12.09.2021: 24. Sonntag im Jahreskreis

Einführung:
Die Sonntagsmesse gehört für uns, die wir jetzt zusammen sind zu unserer Sonntagskultur. Wir kommen nicht einfach aus Gewohnheit, schon gar nicht aus Angst oder auf Druck von anderen hin.
Sondern, wir möchten Gottesdienst feiern – weil ….
weil es uns gefällt, weil wir es schön finden, weil wir die Gemeinschaft im Beten und Singen suchen, weil unser Glaube gestärkt und belebt wird, weil es auch Freude macht, …

Grüßen wir Christus

Du rufst uns, dir nachzufolgen.
Du versöhnst uns mit unserem Vater im Himmel.
Du gibst uns Anteil an deiner Auferstehung.

Tagesgebet
Gott, du bist der Schöpfer
    des ganzen Weltalls.
Schau liebevoll auf uns,
    deine Töchter und Söhne.
Gib, dass wir deinem Reich der Liebe dienen
und die Kraft deiner Liebe an uns erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus

Ansprache:
In diesem Abschnitt des Mk stellt Jesus eine Frage und gibt daran anschließend eine Belehrung:

Die Frage ist: Wer bin ich für dich?
Und Belehrung handelt darüber, wie Jesus seine Zukunft sieht und was es bedeutet, sich ihm anzuschließen bzw. ihm nachzufolgen.

Versuchen wir uns auf beides einzulassen: Wer ist Jesus für mich?

Natürlich nennen wir Jesus den „Messias“, den Gott gesandt hat – so wie Petrus es im Namen aller Jünger bekannte.

Doch, wenn ich ihn wirklich als Messias Gottes glaube,
wird das mein Leben entscheidend beeinflussen:

Wenn irgendjemand außer mir selbst das Recht hat,
mir zu sagen, was ich tue – dann er!
Wenn irgendjemand mir den Weg zum Leben zeigen kann – dann er!
Wenn irgendjemand mir zeigen kann,
worum es im Leben wirklich geht – dann er!

Denn er ist nicht irgendjemand mit guten Gedanken, er ist nicht irgendjemand, der viele beeindruckt – er ist der Messias Gottes!

Allerdings: Ich bin nicht besser als Petrus. Obgleich ich dieses Bekenntnis ablege, möchte ich nicht wahrhaben, was der Messias Gottes über sich und sein Geschick in der Welt sagt.
Er soll Messias sein, wie ich es mir vorstelle: Er soll in der Welt das Regiment übernehmen, Gerechtigkeit durchsetzen, für das Wohlergehen der Menschen sorgen, dass sie gesund sind, keine Not leiden und in Frieden leben können.

Aber die Ansage des Messias ist anders:
Weil ich in dieser Welt die Stimme Gottes bin und weil ich die Menschen heile, die als von Gott gestraft gelten – und weil ich denen, die sich selbst verurteilen zeige, dass Gott sie nicht verurteilt – und weil ich keine Gewalt anwende – und weil ich dies im Namen Gottes tue – deshalb werden die mich verwerfen, die meinen, im Namen Gottes zu sprechen, wenn sie Menschen verurteilen und ihre Not und Krankheit als Strafe Gottes für ihre Sünden bewerten.

Liebe Schwestern und Brüder,
so ist es bis heute: Menschen werden mit Gewalt beherrscht und sie werden verurteilt, wenn sie nicht gehorchen.
Und die, denen es schlecht geht, bekommen gesagt: Du bist selber schuld.

Die dagegen angehen, die selbstlos helfen und auf Gewalt verzichten, werden lächerlich gemacht, verunglimpft und manchmal selbst Opfer von Gewalt.

Wir aber glauben, dass Jesus der Messias Gottes ist, weil er anders ist:
Franziskus, der Bischof von Rom macht uns vor, was das bedeutet.
Er sagt ganz klar:

Atombomben sind ein Verbrechen.

Die Anhäufung von unermesslichem Reichtum in der Hand weniger Menschen ist ein Verbrechen an den vielen, die Not leiden.

Die Beherrschung und Ausbeutung von Menschen durch wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit ist ein Verbrechen.

Er hofft und glaubt und mahnt deshalb, dass die Menschheit es besser kann: Wahrheit, Güte und Schönheit, Gerechtigkeit und Liebe – lassen das Herz weit werden und sind die eigentliche Berufung des Menschen.

Es wird sich zeigen: die darauf setzen, die dafür auf Einkommen, Privilegien, Karriere und Bewunderung verzichten und stattdessen Spott und Verachtung und manchmal Gewalt erleben –

sie sind der Same für die Zukunft des menschlichen Geschlechts.

So stellt sich mir die Frage: Halte ich Jesus für den Messias Gottes.
Bin ich bereit, ihm zu folgen?

Fürbitten

Pr.: Wir können Gott nicht loben und danken, ohne auf die Not der Menschen in aller Welt zu sehen. Auch unsere eigenen Sorgen dürfen wir im Gebet vor Gott tragen. So beten wir:

  • Für die Frauen und Männer und Kinder, die geschlagen werden, die verspottet werden, denen Schmerzen zugefügt werden: dass sie daran nicht zerbrechen und dass sie befreit werden.
  • Für die Menschen, die versuchen, ihr Zuhause wiederaufzubauen, das ein Opfer der Naturgewalten wurde: dass sie Unterstützung erhalten und immer neuen Mut finden.
  • Wir beten für die ganze Weltgemeinschaft, die gespalten ist in wenige sehr reiche und Milliarden von fast mittellosen Menschen: dass wir eine neue Ordnung finden, in der die Gräben überbrückt werden und die Güter der Erde gerecht verteilt werden.
  • Wir beten für die Frauen und Männer, die vieles auf sich nehmen, um ihre kranken und alten Menschen zu betreuen und zu versorgen: dass sie immer wieder Kraft für ihre schwere Aufgabe bekommen.
  • Wir beten für die Kinder und Jugendlichen, die ein neues Schuljahr beginnen: dass sie gesund bleiben, dass sie die Mühe des Lernens auf sich nehmen und sich gegenseitig anspornen und unterstützen.
  • Wir beten für das Volk Gottes, das über alle Konfessionen hinweg im Glauben geeint ist: dass es seiner Berufung folgt und nach dem Vorbild Jesu den Menschen Gottes selbstlose Liebe spürbar macht.

