30.03.24: Osternacht

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Gleich hernach werde ich Sie fragen:
„Glaubt ihr an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, der geboren ist von der Jungfrau Maria, der gelitten hat und begraben wurde, von den Toten auferstand und zu Rechten des Vaters sitzt?“

Dass Jesus geboren wurde – das muss man nicht bezweifeln.
Dass er gelitten hat und begraben wurde – das gilt als sicher, schon wegen historischer Funde und Dokumente: zum Beispiel zeigt ein Spottbild einen Menschen mit Eselskopf am Kreuz und darunter den verächtlichen Satz: Alexaminos betet seinen Gott an.

Dass Jesus der Sohn Gottes ist, der nach dem Tod auferstand, zur Rechten des Vaters sitzt und wiederkommen wird, um die Lebenden und Toten zu richten – das kann man nicht wissen und nicht beweisen!

Daran „glauben“ wir. Dieses glauben hat natürlich nichts zu tun mit dem vielleicht oder vielleicht auch nicht. Wer sagt: „ich glaube“ meint:
„das gilt für mich“ – „Amen“. Darauf baue ich mein Leben auf.
Mit dem „Glauben“ reagiere, antworte ich auf Jesus. Ich reagiere auf Gott, der sich in Jesus zu erkennen gegeben hat.

Ich kann daran glauben und darauf mein Leben aufbauen, weil es gut bezeugt ist: die Evangelien enthalten die Erinnerungen der Augenzeugen an sein Leben: Reich Gottes, ewiges Leben, Vergebung der Sünden, himmlischer Vater, die Liebe zum Mitmenschen – all das wird von Jesus berichtet. Und ebenso auch: „Er ist auferstanden von den Toten.“

Das ist so unglaublich! Weil es so unglaublich ist, sagen wir: „Es ist noch keiner zurückgekommen und hat uns erzählt, was nach dem Tod kommt.

Wer könnte sich diese Unglaublichkeit ausdenken? So verschieden und im Detail widersprüchlich die Ostergeschichten in den Evangelien sind:
Alle verkünden – je auf eigene Art: Jesus ist auferstanden.

Was ist passiert? Was haben die Jünger erlebt, die Frauen, Maria Magdalena zum Beispiel? ¨

Was sie gesehen haben, was sie gehört haben, ist nicht zu ergründen. Aber wie sie das verändert hat, das ist offensichtlich:

Sie verloren ihre Angst. Sie verkündeten die Auferstehung.
Sie unternahmen lange Reisen, um zu verkündigen.
Sie glaubten an die Gotteskindschaft.
Sie versammelten sich zum Brotbrechen.
Sie lebten in einer neuen Wirklichkeit:
       im Reich Gottes, das Jesus gebracht hat.
Und sie waren ansteckend:
in kurzer Zeit wurde ihre Gemeinschaft immer größer.

Heute feiern wir die Auferstehung Jesu und der Glaube daran prägt uns:
Weil wir an die Auferstehung Jesu glauben,
       verzweifeln wir nicht – auch wenn manches zum Verzweifeln ist.
Weil wir an die Auferstehung Jesu glauben,
       haben wir den Drang zu helfen –
       auch wenn wir nicht jede Not wenden können.
Weil wir an die Auferstehung Jesu glauben,
       hoffen wir immer, dass es ein „Morgen“ gibt
       und dass heil wird, was verwundet ist.
Weil wir an die Auferstehung Jesu glauben,
       können wir auch Schmerzen annehmen, Lasten tragen.
Weil wir an die Auferstehung Jesu glauben,
       bemühen wir uns, jeden Tag, gut zu sein.

Ich kann gut damit leben, dass ich nicht ergründen kann, was genau passiert ist, als Jesus auferstand und als er den Jüngerinnen und den Jüngern erschien.

Ich setze aber darauf, dass am offenbar wird, dass es richtig ist, an seine Auferstehung zu glauben und daran, dass er der Sohn Gottes ist.

Unsere von Gewalt und Hass gepeinigten Mitmenschen brauchen dringen die Hoffnung und den Glauben an das Gute, das sich durchsetzt.
Denn die Hoffnung hat die Kraft, sie zu befreien.
Wollen Sie Zeugen der Hoffnung sein,
die vom Glauben an die Auferstehung kommt?

29.03.24: Karfreitag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder Jesu,
ich möchte sie heute mitnehmen zu einigen Gedanken über die Frage des Pilatus: „Was ist Wahrheit?“

Jesus hatte vorher zu Pilatus gesagt: „Ich bin ein König. Und ich bin in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“

Welche Wahrheit?

Es gibt die einfache Unterscheidung:
Jemand sagt die Wahrheit oder die Unwahrheit.
Wenn er zum Beispiel erklärt, warum er etwas nicht getan hat, was er eigentlich hätte tun sollen.

Zu dieser einfachen Unterscheidung war Pilatus wahrscheinlich auch fähig.

Es gibt aber auch die Suche nach der Wahrheit, wenn jemand herausfin­den will, wie es wirklich ist: Viele Naturwissenschaftler widmen sich dieser Suche: So wurde entdeckt, dass die Erde rund ist, dass sie um die Sonne kreist und dass Blitz nicht vom Himmel geschleudert werden, sondern durch die Entladung elektrischer Spannung entstehen.

Es lohnt sich, einer Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie es wirklich ist. – Mit solchen Fragen hat sich Jesus aber nicht befasst.

Für welche Wahrheit hat also Jesus Zeugnis abgelegt – bis hin zur Anklage beim Hohen Rat und beim römischen Statthalter Pilatus.

Was ist die Wahrheit, von der Jesus spricht?

Wenn jemand behauptet, die „Wahrheit“ zu kennen, werden wir heute misstrauisch: Unsere Welt ist so kompliziert, die Probleme sind so verwickelt, dass niemand sagen: „Ich weiß die Lösung“

Ist Jesus womöglich ein solcher Radikaler, einer, der seine angebliche Wahrheit allen überstülpt und alle zu Feinden erklärt, die seine Wahrheit nicht teilen?

Das aber nun auch wieder nicht: er hat zwar diskutiert und musste sich gegen den Vorwurf wehren, der Teufel rede aus ihm. Aber er selbst hat offenbar niemandem Böses gewunschen oder getan.
Das lag ihm am allermeisten fern.

Aber die Wahrheit, die für die er Zeugnis ablegte – bis hin zu Pilatus, der über sein Leben zu entscheiden hatte – war ihm so wichtig, dass er dafür den Tod auf sich nahm.

Für welche Wahrheit hat Jesus gelebt und ist er gestorben?

Haben sie eine Idee? Was ist die Wahrheit Jesu?

