18. Mai 2014: 5. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:Schott

Liebe Schwestern und Brüder, eine Wohnung sagt immer viel aus über den, der darin wohnt:
ist alles aufgeräumt – oder stehen und liegen Sachen herum?
Was für Bilder hängen an der Wand?
Ist es schmutzig oder sauber? Welchen Stil haben die Möbel?
Wie riecht es in der Wohnung?

Das Johannesevangelium spricht von den Wohnungen im Haus des Vaters,
die Jesus für uns vorbereitet – um uns zu sich zu holen, damit auch wir dort sind, wo er ist.

Es gibt eine gemeinsame Zukunft mit Jesus – im Haus des Vaters.

Schwestern und Brüder, dass unsere Wohnungen hier keine endgültige Bleibe sind, wissen wir. Oft genug und hart genug werden wir immer wieder damit konfrontiert:

Wasserfluten reißen ganze Häuser und Siedlungen mit sich.
Ein Bergwerksunglück kostet 300 Menschen das Leben.
Die täglichen Beschwerden und Schmerzen erinnern uns nur zu sehr daran: Wir sind nur Gast auf Erden und wir werden irgendwann Abschied nehmen müssen oder wollen.

Jesus Christus ist für uns der Weg, auf dem wir die Wohnungen beim Vater erreichen. Dann werden wir für immer bei ihm sein.

Schwestern und Brüder, unser Leben auf der Erde gleicht einer Wanderschaft: Wir sind unterwegs zum Ziel – das aber auch bedeutet, dass wir den Weg dann hinter uns lassen und auch nichts mehr daran ändern können. Dadurch gewinnt der Weg, den wir gehen große Bedeutung.

Wenn wir das Ziel erreichen, werden wir uns fragen:
Bin ich den richtigen Weg gegangen?
Bin ich Umwege gegangen?
Habe ich meine Aufgaben gelöst?
Bin ich den Weg bis zum Ende gegangen?

Woran kann ich ermessen, was richtig und gut ist? Was falsch und was richtig? Was meine Aufgaben sind und ob ich den Weg zu Ende gegangen bin?

Für uns Christen liegt das auf der Hand:
Alles was dem Reich Gottes dient:
der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Wahrheit und dem Frieden,
alles das ist ein richtiger Schritt und ein gutes Werk.
Immer wenn wir aus dem Glauben an die Liebe Gottes handeln,  dann gehen wir einen Schritt in die richtige Richtung.

Damit wir diesen Weg gehen können, haben wir den Heiligen Geist empfangen, den Geist des Vaters und des Sohnes, der uns zu Kindern Gottes macht.

Bitten wir Gott,
dass er uns immer wieder Kraft gibt, auf dem Weg zu bleiben,
dass wir Freude erleben, diesen Weg gehen zu dürfen,
dass wir Ausdauer haben  und nicht müde werden,
dass wir den Glauben und die Hoffnung bewahren,
damit wir mutig und zuversichtlich weitergehen.

04. Mai 2014: 3. Ostersonntag (Einführung des neuen Gotteslobs)

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Net gmeckert ist Lob genug!?? – Kennen Sie diesen Spruch, der eine Einstellung beschreibt, die wir hoffentlich immer mehr überwinden?

Liebe Schwestern und Brüder, wie halten sie es mit dem Lob? Können Sie es aushalten, wenn Sie gelobt werden? Loben Sie gern andere, oder vergessen sie es häufig?

Wer hat sie in letzter gelobt? Wofür? Haben sie sich darüber gefreut?

Wen haben sie gelobt? Fällt ihnen jemand ein? Hatten sie das Gefühl, dass ihr Lob angekommen ist?

Loben ist eine Kunst und es ist ebenso eine Kunst, Lob anzunehmen!

Ich möchte jetzt keine grundsätzliche Betrachtung anstellen: Woran liegt es, dass ein Lob den Gelobten freut oder nicht.

Was ich möchte? Ich möchte zum Gotteslob oder Lob Gottes einladen!

Nehmen wir es einmal in die Hand, dieses neue Gesangsbuch.

Es ist grau – ein helles grau. In der Mitte sehen wir eine Grafik aus roten Linien – man kann dabei an ein Kreuz in T-Form denken: aber es ist ein Kreuz, das durch den Schwung der Linien lebendig wirkt, es ist in Bewegung und voller Kraft.

Der Umschlag der neuen Kirchenausgabe ist nicht mehr aus biegsamen Plastik, sondern aus festem Karton. – Wir werden sehen, was besser ist.

Das neue Buch ist ein wenig größer und ein wenig dicker als das bisherige Gotteslob. Von der Seite betrachtet fallen die roten Seiten auf – es sind ungefähr 15. Sie deuten die Gliederung des Buches an:

Das Papier ist im neuen Buch heller als bisher – nicht gelblich, sondern weiß.

Das wichtigste aber ist: Was steht drin im neuen Gotteslob?
Wiederum viele Gebete, Lieder, Psalmen und Erläuterungen zu verschiedensten Themen, zum Beispiel zu den Sakramenten (GL 570)!

Fast alle Lieder, die wir bisher gesungen haben, finden wir auch im neuen Gotteslob – zwei Glorialieder allerdings werden mir fehlen.

Eines ist gleich geblieben: Der Name: Das Buch heißt Gotteslob!

Dafür bin ich dankbar! Denn das Lob Gottes stellen wir Christen an die erste Stelle!

Und wir haben wahrlich Grund genug, Gott zu loben:
Für das Weltall und seine Weiten: für die vielen Sonnensysteme und Sternennebel – sie zeigen, wie unendlich und geheimnisvoll der sein muss, durch den alles existiert.

Für diese Erde all die Pracht der Landschaften, der Pflanzen und Tiere:
Sie zeigen, wie schön und unerschöpflich der sein muss, durch dessen Kraft dies alles ist.

Für unser Leben: es ist so reich und vielfältig und vor allem ist es die Sehnsucht nach Leben: Es zeigt uns, wie lebendig, wie kraftvoll der sein muss, der uns das Leben schenkt.