Pr.: Himmlischer Vater, durch deinen Geist leben wir, in deinem Geist beten wir. Sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.

01.08.2021: 18. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
letzten Sonntag haben wir gehört: das Johannesevangelium erzählt von dem kleinen Jungen, der Jesus 5 Brote und 2 Fische anbot. Das wenige, unvollkommene Gute, das wir tun, reicht aus: durch die Kraft Gottes vervielfacht es sich, so dass sogar ein Überschuss bleibt.
Das Evangelium erzählt, dass sich Jesus der Menge entzieht, damit sie ihn nicht in ihre Gewalt bringen und zum König machen.

Am nächsten Tag finden sie Jesus und seine Jünger in Kafarnaum – in der Synagoge. Nun folgt die sogenannte Brot-Rede Jesu. Sie ist von größter Bedeutung dafür, wie Menschen, die an Jesus glauben, ihr Leben gestalten:

„Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt. Sie stillt euren Hunger nur für kurze Zeit. Müht euch um die Speise, die für das ewige Leben bleibt!“

Natürlich müssen die menschlichen Bedürfnisse gestillt werden – Hunger und Durst, Kälte, Erschöpfung. Aber –sagt Jesus im Joh.Ev. Es lohnt sich nicht, seine Lebenskraft dafür zu verschwenden, um möglichst reich werden – wichtiger ist es, sich um die Speise für das ewige Leben abzumühen.

Die Leute verstehen Jesus. Sie reagieren positiv und fragen: „Was müssen wir tun, damit du uns die Speise für das ewige Leben gibst.?“

In dieser Frage steckt der alte Grundsatz: Man bekommt im Leben nichts geschenkt.

Jesus antwortet: „Ihr müsst mir glauben, dass ich von Gott gesandt bin!“

Die Leute können diese Antwort nicht fassen und annehmen. –
Nun soll Jesus es sich verdienen, dass sie ihm glauben. Er soll es beweisen.

Das lehnt Jesus ab und sagt:
„Es gibt keinen Beweis. Ihr könnt nur glauben, dass ich euch ewiges Leben schenke. Wer glaubt, dass ich von Gott gesandt bin, dessen Durst und Hunger sind gestillt.“ Der weiß, dass das Leben mehr ist, als Geld verdienen und essen und trinken.

Liebe Schwestern und Brüder,
an dieser Stelle unterbricht die Leseordnung. Am kommenden Sonntag wird die Rede weitergelesen.

Es ist natürlich kein Zufall, dass das Brot als Vergleichspunkt dient:
das Brot, das verdirbt und das Brot, das ewiges Leben schenkt.
Jesus bezeichnet sich selbst als dieses Brot.

Das Johannesevangelium bedenkt an dieser Stelle sorgsam und Schritt für Schritt, was die anderen drei Evangelium vom letzten Abend Jesu mit seinen Jüngern berichten: Er nahm das Brot, brach es, reichte es ihnen und sprach: „Nehmet und esset alle davon. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

Seit Ostern teilen die Jünger das Brot miteinander, weil sie an Jesus glauben. Sie glauben dass er mit seiner Botschaft von Gott gekommen ist:

Du musst dir das Leben nicht verdienen;
Du musst dir nicht verdienen, dass Gott dir das ewige Leben schenkt.

Das Leben ist geschenkt.
Gott schenkt dir auch das ewige Leben.

Verschwende deine Kraft nicht mit dem, was du dir verdienen musst.
Verschenke deine Kraft, verschenke deine 5 Brote und deine 2 Fische
und sieh zu, wie sich durch Gottes Kraft das Gute vervielfacht.

18.07.2021: 17. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
fast 8 Milliarden Menschen leben auf unserer Erde. Das ist eine gewaltige Zahl. Und es ist ein gewaltige Menge an Begabungen, an Sehnsüchten, an Problemen.

Eines der größten Probleme ist nach wie vor der Hunger: Über 800 Millionen Menschen leiden unter Hunger.

Ungefähr 80 Millionen Menschen fliehen um Kriegshandlungen zu entkommen. Noch viel mehr Menschen leben in Kriegsgebieten und leiden darunter.

Diese Millionen Menschen mit ihren Nöten und Sorgen sehe ich stellvertreten in den 5000 Männern, die gemäß dieser Geschichte um Jesus versammelt waren. Diese 5000 stehen stellvertretend für das Heer der Menschen, die sich nach Frieden sehnen. Sie stehen für die Menschen, die mit Problemen kämpfen, mit Krankheiten, die verzweifelt sind. Menschen, die ihr Leben irgendwie als sinnlos und bedroht erfahren.

Die ganze Menschheit steht vor riesigen Problemen: die Welt wird sich in den nächsten Jahrzehnten verändern. Viele werden wegen steigender Meereshöhe nicht mehr dort leben können, wo ihre Ahnen über lange Zeit lebten.
Die Weltbevölkerung nimmt jedes Jahr um ca. 50 Millionen Menschen zu. Wie soll der Hunger gestillt werden, die Kinder unterrichtet, die Kranken versorgt?
Wenige Multimilliardäre reißen immer mehr an sich. Der Wohlstand ist immer ungleicher verteilt. Die Benachteiligten fangen an, sich dies nicht mehr gefallen zu lassen.

