11. November 2012: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den litrugischen Texten:

Worauf kommt es im Leben an? Was ist das entscheidende?

Wie hätte die Witwe darauf geantwortet?
Welche Antwort hätten die Reichen gefunden, die viel Geld in den Opferkasten geworfen haben?
Welche Antwort hätten die Schriftgelehrten gegeben, mit denen Jesus so hart ins Gericht ging?

Worauf kommt es im Leben an? Was ist das entscheidende?
Welche Antwort erwarten Sie jetzt von mir in der Predigt?
Was fällt ihnen dazu ein?

Die Witwe und die Reichen mit ihren Spenden für den Tempel sind sich einig, dass Gott im Tempel geehrt werden soll.
Ihnen ist bewusst, dass sie etwas dazu beitragen wollen. Um Gottes willen spenden sie für den Tempel, dem Symbol, dass Gott mitten unter seinem Volk lebt.

Jesus erkennt den Unterschied zwischen der armen Witwe und den Reichen: Wie viel muss ihr der Tempel bedeuten, wie viel muss ihr Gott bedeuten, der im Tempel verehrt wird! –

Sie weiß doch selbst, dass ihre zwei kleinen Münzen für die Tempelkasse unbedeutend sind – vor allem im Vergleich zu den großen Spenden der reichen Leute.
Und dennoch wirft sie zwei kleine Münzen und damit ihren ganzen Lebensunterhalt in den Opferkasten!

Worauf kommt es im Leben an? Was ist die Antwort dieser Frau?

Wir würden es vielleicht besser verstehen, wenn sie diese zwei Münzen einsetzte, um sich etwas zu gönnen, etwas scheinbar Überflüssiges
Wenn sie jemand die Münzen gäbe, der noch ärmer ist als sie –  das käme uns bewundernswert vor – aber für den Tempel?

Ich würde keine arme Witwe mit einer kleinen Rente ermuntern, ihre letzten 10 Euro in das Kollektenkörbchen zu werfen.
Hätte Jesus das getan? Ich denke nicht!

Entscheidend ist, dass Jesus es sieht und bemerkt und was er den Jüngern erklärt: In den Augen Gottes zählt nicht der Betrag, sondern die Liebe, die Hingabe. Gott sieht in das Herz der Menschen und er sieht, dass diese Frau alles für den Tempel Gottes gibt.

Worauf kommt es im Leben an?

Es kommt darauf an, was Gott im Menschen sieht.

4. November 2012: 31. Sonntag im Jahreskreis

Höre Israel!
Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr!
Darum sollst du den Herrn deinen Gott lieben
mitganzem Herzen, und ganzer Seele,
mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.

Das hört sich sehr gewichtig an, und zugleich denke ich:
Wenn er der Schöpfer ist, dieser einzige, wie kann ich ihn lieben, ihm etwas geben, da er doch die Fülle ist?

Und ich frage mich: Da er doch unsichtbar ist – wie soll ich ihn lieben?
Woran kann er merken, woran kann ich merken, woran kann ein anderer merken, ob ich Gott liebe?

Was heißt es, Gott zu lieben?

Es ist ja manchmal schon schwer, die Liebe zu den eigenen Kindern und zu den eigenen Eltern aufrecht zu erhalten. Obwohl man sie sieht und mit niemandem anderen so eng verbunden ist, gibt es die Gefühle des Ärgers, der Ablehnung, der Gleichgültigkeit.

Was heißt es, Gott zu lieben?

Auf der Suche nach Antwort richte ich meinen Blick auf Menschen,  denen Gott viel bedeutet hat:

Franziskus von Assisi:
Er zog sich immer wieder zum Gebet in die Einsamkeit zurück:
Den Unsichtbaren Gott können wir leichter begegnen und uns ihm öffnen, wenn uns nichts ablenkt und in Anspruch nimmt – wenn wir die Stille suchen.

Dr. Martin Luther:
er erkannte die Oberflächlichkeit in der die Kirche seiner Zeit entartet war.
Er litt darunter, dass Gott missbraucht wurde, um die Menschen zu unterdrücken; ja, sogar um Geschäfte mit dem Glauben zu machen.
Er kämpfte für die Freiheit des Christenmenschen.

Mutter Teresa von Kalkutta,
sieh sah die Menschen am Straßenrand sterben, ohne Beistand.
Sie nahm sie auf und kümmerte sich um sie, damit keiner allein sein musste.

Roger Schutz von Taizé,
widmete sein Leben dem Gebet und der Meditation und der Jugend. Er lud ein auf den Pilgerweg der Versöhnung nach der Erfahrung des Krieges, der Europa in Schutt und Asche gelegt hatte. Sein Leben war geprägt von Einfachheit und Gemeinschaft.

Jesus von Nazareth, schließlich:
Er ist für uns Christen wohl das Idealbild eines Menschen, der Gott liebt:
Er wollte nur reden, was sein Vater ihm aufgetragen hat;
Er betete in der Einsamkeit;
Er schenkte Versöhnung;
Er wanderte von Ort zu Ort und verzichtete auf eigenen Besitz;
Er verkündete,
dass Gottes Reich den Menschen offen steht, weil Gott es will.
Er befreite die Menschen von der Angst vor dem Gericht;
Er wandte sich den Kranken und den Armen und den Sündern zu;
Er warnte vor der Gier nach Ansehen, Macht und Reichtum;
Die Liebe war für ihn das wichtigste!