Für die Liebe, die wir erleben und nach der wir uns sehnen: Sie zeigt uns, dass der, durch den alles ist und der in allem ist die Liebe ist!

Wir haben Grund Gott zu loben, für Jesus Christus, der uns zeigt, dass Gottes Liebe bis in den Tod reicht und den Tod überwindet. Für ihn, den Lebendigen, gibt es keinen Toten, sondern in ihm sind alle lebendig und er überlässt niemanden dem Tod.

Schwestern und Brüder, wir haben Grund, Gott zu loben! Ich lade Sie ein und bitte sie darum:
Bemühen wir uns in unseren Gottesdiensten, eine Gemeinschaft zu sein, die Gottes Lob zum Klingen bringt: In den Liedern und Gesängen!
In den gemeinsamen Gebeten der Liturgie, vom liturgischen Gruß bis zum Amen am Ende des Hochgebetes!
Erlauben sie mir noch einen kleinen Impuls zum Nachdenken am Ende:

Wir wollen Gottes Lob singen!  Wir wollen aber auch so leben, dass wir einst Gottes Lob empfangen können!

Jetzt aber möchte ich mit Ihnen Gottes Lob erklingen lassen mit dem Lied: Nun jauchzt dem Herren alle Welt GL 144!

19. April 2014: Predigt in der Osternacht

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Wir sind zu früh d’ran! – Manche haben schon mal nachgezählt, wie das mit der Auferstehung am dritten Tag ist: Den Freitag kann man ja als ersten Tag rechnen – auch wenn es da schon Abend war, als Jesus starb. Der Samstag ist aber höchstens der zweite Tag.  Wir sind zu früh dran.

Aus voller Kehle singe ich jedes Jahr das Osterlied: Der Heiland erstand. Der Text des Liedes orientiert sich offensichtlich am Matthäusevangelium:

1. Der Heiland erstand, die Nacht ist verschwunden, der Tod überwunden: aus ewiger Quelle fließt Leben und Licht, und Mächte der Hölle erschrecken uns nicht.

Noch bevor irgendjemand etwas mitbekam, ist Jesus erstanden
– vielleicht sind wir also doch nicht zu früh dran.

Aus ewiger Quelle fließt Leben und Licht! Das ist Zuversicht pur: Dass die Quelle des Lichts und des Lebens niemals versiegen wird.

Wenn es so ist, dann brauchen wir nichts zu fürchten: Keine Grausamkeit, kein Hass kann diese Quelle jemals zum versiegen bringen.

2. Der Morgen erwacht zu himmlischer Pracht, die Felsen erkrachen, es stürzen die Wachen, und Jesus erstehet vom Grabe empor und herrlicher gehet er siegreich hervor.

Die Felsen erkrachen! Es stürzen die Wachen! Man hört es förmlich krachen, wenn man dieses Lied singt und ich freue mich jetzt schon darauf. Aber aufgepasst: nicht der Auferstandene löst das Erdbeben aus. Erbraucht auch das Erdbeben nicht, um auferstehen zu können – vielmehr bebt die Erde, weil ein Engel vom Himmel herabkam.

Er war stark genug, um den Stein vom Grab weg zu wälzen!
Die Wächter fielen wir tot zu Boden – so geblendet waren sie vom himmlischen Licht, das er ausstrahlte!

Nur ein gewaltiger Engel kann die Frauen aus ihrer Trauer heraus reißen.
Denn wie ein schwerer Stein hat sich die Trauer auf ihre Seele gelegt.

Jesus erstehet vom Grab empor  und herrlicher gehet er siegreich hervor.
Schon in seinem Leben mit den Jüngern leuchtete in Jesus die Herrlichkeit des Himmels auf: in seinen Worten und in seinen Taten.

Nun aber hat er Anteil an der Herrlichkeit Gottes. Nichts in dieser Welt gleicht ihm, der Quelle und dem Ursprung des Lebens.

Schwestern und Brüder,
wer fragt, warum dieses Erdbeben nicht ganz Jerusalem zum Glauben brachte, und ob es überhaupt ein Erdbeben gegeben habe und wem es zu phantastisch ist, dass ein Engel den Stein vom Grab wegwälzte ‑ hat das Wesentliche dieser Verkündigung nicht erfasst:

Nur die Frauen, die nach dem Grab sehen wollten, konnten den Engel sehen! – Das Erdbeben war begrenzt auf die paar Quadratmeter um das Grab herum, nachdem die Frauen sehen wollten

Nur wer an Jesu Botschaft glaubt, dass Gott keinen Menschen vergisst, dass kein Mensch für Gott tot ist, dass Gott die Liebe ist und nicht der Richter oder gar der Scharfrichter der Menschheit – nur wer an Jesus glaubt, kann erfassen, dass der Tod ihn nicht halten kann, sondern dass er im Tod zum Vater heimgekehrt ist.

3. Ihm töne Gesang, voll Preis und voll Dank, verherrlicht, verkläret, als göttlich bewähret lebt Jesus nun wieder, der Heiland der Welt, uns hat er als Brüder und Erben bestellt.

Ihm töne Gesang – voll Preis und voll Dank! An dieser Stelle will ich das Geheimnis lüften, was in dem Tuch verborgen ist – so wie ich es am Gründonnerstag angekündigt habe:

In dem Tuch ist unser neues Gotteslob – Es ist unser neues Werkzeug, wenn wir Gottesdienst feiern: wenn wir Gott preisen und danken, der Jesus mit seinem Geist erfüllt hat und ihn auferweckt hat. Beim Frühlingsfest am 4. Mai werden wir es das erste Mal benützen.
Das Buch soll uns zu dem helfen, was es in seinem Namen trägt:
Gottes Lob zu singen, dass es klingt wie – ja eben wir echtes Gotteslob, weil Jesus erstanden ist und mit uns sein Erbe teilt:– die Herrlichkeit des himmlischen Vaters.