Im Gespräch mit Nikodemus, der dabei war, als Jesus ins Grab gelegt wurde, hat Jesus seine Wahrheit gesagt. Es gibt noch mehrere Sätze, besonders im Johannesevangelium, die diese Wahrheit ähnlich formulieren:

Zu Nikodemus sagte er: „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.“

Zu Marta sagte er nach dem Tod des Lazarus:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“

Das also ist die Wahrheit, für die Jesus in den Tod gegangen ist. Es blieb ihm gegenüber uns Menschen, unserer Eifersucht, unserem Leid, unserer Angst und Feigheit, unserem Machthunger nichts anderes übrig,
als sich für seine Wahrheit kreuzigen zu lassen, damit diese Wahrheit wirklich gilt und glaub-würdig bleibt für uns.

Jesu Tod war deshalb wirklich ein Tod für uns. Er hat für uns Zeugnis abgelegt, dass jeder, der an ihn glaubt und in ihm die Stimme und die Wahrheit Gottes erkennt, das ewige Leben hat.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir können nichts besseres tun, als an Jesus zu glauben und an die Wahrheit, für die er mit seinem Leben und Sterben Zeugnis gegeben hat.

Amen.

28.03.24: Gründonnerstag

„In dieser Nacht gehe ich durch Ägypten und erschlage jede Erstgeburt bei Mensch und Vieh.“ Das ist eine gruselige Vorstellung.
Welch ein Massaker wäre das.
Heute ist es nicht der richtige Zeitpunkt, um historische, kritische und kulturelle Erklärungen für diesen Satz zu geben. Ich halte schlicht und einfach fest: Ich glaube nicht, dass Gott oder seine Engel jemals irgend­einen Menschen erschlagen. Ich bin im Gegenteil fest überzeugt, dass es nie und niemals Gottes Wille sein kann, einen Menschen zu töten.

Dennoch ist das geschilderte Mahl wichtig:

Es wird am Tag vor dem Auszug aus Ägypten gefeiert. Es ist das Mahl der Befreiung aus der Sklaverei.

Nach altem Hirtenbrauch wird ein Lamm gegessen. Das „Lamm“ ist in unsere christliche Symbolsprache eingegangen. Wir bezeichnen Jesus als Opferlamm. Auch deshalb, weil das Johannesevangelium es so darstellt, dass Jesus zu der Stunde am Kreuz starb, als die Opferlämmer für das Paschamahl geschlachtet wurden.

Gemäß den anderen drei Evangelisten war das Abschiedsmahl Jesu mit seinen Jüngern und Jüngerinnen sein letztes Paschamahl vor seinem Tod.

Im Mittelalter waren die Menschen sehr an Wundern interessiert. Wunderheilungen und wundertätige Brunnen führten zu hunderten von Wallfahrten. Die Theologen befassten sich deshalb intensiv mit der Frage: Wie können sich Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln.
Sie versuchten, das mit den Begriffen der Philosophie und ihrer Logik zu erklären. Daraus entwickelte sich die Transsubstantiationslehre mit ihrem sehr abstrakten Vokabular.

Die Frage, wie sich Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln können, stellt sich vor allem, wenn man das Wort: „ist“ wie ein Gleich­heitszeichen versteht. Wie geht das: Brot ist Leib! Wein ist Blut?

Wenn wir heute die Worte Jesu in den Evangelien hören, beschäftigen uns vielleicht andere Gedanken.

Ohne Zweifel sprach Jesus von seinem eigenen Leib und Blut, das für die seinen hingegeben und vergossen wird. Dieses Passiv deutet an, dass Gott am Werk ist.

Gott war die ganze Zeit schon am Werk: als Jesus Sündern die Vergebung zusprach und schlechten Menschen erklärte, dass sie in den Augen Gottes keine schlechten Menschen sind.
Gott war am Werk, als Jesus das Reich Gottes ausrief.
Gott war am Werk, als Jesus seinen Zuhörerinnen erklärte, dass Gott die Menschen liebt wie ein Vater seine Kinder und dass er die Menschen behütet, wie eine Henne, die ihre Küken unter ihren Flügeln Zuflucht gewährt.
Gott war auch am Werk, als Jesus seiner Botschaft und den Menschen und dem himmlischen Vater treu blieb – und deshalb sein Leib und Leben,
sein Blut und seine Kraft den Machtverhältnissen, der Ruhe und der Ordnung geopfert wird.

Jesus sagt: Mein Leib wird für euch hingegeben. Das Wort für bedeutet „Aus Liebe und Treue“ zu euch und damit ihr endgültig und unwiderruflich versöhnt sein könnt.

Dieses für euch gebe ich meinen Leib und mein Blut, verbindet Jesus – erstmalig und originell und einzigmalig – mit dem Brechen des Brotes beim Paschamahl. Dieses Brotbrechen wird dadurch etwas völlig Neues.

Es erinnert nicht mehr an die Freiheit und das Opfer unter den Ägyptern.
Es erinnert an Jesus und seine Treue und Liebe. Es erinnert an sein Leben, in dem Gott am Werk war. Es ist mehr als Erinnerung:

Wenn wir das Brot brechen und uns an Jesus erinnern und seine Worte hören, dann wird uns inne, innerlich, dass er uns Versöhnung schenkt.
Unwiderruflich und endgültig. Wir sind befreit, wir müssen kein Gericht fürchten, Gott nimmt uns an, wir dürfen sein, wir dürfen uns selber annehmen. Es gibt keine Absonderung von Gott. Eine sinnige Zuspitzung sagt: Selbst ein gottloser Mensch wird Gott nicht los.

Jesu sagt dann noch: Tut dies zu meinem Gedächtnis: Brecht das Brot, teilt den Wein, heilt, vergebt. Tut aus Liebe füreinander, was ich für euch getan habe. Amen.

17.03.24: 5. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
die Menschen der Landpastoral der Diözese Pasto in Kolumbien kommen von weit auseinanderliegenden Fincas zusammen. In ihrer Mitte liegt, üppig und bunt, die Ernte. Heute feiern sie. Sie teilen das Essen, ihre Gemeinschaft und ihren Glauben miteinander. Ihre Freude ist Bollwerk gegen Verzweiflung und Gewalt. Sie danken für alles, was sie zum Leben haben. Überall, wo Gemeinschaft sich so erlebt, wird es ein wenig paradiesisch und fast zu schön, um wahr zu sein.

Der Propheten Jeremia hat die Vision von einem neuen Bund Gottes mit den Menschen. In diesem Bund werden die Menschen nicht mehr Geboten erhalten, die sie missachten. Sie werden selbst so denken, wie Gott denkt. Sie werden also einander nichts Böses mehr tun, sondern sie werden gut sein und Gutes tun, wie Gott selbst.

