hat diese Geschichte mit uns zu tun? Hier und Heute?
Mit uns, die wir schon lange an die Versöhnung und Vergebung durch Christus glauben?

Diese Geschichte stellt uns also vor drei Fragen – fangen wir an!

Zuerst fällt mir auf, wie sehr sich das Verhalten des Simon und der Sünderin zu Jesus unterscheiden:

Simon ist kühl und reserviert – er lässt es an den üblichen Höflichkeiten fehlen.
Auch die namenlose Sünderin hält sich nicht an die Gepflogenheiten:
Doch sie schießt über das übliche Maß hinaus und sprengt als Sünderin jeden Rahmen – so wie Jesus, der sich das gefallen lässt!

Das wird auch vom Evangelisten herausgestellt:
Jesus vergleicht in drei Punkten das Verhalten des Simon und der Sünderin.

Simon gab Jeus kein Wasser zum Waschen der Füße –  die Frau hat ihre Tränen über seinen Füßen vergossen.
Simon hat Jesus den üblichen Begrüßungskuss vorenthalten ‑ die Sünderin hat ihm die Füße geküsst.
Simon hat Jesus das Haar nicht mit Öl gesalbt – sie hat Jesus mit wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.

Eines ist offensichtlich: Die Frau ist Jesus näher als der Pharisäer!
Die Sünderin ist voll Liebe zu Jesus,
Der Gesetzestreue hingegen prüft Jesus und schätzt ihn ab – er ist ihm fern.

An dieser Stelle ist entscheidend, dass ich mir vor Augen halte, wer Jesus ist: Ich glaube, dass er von Gott kommt, um Versöhnung zu bringen,
um das Reich Gottes zu begründen, das jedem offen steht.

Wenn ich – wie die Sünderin – Jesus nahe komme, bin ich dem nahe, der mich mit Gott versöhnt, der Frieden bringt.

So wird mir nun klar, was diese Geschichte mit mir zu tun hat – hier und heute:

Ich möchte – wie die Sünderin – Jesus meine Liebe zeigen, meine Zuneigung, meine Dankbarkeit,
weil er mich nicht verurteilt, weil er mir den Frieden Gottes bringt!

Nehmen Sie das doch mit aus dieser Sonntagsmesse:

Wie kann ich Jesus meine Liebe zeigen und ihm nahe sein  – nach dem Vorbild der Sünderin? In dem Maße wird auch Friede in mir sein.

9. Juni 2013: 10 Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Der Verfasser des Lukasevangeliums ist ein wunderbarer und kenntnisreicher Erzähler!
Er kennt die Geschichten den Propheten Israels:
Bis ins Detail ist ihm die Geschichte bekannt, wie der Prophet Elija den Sohn der Witwe von Sarepta zum Leben erweckte.

Geschickt wählt er die Wörter aus – denn er weiß, was sie für seine Hörer bedeuten: Wenn er Jesus den Herrn nennt, weiß jeder in seiner griechisch römischen Umgebung, dass Jesus als von Gott kommend gezeigt wird.

Gekonnt legt er den Ort und die Bewegung in der Geschichte fest:
Zwei Züge begegnen sich: der Zug des verkündigenden Jesus und der Leichenzug.
Der Zug mit dem Toten bewegt sich aus der Stadt heraus –
Der Zug des Herrn bewegt sich auf die Stadt zu.

Der Tote ist der einzige Sohne einer Witwe! Sein Tod stürzte die Witwe in völlige Unsicherheit. Jetzt gab es niemanden mehr, der für sie Sorgen würde. Ihre Existenz war bedroht!

Jesus hatte die Weinenden seliggepriesen und die hungernden, weil sie lachen werden und satt würden. (Lk 6 – die Feldrede).

Nun begegnet er, einer weinenden Frau, die durch den Tod ihres Sohnes zur Armut, verurteilt ist.

Nun muss sich Jesus bewähren – bringt er wirklich das Heil?

Auffallend ist, dass das Evangelium sagt: Der HERR sah die Frau!
Als Jesus von den Toten auferstanden war, wurde er eingesetzt zum Herrn über Lebende und Tote.

Das Lk-Evangelium holt damit den österlichen Herrn in die Zeit des Lebens des Jesus von Nazareth. Hier handelt der österliche Herr, Christus.