All diese Menschen sehe ich versammelt auf dem Berg – hoffend darauf, dass Jesus ihnen einen Weg zeigt.

Als Berichterstattung eines Ereignisses fasse ich die Geschichte nicht auf.
Wie sollte sich Jesus in der einsamen Gegend 5000 Menschen verständlich machen? Wie hätten die Römer auf eine solche Versammlung reagiert?
Woher kamen am Schluss plötzlich die 12 (!) Brotkörbe, obwohl doch nur ein kleiner Junge 5 Brote und zwei Fische zur Verfügung stellen wollte.

Vielmehr verkündet diese Geschichte, was Jesus bedeutet: sie ist Ausgangspunkt der sogenannten Brotrede, die wir an den kommenden Sonntagen anhören werden.

Aber auch für sich allein ist diese Geschichte schon eine Mutmachge-schichte:

Es geht mir um den kleinen Jungen mit seinen 5 Broten und 2 Fischen. Er bringt dieses bisschen in der Naivität eines Kindes, das helfen will. Es kann aber nicht einschätzen, dass das doch viel zu wenig ist für die Menge.

Brote und Fische stehen für das, was die Menschen suchen:
Achtung ihrer Würde, dass sie für sich und ihre Familie sorgen können,
dass sie satt werden und in Frieden nach ihren Gebräuchen an einem sicheren Ort leben können.
Die Menschen suchen Hoffnung, dass sie die Welt gut gestalten können und dass all ihr Bemühen nicht umsonst ist.

Dieser kleine Junge ist der Held in der Geschichte. Warum? Weil er das wenige, das bisschen herbeibringt. Er will es zur Verfügung stellen und teilen. Er will helfen – wenn auch mit fast nichts.

Da fallen mir die Helfer ein, die nur mit einem Spaten ins Ahrtal kommen, um zu helfen. Da sind die Leute, die einfach Suppe und Eintopf bringen, damit sich die Menschen stärken können. Es ist nicht viel. Aber die Wirkung ist tausendmal größer. Es bringt Hoffnung. Es gibt Kraft. Es bewahrt vor Verzweiflung.

Das ist das Geheimnis dieser Geschichte: Jesus zaubert nicht unsere Probleme weg. Das Wunder dieser Geschichte wiederholt sich immer wieder: wenn Menschen auf Gott hören und Gottes Werke tun, wenn Menschen teilen und trösten, Gerechtigkeit herstellen und Wunden heilen, wird sich das Gute, das sie tun, multiplizieren und vervielfachen. Wir brauchen nicht denken, was kann ich schon tun. Wir dürfen darauf vertrauen, dass sich das wenige Gute, das wir mit unseren kleinen Möglichkeiten tun, vervielfacht, weil Gott das Gute in die Schöpfung eingepflanzt hat. Es ist wie ein Pilzgeflecht, das sich unterirdisch ausbreitet und überall seine Früchte hervorbringt – in Gottes Kraft.

11.07.2021: 15. Sonntag im Jahreskreis

Liebe Schwestern und Brüder,
„wie wird man mich aufnehmen?“ – fragt sich ein junger Mensch, der zum ersten Mal den Eltern seines Freundes begegnet, fragt sich jemand, der eine neue Arbeitsstelle antritt, …

Wie wird man mich aufnehmen?
Vorher überlegt man, wie man sich zeigen wird, wie man auftreten wird: Möglichst bald eine kleine Einstandsparty mit Sekt oder Kaffee und Kuchen? Bescheiden und zurückhaltend?
Oder offensiv erzählen, was man schon geleistet hat?
Oder geschickt seine Sachkenntnis zeigen durch intelligentes Nachfragen?
Welche Kleidung? Vorher zum Haareschneiden?

Gemäß dem Evangelium befreit Jesus seine Jünger von diesen Sorgen als er sie aussendet, damit sie – genau wie er – das Reich Gottes verkünden, das den Menschen nahe ist.

Jesus sagt: Ihr braucht nur einen Gefährten, Schuhe, ein Übergewand und einen Wander­stab – keine frische Ersatzkleidung, kein Geld und keinen Essensvorrat!

Ich stelle mir das praktisch vor: Zwei Männer kommen nach stundenlanger Wanderung in der Hitze des Nahen Ostens in ein Dorf: Verstaubt, verschwitzt, hungrig – wie jeder sehen kann.

Mitten im Ort bleiben sie stehen – rufen Leute her – und beginnen ihre Botschaft auszurichten: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

Jeder, der sie hört, sieht sofort: die brauchen etwas zu essen, Wasser zum Waschen und einen Schlafplatz.

Wer sie aufnimmt und sie versorgt, dem werden sie von Jesus erzählen, Und da sie vom Reich Gottes reden, werden die Menschen ihre Nöte ausbreiten und ihre Kranken holen und hoffen, dass das Reich Gottes sichtbar wird: dass Kranke gesund werden und Streitereien und mehr befriedet werden.

Das stärkste Zeichen, die größte Herausforderung für die Gesandten wie für die Angesprochenen ist die Bedürftigkeit der Verkünder.

Gibt es irgendeine Ähnlichkeit zu unserer kirchlichen Situation?
Ich gebe zu, da muss man sich sehr anstrengen, um etwas zu finden.

Wir Seelsorger und Seelsorgerinnen haben ein festes Gehalt, treten durchschnittlich bürgerlich auf, haben studiert …

Ein Pfarrer in der Pfarrei ähnelt bei uns eher dem Leiter einer örtlichen Niederlassung und die Verkünder sind eine Mischung zwischen Religionslehrer, Veranstaltungsmanager und ab und zu auch psychosozialer Unterstützerin.