Wer die Vision dieses neuen Lebens teilt, verpflichtet sich zum Handeln. Das bezeugen die Kleinbäuerinnnen und -bauern der Landpastoral.

„Wir gehen viele kleine Schritte. Und man sieht eine große Veränderung unserer Gemeinschaft.“ Dieses Resümee zieht Pablo Javier Narvaez aus Taminango, einer der lokalen Betreuer aus dem aktuellen Partner-Projekt von Misereor.

Man muss das Kleine schätzen, um etwas Großes zu bewirken.

Darauf spielt das Leitwort der Fastenaktion „Interessiert mich die Bohne“ an. Bohnen sind Grundnahrungsmittel, aber kein kostbares Handelsgut. Die einzelne Bohne scheint nicht von Belang, benötigen wir doch mehrere Handvoll davon, um eine sättigende Mahlzeit zuzubereiten. Zu sagen, „das interessiert mich nicht die Bohne“, drückt sehr schroff aus, dass ihn sein Gegenüber und seine Erzählung gleichgültig ist.

Gott hingegen und damit uns Christen geht es um jeden einzelnen Menschen. Alle verdienen Aufmerksamkeit und Respekt. Jeder Mensch und jede einzelne Bohne kann Samen sein für Großes.

Maria Theresia Burbano Eraso aus El Tambo sagt.
„Ganz wichtig ist, dass die Talente der einzelnen Personen wahrgenommen, geschätzt und in den Prozess integriert werden.“

Pablo Javier Narvaez aus Taminango sagt.
„Durch das Projekt habe ich die Liebe in mein Leben eingeschlossen. Es geht um Schutz: In der Gemeinschaft, für sich selbst und auch für den Planeten, der unser gemeinsames Haus ist.“

Was die Menschen der Landpastoral seit vielen Jahren geplant und gesät haben, ist aufgegangen. Ihre Grundnahrungsmittel sind nicht nur das, was sie auf den Äckern ernten, sondern ebenso sehr: ihre unerschütterliche Hoffnung, eine starke Gemeinschaft und ihr ernsthafter im Leben verwurzelter Glaube.

Jeder und jede Einzelne von uns, mögen wir noch so klein erscheinen, hat eine Verantwortung für das große Ganze: das offene Haus der Menschlichkeit wieder ins Zentrum zu rücken, Empathie und Zusammenhalt zu stärken, gemeinsam für das gute Leben aller Menschen innerhalb der planetaren Grenzen einzutreten, ist das Ziel. Dazu gehören die anderen Menschen (in ihrer Andersartigkeit und oft Fremdheit), dazu gehören ebenso die anderen Geschöpfe, mit denen wir diese Welt teilen.

Interessiert mich die Bohne – die Fastenaktion von Misereor lenkt unseren Blick darauf, dass jeder einzelne und sein Beitrag zählt. Es kommt auch auf unsere Entscheidungen an. Und jeder von uns stößt mit seinem Denken, Reden und Tun eine kleine Kette von Wirkungen an, die insgesamt viel bewirken.

Wir sind Christen und Jesus inspiriert uns, wenn er sagt: das Weizenkorn muss sterben, dann bringt es reiche Frucht: Wer sich hingibt und hineingibt in die Gemeinschaft, wird viel Gutes bewirken: Unsere Kraft, unser Gebet, unsere Geduld, unsere Hoffnung, unser Eifer, unsere Wahrhaftigkeit und auch unsere materiellen Mittel können so viel Gutes bewirken in der Welt.

Jesus hat gesagt: Das Gericht ist jetzt. Jetzt befreit Gott uns von der tödlichen Krankheit des Egoismus, des Neids und der Angst.
Jetzt werden wir mit dem neuen Geist erfüllt: Mit dem Geist, in dem wir anderen Zuwendung und Barmherzigkeit schenken. Amen.

10.03.24: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
freuen sie sich auch, dass wir wieder Gottesdienst feiern?
Am heutigen 4. Fastensonntag leuchtet schon ein wenig des österlichen Glanzes herein.

Vom ewigen Leben ist die Rede, von der Erhöhung Christi,
von der Rettung und dass wir kein Gericht zu fürchten haben.

Grüßen wir Christus, dessen Name Jesus bedeutet:
Gott rettet!

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
ein paar hundert Meter entfernt feiern die evangelischen Christen in St. Matthäus Gottesdienst wie wir, hier in unserer Kirche. Sie entstand, weil die Kirche Dr. Martin Luther wegen seines Protestes gegen Missstände wie den Ablasshandel ausgeschlossen hat. Dr. Martin Luther hatte nicht nur protestiert und die Ausbeuterei angeprangert. Er hat als Theologe auch die Gründe für die Missstände gesucht. Er fand sie in der damals vorherrschenden Theologie und fand dafür das Wort: „Werkgerechtigkeit“

Er entwickelte eine neue Theologie und stützte sich dabei besonders auf den Apostel Paulus und dabei wiederum auf die Sätze, die wir heute in der Lesung gehört haben:

„Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft. Gott hat es geschenkt. Nicht aus Werken, damit sich keiner rühmen kann.
Wir sind in Christus Jesu zu guten Werken erschaffen, die Gott für uns bestimmt hat, damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.“

Dieser Konflikt um die Rettung oder Rechtfertigung aus Gnade und nicht aus guten Werken ist heute – auch dank der Bemühungen von Kardinal Ratzinger – ausgeräumt. Der Grund der Kirchenspaltung existiert nicht mehr.

Paulus, dem Papst, Luther geht es um die Rettung der Menschen.
Müssen wir Menschen gerettet werden? Wenn ja wovor?
Fällt ihnen eine Antwort ein?

Zwei Grunderfahrungen sind es, die zu unserem Menschsein gehören.
Diese Erfahrungen unterscheiden uns wahrscheinlich von allen anderen Lebensformen auf unserem Planeten:

Wir wissen, dass wir sterben.
Wir wissen, dass wir anderen Lebewesen Schaden zufügen.
Wir unterscheiden „gut“ und „böse“ und wissen, dass wir nicht immer „gutes“ und oftmals auch „böses“ tun.

Wir Menschen sehnen uns danach, dass wir vom Tod gerettet werden und für das „Böse“ nicht verurteilt werden.

Jesus sprach oft vom Gericht Gottes, vom letzten Tag, vom ewigen Leben und von der Auferstehung der Toten und von der Vergebung der Sünden.
Diese Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch die vier Evangelien.

Denken wir auch daran, dass Jesus fast ausschließlich zu jüdischen Menschen sprach. In vielen seiner Gleichnisse und Reden korrigierte er die Vorstellungen der jüdischen Lehrer und Gelehrten, weil er merkte:
Diese Lehren dienen mehr dazu, die Menschen zu kontrollieren und eigene Privilegien zu erhalten.