Denn in der Liebe geht der Mensch über sich selbst hinaus und öffnet sich für den anderen. Die Liebe bringt Freiheit und Gerechtigkeit und Wahrheit!

Am Anfang stand die Frage: Was heißt es Gott zu lieben!
Die Liebe zu Gott sucht sich ihre Wege, damit die Liebe in der Welt mehr wird.

2. November 2012: Allerseelen

Lesungen: Jes 25,6a.7-9  Mt 7,11-17

Was verändert sich, wenn ein lieber Menschgestorben ist?
Unmittelbar nach dem Tod ist es anders als Wochen und Monate danach.

Manchmal ist es ein Schock, dass jemand gestorben ist,
manchmal ist der Tod erwartet oder fast schon herbeigesehnt als Befreiung von Krankheit und Schmerz.

Manchmal ist der Verlust für die Zurückbleibenden kaum zu ertragen.
Manchmal ändert sich gar nicht viel.

Das Lukasevangelium erzählt die Geschichte einer Witwe, die ihren Sohn betrauert. Für Mütter und Väter ist es besonders schwer, wenn sie eines ihrer Kinder betrauern müssen.

Zu Lebzeiten Jesu erwartete die Frau in dieser Geschichte eine traurige Zukunft: Nach ihrem Mann hat sie auch den einzigen Sohn als Ernährer und Beschützer verloren. Sie war nun wirtschaftlich, sozial und rechtlich schutzlos und in ihrer Existenz gefährdet.

Jesus hatte Mitleid mit Ihr, erzählt Lukas. Und nachdem der Tote ins Leben zurückgeholt ist, heißt es: Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
Das Augenmerk liegt in der Geschichte darauf, dass Jesus die Not der Witwe abgewendet hat.

Manchmal befinden sich Trauernde in einer Situation wie diese Witwe:
Sie klagen über das Unglück, das ihnen widerfahren ist.
Sie klagen Gott an, der ihnen das nicht ersparte.

Dem gegenüber steht das Wort am Ende dieser Geschichte: „Gott hat sich seines Volkes angenommen!“

In zweifacher Weise beantwortet Gott in Christus die Trauerklage des Menschen:

Jesus wendet sich den Not – Leidenden zu:
Es wird deshalb immer Auftrag der Jünger Jesu sein, Menschen in Not zur Seite zu stehen, sich ihrer anzunehmen und ihre Not zu wenden.
Auch der Tod eines Verwandten soll niemand in Armut und Elend stürzen.

Zum anderen aber teilt Jesus das Todesschicksal mit uns und überwindet es, weil er in seinem Tod eine Zukunft hat und sieht.
Er glaubt und verkündet die Auferstehung der Toten.
Er stirbt ganz bewusst hinein in das Leben, das er erwartet.
Es ist das Leben in Gott und mit Gott – Wir nennen es meist den Himmel.

Es werden immer Fragen bleiben, denn Gott und das, was nach dem Tod kommt, ist und bleibt unseren Sinnen entzogen. Es ist und bleibt eine Sache des Vertrauens in das Leben und seinen Ursprung, den wir Gott nennen. Ein Gedicht von Lothar Zenetti verdichtet das Fragen  und Hoffen.

Lied am Grabe

Niemand weiß, wie lange werden wir noch sein,
morgen oder heute holt der Tod uns ein.

Keiner kann uns helfen, jeder stirbt allein,
und es bleibt am Ende nur ein Grab, ein Stein.

Alle unsre Namen wird der Wind verwehn,
oder ruft uns einer, dass wir fortbestehn?

Kann es sein, dass Gott uns einst vom Tod befreit
und in Freude wandelt alles Menschenleid?

Ob wir dann wie Kinder vor dem Vater stehn
und mit neuen Augen seine Wunder sehn?

Werden wir dann hören, wie die Schöpfung singt,
wie das Lied der Sterne und der Blumen klingt?

Eine neue Erde, wie soll das geschehn,
dass wir unsre Lieben einmal wiedersehn?

Oder sind das Träume, die wir uns erdacht?
Wer von uns ist jemals aus dem Tod erwacht?

Wer wälzt von dem Grabe uns den schweren Stein?
Wer kann, wenn wir tot sind, uns vom Tod befrein?

Einen sah ich sterbend in das Leben gehn,
und ihm will ich glauben, dass wir auferstehn.

1. November: Totengedenken am Friedhof

 Eröffnung:

1. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Begrüßung und Einführung:
Liebe Besucherinnen und Besucher unseres Friedhofs! Liebe Mitchristen!
Die Erinnerung an unsere Verstorbenen führt uns heute Nachmittag am Friedhof zusammen.
Wir fühlen uns nicht nur mit ihnen verbunden. Sie sind über ihren Tod hinaus ein Teil von uns selbst.
Sie haben mit uns das Leben geteilt. Sie haben unser Leben beeinflusst. Durch sie sind wir so geworden, wie wir sind.

Am Anfang der Feier steht das Wort Gottes im Mittelpunkt.
Dann werden die Gräber gesegnet und zur Erinnerung an die Taufe mit geweihtem Wasser besprengt und sie sind eingeladen miteinander zu beten.
Die Feier endet mit Fürbitten, mit dem von allen gebeteten Vater Unser und wird dann mit dem Segen beschlossen.