17. März 2014: Gründonnerstag

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Liebe Schwestern und Brüder, Liebe Kinder und Jugendliche!
können sie sich erinnern, wann sie das letzte Mal ein Geheimnis erfahren haben?

Es ist seltsam:
Ein Geheimnis soll nicht bekannt werden – und doch drängen viele Geheimnisse dazu, andere darin einzuweihen und es mit anderen zu teilen.
Es ist etwas ganz besonders, wenn man in ein Geheimnis eingeweiht wird – und auch, wenn man mit jemanden ein Geheimnis teilt.

Warum hält man etwas geheim?
weil man sich schämt,
weil es so persönlich ist,
weil man jemand überraschen will,
weil man etwas schützen will.

Mediziner aber, die eine neue Möglichkeit der Heilung gefunden haben, werde das nicht lange als Geheimnis für sich behalten.

In jeder Messe ruft der Priester nach den Einsetzungsworten der Gemeinde zu: Geheimnis des Glaubens!

Wir Christen teilen ein Geheimnis – das in den Einsetzungsworten zum Ausdruck kommt und in dem Verkündigungsruf der Gemeinde!

Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir bis du kommst in Herrlichkeit!
In der Eucharistie feiern wir dieses Geheimnis des Glaubens,
das Jesus ausdrückte mit den Worten:
Das ist mein Leib für euch!
Das ist der Neue Bund in meinem Blut.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Schwestern und Brüder, es ist ein Geheimnis, das wir verkünden und feiern und an dem wir Anteil haben – kein Rätsel!

Ein Rätsel muss man auflösen – ein Geheimnis muss man entdecken und bewahren, es mit anderen teilen und immer wieder anschauen, anhören, in die Hand nehmen und feiern.

Vor allem dann, wenn es so bedeutend und wichtig ist, wie eine neue Heilungsmethode für Krebs
oder so wichtig und befreiend wie das Geheimnis Jesu Christi!

Schwestern und Brüder,
wenn wir das Brot teilen und den Wein – wie Jesus und die Jünger es taten, passiert mehr als nur das, was Zuschauer sehen und schmecken können.

Wir tun das, weil wir uns mit Jesus identifizieren,
damit seine Freiheit unsere Freiheit wird,
damit seine Freude in uns ist und
damit wir seine Liebe annehmen, die bis in den Tod reicht.

Wir erhalten Anteil an seinem Geheimnis, am Geheimnis seines Lebens, das ihn zu dem wunderbaren Menschen machte, der ungezählten Menschen dieser Welt Hoffnung gibt und Kraft und Stärke, um sich für Menschlichkeit, für die Liebe, für den Frieden und die Freiheit einzusetzen.

Nun aber – gibt es noch etwas Eigenartiges zu sehen und zu entdecken, das, eigentliche Geheimnis, das nicht erklärt werden muss, sondern nur dankbar angenommen zu werden braucht:

Gerade, weil er sein Leben für uns gab, wurde er zum Anziehungspunkt für uns und für die vielen, die mit uns glauben. Er gab sein Leben für uns – das ist der Grund unseres Glaubens – dadurch bleibt er lebendig für uns alle.

Es ist tatsächlich ein Geheimnis: Indem wir das Gedächtnis Jesu feiern, der sein Leben für uns gab, erhalten wir Anteil an seinem Leben, an seiner Freiheit, an seiner Hoffnung und an seiner Liebe.

Das singen wir in dem Lied:

Das Weizenkorn muss sterben, GL 620 – nGL 210

Bußgottesdienst Fastenzeit 2014: „… und fange bei mir an“

Bis der Morgenstern anbricht

Bild: Bis der Morgenstern anbricht, Sieger Köder

 

Der Bußgottesdienst ist erarbeitet nach einer Vorlage von Horst Krahl,
Veröffentlicht in: Neu beginnen – versöhnt Leben, Matthias-Grünewald-Verlag, 1999

 

 

 

 

 

 

Eröffnung

Einzug in Stille

Gesang:             O Herr nimm unsre Schuld                      GL 1681-3

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Wenn viele kleine Menschen an vielen Orten viele kleine Dinge tun, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit: Die Welt ändert sich nur, wenn sich die einzelnen Menschen ändern. Das Thema des Gottesdienstes drückt das aus: „… und fange bei mir an!“

Stell dir vor, der Herr käme zu uns, um zu sehen,
ob wir in seinem Geist leben oder uns nur christlich nennen.

V: Erbarme dich Herr
A: Erbarme dich, Herr

Stell dir vor, er käme unerkannt zu unserem Gottesdienst.
Würde er gegrüßt und aufgenommen oder würde er nur Menschen sehen, die am anderen keinen Anteil nehmen?

V: Erbarme dich Herr
A: Erbarme dich, Herr

Stell dir vor, er könnte in dein Herz schauen und die Dinge sehen, die du heimlich tust und nach außen verbirgst.

V: Erbarme dich Herr
A: Erbarme dich, Herr

Gebet
Ich komme zu dir, mein Gott.
Ich möchte dein Wort hören, weil es mir Mut macht und den Weg zeigt.
In deine Hände lege ich meine Sorgen, meine Zweifel und alle Angst.

Ich kann oft kaum glauben, ich bin unruhig und zerrissen.
Dir vertraue ich mich an.

Ich möchte lieben können, ich möchte dir danken können,
zusammen mit den anderen, die an dich glauben, dafür, dass du da bist für uns.

VERKÜNDIGUNG UND GEWISSENSERFORSCHUNG

Lesung (Röm 12,9-18)

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom:

Schwestern und Brüder, eure Liebe soll aufrichtig sein.
Und wie ihr vor dem Bösen Abscheu haben müsst,
so sollt ihr das Gute lieben.
In herzlicher Liebe sollt ihr miteinander verbunden sein.
Kommt euch in der Achtung voreinander zuvor.
Setzt euch unermüdlich für Gottes Reich ein.
Lasst euch ganz vom Heiligen Geist durchdringen,
und lebt ganz für Christus, den Herrn.