Nachdem Jesus den jungen Mann seiner Mutter zurückgegeben hat,
staunen die Leute. Der Evangelist hat genau überlegt, was sie sagen:
Sie preisen Gott, sie nennen Jesus eine großen Propheten, durch den sich Gott seines Volkes angenommen hat.

Die Geschichte von der Erweckung den Jünglings von Naim verkündet also folgende Botschaft:

Jesus ist der Kyrios, der Herr, er herrscht auch über den Tod.
In ihm hat Gott sich seines Volkes angenommen.
Das Weinen der Witwe verwandelt sich in Jubel!

Lukas hat keine Episode im Leben Jesu geschildert,
er ist kein Chronist, sondern er verkündet Jesus Christus,
den Herrn, der den Armen und Kranken und den Trauernden Heil bringt.

Für das Evangelium möchte aber unbedingt zeigen:

Erst wenn Menschen, wie die Witwe in dieser Geschichte Hilfe erfahren,
erst dann kann man erkennen und verkünden:
Gott hat sich seines Volkes angenommen.

Wir Christen dürfen nicht den Fehler machen,
allein auf das jenseitige Heil hinzudeuten und die armen und leidenden auf das Jenseits zu vertrösten.
Wenn wir daran glauben, dass Gott im Jenseits Heil schenkt,
dann ist es an uns, im Diesseits, den Weinenden, den Hungernden,
den Menschen in jeglicher Not beizustehen und ihre Not zu wenden,
wo immer wir es können.

Weil wir an das Heil glauben, das Gott im Himmel schenkt
wirken wir das Heil jetzt auf der Erde!

So verkündet diese Geschichte Jesus den österlichen Herrn,
der den Tod überwindet
und ruft die Glaubenden auf, die Armen aus ihrem Elend zu befreien in dieser Welt.

2. Juni 2013: 9. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten Schott

Liebe Schwestern und Brüder!
Erst kürzlich habe ich wieder gelesen, es sei nicht richtig, dass wir uns in der Messfeier so oft und so intensiv als Sünder bezeichnen –
zum Beispiel auch in dem Gebet vor dem Empfang der Kommunion:

Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach.
Aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund.

Ich gebe zu, dass ich das nachempfinden kann.
Muss sich der Mensch vor Gott wirklich so klein machen?
Demut, Ehrfurcht, Gehorsam – wird das nicht in übertriebener Weise betont?

Ich meine, dass ich da eine gewisse Ungleichzeitigkeit beobachten kann:

Während die Texte der Messfeier und die Gebete dies nach wie vor ausdrücken und nahelegen – sind uns diese Haltungen seit langem mehr oder weniger fremd geworden.
Sollen wir das bedauern oder uns darüber freuen?

Lassen wir uns von der Geschichte des römischen Hauptmann und seiner Sätze gegenüber Jesus anregen und denken wir über die rechte Gottesbeziehung nach.

Warum lässt der Hauptmann Jesus ausrichten: „Ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst. Ich habe mich nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen.“

Der Hauptmann – ein Heide – möchte dem Juden Jesus auf keinen Fall etwas zumuten, das ihn in Verlegenheit bringen könnte. Ein Jude hätte sich verunreinigt, sobald er das Haus eines Römers betritt.
Mir erscheint der Hauptmann in dieser Geschichte äußerst respektvoll und rücksichtsvoll gegenüber Jesus.

Zugleich vertraut er darauf, dass Jesus bereit ist ihm und seinem Sklaven zu helfen.

Was ich mir nicht vorstellen kann ist, dass irgendein Mensch Angst haben muss, er könnte Gottes Größe mindern.
Wir können Gott nicht kränken, ihn nicht verletzen oder auf irgendeine Weise seine Vollkommenheit antasten. Davor müssen wir keine Angst haben.

Für uns jedoch ist es wichtig, dass wir zum Ausdruck bringen, wie groß wir von Gott denken! Dadurch wächst in uns das Vertrauen in ihn, den Anfang und das Ziel aller Dinge.
Von ihm her haben wir die Würde empfangen, die wir als unveräußerlich und unantastbar einschätzen.
Zu Recht könnten wir die Worte des Hauptmanns auch verändern und sagen: Herr, du gibst mir Würde, du gibst mir Leben, dein Wort schenkt mir Frieden und Einheit und Leben.