Kyrie: Christus gibt uns Hoffnung: für unsere Verstorbenen und für uns selbst. Deshalb rufen wir zu ihm:

Herr Jesus Christus, du zeigst uns den Weg zum Vater im Himmel. ‑ Herr, erbarme dich unser.
Du hast den Tod auf dich genommen, um alles mit uns zu teilen. ‑ Christus, erbarme dich unser
Du bist auferstanden vom Tod und schenkst uns Anteil an der Auferstehung. ‑ Herr, erbarme dich unser.

Gebet:
Vater im Himmel, wir stehen an den Gräbern unserer Verstorbenen.
Für sie bitten wir dich: Gib ihnen die Freude bei dir zu sein.
Erneuere unsere Hoffnung darauf,
dass wir alle bei dir eine Zukunft haben
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Wortgottesdienst:

Lesung: Aus dem Römerbrief8,31-39

31 Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?
32 Er hat seinen eigenen Sohn zu uns gesandt ‑ wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
33 Wer kann die von Gott Erwählten anklagen? da doch Gott selbst uns frei spricht und uns in seine Nähe holt.
34 Wer kann sie verurteilen?  Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

35 Was kann uns trennen von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung,  Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
36 All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Gewalten der Höhe oder Tiefe  noch irgendeine andere Kreatur
können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Gesang Wer nur den lieben Gott lässt walten.

Ansprache
Gehören sie zu den Menschen, die das Bild eines lieben Menschen im Geldbeutel bei sich tragen?
Haben Sie auch Bilder von verstorbenen lieben Menschen in ihrer Wohnung?
Auf diese Weise möchten wir sie bei uns haben – möchten wir uns an sie erinnern.

Zur Erinnerung an unsere Toten läutet nun die Friedhofsglocke!

Wenigstens in der Erinnerung, weil sie uns viel bedeutet haben und bedeuten, möchten wir unsere Verstorbenen bei uns haben!
Auch der Tod kann daran nichts ändern – jedenfalls nicht so schnell.

„Das hätte mein verstorbener Mann auch gewollt!“ So begründen manche Witwen ihre Entscheidungen.
„Ich übernehme diese Aufgabe und möchte sie im Sinne meines Vorgängers weiterführen.“ Mit diesen Worten wird das „Erbe“ eines Vorgängers als Verpflichtung angenommen.
Die Verstorbenen bleiben oft wichtig und bedeutsam bis lange nach ihrem Tod.

Nicht übersehen möchte ich, dass die gemeinsame Zeit mit ihnen uns unwiderruflich geprägt hat und wir meistens dankbar dafür sein. Ohne sie wären wir nicht die geworden, die wir sind.

Der Tod entreißt uns liebe Menschen – aber das Band der Verbundenheit kann er nicht zertrennen – es ist stärker als der Tod – jedenfalls für uns Lebende.

Wie ist es aber mit denen, die verstorben sind?  Wie wird es mit uns sein, wenn wir einmal aus dieser Welt scheiden?

Unserer menschlichen Erfahrung ist dies unzugänglich!  Beweise lassen sich deshalb darüber nicht führen.

Doch unser Glaube an den Schöpfer des Lebens, den wir mit Vater ansprechen können und dürfen, öffnet uns den Blick für das, was für unsere Augen unsichtbar bleiben muss.
Er hat uns ins Leben gerufen und er kennt keinen Tod.
Er, der Urheber des Lebens, hört nicht auf, jedes seiner Geschöpfe zu lieben und mit Leben zu erfüllen. Das haben wir durch Jesus Christus erkannt, der auferweckt wurde und seinen Freunden und Aposteln erschienen ist.

Im Blick auf den unsterblichen Gott, den Ursprung aller Dinge, ist Paulus voll Vertrauen und Zuversicht. Er ruft uns zu:
Weder Tod noch Leben! Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus sichtbar wurde.

Der Glaube an den Ursprung des Lebens lässt uns auch hoffen für unsere Verstorbenen und für uns selbst:
Die Liebe mit der Gott uns ins Leben rief, ist größer als der Tod.
Er selbst ist unsere Zukunft und in ihm bleiben wir verbunden mit allen Menschen, die zu uns gehören.

Gräbersegnung:

Lobpreis und Segensbitte:

V: Gott, im Leben und im Tod sind wir in deinen Händen. Wir preisen dich mit allen, die an dich glauben. Wir loben dich.
A: Wir preisen dich.
V: Dein Sohn Jesus Christus hat unser Leben gelebt und ist unseren Tod gestorben. Wir preisen dich mit allen, die die ewige Vollendung erwarten. Wir loben dich.
A: Wir preisen dich.
V: Du hast Jesus, deinen Sohn zu neuem Leben auferweckt und ihn zu deiner Rechten erhöht. Wir preisen dich mit allen, die auf die Macht deiner Liebe vertrauen. Wir loben dich.
A: Wir preisen dich.
V: Gott der Hoffnung und des Trostes: Du hast in deinem Sohn die Nacht des Todes und des Grabes erfahren. Sein leeres Grab ist für uns zum Zeichen für das neue Leben in deiner Gemein­schaft geworden. Wir bitten dich, erfülle alle, die die Gräber besuchen, mit Trost und Zuversicht. Das gewähre uns durch Jesus Christus, unseren Herrn. A: Amen.