Freut euch, dass ihr Menschen der Hoffnung seid.
Seid standhaft, wenn ihr verfolgt werdet.
Und Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen.

Teilt, was ihr habt, mit den Christen, die in Not geraten sind,
und seid vor allem gastfreundlich!
Wenn Menschen euch das Leben schwermachen,
so betet für sie, statt ihnen Schlechtes zu wünschen.
Wenn andere fröhlich sind, dann freut euch mit ihnen.
Weint aber auch mit den Trauernden!
Bemüht euch in eurem Denken und Handeln um ein gemeinsames Ziel!
Strebt nicht danach über anderen zu stehen,
sondern achtet die anderen genauso hoch wie euch selbst.
Meint nicht, ihr wüsstet mehr als die anderen oder
ihr würdet es besser verstehen.

Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht.
Seid darauf bedacht, allen Menschen Gutes zu tun.
Soweit es irgend möglich ist und von euch abhängt,
lebt mit allen Menschen in Frieden.

Wort der Heiligen Schrift

Lied:                   Gib uns Frieden jeden Tag                     GL 956/1-3

Ansprache
Ein junger Mann betrat im Traum einen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel.
Hastig fragt er ihn: „Was verkaufen Sie, mein Herr?“

Der Engel antwortete freundlich: „Alles, was Sie wollen.“

Der junge Mann begann aufzuzählen:  „Dann hätte ich gern das Ende aller Kriege in der Welt,
bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft,  Beseitigung der Elendsviertel in Lateinamerika,
Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche
und … und …“

Da fiel ihm der Engel ins Wort: „Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden.
Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“

Liebe Schwestern und Brüder,
die Wunschliste ist lang – wenn wir uns eine bessere Welt vorstellen.

Es gelten aber diese zwei Dinge:

Erstens: Die Welt ist wie sie ist:
Wir leben in der Welt und sie ernährt uns, sie gibt uns Luft zum Atmen und Wasser zum Trinken
Aber Kälte und Wärme, Wasser und Hitze, Erdbeben und Vulkane, Bakterien und Krankheiten bedrohen uns und verkürzen oftmals das Leben.

Zweitens: Wir Menschen gestalten diese Welt und das Miteinander in dieser Welt.
Frieden ist, wenn wir Frieden schaffen  – Krieg ist, wenn wir Kriege führen.
Gerechtigkeit ist, wenn wir gerecht sind – Ungerechtigkeit, wenn wir sie dulden oder selbst ungerecht sind.
Die Welt ist – zu einem großen Teil – das, was wir aus ihr machen.

Der Apostel Paulus gibt uns viele Hinweise, in welcher Weise wir Christen unser Miteinander gestalten können.

Was immer von diesen Sätzen für uns besonders zutreffend ist: Es kommt darauf an, dass wir handeln und leben.

Als Christ leben heißt: Sich selbst auf den Weg machen, selbst in die Nachfolge Jesu eintreten, selbst etwas tun.

Wir haben den Samen: Gottes Geist, Jesu Vorbild, die Sehnsucht nach Gutem,

Der Same ist ausgesät. An uns ist es, dass wir Früchte bringen:
Dass wir uns ganz von Gottes Geist durchdringen lassen und das Tun, was Gottes Geist entspricht:

Besinnen wir uns auf unser Leben:
Schauen wir genau hin. Wir werden merken: Wir leben in Gottes Geist – dafür gibt es viele Beispiel
Wir werden aber auch merken: Nicht immer, manchmal fällt es uns schwer. Manchmal ist es ein anderer Geist, der unser Tun bestimmt.
Dafür bitten wir um Vergebung und um die Kraft, dass die wir in manchen Situationen brauchen, um Gottes Geist zu folgen.

Gewissenserforschung

Nach jeder einzelnen Frage ist eine Pause von wenigstens einer halben Minute einzuhalten, nach jedem Block wenigstens eine Minute. 
Die jeweilige Sprecherin setzt sich nach einem Fragenblock und signalisiert damit den Beginn der längeren Stille.

1. Wahrhaftigkeit und Liebe
Häufig klagen Menschen über rücksichtloses, liebloses Verhalten, über die vielen Lügen und dass immer mehr Misstrauen herrscht.

Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen – und fange bei mir an

  • Wie halte ich es mit der Wahrheit?
    Benutze ich die Unwahrheit als Ausrede – damit ich keine unangenehmen Fragen beantworten muss?
  • Ich brauche die persönliche Privatsphäre.
    Achte ich die Privatsphäre anderer – oder will ich alles wissen?
  • Spiele ich anderen etwas vor, so dass ich nach außen nur eine Maske zeige, die mein wahres Gesicht verbirgt?
  • Manchmal gibt es unter Menschen Verletzungen, Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit: Finde ich für mein eigenes Verhalten immer Ausreden und Begründungen, gehe aber mit anderen hart ins Gericht?
  • Erzähle ich Dinge über andere – auch wenn sie dadurch blamiert oder gedemütigt werden?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
Liedruf: Kyrie eleison

2. Die Sehnsucht nach Frieden
Jeder sehnt sich nach Frieden. Ohne Frieden kann niemand gut leben.
Der Unfriede zerstört Gemeinschaft, raubt die Geborgenheit und lähmt.

Herr, lass Frieden auf Erden kommen – und fange bei mir an

  • Lebe ich mit meiner Familie, mit meinen Angehörigen und Freunden in Frieden?
  • Herrscht nur scheinbar Frieden, weil keiner sagt oder sich zu sagen getraut, was er eigentlich möchte?
  • Kann ich ja sagen zu meinem Leben? Oder bin ich nur unzufrieden mit meinem Leben: wie es war und wie es jetzt ist?
  • Kann ich die Eigenarten und Überzeugungen anderer anerkennen und gelten lassen, auch wenn ich selbst anders bin und anders denke?
  • Bin ich gerecht und trete ich für andere ein, wenn ihnen Unrecht geschieht?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
Liedruf: Kyrie eleison

3. Ich lebe in der Gemeinschaft der Glaubenden
In der Kirche gibt es viel zu kritisieren: Skandale werden aufgedeckt, Die Kirchenleitung erscheint oft rückständig und unbeweglich.
Die Kirche ist aber vor allem die Gemeinschaft der Glaubenden – und ich bin ein Glied der Kirche.