Dafür, dass es so geworden ist, gibt es viele gute Gründe. Die verlässlichen Strukturen machen vieles möglich: die Sorge um die Gemeinde,
dauerhafte Angebote wie Kindergärten und Sozialstationen.
Das geht nur durch kontinuierliches Bemühen und Verlässlichkeit.

Der Nachteil ist: Institutionen fördern Gewohnheiten und Trägheit,
Besitz produziert Macht und das Interesse ihn zu schützen und zu mehren.

Ich glaube nicht, dass die Aussendung der Jünger ohne Vorratstasche ein Gesetz ist für alle Zeiten. Ich glaube aber schon, dass diese Geschichte auch heute für uns wichtig ist:

Wer das Reich Gottes verkündet und die Auferstehung Jesu, wer zur Umkehr ruft, muss sich immer wieder prüfen, damit er sich nicht bequem „in einem Sessel ausruht“ und sich auf seine Institution verlässt.

Entscheidend ist einzig und allein: Die Botschaft, Jesus Christus,
Das Reich Gottes ist nahe! Glaubt daran und Kehrt um!

Mit anderen Worten:

Das Leben ist mehr als Kleidung und Nahrung, Geld und Komfort. Das Leben ist Vertrauen, Zuwendung, Nähe, Sorge füreinander, Anteilnahme, Wohlwollen.

27.06.2021: 13. Sonntag im Jahreskreis

Zu der Frau sagt Jesus: „Dein Glaube hat dich gerettet!“
Zu dem Synagogenvorsteher sagt Jesus: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“

Die beiden ineinander verwobenen Geschichten ermuntern die Hörer des Evangeliums vor allem und zuerst zum Glauben: Glaube und du wirst heil! Glaube und du wirst leben!

Lassen sie es mich weitersprechen: Glaube, dass du heil wirst, glaube, dass du leben wirst.

Wir müssen vorsichtig sein:
Mit den Kindern in der 4. Klasse denke ich in der Fastenzeit darüber nach, was dem Menschen hilft, Krankheit und Leid zu bewältigen. Wir denken auch nach über den Zuspruch: „Das wird schon wieder gut!“

Manche Kinder sagen: Der Zuspruch hilft, weil er Mut macht.
Manche sagen: Der Satz vertröstet nur, ohne dass etwas besser wird.

Ich darf es mir also nicht zu einfach machen und sagen: Glaube nur an Jesus, dann wird alles gut.

Es sind nämlich auch Glaubende unter denen, die an Corona, an Krebs, am Schlaganfall, an Blutvergiftung versterben.
Und: auch Glaubende sind von Angststörungen geplagt.

Kann ich dann dafür werben, dass sie daran glauben, dass sie heil werden?
Darf ich dafür werben, dass sie daran glauben, dass sie leben werden?

Kann ich das? Darf ich das?

Gewiss ist: jeder Mensch wird einmal sterben: an einer Krankheit, im hohen Alter, durch einen Unfall, …

Gewiss ist auch: manche Menschen haben ein hartes, ein zu hartes Leben und für sie wird nichts gut und heil.

Die Frau mit den Blutungen und das 12jährige Mädchen sind Beispiele dafür. In den beiden Geschichten geht es für sie nochmals gut aus.

Können Sie dennoch glauben? An ihr Heil, an ihr Leben? –
Trotz des offensichtlichen Unheils und der Todesgewissheit?

Liebe Schwestern und Brüder,
manche kranke und sterbende Menschen haben Zuversicht, sie haben Frieden, ruhen in sich selbst – warum?
Weil jemand bei ihnen ist und ihnen zeigt: Du bist mir wichtig. Du bist mir wertvoll.

Diese Erfahrung vermittelt eine Ahnung von dem Heil, vom Leben. So kehrt Frieden ein – wenigstens ein Stück.

Menschen, die glauben können, dass ihr Leben – so leidvoll es auch ist – einmündet in den Himmel Gottes, der schöpferischen Liebe, solche Menschen haben nicht selten Frieden in sich – obwohl sie wirklich ganz verlassen sind und kein Mensch bei ihnen ist.

Mir fällt dazu ein Satz des Jesuitenpaters Alfred Delp ein, der von den Nazis ermordet wurde. In seiner Todeszelle schrieb er: Wir wollen dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.
Und der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer dichtete in der Todeszelle die Zeilen:
Von guten Mächten treu und still umgeben, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen – und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Glaube an Gott, der immer für uns und bei uns ist, kann auch in der unheilbaren Krankheit und im nahen Tod inneren Frieden bringen – eine Vorahnung des Heils, das uns erwartet.

Zum Schluss möchte ich noch ihren Blick auf den Schluss der Geschichte lenken: Jesus sagte, man soll dem Mädchen zu Essen geben:

Das Leben braucht Nahrung. Genauso braucht der Glaube an das Leben Nahrung:
Wenn wir füreinander sorgen, stärken wir den Glauben, daran, dass wir heil werden und leben.

Wenn wir jemandem zeigen: Ich bin bei dir. Du bist mir wichtig.
Dann stärken wir den Glauben, dann bringen wir Heilung und erwecken das Leben.

13.06.2021: 11. Sonntag im Jahreskreis

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Was braucht die Menschheit um zu überleben?
Frieden mit sich selbst und untereinander –
den Glauben, an das Gute im anderen und in der Welt, –
die Liebe zum Leben, zum Mitmenschen, ‑
und die Hoffnung, das das Leben stärker ist als der Tod.

Wenn Frieden, Glauben, Liebe und Hoffnung sind – da wirkt Gottes Geist, da ist Gottes Reich unter uns.

Liebe Schwestern und Brüder,  es müsste eigentlich so sein, dass in aller Welt die Menschen sagen: die christliche Kirche (evangelisch oder katholisch oder orthodox) das sind die Leute, die Frieden bringen, die an das Gute glauben, die die Liebe leben und die Hoffnung bringen.