Gräberumgang

Verleih uns Frieden gnädiglich………………………………………….. Chor

1. Hier sind unsere Lieben bestattet
Wir stehen an den Gräbern unserer verstorbenen. Wir lesen ihren Namen, vielleicht auch ihr Geburtsdatum und ihren Todestag.
Erinnerungen werden wach. Bilder, Erlebnisse, Gefühle für den Menschen, der hier begraben liegt.

Alles, was ihr Leben ausmachte,
worum sie kämpften und was ihnen wichtig war,
das, was sie für uns zu besonderen Menschen machte,
wofür wir sie mochten und liebten,
daran dürfen wir uns erinnern, während die Bläsergruppe einen Choral erklingen lässt:

2. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Kehrvers:  Belohne sie für das Gute, o Gott,  und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Erinnere dich Gott, an unsere Verstorbenen,  deren Gräber wir heute besuchen.
Wir wollen sie nicht vergessen, sie sind ein Teil von uns.

Du hast sie einst ins Leben gerufen  ihren Eltern hast du sie anvertraut;
damit sie ihnen Vertrauen und Liebe schenken und für sie sorgen bis sie erwachsen sind.

Vieles haben sie gelernt in ihrer Jugend,  immer mehr lernten sie ihre Kräfte zu gebrauchen.
Sie fanden Freunde und Bekannte, Menschen auf die sie sich verlassen konnten.

Es gab aber auch dunkle Stunden in ihrem Leben:  Schmerz und Trauer, Schuld und Versagen;
Trotz all dem versuchten sie, ihr Leben zu meistern und sehnten sich nach Freiheit und Liebe.

Dann aber kam die Stunde, in der sie aus dem Leben schieden.
Du hast sie zu dir gerufen damit sie bei dir leben in vollkommener Freude.

2. Wo sind sie jetzt? Was wird mit mir sein?
Die Erinnerung an unsere Verstorbene kann uns traurig stimmen. Es kann sein, dass wir ganz zufrieden sind und sagen: es ist gut, dass es so ist.

Das quälende „Warum“ nach ihrem Sterben entwickelt sich und wird zu einer neuen beständigen Frage, die auch uns selber und unsere Hoffnung betrifft.
Ein Gedicht von Gina Ruck-Pauquèt zeichnet diese Veränderung nach:

Warum ist denn der gestorben?
Und wohin?
Und ist er morgen auch noch tot?
Auf seinem Grab, da blüht es rot.
Doch da ist nur sein Körper drin.
Seine Furcht und sein Glück,
seine Traumgestalten,
und was in seinen Worten enthalten,
ist nicht mit Erde zugedeckt.
Wo hält sich das alles versteckt?
Was er gehofft hat und geliebt,
obs das noch gibt?
Ob es einer weiß?
Und versteht,
wohin alles geht?

Gina Ruck-Pauquèt

Hebe dein Augen auf………………………………………………………… Chor

3. Der Ewige Gott erinnert sich an jeden von uns in ihm werden wir leben.
Wie in allen Völker, dachten auch die Menschen in Israel über das Schicksal der Toten nach. Das Buch Jesaja im Alten Testament fasst Mut und Vertrauen im Glauben an den Schöpfer des Lebens, der an seinem Volk ebenso hängt wie an jedem einzelnen Menschen. Die folgenden Sätze sind voll Zuversicht:

Israel sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen.
Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände, ‑ Spruch des Herrn.

3. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

1.    Der Herr ist mein Hirte, * nichts wird mir fehlen.
2.    Er lässt mich lagern auf grünen Auen * und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

3. Er stillt mein Verlangen; * er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
4.    Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, * ich fürchte kein Unheil;

5.    denn du bist bei mir, *  dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
6.    Du deckst mir den Tisch * vor den Augen meiner Feinde.

7.    Du salbst mein Haupt mit Öl, * du füllst mir reichlich den Becher.
8.    Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, * und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

9.    Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist,
10. wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen.

Fürbitten:

Lasst uns beten zu Gott, dem Tröster der Betrübten, der die Hoffnung ist für Lebende und Tote. (Stille)
Gott, du Freund des Lebens:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

L:    Erbarme dich aller, die auf diesem Friedhof begraben werden und deren Suchen und Hoffen niemand kennt als du. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Stärke alle, die Sterbende begleiten, die an den Betten von Sterbenden wachen, die für die Würde der Sterbenden eintreten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die um einen lieben Menschen trauern. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die das Leben und den Tod fürchten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

Gütiger Gott, stärke in uns die Zuversicht, dass wir leben werden und hilf uns aus dieser Zuversicht zu leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. A: Amen.