So kommt es zu Aussagen wie wir sie heute gehört haben:

„Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet,
sondern damit er die Welt rettet.

Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet.
wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht glaubt.

Das Gericht besteht darin,
dass die Menschen, die das Böse tun, nicht zum Licht kommen,
damit ihre bösen Taten nicht aufgedeckt werden.“

Liebe Schwestern und Brüder,
mein tägliches Tun und Streben drückt also aus, ob ich gerettet bin, oder mich selbst schon gerichtet habe:

Wenn ich zum Licht komme, zu Jesus, um von ihm gerettet zu werden, wird offenbar werden, dass mein Tun und Lassen sich aus dem Glauben an Jesus nährt und auf Gott ausgerichtet ist.

Wenn ich jedoch Jesus ablehne, weil ich nicht erkenne, dass er von Gott Kunde bringt, wird darin offenbar, dass mein Tun und Lassen nicht auf Gott ausgerichtet ist, nicht auf das Leben, sondern böse.

Der entscheidende Anfang aber liegt darin:
Jesus, das Licht der Welt, ist in die Welt gekommen,
damit die Glaubenden das ewige Leben haben. Gottes Gnade steht am Anfang, Jesus ist sein Geschenk, unser Glaube ist die Antwort und unser Tun und Lassen ist die Wirkung und Ausdruck unseres Glaubens an das Licht. Amen.

FÜRBITTEN

Lektorin: Jesus, du bist das Licht der Welt, vom Vater aus Gnade zu uns gesandt. Wir beten zu dir
Jesus, du Licht der Welt   (A): Erhöre unser Gebet

  • Wir beten für unsere Kommunionkinder und für die Firmlinge: dass ihr Glaube wächst und dass sie in deinem Licht bleiben.
  • Wir beten für alle, die durch das Hilfswerk MISEREOR Hilfe erhalten: dass sie auskömmlich leben und den Fängen ausbeuterischer Unterdrückung entkommen.
  • Wir beten für unsere Kirchen: dass sie den Menschen das Heil verkünden und die Rettung durch Jesus Christus.
  • Wir beten für alle, die die frohe Botschaft verkünden, dass sie in zeitgemäßen Worten und Gedanken die Herzen der Menschen erreichen.
  • Wir beten für die Menschen in Israel, im Gazastreifen, im Jemen, in der Ukraine und in Russland: – um das Ende der Gewalt.
  • Wir beten für die weltweite Staatengemeinschaft: dass sie Wege findet, den Frieden zu bewahren, zu fördern, zu gewinnen und den Krieg zu verbannen.
  • Wir beten für unser Land: dass wir Frieden und Freiheit bewahren und den Weg zu größerer Gerechtigkeit gehen.

Lektorin: Gott, durch den Glauben an Jesus deinen Sohn sind gerettet. Er schenkt uns Freiheit und Frieden. Durch ihn loben wir dich in Ewigkeit. Amen

18.02.24: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
wir sind gewohnt, dass wir in der Fastenzeit zu „Umkehr und Buße“ gerufen werden. Wir sollen ablassen von unseren Sünden. Jeder kann selbst über seine Sünden nachdenken. Und es ist gewisse in Segen, wenn wir alle versuchen, unseren Egozentrismus zu überwinden.
Wir wissen aber auch, dass wir ehrlich versuchen als Christen zu leben. Eine Totalumkehr – ist nicht nötig! Eher eine stetige Verbesserung.

„Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an diese Freudenbotschaft!“
Dieser Umkehrruf fordert uns immer heraus. Diese Erde ist Gottes Reich! Es ist uns so nahe, wie das gute Wort, das jeder Zeit über unsere Lippen gehen kann.
So nahe wie die helfende Tat, zu der wir jeden Augenblick in der Lage sind.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Erinnern sie sich bitte, wann sie das letzte Mal dieses wunderschöne Naturschauspiel, einen Regenbogen gesehen haben. Quer über den Horizont ausgespannt – mal besonders kräftig in den Farben und manchmal eher verwaschen.

Dieser Regenbogen dient in unserer Zeit als Symbol für alles Mögliche: aber immer geht es um Frieden und Vielfalt und Toleranz.

Das Buch Genesis, das erste Buch der Bibel, und genaugenommen die Redaktion der sogenannten Priesterschrift ist einer der ältesten Texte über den Regenbogen. Er erklärt ihn als Bundeszeichen Gottes für den Menschen, eigentlich sogar als Erinnerungszeichen für sich selbst, dass er nie mehr alle Lebewesen aus Fleisch vernichten will.

Das ist der Abschluss der Erzählung von der großen Flut, der nur Noah mit seiner Sippe entkam und die Lebewesen, die mit ihm auf der Arche waren.

Natürlich ist das eine mythologische Erzählung: Es wird etwas erzählt, was niemals wirklich stattgefunden hat und doch handelt die Erzählung von Erfahrungen, die jeder Mensch macht und machen kann:

  • Es geht um die Bedrohung des Menschen durch seine eigene Bosheit:
    Der Mensch ist in der Lage, sich auszudenken, was er dem anderen Böses tun kann, wie er dem anderen schaden und überlisten und hinters Licht führen kann. Der Mensch macht sich selbst ‑ höchst persönlich – zum Maß aller Dinge. Er raubt, schikaniert und mordet.
  • Die Geschichte von der großen Flut spricht von der Bedrohung des Menschen durch die Naturgewalten: Flutwellen, Tsunamis, Überschwem­mungen raffen Pflanzen und Tiere und Menschen dahin und bringen Berge zum Einsturz und Flüsse aus der Bahn.
  • Die Geschichte von der großen Flut spricht auch von der Erfahrung, dass trotz alledem das Leben besteht. In die Schicksalsgemeinschaft eingebunden ist der Mensch in Gestalt des Noah und er wird sogar zum Teil der Rettung, weil er seine Mitgeschöpfe vor den Fluten bewahrt.

Die Priesterschrift deutet diese immerwährende Erfahrung des Menschen als Zorn Gottes und als Erbarmen Gottes und zuletzt als Bund Gottes mit der Erde – nicht nur mit den Menschen.

Der Regenbogen ist das Zeichen des Bundes. Er erinnert Gott und die Menschen, dass niemals alle Lebewesen aus Fleisch von der Erde verschwinden werden. – Die Evolution wird nicht rückabgewickelt.
Die Evolution geht weiter! Vielleicht entwickelt sich die Menschheit weiter und lernt, Hass und Gewalt und Krieg aus ihrer Mitte zu verbannen.