Darf ich unser Verhalten gegenüber Gott vergleichen, mit einer Verhaltensweise, die uns Menschen angeboren ist:
Dass wir ein kleines Kind so behutsam wie möglich anfassen und behüten, damit wir ihm nicht im Geringsten wehtun sondern ihm Zärtlichkeit und Bewunderung schenken?

Dabei fühlen wir uns nicht klein und demütig, sondern wir freuen uns, wir sind voll guter Gedanken und nehmen Teil an der Sorge für dieses Menschenkind und sein Leben.

Schwestern und Brüder, diese Ehrfurcht, die wir ganz von selbst einem Menschenkind entgegen bringen, ist auch Gott gegenüber angemessen.

Sie macht uns nicht klein, sondern sie drückt aus, dass wir uns ihm anvertrauen, dass wir ihm vertrauen und dass wir ihm dankbar sind für das Geschenk des Lebens.
Wenn wir Gott verehren, wird darin unsere Ehrfurcht vor dem menschlichen und vor allem irdischen Leben gestärkt,
dass in ihm seinen Ursprung hat. Und das ist gut so.

30. Mai 2013: Fronleichnam

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

13 (31)

Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist Brot! Es ist Wein! – auch nachdem der Priester in der Messfeier die Einsetzungsworte gesprochen hat – und doch sind Brot und Wein für uns Glaubende danach etwas ganz anderes geworden.

Das Wort Wandlung versucht das auszudrücken. Was hat sich gewandelt? Was ist anders geworden?

Alle Christen zeigen allergrößte Ehrfurcht davor – wenn auch auf verschiedene Weise. Mit größter Andacht und Ehrfurcht empfangen wir dieses Brot, diesen Wein in der Austeilung der Heiligen Kommunion.

Wir beweihräuchern Brot und Wein! Wir knien uns hin!
Wir beten: Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altares.

Wenn Christus selbst leibhaftig vor uns stehen würde, könnten wir ihm nicht ehrfurchtsvoller begegnen.
Damit ist das entscheidende gesagt: Die Ehrerbietung, die Andacht, die Sammlung den geweihten eucharistischen Gaben gegenüber gilt Jesus Christus – nicht dieser Hostie, nicht diesem Schluck Wein!

Nach der Wandlung sind das für uns die Zeichen der ganz realen Gegenwart Christi unter uns. Was er getan hat, hat er für mich getan:
Mir hat er das Reich Gottes verkündet!
Mir hat er Gottes Treue verkündet!
Mich hat er eingeladen und gerufen das Reich Gottes zu suchen!
Mir hat er die Angst genommen, verurteilt zu werden und dem Tod verfallen zu sein!
Für mich hat er sich dem hingegeben, was die Menschen mit ihm gemacht haben, ohne sie dafür zu verurteilen.

In ihm begegnet mir Gott, der eine und einzige Schöpfer des Lebens, die Quelle des Seins.
In den eucharistischen Gaben Brot und Wein begegnet ER mir, in dem ich Gottes Sohn erkenne.

Und deshalb bringe ich in dem Brot und in dem Wein Christus selbst bringe ich Gott selbst, meine Anbetung und Ehre.

Es ist gut und heilsam für uns, diese Verehrung zu zeigen!
Es ist heilsam, weil wir uns dadurch bewusst werden, dass wir Gott, unserem Schöpfer, so sehr wir ihn als unseren Vater lieben,  nur in der Haltung der Ehrfurcht und Anbetung nähern können.

Außenstehende, die unseren Glauben nicht teilen und verstehen, können das vielleicht falsch verstehen.
Sie könnten vielleicht den Eindruck gewinnen, wir müssten uns klein machen vor unserem Gott!

In Wirklichkeit ist es anders herum:
Diese Zeichen der Ehrfurcht sind unsere menschlichen Versuche, dem geliebten Vater, dem geliebten Bruder Jesus Christus, alle zärtliche Liebe zu zeigen, die uns nur möglich ist.

In dieser Haltung der Anbetung und Ehrfurcht, in dieser liebenden Zuwendung zu unserem Gott,
spüren wir am meisten seine Liebe, spüren wir am meisten die Geborgenheit,
erfahren wir uns am meisten als seine Kinder, die im Geist der Liebe innigst mit dem Vater verbunden sind.