V   Lasset uns beten, wie der Herr uns gelehrt hat:

A   Vater unser im Himmel… Denn dein ist das Reich…

Der Herr ist mein Hirte……………………………………………………… Chor

 Abschluss der Feier

Vater Unser

Gebet:
Ewiger Gott, gedenke unserer Verstorbenen,  die wir geliebt haben und lieben.
Gedenke unserer verstorbenen Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde,  die wir nicht vergessen wollen.
Gedenke aller unserer Toten, die wir dir anvertraut haben.
Wir danken dir, dass du uns in Trauer und Leid beistehst und uns tröstest.
Wir danken dir, dass uns auch der Tod nicht aus deiner Hand reißen kann.
Wir hoffen auf dich. lass uns allen das Licht der Auferstehung leuchten
Durch Jesus, Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

 Segen
Der Gott des Erbarmens und allen Trostes schenke euch seinen Segen. Er tröste euch in aller Not.
Den Lebenden gewähre er die Versöhnung, und den Verstorbenen schenke er das Licht seines Friedens.
Der Lebenden und der Toten erbarme sich Jesus Christus, der wahrhaft vom Grabe erstanden ist.

Es segne euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
A: Amen.

4. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

1. November 2012: Fest Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

„Jetzt sind wir Kinder Gottes“,  lesen wir im 1. Johannesbrief.

„Kinder Gottes“ das gibt unsere Abstammung, unsere Herkunft an!
Wir kommen von Gott her – und das steht nicht im Geringsten im Gegensatz zur Elternschaft unserer Eltern.
Vielmehr durften unsere Eltern und durften viele von ihnen als Eltern mitwirken an der unaufhörlichen Schöpfungstat Gottes.
Wir leben durch und aus Gottes Schöpfungstat. Darum dürfen wir uns auch Kinder Gottes nennen.

Kinder sind oft das Spiegelbild ihrer Eltern – dabei meine ich weniger das Aussehen, als die menschliche Wesensart:
Die Sprache, die Gesten, die Gewohnheiten, die innere Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen – Kinder ahmen ihre Eltern nach und übernehmen alles von ihnen.

Wir nennen uns Kinder Gottes – und damit drücken wir aus, dass wir ihm dem Schöpfer des Lebens sehr ähnlich sind. Nicht so, wie das Spiegelbild seinem Urbild gleich ist, sondern vielmehr so, wie Kinder ihren Eltern ähnlich sind: wie Gott heilig ist, so sind auch wir heilig.

Gott ist heilig, der Heilige sagen wir manchmal – Was meinen wir damit?

Gott ist heilig, weil er vollkommen gut ist und also niemandem böses will.
Gott ist heilig, weil es in ihm keine Unwahrheit gibt und keine Täuschung.
Gott ist heilig, weil er mit sich eins ist und in ihm vollkommener Friede ist.

Was bedeutet es also heilig zu sein?
Heilig sein heißt gut sein zu den Menschen, heißt keine Unwahrheit in sich zu haben und es heißt voller Frieden zu sein.

Wir sind Kinder Gottes:  das heißt wir sind Menschen, die diese göttliche Wesensart in sich haben:
Wir wollen gut sein, wir wollen wahr und echt sein und wir wollen Frieden in uns haben.

Am Fest Aller Heiligen lenken wir unseren Blick auf all die Menschen, die das versucht haben. Wir schauen dankbar auf die Menschen, die ihre Energie und ihren Ehrgeiz dafür einsetzten, Gott ähnlich zu werden.

Das macht uns Mut, selber auf diesem Weg zu bleiben, weil wir an ihnen erkennen, dass es möglich ist!

Es ist uns möglich, auf Gott hin zu leben;
es ist uns möglich, solidarisch zu sein mit Menschen, denen Schlimmes widerfährt.
Es ist möglich, auf körperliche und psychische Gewalt zu verzichten;
Es ist möglich, gerecht und fair zu den Menschen zu sein,
Es ist durchaus möglich, mit Armen zu teilen und mit den Fehlern anderer Nachsicht zu üben;
Es ist uns möglich, ohne Hintergedanken und offen auf andere zuzugehen;
Es ist uns möglich, dass Frieden von uns ausgeht, weil wir uns der Zwistigkeiten aus Konkurrenz und Neid enthalten.

All dies ist durchaus für Menschen möglich.
Es ist durchaus menschenmöglich, als Gottes Kind ihm ähnlich zu sein,
oder wie ich im Johannesbrief lese; sich zu heiligen.

28. Oktober 2012: 30. Sonntag im Jahreskreis – Weltmissionssonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

„Im gleichen Augenblick konnte Bartimäus konnte wieder sehen!“

Auf dem Hintergrund dieser Geschichte könnte man formulieren: Kirche ist die Gemeinschaft von Menschen, denen Jesus die Augen geöffnet hat – die Augen des Herzens.

Durch Jesus sehe ich die Welt in einem hellen Licht:

  • Es ist die Welt Gottes! Es ist die Welt, die in Gott ihren Ursprung hat und die in Gott ihr Ziel hat.
  • Trotz Unwahrheit und Neid und Gewalt, Trotz Krankheit und Tod erkenne ich Gottes Spuren in dieser Welt.
  • Ich sehe die Sonne, durch deren Wärme das Leben möglich ist und erkenne in ihr ein Abbild von Gottes schöpferischer Liebe.
  • Ich kann das Leben annehmen und mich darüber freuen – weil ich mich von Gott angenommen weiß.
  • Durch Jesus Christus erkenne ich: das Ziel des Daseins ist nicht der Untergang ist, sondern die Heimkehr in die Herrlichkeit und Ewigkeit des Vaters.
  • Am Ende siegt nicht der Stärkere,  am Ende werden die Menschen und die Geschöpfe vereint sein:
    Der Neid wird die Menschen nicht mehr trennen,  sondern die Liebe wird die Menschen verbinden.
  • Was Menschen versuchen und unternehmen und schaffen, damit sie anderen Geborgenheit schenken, Krankheiten überwinden und um Frieden herzustellen – all das wird nicht umsonst gewesen sein. Durch Christus kann ich glauben, dass all das nicht umsonst gewesen sein wird, weil das alles in der Ewigkeit Gottes aufgehoben ist.