Gott nimmt uns Menschen auf in seinen Bund. Das ist die Grundidee in der Bibel! Diese Idee entwickelt sich weiter über Abraham, Isaak und Jakob, über Mose und die 10 Gebote, über die immer wiederholte Erneuerung des Bundes durch die Propheten – bis hin zu Jesus von Nazareth.

In der vorösterlichen Bußzeit verinnerlichen wir neu den neuen und ewigen Bund, den Gott durch Jesus mit uns geschlossen hat:

Die Ausrufung des Reiches Gottes durch Jesus ist der Kern dieses Bundes.

Durch die Taufe sind wir in diesen Bund aufgenommen – in den Bund des ewigen Lebens!

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Erde ist Gottes Reich – daran dürfen wir glauben. Darauf dürfen wir vertrauen.

Nichts und niemand kann und aus dieser Verbundenheit, aus diesem Bund herauswerfen. Daran dürfen wir glauben und darauf vertrauen.
Die Liebe, diese wohlwollende Hinwendung zum Mitmenschen, ist die, Kraft durch die der Bund Gottes besteht.
Die Liebe ist die göttliche Kraft in uns, die das Leben in die Zukunft trägt. Daran dürfen wir glauben und darauf vertrauen.

Welche kostbare Gabe, die Menschen untereinander verbindet
Wie groß die Freude und Wohltat, die sie in die Welt bringt!

Wir dürfen, wie Noah, Teil der Rettung sein, damit das Leben Zukunft hat.

Fürbitten

Lektorin: Gott, du hast mit uns den Bund des ewigen Lebens geschlossen. Wir sehen die Not der Menschen und die Not der Natur und beten zu dir, dem Ursprung des Lebens:            (A): Erhöre unser Gebet

  • Wir beten für die Menschen, die in den Kriegsgebieten leben: dass sie am Leben bleiben und dass sie wieder den Frieden und seine Wohltaten genießen können.
    Gott, Ursprung des Lebens:           (A): Erhöre unser Gebet
  • Wir beten für die Menschen, die bereit sind, die wütend und zornig sind und meinen unsere Parlamente und Regierungen würden unserem Land schaden. Bewahre sie davor, dass sie sich vom Hass bestimmen lassen. Bewahre uns vor Unruhen und Aufständen und Umsturz.
    Gott, Ursprung des Lebens:           (A): Erhöre unser Gebet
  • Wir beten für die Menschen, die in unserem Land viel Einfluss haben: in der Wirtschaft, in der Politik, in der Gewerkschaft: dass sie demokra­tisch denken und immer den größtmöglichen Nutzen für möglichst viele Menschen suchen.
    Gott, Ursprung des Lebens:           (A): Erhöre unser Gebet
  • Wir beten für die Menschen, die trauern, denen es schlecht geht, die am verzweifeln sind: dass sie Beistand finden und Hilfe und wieder Hoffnung schöpfen.
    Gott, Ursprung des Lebens:           (A): Erhöre unser Gebet
  • Wir beten für unsere christlichen Kirchen: dass der Niedergang endet und dass wir wieder zu leuchtenden Hoffnungszeichen in unserer Gesellschaft werden.
    Gott, Ursprung des Lebens:           (A): Erhöre unser Gebet

Lektorin: Gott, du bist unsere Hoffnung, auf dich setzen wir, an dich haben wir uns gebunden, weil wir bei dir Freude und Freiheit finden. Sei gelobt und gepriesen in Ewigkeit.

04.02.24: 5. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!Vor einiger Zeit habe ich eine Postkarte bekommen mit dem Spruch:
„Wir brauchen mehr Mutausbrüche“. Nicht Wut – Mutausbrüche. Mit „M“.

Es gibt viel Zaghaftigkeit:
Man will nicht anecken. Sich nicht unbeliebt machen.
Man hat Angst, die Obrigkeit könnte Schwierigkeiten machen.
Man hat Angst vor der öffentlichen Meinung, vor der Hetze im Internet.

Lassen wir uns jetzt von der Zaghaftigkeit befreien.
Lassen wir uns stärken für unsere Sendung.
Lassen wir uns Mut machen, für die Sache Gottes einzustehen.

Kyrie Rufe
Jesus, du befreist uns von unserer Angst.
Jesus, du stärkst unseren Mut.
Jesus, du gibst uns Vertrauen und Hoffnung

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
das kennen wir: irgendein Arzt oder Naturheilkundiger wird von seinen Patienten gelobt und es entsteht eine Euphorie: eine Reihe von Patienten meldet sich in der Praxis und hofft, Hilfe und Heilung zu finden.

Das Mk zeigt Jesus als erfolgreichen Heiler zu dem die Menschen in Mengen laufen: Er befreit die Menschen von ihren Dämonen: von diesen dunklen Kräfte in uns, die uns dahin bringen können, dass wir nicht mehr Herr über uns selbst sind:
Angst, Hass, Wut, Gier, Niedergeschlagenheit, Pessimismus, Sucht sind einige Namen solcher Dämonen.

Diese Dämonen sind immer bei uns:
Die Angst, uns würde etwas weggenommen;
die Angst, wir würden unsere Rechte verlieren;
die Angst Fremde würden uns übernehmen.

Diese Dämonen werden geweckt und herausgerufen von Leuten, die wissen, dass Menschen sich leicht Angst machen lassen. Wenn der böse Geist erst mal die Menschen erfasst hat, dann ist es leicht, sie hinter sich zu bringen und für die eigenen Zwecke einzuspannen.

Die Botschaft Jesu ist ein wirksames Gegenmittel gegen diese Dämonen.
Seine Botschaft ist: Das Reich Gottes ist da! Gott hat das Sagen in der Welt! Nicht die Dämonen, nicht die Angst. Das Gute ist stärker als das Böse.

Wer an das Reich Gottes glaubt, das schon da ist und das unsere Zukunft ist, wer glaubt, dass diese Welt Gottes Reich ist, bei dem haben die Dämonen kaum eine Chance.

In der Nacht ruht Jesus sich aus. Am frühen Morgen sucht er die Stille und nach seinem frühmorgendlichen Gebet ist sich Jesus sicher:
er ist dazu gesandt, diese befreiende Botschaft, das Reich Gottes zu verkünden. Nicht nur in Kafarnaum, sondern in ganz Galiläa!

Liebe Schwestern und Brüder,
die Botschaft Jesus muss möglichst vielen Menschen zu Ohren kommen und möglichst vielen zu Herzen gehen.
In unserer Zeit nicht mehr und nicht weniger als in früheren und in künftigen Zeiten. Die Botschaft Jesu hat die Kraft die Menschen zu verwandeln, sie menschlicher zu machen.

Jesus sagt: Die Welt ist Gottes Reich und also ist das Gute stärker als das Böse und das Leben stärker als der Tod und die Liebe stärker als der Hass.