Doch in unserem Land herrscht eine andere Stimmung:
Kirche wird als machthungrig, geldgierig, verkommen, korrupt und Menschen missbrauchend wahrgenommen und dargestellt.

Und ja – es gibt einfach zu viele Beispiele, als dass man sagen könnte: Es geht nur um Einzelne.

Ordenshäuser und Bistümer und das auf der ganzen Welt, wurden in einer Art und Weise geleitet, dass manche oder jedenfalls viel zu viele Ordensleute und Priester in Umständen lebten in denen vor allem Unterordnung zählte, Gehorsam, Angst vor Sanktionen und die Unmöglichkeit zu den eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu stehen.

Das System der Unterordnung richtete bei weitem nicht überall und auch nicht in der Mehrzahl, diese Schäden an – doch auf jeden Fall viel zu oft.

Welches System: Ein System, das nur Macht von oben kennt. Ein System, das zu strenge Regeln vorgibt und zugleich zu viel Macht verleiht. Ein System, das nicht die Befähigung, die menschliche Reife und Weisheit fördert, sondern die Linientreue.

Ein geschlossenes System, das in der Selbstillusion lebt, für alles zuständig zu sein und den Menschen sagen zu können und zu müssen, wie sie leben sollen. Ein solches System führt dazu, dass Menschen sehr stark unter ihrer Unterlegenheit leiden, enttäuscht und verbittert sind. Das Risiko ist groß, dass manche selbst Macht erleben wollen: über die, für die sie zuständig und verantwortlich sind: Sie haben die Möglichkeit zu bestrafen und zu belohnen. Die ihnen anvertrauten sind von ihnen abhängig.
Das ist das vergiftete Umfeld, in dem Missbrauch gedeihen kann.
Und dieser Ungeist wirkt, auch wenn es zu keinen verbrecherischen Taten kommt – versteckt durch den Rauch der Selbstbeweihräucherung.

Solche Machtstrukturen gibt es auch heute in der Gesellschaft. Sie sind nicht mehr an Amt und Würden gekoppelt, sondern an Geld und Beziehungen.

Solche Machtstrukturen, werden zurecht abgelehnt und unsere Kirche muss gerade bitter lernen, dass die Menschen – ob nun getauft oder nicht – das nicht mehr wollen – und ist immer noch nicht bereit dafür.

Das ist vielleicht der tote Punkt, von dem Kardinal Marx in seiner Erklärung spricht. Die Kirche, meine Kirche, muss sich bekehren.

Denn Jesus wollte nicht, dass sich seine Jünger ihm unterwerfen, er hat sie zu seinen Freunden gemacht. Er wollte nicht, dass sie klein sind – er hat sie aufgerichtet.

Liebe Schwestern und Brüder, wir sind nicht in der Position, dass wir die Machtstrukturen in der Kirche ändern können. Was wir aber können ist:

Wir können uns überzeugen, dass Jesus Christus uns zeigt, dass wir geliebt sind und dazu berufen sind zu lieben. Er hat uns seinen Frieden hinterlas­sen, den Frieden, den ein Kind findet, wenn es in den Armen seiner Mutter ruht. Er lehrt uns, dass wir an seinen guten Vater im Himmel glauben können und er gibt uns Hoffnung, dass das Leben Zukunft hat.

Und liebe Schwestern und Brüder, davon überzeugt, können wir ganz persönlich der gute Boden dafür sein, dass Frieden, Glaube, Liebe und Hoffnung leben und wachsen und gedeihen und gute Früchte bringen.

Im Augenblick leiden wir an dem jämmerlichen Bild, das die Menschen von der Kirche haben und zeichnen und das die Kirche abgibt;
wir leiden unter dem Zustand der Kirche, die einzustürzen droht wie Notre Dame in Paris einzustürzen drohte. Wir leiden daran, dass dadurch so viele Menschen keinen Zugang zu der wunderbaren Botschaft Jesu finden.

Aber bleiben wir Jünger Jesu. Folgen wir ihm nach. Bleiben wir zusammen als seine Gerufenen (Kirche) auf dem Weg. Behalten wir die Hoffnung.

21.03.2021: 5. Fastensonntag

Die österliche Bußzeit ist eine Zeit der Gewissenserforschung und der Einsicht in die eigenen Versäumnisse und Fehler. Dies versuchen wir, damit wir es in Zukunft besser machen. Dahinter steht die Überzeugung: Es geht Anders! Und es geht anders besser!

Das Evangelium deutet es an, wenn Jesus sagt: „Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen.“ Der Herrscher dieser Welt: damit meint das Johannesevangelium die gottlose Welt, die Welt, die sich dem Ruf des Lebens verweigert und auf den Tod setzt: auf Ausbeutung und Beherrschen, auf Gewalt und Stärke.

Es ist eine Ankündigung, die in der Erdenzeit niemals ganz wahr werden kann. Aber es ist eine Ankündigung, dass es jetzt schon anders ist und anders wird und anders geht.

In Bolivien entdecken Menschen, wie sie im Urwald des Amazonas eine Landwirtschaft betreiben können, die keine Brandrodung des Urwalds braucht, sondern den Urwald als Chance nützt. Es gibt vielfältigere Früchte und Gemüse, gute Ernten. Das ermöglicht ein gutes Leben, so dass die jungen Menschen in ihren Dörfern bleiben, statt in die Slums der Städte zu ziehen auf der Suche nach Arbeit. Es geht anders! Es geht besser!

Die Erziehung hat sich wesentlich verändert. Kinder werden heute nicht mehr mit Zwang und Gewalt erzogen. Heute werden sie gestärkt und gefördert. Sie lernen die Grenzen des Mitmenschen zu achten.
Es geht anders. Es geht besser!