Kirche: das ist die Gemeinschaft der Menschen, denen Jesus die Augen geöffnet hat. Durch Jesus lernen wir:
wichtiger ist das was wir verschenken, als das, was wir besitzen.
wichtiger ist das, was wir für andere tun, als uns durchzusetzen.

Die Kirche versucht, als Gemeinschaft des Glaubens, diese Sicht des Lebens und der Welt vorzuleben.

Immer war ein Markenzeichen der Kirche, dass die Christen den Witwen und Waisen halfen, dass die Kranken gepflegt und geheilt wurden,
dass die Gemeinden sich gegenseitig stützten.

Bis heute ist das so geblieben.

Dadurch ist und wird die Kirche ein leuchtendes Zeichen für die gesamte Menschheit. Ein Zeichen für den Glauben an die Liebe zu der der Mensch von Gott gerufen ist.

In vielen Gegenden der Erde ist es bis heute so, dass nur die Kirche Schulen für die Kinderbaut;
oft ist es einzig und allein die Kirche, die Krankenstationen errichtet und unterhält;
oft und oft steht einzig die Kirche auf der Seite der Armen und sucht mit ihnen gemeinsam nach einem Weg, um die Lebenssituation zu verbessern und der Ungerechtigkeit zu entkommen.

Heute dürfen wir durch unsere Spende für die Weltmission einen Beitrag leisten. Was wir heute Spenden, wird irgendwo in dieser Welt ein wenig Licht bringen, wird die Hoffnung der Menschen stärken und ihnen Kraft geben, für ein besseres Leben zu arbeiten.

21. Oktober 2012: Kirchweihfest

Die Geschichte vom Zachäus ist einfach schön: ich finde sie anrührend.
Der reiche Mann, der so klein ist, den keiner leiden kann, weil er ein Zöllner ist. Ein Kollaborateur, ein Verräter, der mit der römischen Besatzungsmacht gemeinsam Sache macht und seine Stellung ausnützt, um sich zu bereichern.
Er klettert auf einen Baum – auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen, wenn er entdeckt würde.
Jesus sieht ihn! Jesus sieht ihn an – statt ihn höflich zu übersehen.
Er spricht ihn an und gibt ihm seine Würde, indem er sich bei ihm einlädt. So jedenfalls hat niemand Gelegenheit, über Zachäus auf dem Baum zu spotten.

Zachäus nahm Jesus freudig bei sich auf!

Das macht Kirche aus: Kirche, das sind die Menschen, die Jesus freudig bei sich aufnehmen.

Mich beschäftigt, warum es mit der Kirche bei uns so steht, wie es steht: so dass man von der Kirchenkrise spricht.
Ist ein Grund dafür vielleicht, dass Jesus nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, wenn die Menschen an Kirche denken und in der Kirche sind?
Jesus, den die Kirche, den die Christenheit verkündet, wird abgelehnt und zurückgewiesen:

Man zweifelt an dem, was die Evangelien überliefern:

  • War das wirklich so? Die Wunder sind doch unglaublich. Wurde das alles nicht viel später aufgeschrieben?
    Dabei kann jeder heute wissen, dass es den Evangelien oft nicht darum ging, Vorgänge zu beschreiben, sondern den Glauben an Jesus zu verkünden. Die Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums will eben nicht erklären, was bei der Zeugung Jesu geschah und wie Maria das Kind empfangen hat. Gerade die Christenheit – aller Konfessionen hat sich darum verdient gemacht zu verstehen, wie diese Texte richtig zu verstehen und auszulegen sind.
  • Viele glauben nicht an die Auferstehung Jesu. Es wird spekuliert und phantasiert, ob er tatsächlich ehelos lebte oder verheiratet war.  Das klingt so einleuchtend, dass viele es für bare Münze nehmen – selbst wenn diese Spekulationen in einem Roman geboren werden, der phantasiert, wie es vielleicht auch hätte sein können. Die Aussagen der Evangelien, die 1950 Jahre alt sind, werden dafür einfach als unglaubwürdig abgetan.
  • Ganz unmöglich scheint für viele zu sein, Jesus als Sohn Gottes zu bekennen und zu glauben – das klingt ja so ähnlich wie die Göttersagen des griechischen Olymps.

Ohne den Glauben an Jesus Christus hat die Kirche der Welt und uns nichts zu sagen und verliert ihre Daseinsberechtigung. Ohne Christus brauchen wir keine Kirche.

Unsere Herz Jesu Kirche stellt das als Bauwerk dar: Ohne den Altar, ohne die Zuspitzung auf den Gekreuzigten an der Ostwand der Apsis hätte dieses Bauwerk keinen Sinn mehr.
Man bräuchte sich nicht mehr darin zu versammeln.