Diese Welt ist Gottes Schöpfung – nicht das Werk eines Teufels.

Die bösen Dämonen können uns nicht überwinden: mögen sie uns noch so sehr locken mit den Versprechen von immer größerer Behaglichkeit,
mögen sie noch so sehr unsere Unzufriedenheit schüren und behaupten, uns würde geschadet und etwas vorenthalten;
mögen sie noch so sehr zu Neid und Missgunst anstacheln
und Ängste verbreiten, dass alles nur immer schlimmer wird.

Wir glauben an das Gute und deshalb tun wir das Gute.
Wir glauben an das Vertrauen und deshalb schenken wir Vertrauen und enttäuschen es nicht.

Wir, die Kirche Gottes, wir haben diese Kraft und wir haben die Kraft dem Bösen zu widerstehen und den Glauben an das Gute zu wecken.

Dazu sind wir gesandt. Wenn unsere eigenen Kräfte zu schwach sind, so wollen wir wenigstens am Glauben festhalten und darum beten, dass unser Glaube und unsere Freude ansteckend ist.

Amen.

Fürbitten

Lektorin: Wir beten zu Gott, der Jesus gesandt hat, damit er den Ar­men die Heilsbotschaft bringe und die Zerschlagenen in Frei­heit setze:

Gott und Vater Jesu    (A) Wir bitten dich erhöre uns.

  • Von der geheilten Frau sagt das Evangelium, dass sie Je­sus und den Jüngern diente. Wir beten um die Bereitschaft der Christen, ihren Mitmenschen in Liebe zu dienen. – Gott und Vater Jesu
  • Das Evangelium stellt uns Jesus vor Augen als Heiland, als Helfer der Kranken und Elenden. Wir beten, dass die Kranken und Notleidenden in den Christen Menschen fin­den, die das helfende Tun Jesu weiterführen. – Gott und Vater Jesu
  • Im Gebet findet Jesus die Kraft für die Zuwendung zu den Menschen. Wir beten, dass die Menschen trotz der Hektik und Unrast fähig sind zu Besinnung und Gebet. – Gott und Vater Jesu
  • Jesus muss sich auf den Weg begeben, um das Evange­lium in möglichst viele Dörfer, zu möglichst vielen Men­schen zu tragen. Wir beten, dass das Evangelium auch heute seinen Weg zu den Menschen findet.
    – Gott und Vater Jesu

Lektorin: Um all das bitten wir dich, Gott, durch Christus, unsern Herrn. Amen.

28.01.24: 4. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Der Fasching nimmt in diesen Tagen Fahrt auf – erlauben Sie mir, darauf hinzuweisen, dass nach dem Fasching die österliche Bußzeit beginnt. – Ich will dadurch niemandem die Freude am Fasching nehmen – ganz im Gegenteil:
Denn im Fasching werden mit viel Witz und Humor die menschlichen Unzulänglichkeiten aufs Korn genommen. Und vor lauter Freude darüber, dass endlich einmal die Geizigen, die Lügner, die Heuchler, die Verblendeten auf’s Korn genommen werden, wird getanzt und gesungen.

In der österlichen Bußzeit, werden wir uns darin üben, eben jene Unzulänglichkeiten bei uns selbst zu überwinden. Im Heilig Geist Lied heißt es deshalb: Was befleckt ist, wasche rein, wärme du was kalt und hart, dürrem gieße Leben ein, löse, was in sich erstarrt:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
der „unreine“ Geist schreit Jesus an:
„Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?“

Was ist eine mir vorstellbare vergleichbare Situation?
Ich sitze als Mitfahrer in einem Auto. Der Fahrer fährt sehr schnell durch die Kurven und überholt vor einer Kuppe. Da würde ich – voller Angst – schreien: „Willst du uns umbringen?“

Willst du uns ins Verderben stürzen! Schreit der unreine Geist.
Ein unreiner Geist – also kein reiner Geist.
Ich versuche wieder diese Beschreibung in meiner Erfahrungswelt zu verorten:
Reiner Alkohol – unreiner Alkohol! Reine Wahrheit –verfälschte Wahrheit;
reine Liebe – mit Eigennutz vermischte Liebe.

Der Geist ist also schon Geist, aber etwas macht ihn unrein:
Reiner Geist – also Gott – zeugt Leben, reiner Geist liebt die Menschen,
reiner Geist denkt und liebt, reiner Geist ist wahr und nicht falsch, reiner Geist ist ehrlich und nicht lügnerisch, reiner Geist ist gut und nicht böse!!

Ein unreiner Geist denkt auch und liebt auch und ist auch schöpferisch.
Aber er hat nicht nur gute Absichten, er greift auch zur Lüge, er sucht auch seinen Vorteil auf Kosten anderer, er behält lieber für sich, als zu teilen.

Der unreine Geist hat vor Jesus Angst: wenn Gottes reiner Geist auf die Erde kommt, wird er enttarnt, seine widergöttlichen Züge werden offenbar. Es ist um ihn geschehen!

Das Markusevangelium verkündet also klar und eindeutig:

Jesus ist das Gericht Gottes über die unreinen Geister.
Immer haben die Propheten verkündet, dass dieses Gericht kommen wird.

Jetzt bringe ich mich ins Spiel und – auch sie – sofern es ihnen geht wie mir: Ich bin nicht immer ehrlich, manchmal böse,
mein Geist ist nicht ganz rein. Muss ich also wie dieser unreine Geist schreien: Jesus, willst du mich ins Verderben stürzen? Willst Du mich umbringen?

In keiner Weise: denn was erzählt das Evangelium:
Es schüttelte den Mann, bzw. Menschen, und mit einem lauten Schrei verließ ihn der unreine Geist und der Mensch war befreit!

Liebe Schwestern und Brüder,
wenn wir Jesus ernst nehmen, wenn wir seine göttliche Vollmacht erkennen, dann kann es schon sein, dass es uns gehörig durchrüttelt,
weil wir merken, wie sehr wir in Eigennutz verfangen sind,
wie schwach unsere Liebekraft ist –
aber wir werden von dem, was dem reinen Geist, was Gott entgegensteht befreit.

Ich habe also eine gute und eine schlechte Nachricht:

Die gute Nachricht:
Wenn wir auf Jesus hören und seine vollmächtige Botschaft annehmen,
dann sind wir eindeutig auf der Seite Gottes. Wir werden in dieser Welt fruchtbar sein und das Leben stärken und heilsam unter den Menschen sein.

Die schlechte Nachricht:
die unreinen Geister versuchen uns unablässig zu infiltrieren und unser Immunsystem ist nicht ganz perfekt, so dass wir immer wieder damit zu kämpfen haben. Wie mit dem winterlichen und sommerlichen Schnupfen.