Herr, erwecke deine Kirche und fange bei mir an.
Herr, baue deine Gemeinde und fange bei mir an.

  • Versuche ich mir eine eigene Meinung zu bilden als mündiger Christ, oder übernehme ich nur, was mir vorgesagt wird?
  • Könnte ich mich mehr in  meiner Gemeinde einbringen?
  • Wird das Christentum durch mein Verhalten unglaubwürdig?
  • Finde ich allzu leicht Gründe, um vom Gottesdienst wegzubleiben?
  • Bete ich selbst? Lese ich in der Heiligen Schrift?

2 Minuten Stille oder meditative Musik
Liedruf: Kyrie eleison

Gemeinsames Gebet:

Herr, erwecke deine Kirche und fange bei mir an!
Herr, baue deine Gemeinde und fange bei mir an!
Herr, lass Frieden überall auf Erden kommen  und fange bei mir an!
Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen  und fange bei mir an.

Buße und Versöhnung

Schuldbekenntnis

Wahrheit und Liebe bringen den Frieden. Die Kirche als Gemeinschaft braucht jeden Einzelnen Christen und sein Bemühen, Christus nachzufolgen.
Doch immer wieder lassen wir es an all dem fehlen. Deshalb bekennen wir vor Gott und voreinander unsere Schuld und bitten miteinander und füreinander um Vergebung.
Gemeinsames Schuldbekenntnis

Vor Gott, dem barmherzigen Vater,
bekennen wir unsere Schuld,
und voreinander gestehen wir ein,
dass wir Gutes unterlassen haben
und an anderen schuldig geworden sind.
Wir bitten dich, guter Gott,
vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Vergebungsbitte

Gott unser himmlischer Vater ist treu und gerecht.
Weder Gutes noch Böses können uns trennen von seiner Liebe, die in Christus Jesus erschienen ist.
In der Taufe hat er uns als seine geliebten Töchter und Söhne angenommen. Er vergebe uns die Sünden und schenke uns die Kraft, Gutes zu tun. Amen.

Vorsatz für die Umkehr

Der Glaube dass Gott uns immer wieder annimmt und uns seinen Frieden schenkt, hilft uns, dass wir immer wieder einen neuen Anfang suchen.
Halten wir nochmal einige Augenblicke Stille und überlegen, wie Gott mit uns anfangen möchte, dass Wahrheit, Liebe und Frieden in diese Welt kommen und die Kirche wieder lebendig wird.

2 Min. Orgelmusik: Improvisation zu GL 638

 ABSCHLUSS

Vater Unser

Friedensgruß

Frieden ist die große Sehnsucht der Menschheit. Doch der Friede geht bei uns selbst an. Er geht damit an, dass wir als Schwestern und Brüder im Frieden Christi leben.

Herr Jesus Christus, unser Bruder und Erlöser. Erfülle uns mit deinem Geist.
Schenke uns und durch uns der Welt Einheit und Frieden.

 Segensgebet

Der HERR, erfülle euch mit seiner Kraft,
auf dass Ihr in Gelassenheit ertragt,
was er euch zumutet und auferlegt;

ER erfülle euch mit seiner Liebe,
auf dass ihr sie an die weitergebt,
die sich danach sehnen;

ER erfülle euch mit seiner Güte,
auf dass ihr denen Hilfe bringt, die Not leiden;

ER erfülle euch mit seiner Barmherzigkeit,
auf dass ihr sie an denen übt, die verfolgt und rechtlos sind;

ER erfülle euch mit seinem Segen,
auf dass ihr selbst zum Segen werdet.

ER schenke euch seine Gnade,
auf dass ihr mit seiner Hilfe ihm und den Menschen dient
und den Weg zu ihm findet.

Mit seinem Segen begleite euch
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(nach Heinz Pangels)

Danklied             Nun singe Lob du Christenheit                                 GL 638

Nach dem Bußgottesdienst „… und fange bei mir an“ aus:
Horst Krahl, Neu beginnen – versöhnt Leben, Matthias-Grünewald-Verlag, 1999

30. März 2014: 4. Fastensonntag

Hungertuch 2013-14

Hier geht es zu den liturgischen Texten Schott

Es ist eigentlich sehr treffend, doch beim ersten schnellen Hören kann einem das fast nicht auffallen, wie die Geschichte von der Heilung des Blindgeborenen beginnt: „Jesus sah einen Mann, der blind war!“

Blind war Jesus jedenfalls nicht, sondern er hatte einen offenen Blick gerade für die leidenden Menschen, die vom Leben benachteiligt waren.

Das Hungertuch von MISEREOR ist möchte ich unter diesem Thema des Sehens als Ausgangspunkt nehmen:

Zu allererst fordert es uns heraus, dass wir es ansehen und uns auf das Bild einlassen: die Ordnung auf diesem Bild mit den vier Szenen, zwischen denen ein gelb leuchtendes Kreuz entsteht.

Rechts oben sind die Menschen mit Jesus am Tisch darge­stellt, die er sah: Gelähmte, Verkrüppelte und wegen verachtete Menschen.

Links daneben sehen wir ‑ sozusagen mit den Augen Jesu ‑ die Menschen, die Hunger haben und den Jungen, der seine Brote und Fische spendet.

Darunter sind die Menschen dargestellt, die keinen Blick haben für die Not der Menschen, die ihnen ihre Hände entgegenstrecken.

Und daneben sehen wir die Kinder. Sie sehen einer guten Zukunft entgegen, weil sie im Frieden und ohne Not teilen können.