Vor 50 Jahren stanken die Städte nach Abgas, Abwässer wurden in Bäche und Flüsse geleitet. Donauabwärts von Kelheim gab es keine Fische mehr. Heute steigern wir den Anteil der Energie aus erneuerbaren Quellen, wir streben Klimaneutralität an und sorgen uns um saubere Gewässer. Es geht anders. Besser!

Bis jetzt noch werden für die Herstellung unserer Kleidung, unserer tech­nischen Geräte und von vielem mehr Menschen und Kinder ausgenützt und leiden gesundheitlichen Schaden: doch wir fangen an, dies zu ändern.

Es gibt neuerdings ein Lieferkettengesetz, das zum Ziel hat, dass bei der Gewinnung der Rohstoffe, der Herstellung der Zwischenpro­dukte und Endprodukte die Umweltschutzvorschriften und die Arbeitsschutz­vorschriften eingehalten werden. Es geht anders. Besser!

Vor hundert Jahren noch galt in unserem Land der Krieg als legitime Möglichkeit, die Interessen der eigenen Nation gegen andere durchzusetzen. Trotz aller Rückschläge und Rückschritte dürfen wir aber sagen: Die Mehrheit möchte heute keinen Krieg. Die Mehrheit wünscht sich ein friedliches Miteinander der Staaten. Es geht anders. Besser.

Die Aktion MISEREOR arbeitet seit Jahrzehnten daran, dass vieles anders und besser wird. Niemand hat gezählt, wie viele Menschen, wie viele Menschen in ihren Dörfern dadurch zu einem besseren Leben kamen.

Sowohl die Länder des Südens als auch die reichen Länder des Nordens der Erde werden angesprochen. MISEREOR macht uns aufmerksam, dass diese Ungleichheit miteinander zu tun hat.

Damit es besser geht, müssen gerade die reichen Länder lernen, dass es anders geht: ein gutes Leben, ein zufriedenes Leben, ein erfülltes Leben finden wir nicht durch Konsum und Rausch, nicht im Anhäufen von Reichtum.

Frieden und Zufriedenheit, Erfüllung finden wir, wenn wir Verbundenheit spüren, wenn es uns gelingt, die Interessen der anderen so ernst zu nehmen wie unsere eigenen, wenn es uns gelingt, einen Ausgleich zu finden, den alle als gerecht empfinden.

Dazu ist unsere Spende für MISEREOR wichtig und notwendend. Ich bitte Sie herzlich darum. Genauso wichtig ist, dass wir auf dem Weg bleiben und offen dafür sind, dass vieles anders geht und besser geht.

07.03.2021: 3. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Nicht nur hier, sondern in allen vier Evangelien werden Szenen geschildert, in denen Jesus heftige Gefühle und Gefühlsausbrüche zeigt: Er war voll Zorn über das Unverständnis der Menschen, heißt es. Die Evangelien erzählen alle, jedes auf seine Weise, wie Jesus die religiöse Führungsschicht angriff – und zwar in schärfster Weise – und so ihre Feindschaft auf sich zog.

So auch hier: Jesus randaliert im Tempel. Man müsste sich nicht wundern, wenn er gefesselt und abgeführt würde.
Den Vorwurf: „Ihr macht aus dem Haus meines Vaters eine Markthalle“ wird Jesus kaum im ruhigen, sanften Plauderton geäußert haben. Und auch nicht die Äußerung: „Ich kann in drei Tagen den Tempel wiederherstellen.“
Aber diesen Hinweis auf seine Auferstehung können die angesprochenen natürlich nicht verstehen.

Ihr macht das Haus meines Vaters zu einer Markthalle! Ihr macht Geschäfte mit dem Namen meines Vaters. Ihr benützt ihn, um euch zu bereichern! Ihr verstoßt gegen das zweite Gebot: Ihr missbraucht den Namen des Herrn unseres Gottes für Eure Zwecke!

Liebe Schwestern und Brüder,
ich nehme diese Szene zum Anlass in die Gegenwart zu schauen: Wie wird heute gegen dieses Gebot verstoßen?
In welcher Weise wird heute der Namen Gottes mehr verzweckt, als dass er geehrt wird.

Als erstes muss ich natürlich in mein eigenes Haus schauen: Mein Beruf als Pfarrer, als Leiter einer Gemeinde und professioneller Verkünder und Liturge ermöglicht mir ein gutes Leben: sowohl die finanzielle Ausstattung als auch die Lebensbedingungen und das Ansehen zumindest in der kirchlichen Gemeinde sind sehr angenehm. Auch die Vielfältigkeit der Aufgaben ist interessant. Es ist tatsächlich keine schlechte Wahl in der röm.kath. Kirche Pfarrer zu sein.
Die Versuchung besteht, dass im Lauf der Jahre die ursprüngliche Motivation, die frohe Botschaft zu verkünden durch die gediegene Bürgerlichkeit untergraben wird. Dass der Beruf eher Grundlage für dieses Leben wird und die Berufung in den Hintergrund tritt.

Ich schau aber auch auf meine Kirche, besonders auf die Bischöfe, denen die Leitung der Kirche anvertraut ist: Sie bemühen sich sehr darum, die bestehenden Strukturen aufrecht zu erhalten und zu stärken:
Vom Zölibatsgesetz bis zum Ausschluss der Frauen vom Priesteramt, von der eucharistischen Trennung unserer Schwesterkirchen bis hin zu den Eheleuten, die nach einer Scheidung noch einmal heiraten und denen die Kommunion, die Mahlgemeinschaft in der gemeinde und damit mit Christus verweigert wird.

Die Versuchung ist groß, die in zwei Jahrtausenden entwickelten Regeln und Gesetze als göttlich zu bezeichnen, um die eigene Stellung in dieser großen Organisation „Kirche“ zu verteidigen.