Der Glaube an Jesus Christus, der verkündete, dass Gott und Mensch sich ganz nahe stehen, dass der Mensch Gott unendlich wertvoll und kostbar ist, der dafür sein Leben gab – dieser Glaube lässt uns Kirche sein und Kirche werden.

Wir, die wir in die Kirche gehen, dürfen es nicht versäumen, Jesus Christus in die Mitte zu stellen.

  • Was ist mir wichtig an ihm?
  • Kann ich erzählen, wer er war, was ihm wichtig war, was er getan hat, für wen er da war, was er verkündete?
  • Weiß ich mehr von ihm als seine Geburt und seinen Tod?
  • Was heißt für mich, Christus nachzufolgen und sein Jünger zu sein?

Zachäus nahm Jesus freudig bei sich auf und hat verstanden, was es bedeutet, Jesus bei sich zu haben: Er teilte sein Vermögen, er hat Unrecht wieder gut gemacht.
Unsere Kirchenfenster mit den Werken der Barmherzigkeit zeigen es, was es bedeutet, Christus zu beherbergen und sein Jünger zu sein.
Es bedeutet gut zu sein und Gutes zu tun.

Nehmen wir uns Zachäus zum Vorbild, von dem Jesus sagte: Heute ist ihm das Heil geschenkt worden. Das dürfen wir auch auf uns beziehen. Amen.

14. Oktober 2012: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Ein Kamel hat nichts mit einem Nadelöhr zu tun. Deshalb wechseln manche das Wort Kamel durch das Wort Schiffstau oder dickes Tau aus. Griechisch heißt das Kamel nämlich kamelos und das Schiffstau kamilos.
Aber ändert das wirklich etwas an der Gegenüberstellung: Dick und groß gegen schmal und klein? Und wird die Unmöglichkeit nicht viel drastischer ausgedrückt durch das Kamel, das niemals durch ein Nadelöhr passen wird und das niemand versuchen wird durch ein solches zu fädeln. Das ist eine geradezu surrealistische Vorstellung.

So verstörend wie die Zusammenstellung Kamel und Nadelöhr ist auch dieser ganze Abschnitt des Mk-Ev’s.
Was widerfährt diesem Mann, der den Weg ins Himmelreich sucht!
Jesus führt ihn erbarmungslos an seine Grenzen. Der Evangelist fügt noch hinzu: „weil er ihn liebte“.

„Gib alles, was du hast den Armen, dann hast du einen bleibenden Schatz im Himmel. Dann komm und folge mir nach“

Das ist also der Weg ins Himmelreich! Diese Episode und dieses Jesuswort überliefern übrigens auch das Lk. und das Mt. Ev.

Wenn ich dieser Mann wäre – was würde ich tun? Jeder sollte sich diese Frage stellen.

  • Würde ich aufbrausen und Jesus für diese Unverschämtheit beschimpfen?
  • Würde ich versuchen, darüber zu diskutieren und einen Mittelweg zu finden: Eine Selbstverpflichtung zum Spenden. Besser ein regelmäßiger Spender als noch ein Armer, der mittellos herumwandert.
  • Würde ich über diese Verrücktheit lachen und mich abwenden von einem solchen Spinner?

Was würde ich tun?

Tatsächlich aber ist das nicht die einzige Stelle in den Evangelien, die deutlich macht, dass Reichtum und Christ sein nicht zusammen passen. Ich kann nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon! (Mt. Bergpredigt)

Wer in dieser Welt reich sein will, muss über die Not der Armen hinwegsehen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss die AUgen davor verschließen, dass sein Reichtum etwas zu tun hat mit der Armut der Armen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss ausblenden, dass dieser Reichtum in Gottes Ewigkeit nichts zählt, sondern ihn eher von Gott trennt, der alles mit uns teilt.

Schwestern und Brüder, wir können es drehen und wenden, wie wir wollen:
weder ein Kamel noch ein Schiffstau passen durch ein Nadelöhr.

So unmöglich kommt ein Reicher in das Himmelreich. –  Jedenfalls nicht aus eigener Kraft.

Für Gott aber ist alles möglich!

Sein Erbarmen mit uns,  seine Bereitschaft mit uns zu teilen, sollte unser Herz bewegen,
damit unsere Hände sich öffnen,
damit sie nicht ängstlich festhalten, was in dieser Welt als Besitz kostbar ist,  sondern mit denen teilen,
die nicht vor Gott sondern in dieser Welt als Arme gelten.

Wer reich sein will vor Gott, braucht in dieser Welt Hände, die nicht festhalten, sondern die teilen und verschenken.

07. Oktober 2012: Erntedank

Schlendern sie auch gerne durch einen Markt? Im Urlaub bestaune ich gerne Gemüse, Käsesorten, Fisch und Fleisch und die Köstlichkeiten, die daraus zubereitet wurden. Es ist eine Pracht ‑ so wie der Erntealtar.

Warum legen wir Früchte und Gemüse vor den Altar? Weil es eine besonders schöne Dekoration ist? Oder geht es um mehr?

Herkömmlich spricht man von „Erntegaben“ – doch für wen sind die Gaben? Für Gott? Gott braucht sie nicht! Jedenfalls nicht für sich!
Was wir tun, ist eine Geste an den unsichtbaren Gott, dessen Gegenwart der Altar darstellt. Wir wollen die gute Ernte Gott zeigen.
– Auch wenn er dieser Information nicht bedarf –für  uns ist diese Geste wichtig. Wir freuen uns über die Ernte und die gut geratenen Früchte der Erde und wollen sie dem Schöpfer zeigen.