Das Leitwort der MISEREOR Fastenaktion 2014 bringt uns zum Nachden­ken: „Mut ist zu geben, wenn alle nehmen!“. Wer gibt, wenn andere nehmen, sieht die Welt mit anderen Augen – mit den Augen Jesu.

Deshalb möchte ich heute am Sonntag vor der MISEREOR Kollekte den Blick auf Menschen, die  mit den Augen Jesu sehen und anfangen, die Not und das Leid zu überwinden:

Es sind Menschen, die im Vergleich zu uns in Armut leben. Aber sie haben die Not verringert und arbeiten erfolgreich für eine bessere Zukunft.

Kotido liegt in einer extrem trockenen Gegend im äußersten Norden von Uganda. Die Männer und älteren Söhne ziehen während der Trockenzeit mit den Rindern auf der Suche nach Wasserstellen und Weideland umher. Ihre Familien bleiben in den Dörfern.

Die Frauen bauen in der Regenzeit Hirse an. Die Ernte war schon immer knapp. Aber durch den Klimawandel hat sich die Situation verschlimmert. Jeder Dritte leidet unter Hunger. Nicht einmal 10% der Menschen in dieser Region können lesen und schreiben.

Doch es soll und muss nichts so bleiben: Das von MISEREOR unterstützte FAL-Projekt geht beide Probleme zugleich an. FAL steht für funktionale Alphabetisierung und Landwirtschaft.

Projektleiterin Rose Lokiru erklärt die Idee: „Gemeinsam mit den Frauen im Dorf besprechen wir, welche Probleme es gibt. Wichtige Wörter schreiben wir auf die Tafel. Die Frauen schreiben die Wörter ab und bilden neue Wörter. Dabei entstehen Ideen für die Lösung ihrer Probleme. Und wie nebenbei lernen sie auch noch Lesen und Schreiben.“

So entstand die Idee einen Gemüsegarten anzulegen. Aber Hirten sind keine Gärtner. Wie legt man einen Garten an? Wie sät man aus? Wann muss man gießen? Wann ernten? Was tun gegen Schädlinge? Die Projektleiterin Rose Lokiru und ihr Team stehen bei solchen Fragen den Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Auch die zunächst fehlende Ausrüs­tung kann den Frauen zur Verfügung gestellt werden. Um den Gemüse­anbau auch in der Trockenzeit zu ermöglichen, hat MISEREOR den Bau von Wassertanks und einfachen Bewässerungsanlagen finanziert.
Dank des Projekts gibt es auf dem Markt in Kotido jetzt Gemüse.

Die mühevolle Arbeit wurde belohnt: In der Regenzeit konnten die Frauen Überschüsse auf dem Markt verkaufen und ein kleines Einkommen für die Familie erzielen. Für den Verkauf auf dem Markt ist es besonders wichtig, dass die Frauen lesen, schreiben und ein wenig rechnen gelernt haben.

Mittlerweile haben es über 1300 Frauen geschafft, ihre Familien auch in der Trockenzeit ausreichend zu ernähren. Lesen und schreiben zu lernen.

Der Erfolg mit den Gemüsegärten hat die Frauen außerdem selbstbe­wuss­ter gemacht. Sie übernehmen nun auch Aufgaben in der Gesellschaft und in der Kirche. So verbessern sie Schritt für Schritt ihre soziale und familiäre Lebenssituation.

2. März 2014: 8. Sonntag im Jahreskreis

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Haben sie Sorgen?

Thomas Morus, der englische Reichskanzler und Märtyrer betete:
„Lass nicht zu, Herr, dass ich mir allzu viele Sorgen mache um dieses sich breit machende etwas, das sich ich nennt.“

Ist das denn möglich, sich keine Sorgen um sich selbst zu machen? – so wie Jesus es sagt: „Sorgt euch nicht um Essen und Trinken und um eure Kleidung!“

Wollte jemand behaupten, Jesus von Nazareth würde zur verantwortungs-losen Untätigkeit anstiften? – Der würde Jesus ganz sicher und ich möchte sagen – absichtlich – falsch verstehen. Wer ein Jünger Jesu ist, wird selbstverständlich arbeiten, sein Brot verdienen, der wird selbstverständlich auf seine Gesundheit achten und die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen!

Wer das Wort Jesu richtig verstehen will, muss darauf achten, in welchem Zusammenhang es steht:
Unmittelbar vorher sagt Jesus: „Sammelt euch nicht hier auf der Erde Schätze – denn diese Schätze sind vergänglich.
Sammelt euch viel mehr Schätze im Himmel – Schätze, die nicht verderben, die niemand stehlen kann! Schätze, die euch zu freien und guten Menschen machen.“

Sorgt euch nicht um euch selbst, heißt also in diesem Zusammenhang:
sorgt euch nicht darum, wie ihr Geld und Vermögen ansparen könnt. Bildet euch nicht ein, ihr könntet euer Leben selbst absichern.

Wenn ihr tut, was recht ist, werdet ihr erleben und erfahren, dass Gott für euch sorgt und dass es immer wieder gut wird – weil euer Leben in Gottes Hand geborgen ist.

Der Sorge um sich selbst, dem Haschen nach Reichtum, Macht und Glanz stellt Jesus eine andere Sorge gegenüber:
Sorgt euch zuerst um das Himmelreich und seine Gerechtigkeit!

Die erste Sorge, die wir haben, soll nicht sein:
Wie werde ich reicher?
Wie vermehre ich mein Ansehen?
Wie mache ich es mir möglichst bequem?

Die erste Sorge soll sein?
Wie kann ich Armen helfen?
Was kann ich tun für Gerechtigkeit?
Wie kann ich dazu beitragen, dass Wunden heilen?

Dabei geht es nie um alle Armen, nicht um die totale Gerechtigkeit, nicht um alle Krankheiten und seelischen Verwundungen.
es geht um die Gerechtigkeit unter den Menschen, die ich kenne –
es geht um die Armen, die mir begegnen – ob nun persönlich oder durch die Vermittlung einer Hilfsaktion;
es geht um die Verwundungen der Menschen, die ich kenne!