Ich schau auch auf die ganze Gesellschaft, die sich als weltlich versteht und in der Religion Privatsache ist. Was hat sie mit dem 2. Gebot zu tun?
Diese Gesellschaft hat die ganze Welt zur Markthalle erklärt: Der Urwald um den Amazonas wird vermarktet, die Gesundheit der Kinder in Afrika wird dem Gewinn der Bergbaufirmen geopfert, beim Transport des Erdöls kommt es immer wieder zu Unfällen, die zuerst Fischen, Vögeln und Pflanzen das Leben kosten. Verfeindete Gruppen töten sich gegenseitig, statt ihre Konflikte mit friedlichen Mitteln zu lösen – die Nutznießer sind die Verkäufer der Waffen.

In den Verfassungen der demokratischen Staaten steht zwar, dass die Würde des Menschen nicht verletzt werden darf. Doch unsere Unterneh­men und auch unsere Politik gestehen nicht allen Menschen die gleiche Würde zu: Viele zahlen den Preis für unsere Überheblichkeit: In den Textil­fabriken Asiens, in den Minen Südamerikas, in den Treibhäusern Spaniens, in den Ländern, die vom steigenden Meeresspiegel bedroht sind.

Wir Menschen machen das Haus Gottes, diese Welt, seine Schöpfung, zu einer Markthalle. Sogar der Wert eines Menschen wird daran gemessen, was er zum Bruttosozialprodukt beiträgt.

Die Menschheit steht vor einer großen Aufgabe und sie muss diese Aufgabe bewältigen: Die Menschheit muss sich so organisieren, dass die Würde jedes Menschen und sein Wohl der oberste Wert ist, weil er Gottes Ebenbild ist. Und wir? Glauben wir an Gottes Treue und daran, dass er jeden Menschen liebt und zum Heil führt? Helfen wir dabei? Suchen wir danach, was anders – besser – geht?

21.02.2021: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
Für die Kinder und Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein Jahr eine unglaublich lange Zeit:
Monate ohne Schul- und Kindergarten und Unibesuch;
die Berufsausbildung in der Lehre ist erschwert;
und der jugendliche Schwung, die eigenen Kräfte auszuprobieren, die Welt zu entdecken und zu erobern und mit Gleichaltrigen die Zeit zu verbringen ist auf üble Weise blockiert.

Sport, abendliches Ausgehen und zwanglose Treffen, Disco, Urlaubsreisen fallen aus. Das ganze Leben der jungen Generation ist seit über einem Jahr ein Jahr großer Entbehrungen.

Auch die Erwachsenen ab 30 Jahren haben eine schwere Zeit: Die Arbeit ging weiter – oft mit zusätzlichen Belastungen.
Oder aber es gibt Kurzarbeit oder sogar den Verlust des Einkommens.

Es ist bereits 1 ganzes Jahr Fastenzeit – auch wenn es keine Einschränkungen bei der Ernährung gab.
Alle sehnen sich danach, dass diese Seuchenzeit zu Ende geht. Aber obwohl wir aus Erfahrung wissen, dass alles einmal zu Ende geht – können wir im Moment nicht sehen, wann das sein wird.

Es ist auch nicht verwunderlich, dass alltäglich diskutiert und gestritten wird: wer muss welche Einschränkungen wie lange noch hinnehmen?
Welche Entscheidungen sind zu rigide oder zu lax?
Welche Versäumnisse gab es bei den Verantwortlichen?

Es ist eine lange Fastenzeit. Wie reagieren die Menschen darauf?

Es gab und gibt die Leugner der Krankheit – zum Glück sind es nicht so viele.
Denn das Leugnen verhindert, dass man sich nicht an die Bedrohung durch die Seuche anpasst. Dadurch wird alles nur noch schlimmer.

Es gab und gibt Menschen, die mit großem Aufwand versuchen so gut wie möglich jede Infektionsgefahr zu bannen.

Es gab und gibt die Menschen, die es hinnehmen, dass sich das ganze Leben verändert hat und eingeschränkt ist.
Es macht ihnen nicht so viel aus.

Manche überwachen das Verhalten der anderen, manche halten es irgendwann nicht mehr aus und machen doch eine Party, manche wissen alles besser und würden es ganz anders machen.

Wir alle reagieren so oder anders – so verschieden, wie wir Menschen eben sind.

Alle aber sind herausgefordert, diese unfreiwillige durch die Seuche aufgenötigte Fastenzeit zu bestehen und den Versuchungen, die sie mit sich bringt, zu widerstehen.

Jesus hat die Wüste selbst gewählt und gefastet und so die Versuchungen bewusst hervorgerufen. Danach war er klar. Er wusste, was er wollte. Er hatte sich entschieden und seinen Weg gefunden. Er nahm seinen Auftrag an und verkündete überall, was er am Grunde seiner Seele entdeckt hatte:
Das Reich Gottes ist nahe: jetzt und an diesem Ort.
Diese Welt ist Gottes Welt und er ist in ihr.

Jahr für Jahr begehen wir die 40 Tage vor Ostern und nennen sie Fasten-zeit – und nicht wenige fasten tatsächlich auf die eine oder andere Weise, um die inneren Versucher zu bezähmen: die Angst, die Wut, die Gier, den Neid und all die anderen wilden Drachen in unserer Seelenlandschaft.

Versuchen wir das auch wieder in dieser österlichen Bußzeit.
Denn am Ende dieser 40 Tage und hoffentlich auch am Ende dieser Seuchenzeit bekräftigen wir:

Ich glaube an Gott, der mich als sein Kind liebt.

Ich glaube an Jesus, der mir mit dieser Botschaft Versöhnung gebracht hat.

Ich glaube an den Heiligen Geist, der in mir ist, damit ich Gott und euch und alle Mitmenschen liebe, als Gottes Ebenbild.