Wem aber danken wir für die Ernte?
Wem danken der Patient und der Arzt für die Heilung?
Wem dankt der Lehrer, dass seine Bemühungen nicht vergeblich sind?
Wem dankt ein Jugendlicher für den Erfolg in der Schule?

Viele Menschen sind an der Ernte beteiligt: sie haben Saatgut gezüchtet, die Felder bestellt und die Ernte eingebracht – bis hin zu denen, die die Erntemaschinen erfinden und bauen.
Es ist würdig und recht, diesen allen zu danken für ihre Arbeit und Mühe, für ihr Können und ihre Sorgfalt.

Gerade die Landwirte wissen am besten, wie viele Stunden sie auf dem Traktor saßen, wie viel Dünger ausgestreut wurde und wie das Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen waren.
Doch gerade sie feiern (wenn sie glaubend sind) oft mit großer Freunde Erntedank. Sie sind dankbar, weil sie wissen: trotz aller Mühe ist es nicht nur mein Werk!
Die Erde bringt die Frucht hervor!

Sie danken dem Schöpfer aller Dinge, dass ihrer Arbeit Frucht gebracht hat und nicht vergebens war. Dadurch wird ihr Tun und Können in keiner Weise geschmälert.
Vielmehr nehmen sie in ihrem Tun das Leben an und den Auftrag, für das Leben zu sorgen.

Wir danken Gott zu Recht für den Ertrag unserer Arbeit, für all das, was uns in Beruf und Familie und sonst irgendwo gut gelingt.
Denn was immer wir auch forschen, entwickeln und tun –  wir nutzen die Kräfte, den Reichtum, die Vielfalt die Gott in unsere Erde gelegt hat.

Die Erde, all ihre Kräfte und Schätze sind uns von Gott anvertraut. Wir erkennen den Auftrag, sie zu erforschen und zu nutzen –
je mehr wir aber unsere Möglichkeiten erweitern, desto mehr muss uns bewusst werden:
Das Leben und die Erde sind uns geschenkt. Uns ist die Sorge für das Leben anvertraut – aber nicht nur für unser eigenes Leben.

Wir werden uns immer mehr bewusst, dass wir den Auftrag haben, unser Wissen und Können für andere zu nutzen und auf das Wohl aller Lebewesen zu achten.
Denn diese Erde und das Leben hat Gott nicht nur uns geschenkt, sondern allen Menschen dieser Erde – im Norden und Süden, im Osten und Westen. Es ist die eine Erde für alle Menschen – heute und morgen.

Unser Dank für den Ertrag unserer Arbeit in Familie und Beruf, in Fabriken, Gärten, Äckern und Wald, kann nur ehrlich sein, wenn wir all das nicht nur für uns behalten, sondern wenn es allen zu Gute kommt. So wie Gott jedem Menschen Leben und Würde gibt.

30. September 2012: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Zu Recht kreidet man es der Kirche an, wenn es ihr nur um sich selbst geht – um ihren Einfluss, ihre Finanzen und um ihr Ansehen!

Zu Recht geraten Politiker in Misskredit, wenn sie ihr eigenes Süppchen kochen, unliebsame Konkurrenten ausschalten, Vorteile im Amt annehmen!

Zu Recht werden Unternehmen boykottiert, die ihren Angestellten keinen angemessenen Lohn zahlen, sie mit Kameras überwachen und unwürdige Arbeitsbedingungen herstellen.

Zu Recht beklagen wir, wenn der Egoismus die Gesellschaft dominiert –
ich meine damit: eine Mentalität, die persönlichen Gewinn über Fairness und Gerechtigkeit stellt.

Der Jakobusbrief sagt dazu unverblümt und schonungslos: „Euer Reichtum verfault, eure Kleider werden von Motten zerfressen; euer Gold und Silber verrostet“

Der Egoismus, der Arbeitern ihren Lohn vorenthält, der nicht zurück-schreckt vor Lüge und Unwahrheit, der Blind macht für den Mitmenschen, dieser Egoismus trennt den Menschen von Gott. Er ist unmittelbar gegen Gott gerichtet und er bringt Spaltung, Unglück, Tod und Verderben zuerst über die Armen und Benachteiligten und dann über die, die Unrecht tun.

Davor warnt der Jakobusbrief und auch das Markusevange­lium mit seinen drastischen Sätzen, es sei besser mit einem Auge, Hand, Fuß in das Himmelreich zu kommen als mit beiden Augen, Händen, Füßen in das nie verlöschende Feuer.

Schwestern und Brüder, es geht darum, ob wir unser Leben auf Gott ausrichten, ob wir Gott anerkennen in unserem konkreten Tun und Lassen. Das Evangelium beschwört seine Leser geradezu, sich für Gott zu entscheiden. Es ist die Entscheidung zwischen Leben und Tod.

Denn Gold und Silber verrosten, und die Motten zerfressen die Kleider.
Niemand kann etwas mitnehmen, wenn er stirbt, doch das Gute, das Menschen tun, die Liebe, die sie empfangen und schenken, bleibt in Ewigkeit.