Wo ist mein Platz in dieser Geschichte?
Ich bin einer von den vielen, die dabei waren, vielleicht einer der Jünger Jesu und werde Zeuge dieses Ereignisses und denke mir:

Wenn ich auf Jesus höre, werde ich zu einem Menschen mit einem reinen Geist – zu einem, der der Welt und den Menschen gut tut.

Dafür lasse ich mich sogar durchschütteln – wenn es sein muss sogar heftig.

Amen

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Herr Jesus Christus, du bringst das Gericht Gottes, in dem Gut und Böse offenbar werden. In einer Welt, in der die Menschen Gutes und Böses tun und in der Not unserer Zeit beten wir zu dir:

Jesus, Heiland der Menschen                 (A) Rette und befreie uns.

  • Wir beten für die Frauen und Männer, die dir nachfolgen:
    dass sie den Versuchungen widerstehen, den Eigennutz über das Wohl der Mitmenschen zu stellen. ‑ Jesus, Heiland der Menschen …
  • Wir beten für die Menschen, die Industrieunternehmen leiten: dass sie ihre Verantwortung für ihre Beschäftigten und für den Erhalt unseres Lebensraumes erkennen. ‑ Jesus, Heiland der Menschen …
  • Wir beten für die Kinderund Frauen und Männer bei uns, die aus anderen Kulturen zu uns gekommen sind: dass sie unsere Werte der Gewaltlosig­keit, der Freiheit und des Gemeinwohls schätzen. Wir beten auch, dass man ihnen selbst gemäß diesen Werten begegnet. ‑
    Jesus, Heiland der Menschen …
  • Wir beten für unsere kirchlichen Gemeinschaften: dass wir die Menschen­freundlichkeit Gottes ausstrahlen und dass unsere Mitmenschen Gottes heilsame Kraft bei uns entdecken. ‑ Jesus, Heiland der Menschen …
  • Wir beten für die vielen Menschen, in deren Heimat Krieg und Gewalt herrschen: dass das Unheil ein Ende findet. ‑
    Jesus, Heiland der Menschen …

Lektor/in: Gott, du bist der reine Geist, der nichts Böses will und wünscht und denkt. Du hast die Macht, das Böse zum Guten zu lenken. Wir loben dich und preisen dich, jetzt und alle Tage unseres Lebens. Amen.

21.01.24: 3. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
es gibt einen flapsigen Spruch:
Jesus hat das Reich Gottes verkündet und gekommen ist die Kirche.

„Reich Gottes“ – „Herrschaft Gottes“
Was ist das eigentlich? Kommt es? Ist es da? Ist es verschwunden?
Wo ist es? Wie ist es da?
Unsere Sonntagsfeier drückt unseren Glauben an das Reich Gottes aus und sie stärkt und nährt ihn.

Grüßen wir Christus, durch den Gottes Reich in die Welt gekommen ist:

Ansprache:
Jetzt ist es soweit! – Was? Wie? Denke ich mir sofort!
Genau das ist die Spannung, die das Markusevangelium aufbaut mit den ersten Worten Jesu: Er sagt: Erfüllt ist die Zeit! Wie? Was?

Nahe ist Gottes Reich! Was heißt nahe? Was ist Gottes Reich?
Kehrt um und glaubt dieser frohen Botschaft!

Das ist eine Ansage! Das erste öffentliche Wort Jesu! Heftiger geht es kaum.

Sie hören das! Und nun? Weitergehen? Zuhören? Umkehren?
Was werden sie tun? Was haben sie getan?

Ich will mich ganz auf den ersten Aufruf konzentrieren:
Jetzt ist es soweit. Oder im Original: Erfüllt ist die Zeit!

Diese Worte erklingen vor etwa 2000 Jahren. Und damals war zwar alles anders als heute – aber dennoch war die Zeit nicht anders als Jetzt:

Der Tag dauerte 24 Stunden. Die Reichen bestimmen wo’s lang geht.
Die Völker führen Kriege gegeneinander. Krankheiten raffen Menschenleben dahin, Ehepartner streiten, Nachbarn unterstützen sich auf bewundernswerte Weise. Was macht die Zeit zur „erfüllten Zeit“?
Warum ist es „Jetzt“ soweit und nicht erst in 20 Jahren?

Jetzt ist das Himmelreich nahe! Dieses Jetzt ist universal.
Es ist niemals vorbei dieses „Jetzt“ und war immer schon da – dieses „Jetzt“.

Nahe ist das Reich Gottes – Jetzt! Nahe nicht in Sinne von 5 Minuten oder 2 Jahre. Nahe nicht im Sinn von Tegernheim ist nahe an Regensburg!

Nahe ist das Reich Gottes so wie das Wort in meinem Mund und das Lied auf meinen Lippen.

Jeder Augenblick kann ein Augenblick im Reich Gottes sein!
So wie ich jeden Augenblick sprechen kann. Ich brauche es nur zu tun!

Jetzt ist es soweit. Wir machen das Reich Gottes!

Solche Augenblicke haben sie alle schon ungezählte Male erlebt:
Ein Blick der Zuneigung! Eine helfende Hand! Das Erlebnis inniger Verbundenheit! Der Verzicht auf eine harsche Antwort!
Das ehrliche „Es tut mir leid!“.

Jetzt ist es soweit! Das Reich Gottes ist nahe! Es ist so nahe wie der Mensch, der ihnen begegnet!

Liebe Schwestern und Brüder!
Das Reich Gottes ist uns in die Hände gelegt. Wir können es aufdecken! Wir können ihm zum Durchbruch verhelfen. Jederzeit.

Das Reich Gottes kommt nicht wie der Tau vom Himmel!
Es wird nicht ausgerufen wie ein neues Gesetz.
Es kommt nicht mit einem übermächtigen Himmelszug.
Es ist immer schon unter uns und da!

Wenn ein Ehemann seiner kranken Frau die Stirn kühlt,
wenn ein Autofahrer freiwillig mit freundlichem Gesicht in der engen Straße dem anderen die Durchfahrt ermöglicht.

Vielleicht entzündet sich unsere Begeisterung an dieser Einsicht:
Jetzt ist es soweit! Das Reich Gottes ist uns nahe wie der Mensch, dem wir mit Wohlwollen begegnen.

Das ist ein Lebensplan!
Ich möchte es so machen wie es das Berufungsschema zeigt:
Ich will mich Jesus anschließen und möglichst vielen Menschen für diese frohe Kunde gewinnen: Es ist soweit! Das Reich Gottes ist nahe.
Wir brauchen es nur zu tun. Es ist in uns als die Sehnsucht nach Schönheit, nach Geborgenheit, nach Frieden und nach Wahrheit.