07.02.2021: 5. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Wir Christen, sind wir nicht nur vernetzt, sondern verbunden mit der ganzen Kirche – genau genommen mit allen, die mit uns an Christus glauben.
Ab und zu einmal müssen wir deshalb auch im Gottesdienst – im Licht des Evangeliums – unseren Blick auf unsere Kirche richten. Der Zustand, das Wohl und Wehe, dieser Kirche geht uns an:
Es ist ja unsere Kirche, wir sind diese Kirche – und wenn ein Glied dieser Kirche leidet, leiden wir alle mit.

Rufen wir zu Christus um sein Erbarmen, dass wir in seinem Geist und in seiner Nachfolge die Wege finden und gehen, damit unsere Kirche ihre Sendung in der Welt erfüllen kann.

Herr Jesus Christus, du bist das Haupt der Kirche.
Herr Jesus Christus, du unser einziger guter Hirte.
Herr Jesus Christus, Licht unseres Lebens

Zum Evangelium:
die ganze Stadt kam zum Haus des Petrus, weil Jesus sich dort aufhielt.
Er verkündete das Evangelium, er heilte die Kranken und den Dämonen, von denen er die Menschen befreite, verbot Jesus zu sagen, dass sie wussten, wer er war.

Verkünden – Heilen – Menschen von dem Befreien, was sie von sich selbst entfremdet: So erregt Jesus Aufsehen. Und immer wieder verbietet er, zu sagen, wer er ist. Warum dieses Schweigegebot?

AUs der Sicht des Mk-Evangeliums kann Jesus solange lebt und wirkt, nicht als Messias und Sohn Gottes erkannt werden, der Sünde und Tod überwindet. Als Sohn Gottes wird er erst offenbar, als er von den Toten auferstanden ist. Dann wird auch im Rückblick auf sein Leben verständlich , warum er die Kranken heilte und die Dämonen austrieb.

Solange er aber lebt, ist wichtiger, dass er das Reich Gottes verkündet: Die Menschen sollen nicht Angst haben, sondern sich freuen und daran glauben, dass Gott ihnen nahe ist.

Liebe Schwestern und Brüder, gerade jetzt ist es wichtig, den Menschen Mut zu machen: Wir sind nicht von Gott verlassen. Sein Geist weist uns die Wege, wie wir diese Menschheitsgeißel überwinden.

Stattdessen gibt unsere römisch-katholische Kirche in unserem Lande leider gerade jetzt ein erbärmliches Bild ab:

die Zahl der Glaubenden wird immer weniger: aus verschiedenen Gründen:

  • viele glauben nicht mehr an Jesus Christus und an Gott und den Heiligen Geist und meinen, dies sei mit einem aufgeklärten und natur-wissenschaft­lichen und vernunftgeleiteten Weltbild unvereinbar;
  • viele lassen sich von den Anforderungen des Alltags, von der Hetze und auch von der Suche nach immer neuen beglückenden Erlebnissen so in Anspruch nehmen, dass für Gott kein Platz mehr bleibt.
  • viele sind beeindruckt von all dem Schlechten, das über die Kirche, genauer über die Päpste und Bischöfe und Priester gesagt wird; dass viel Unrecht von Priestern verübt wurde, dass dies vertuscht wurde und dass nun manchmal versucht wird, unter den Teppich zu kehren, dass vertuscht worden ist.

Schlimmer als all das ist: viele Bischöfe und Priester und MitarbeiterInnen in der Seelsorge, scheinen selbst nicht mehr zu glauben, dass wir uns nicht fürchten müssen, weil Gott uns und allen Menschen nahe ist. Dabei ist es doch ihr Auftrag, den Glauben zu stärken und zu wecken.

Sie handeln aus Angst:
Sie haben Angst davor, sich und die Regeln in der Kirche zu ändern,
Sie vertrauen nicht mehr darauf, dass sie die Vollmacht haben,
die Kirche zu gestalten;
das wichtigste sind ihnen die geltenden Strukturen – wichtiger sogar als dass die frohe Botschaft die Menschen erreicht. Wenn jemand sagt: Macht das doch endlich anders – es geht nicht mehr so weiter, erheben sie den Vorwurf, jemand wolle nur Strukturen ändern, statt Evangelisierung zu befördern. Tatsächlich behindert aber das ängstliche Festhalten an den Strukturen und ihre Verteidigung die Evangelisierung.

Die Kirche wird nicht daran zugrunde gehen, wenn es verheiratete Priester gibt;

die Kirche wird nicht zugrunde gehen, wenn das Priesteramt auch Frauen offen steht;

die Kirche wird nicht zugrunde gehen, wenn sie die jungen Menschen dabei begleitet, ihre Sexualität als beglückende Kraft und Sprache der Liebe zu entdecken, anstatt an Verboten festzuhalten und an der Warnung vor der Sünde, die von Gott trennt.

Ich bin froh, dass auch im Fernsehen Religionslehrer zitiert werden, die dies den Bischöfen sagen, um ihnen die Augen zu öffnen – in etwa mit den Worten: Wissen Sie eigentlich, dass sich die jungen Leute nicht mal darüber ärgern, was sie über Sexualität lehren?

Und ich wünsche mir, dass die Bischöfe und wir alle endlich verstehen:
Unsere Sendung ist nicht, den Menschen zu sagen, was alles Sünde ist.

Unsere Sendung ist, dass wir verkünden und sichtbar machen:
Gottes Reich ist uns nahe. Es ist mitten unter uns, denn Gott ist in uns.

Das ist das Evangelium und wir dürfen es nicht verfälschen durch selbstgemachte und für göttlich erklärte Gesetze.
Wenn wir, die Glaubenden, die Diakone, Priester und Bischöfe uns nicht bekehren, machen wir uns selbst überflüssig.