Vorsorge, Gesundheitsfürsorge, Altersvorsorge – das alles gehört mit dazu, um Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Wichtiger als all dies ist aber das Leben aus dem Vertrauen:
Ich muss nicht ängstlich sorgen und mich gegen alles vorsehen und absichern. Ich muss keine Angst haben vor dem, was das Leben mit sich bringt.

Da mein Leben Gottes Geschenk ist und bleibt, darf ich mich ihm anvertrauen. Je mehr ich mich und das, was ich tue, ihm anvertraue, desto mehr darf ich feststellen, dass er für mich sorgt, dass ich finde und empfange, was mir zum Leben dient.

16. Februar 2014: 6. Sonntag im Jahreskreis

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Die Gebote halten!
Größere Gerechtigkeit als die Pharisäer.
Nicht zürnen – sondern versöhnen
Nicht nur die Ehe nicht brechen – sondern keine lüsternen Blicke!
Die Ehefrau nicht aus der Ehe entlassen – denn das bedeutet Ehebruch.
Nicht nur keinen Meineid schwören – sondern grundsätzlich wahrhaftig sein.

Schwestern und Brüder, worum geht es Jesus eigentlich in seiner Auslegung des Gesetzes?
Was ist das besondere, das er uns als seinen Jüngern ans Herz legt?
Was ist anders als bei den Pharisäern?
Worin besteht die Gerechtigkeit, die größer sein muss, als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer!

Ich fange mit einer falschen Antwort an:
Jesus stellt eben noch viel höhere Ansprüche an uns – als sonst irgendjemand. Nur wer wirklich völlig unschuldig und ohne Hintergedanken lebt, kann in das Himmelreich kommen.

Das kann nicht die Lehre Jesu sein: denn er hat gesagt:
Ich bin gekommen, um zu suchen und zu retten, die verloren sind.
Er hat die Ehebrecherin nicht verurteilt und auch nicht den Zachäus!

Vielleicht wollte Jesus das Gegenteil:
Er hat die moralischen Ansprüche, die Gebote der Schriftgelehrten so auf die Spitze getrieben, dass sie unerreichbar sind:
Dann ist die Botschaft Jesu:
Lasst euch nicht von den Schriftgelehrten und den Pharisäern einreden, nur wer die Gebote hält, käme ins Himmelreich.
Wenn die Gebote der Maßstab sind – das ist dann seine Botschaft – dann hat niemand eine Chance durch ein gerechtes Leben ins Himmelreich zu gelangen.

Ich persönlich glaube, dass dies schon sehr viel mehr das ist, was Jesus verkünden wollte.

Dabei sind seine Beispiele ganz realistisch:
Wer seinem Gegner Unrecht vorwirft und nicht mit ihm Frieden schließen will, muss der nicht hinnehmen, dass er selbst mit seinem Unrecht konfrontiert wird?
Wer sich vom Partner trennt – muss sich der nicht vorwerfen lassen, er liefere ihn dem Ehebruch aus – ganz besonders in der Zeit Jesu, als Frauen ohne Mann kaum überleben konnten?
Wer in den Menschen vor allem ihre erotische Anziehungskraft sucht – ist der nicht mindestens in Gedanken ein Ehebrecher?
Wer Eide schwört, gesteht der nicht ein, dass er ohne Eid vielleicht die Unwahrheit sagen würde und im Herzen eben ein Lügner ist?

Ja! So sind wir Menschen – ganz alltäglich! Und deshalb sollen wir uns davor hüten, die zu verurteilen, die moralische und gesetzliche Regeln übertreten haben.

Soll ich mich empören über Steuerhinterzieher?
Soll ich mich empören, weil es so unermesslich Reiche gibt und daneben so viel Arme?
Habe ich das Recht mich zu empören über Menschen, deren Ehe scheitert, die untreu sind?
darf ich mit dem Finger auf die zeigen, die gelogen haben?

Jesu Botschaft ist deutlich: Wenn Du so leben willst, wie es Gottes Wille entspricht, dann nimm die höchsten und feinsten Ansprüche an dein eigenes Handeln.
Bemühe dich wirklich, wahrhaftig, gerecht, gut und ohne Arglist zu leben.

Doch: da du selbst um deine moralischen Grenzen weißt:
Benütze die Gesetze und moralischen Maßstäbe nicht, um andere zu verurteilen. Sonst trifft dich dein eigenes Urteil – eher als du denkst.

2. Februar 2014: Darstellung des Herrn

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder,  im Prolog des Lukasevangeliums, in der Vorrede zu seinem Evangelium ist dies die vorletzte Geschichte. Es schließt sich noch der Besuch des 12jährigen Jesus im Tempel – anlässlich seines Erwachsenwerdens.

Dem Lukasevangelium ist das wichtig:
Jesu Eltern und er hielten sich an die Sitten und Regeln der jüdischen Religion. Reinigungsvorschriften, Tempelbesuch, Beschneidung – Aufnahme unter die Erwachsenen – so gehörte es sich.

Das ist für auch uns wichtig:
Jesus und seine froh machende Botschaft kommen nicht aus dem Nichts, sondern sie haben einen Wurzelboden. Abraham, Moses – Isai, der Vater Davids das jüdische Volk und der Bund, den Gott mit diesem Volk geschlossen hat auf ewig – das ist der Nährboden für Jesus und seine Verkündigung von Rettung und Heil durch Gottes Barmherzigkeit.

Wir Christen können nicht anders als mit Ehrfurcht und Dankbarkeit dieses Erbe zu bewahren – sonst würden wir unsere Wurzeln abschneiden.
Wir würden an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.

Wir können nicht anders – entgegen vielen Verirrungen vergangener Jahrhunderte – als dem jüdischen Volk und den Juden mit Dankbarkeit und in Freundschaft zu begegnen – auch wenn Sie Jesus nicht als Messias erkennen.