Mitten in diesem Geschehen, das uns selbst zuinnerst berühren und verwandeln kann, hören wir die Worte Jesu:

Ich gebe mich für euch! Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Wir sollen uns füreinander geben.
Wir sollen uns gegenseitig die Hoffnung stärken,
Wir dürfen Gottes Reich verkünden,
Wir sollen denen helfen, die unsere Hilfe brauchen
und wir setzen füreinander unsere Kräfte, unsere Möglichkeiten, vielleicht sogar unser Leben ein.
Jesus sagt uns: Schenkt euch gegenseitige Zuneigung und Liebe im Gedächtnis an meine Hingabe für euch.

26. Mai 2013: Dreifaltigkeitssonntag

26456coLiebe Schwestern und Brüder, der Glaube an den einen Gott, der sich uns offenbart hat in seinem Sohn Jesus Christus und den wir erkennen können im Heiligen Geist ist das einmalige und besondere an uns Christen.
Wer hat sich das ausgedacht? Wie kommen wir dazu, vom dreieinigen Gott zu sprechen?

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
Jesus betete zu seinem Vater und er versprach uns den Geist, den Beistand, der für immer bei uns bleiben wird.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist leicht, in zwei Zitaten aus der Bibel Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde zu finden; ebenso Jesus der diesen Gott seinen Vater nannte und den Heiligen Geist, der schon im ersten Satz der Bibel genannt wird.

Dadurch wird uns eine ganz besondere Beziehung zu Gott eröffnet – anders als in allen anderen Religionen:
Gott ist nicht nur der Herrscher über das all, dessen Gebote wir halten müssen, damit wir gerecht sind vor ihm.
Gott ist nicht nur der, der alles fügt und der vor allem Ergebung in das Schicksal fordert.
Gott ist nicht nur der, in dessen Einheit hinein sich alles auflöst.

Sondern Gott sucht die Beziehung zu uns Menschen, zu seiner ganzen Schöpfung – sein Geist ist in ihr und besonders im Menschen, der durch den Geist die Begabung hat, Gott zu erkennen.

Der dreieine Gott ist für uns Menschen zugänglich:
er lässt uns unsere Eigenheit in unserer endlichen Gestalt und
dennoch ist er in uns und wir sind in ihm:
Er gibt uns Anteil an sich und seiner göttlichen Art und
er hat Anteil an uns und unserer weltlichen Art.

In beiden – im ewigen unendlichen Gott und in der endlichen begrenzten Welt ist Gottes Geist.

Bewirkt diese ganz besondere Beziehung zu Gott etwas in mir und meinem Leben?

Das hängt ganz und gar von mir ab: Diese Beziehung kann etwas bewirken, wenn ich mich auf sie einlasse,

Wenn ich auf das Angebot eingehe und  eine Beziehung zu Gott zulasse und gestalte:
dann ist es eine Beziehung der gegenseitigen Bejahung:

Gott anerkennt und will meine Endlichkeit
und ich anerkenne Gott und will seine Unendlichkeit.

Für Gott ist es eine Freude mein Gott zu sein
und für mich eine Freude, sein Geschöpf zu sein.

Gott gibt mir alles, was sein ist
und ich gebe ihm alles, was mein ist.

Schwestern und Brüder, gehalten und getragen in dieser Beziehung zu Gott,
will ich Gott danken und preisen für alles, was er mir gibt.

Ich will entdecken, was sein Wille ist für mich und das tun, was ihm gefällt.

Ich kann mich auf ihn verlassen, dass er mich und jeden Mitmenschen bewahrt,
dass meine Endlichkeit aufgenommen wird in seine Unendlichkeit.

Ich kann auf ihn hoffen, dass er mich versteht, wenn ich manches in meinem Leben schuldig bleibe – und dass ich in ihm vollkommen sein werde.

Schwestern und Brüder, Anerkennung und Bejahung, Vertrauen und Hoffnung, Dankbarkeit und Interesse beschreiben meine Beziehung zu Gott – deshalb möchte ich auch mit meinen Mitmenschen so leben.

Das bewirkt die ganz besondere christliche Beziehung zu Gott, die wir mit dem Glauben an den dreieinen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist ausdrücken.