Schenken wir den Menschen, die uns begegnen und uns selbst viele erfüllte Augenblicke des Reiches Gottes. Es liegt in uns -ganz nahe.

Amen.

14.01.24: 2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Viele Nachrichten prasseln auf uns ein. Die meisten sind beunruhigend. Das macht unsicher und ängstlich. Auf wen kann man sich verlassen. Auf wen kann man hören?
Wie komme ich zur Ruhe, damit ich auf meinen inneren Kompass hören kann?

Dazu sind wir jetzt hier: dass wir ausschnaufen, dass wir zur Ruhe kommen, dass wir uns wieder orientieren und die Richtung nicht verlieren. Unser Leben führt zu Gott.
Ihn suchen wir: den Frieden, die Schönheit, die Freiheit, die Gerechtigkeit, das Leben.

Bitten wir Gott, dass er uns den Weg des Lebens führt.

Ansprache:
Komm, ich muss dir was zeigen! – Die Chancen sind groß, dass der angesprochene mitkommt, denn die Mund zu Mund Werbung ist die beste Werbung, die es gibt.

So ähnlich erzählt es das Evangelium von Simon und Andreas. Dieser hatte Jesus kennengelernt. Danach sagt er zu seinem Bruder Simon, was er erlebt hat: Komm, wir haben den Messias gefunden!

„Wir haben den Messias gefunden!“ Haben sie den Messias gefunden?

Jedenfalls bekennen wir uns zu Christus: Ich glaube an Jesus Christus, den einzigen Sohn Gottes, geboren von Maria gestorben und auferstanden.
Wir haben gelernt zu glauben, dass Jesus uns durch seinen Tod und seine Auferstehung von Sünde und Tod erlöst hat.

Sind das mehr als Formeln, die wir wiederholen und wiederholen?
Berührt sie das? Löst es Begeisterung aus? Macht es sie glücklich?

Die Erwartung habe ich nämlich an meinen Messias: Die Begegnung mit ihm muss mich befreien, beflügeln, … Mein Messias muss mich und mein Leben weit machen, mir Mut geben und Zuversicht, dass es sich lohnt.

Wir haben den Messias gefunden!

Das ist viel Energie geladener als zu denken: wenn ich an Jesus glaube, komme ich nicht in die Hölle und werde für meine Sünden nicht bestraft. Es geht nicht um die Angst vor Strafe, sondern es geht um neue Horizonte!

Wir haben den Messias gefunden!

Liebe Schwestern und Brüder, Christen sind Menschen, die ihren Messias gefunden haben, auf den sie alle Hoffnung setzen. Kirche – das ist die Gemeinschaft, die sich daraus entwickelt hat: zuerst die eine, ungeteilte, daraus sind die sogenannten Ostkirchen und die Westkirche entstanden.
Später daraus die römisch-katholische, die evangelisch-lutherischen Kirchen und noch viele andere, die kaum alle aufzuzählen sind. Aus der einen Wurzel ist ein weit verzweigter Baum geworden und jeder seiner Äste trägt viele Früchte. Deshalb sollten wir alle froh und dankbar sein für jeden Ast und seine Früchte und wir sollten nicht vergessen:

Wenn ein großer Ast abbricht – gerät die Statik des Baumes in Gefahr, die offene Wunde belastet alle anderen Äste und Zweige und könnte vielleicht auch sie in Gefahr bringen, abzubrechen.

Wir haben den Messias gefunden!

An ihrer Stelle, würde ich jetzt denken:
Jetzt soll mir der da vorne doch bitte auch noch sagen, wie er das genau meint und versteht, dass Jesus sein Messias ist.

Ja, das bin ich ihnen schuldig, denn mein ganzer Beruf hat nur den einen Sinn, zu bezeugen: Ich habe den Messias gefunden und die Gemeinde zusammenzuhalten, die diesen Glauben mit mir teilt.

Ich will versuchen, es zu sagen, warum Jesus mein Messias ist, auch wenn ich mir bewusst bin, dass die Worte, die ich dafür finde, nicht ausreichen.
Und ich bin mir auch bewusst, dass das, was ich gefunden habe anders sein wird als das der anderen, die mit mir den Glauben teilen:

Nun also:
Durch Jesus habe ich verstanden, dass ich mir um mich selbst keine Sorgen machen brauche. Ich muss keine Bedingungen erfüllen. Ich bin und darf sein, weil Gott es will. Und das beste daran: Das gilt für jeden anderen genauso. Das ist Freude am Leben und Frieden mit meinem Gott und mir.

Dadurch bin ich frei und die Freiheit ist schier grenzenlos:
Ich darf und kann jeden Augenblick meines Lebens dafür nutzen, dieses unbedingte Ja dem anderen zu zeigen.

Darin steckt so viel Kraft: jeden Tag kann ich einen Schritt weiterkommen und lernen, dass ich gegen nichts und niemand kämpfe, dass ich mich nicht durchsetzen muss, sondern dass ich etwas tun kann, damit der Mensch, der mir begegnet ein Stück heiler wird, dass der Friede in ihm wächst.

Ich weiß, ich werde dabei nicht vollkommen werden –
aber ich kann es Tag für Tag ein wenig besser lernen.

Ich habe den Messias gefunden, den der mich mit Gott zusammenbringt und mich von jedem Zwang befreit. Amen.

Fürbitten

Lektorin: Gott, Andreas hat seinem Bruder Simon zu Jesus geführt. Wir beten dankbar, dass du uns Jesus als Messias gesandt hast.

Gott des Himmels und der Erde           (A) Erhöre unser Gebet

  • Wir beten für alle christlichen Kirchen: dass sie lernen, sich über die anderen zu freuen und ihre Früchte schätzen.
  • Wir beten für unsere römisch-katholische Kirche: dass sie ihre Gesetze und Lehren nicht für wichtiger hält als die heilende Kraft Jesu.
  • Wir beten für unsere Pfarreiengemeinschaft: dass wir gut zusammen-finden und uns gegenseitig im Glauben bestärken.
  • Wir beten für unseren Bischof, dass er seine Begeisterung für Jesus mit den Menschen teilen kann.
  • Wir beten für alle Menschen dieser Erde in ihren vielen milliardenfachen Nöten: dass sie Erbarmen finden und Menschen, die ihnen auf dem Weg aus der Not beistehen.
  • Wir beten für die Christen, die Glauben mit Zwang und Gesetz verwechseln: dass sie die Freiheit der Kinder Gottes entdecken.
  • Wir beten für unser Land: dass wir die Freiheit und die Würde der Mitmenschen achten.

Lektorin: Gott schenke uns den Geist der Freiheit, damit wir andere Menschen zu Jesus dem Messias führen und sein Friede sich immer mehr ausbreitet. Amen.