Wir Christen aber – schließen uns den Worten Simeons an: Nun lässt Du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen – das Licht, das die Völker erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Es geht darum, dass wir in Frieden leben und sterben können, weil wir das Heil gesehen haben: Christus, der das Heil ist und es uns gebracht hat.

Auch wenn dieses Wort in der Grußformel des 3. Reiches missbraucht wurde – und noch so oft in der Geschichte durch grausame Tyrannen und Folterknechte, die beanspruchten „Heil“ zu bringen.

Heil bedeutet genau nicht, die Unterwerfung und Vernichtung der Feinde!
Heil ist umfassend gemeint ein Zustand der Vollkommenheit, den Menschen aus eigener Kraft nicht herstellen und finden können.
Denn Heil bedeutet, dass die Feindschaft, die Konkurrenz ein Ende hat:

Es ist nicht mein Heil – gegen Dein Heil!
Vielmehr ist es mein Heil, weil es auch Dein Heil ist.

Wenn wir an das Heil glauben, das Christus gebracht hat – im Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater – dann begreifen wir also:

Die Menschheit, die Schöpfung gehört zusammen, sie ist eine Einheit.
Das 2. Vat. Konzil spricht deshalb immer wieder von der einen Menschheitsfamilie und davon, dass die Kirche das Sakrament der Einheit und das Werkzeug der Einheit in Gottes Hand ist.

Schwestern und Brüder, lassen wir uns von diesem Freudenruf des Simeon ganz persönlich herausfordern:
Dass wir in Frieden leben und sterben können, weil wir das Heil gesehen haben in Jesus Christus, weil wir an das Heil glauben, das Gott für uns bereit hält, der keinen vergisst – am wenigsten den, der in dieser Welt in seiner Todesstunde ganz unten angekommen ist.

Lassen wir uns herausfordern, dass wir nicht egoistisch „unser“ also das eigene Heil suchen,
sondern dass wir den anderen, die andere annehmen als die und den, der mnit uns zum Heil berufen ist und dessen Heil uns genauso anvertraut ist wie das eigene.

Lassen wir uns herausfordern, dass wir immer mehr als Schwestern und Brüder unserer Mitmenschen handeln und dass Gegensätze, Konkurrenz und Konflikt in dieser Einheit aufgehoben sind und überwunden werden können. Lassen wir uns heraufordern und unseren Mitmenschen Freunde sein.

12. Januar 2014: Fest Taufe Jesu

Taufe Jesu Taufbecken

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Was macht Marie aus Ruanda mit ihren Kindern in Deutschland?
Warum gibt es in Palästina und Israel und im ganzen Nahen Osten immer weniger Christen?

Flucht und Vertreibung sind millionenfache traurige Realität!
Ob Verfolgung, Krieg, Vertreibung oder Überlebensangst – die Ursache der Flucht waren: Flüchtlinge sehnen sich nach Frieden, nach Sicherheit – und wollen meist, wenn es irgendwie ginge, wieder zurück in ihr Land.

Versetzen sie sich einmal in die Lage eines Flüchtlings, der sein Schicksal mit vielen anderen teilt und hören Sie dann diese Worte:

Seht, da ist mein Erwählter. Er bringt den Völkern das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Doch löscht er nicht aus! Er bringt wirklich das Recht. Auf sein Gesetz warten die Inseln.

Wie hört sich das an in den Ohren einer Zwangsprostituierten in Deutschland, die unter falschen Versprechungen aus Osteuropa hierher gelockt wurde?
Wie hört sich das an in den Ohren der Menschen auf Lampedusa?
Wie hört sich das an in den Ohren von Menschen, die in Deutschland, Frankreich, Österreich eine Zukunft suchen und hier nicht arbeiten dürfen?

Vielleicht aber, Schwestern und Brüder, ist uns die Situation gar nicht so fremd: Wir fühlen uns manchmal wie ein zerknicktes Rohr oder wie ein Docht, der nur noch glimmt, aber nicht genügend Öl findet, um zu brennen.
Misserfolg, Schmerzen und Krankheit, persönliche Krisen und Enttäu­schungen machen uns mutlos und verzweifelt, rauben uns Kraft und Energie.

Wer verschafft den Unterdrückten Recht?
Wer hilft denen an ihre eigene Würde zu glauben, die in Massenunterkünften hausen müssen ohne persönlichen Schutzraum?
Wer bringt Licht dorthin, wo das Dunkel ist?

Jesu Jünger müssen die ersten sein, die für die Menschen eintreten, die ihre Heimat verloren haben:
Ob es nun Flüchtlinge sind aus fernen Ländern, oder Menschen, die in irgendeiner Weise in eine schwierige und hoffnungslose Lage geraten sind.
Jesu Jünger müssen die ersten sein, die andere aufrichten, die erlöschen­de Lebenskraft wieder entfachen und dabei helfen, eine neue Zukunft zu finden.
Und zwar deshalb, weil Jesus es vorgelebt hat;
deshalb, weil er den Kranken, den Menschen am Rande beisprang, denen die nichts galten, die sich ausgeschlossen hatten oder ausgeschlossen wurden.
Er vertrieb die bösen Geister der Selbstentwertung, der Angst, der Verzweiflung und gab den Menschen den Glauben zurück, dass sie zum Leben berufen sind, dass sie kostbar und wertvoll sind.

Dass Jesus mit seinem Leben vor 2000 Jahren und mit seiner Botschaft auch heute noch diese Kraft entfalten kann, liegt an uns, die wir uns nach ihm Christen nennen: es liegt an uns, dass wir nicht nur seinen Namen tragen, sondern wirklich als seine Jünger und Schüler handeln:
Der Geist Gottes kam auf Jesus herab, die Kraft und Weisheit Gottes war in ihm. In Gottes Kraft hat er gehandelt und die Menschen befreit.

Und er sagt: Ich lege meinen Geist in euch! Oder mit anderen Worten:
Meine, Gottes, Kraft ist in euch, damit ihr das Gute schafft.