21. April 2013: 4. Ostersonntag

Hirt und HerdeHier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

„Meine Schafe hören auf meine Stimme und folgen mir!“

Liebe Schwestern und Brüder,
ja, die Stimme Jesu kennen wir. Wir hören sie seit so langer Zeit – seit Kindertagen sind wir mit ihr vertraut.

Das war nicht so, als das Johannesevangelium entstand. Die auf Jesus hörten waren damals aus der Synagoge ausgeschlossen worden – weil sie glaubten und verkündeten: Jesus ist der Messias – der Sohn Gottes.

Deshalb verallgemeinert das Evangelium und spricht einfach von „den Juden“.

„Bist Du der Messias?“ wird Jesus gefragt?

Der antwortet: „Ich habe es euch gesagt, aber IHR glaubt mir nicht – weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört!“ Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich gebe ihnen ewiges Leben.“ Am Ende dieser kurzen Ansprache sagt Jesus: „Ich und der Vater sind eins!“
Als die Juden das hörten, dachten sie: Er ist ein Mensch und macht sich selbst zu Gott. Und sie hoben Steine auf, um ihn zu steinigen!

Wenn wir diese Aussagen in ihrem richtigen Zusammenhang stellen, merkt man, welche intensive und gefährliche Auseinandersetzung dahinter steht.
Eine Auseinandersetzung, die Jesus und später vielen seiner Jünger das Leben gekostet hat. Ist Jesus ein Mensch und nur ein Mensch? –
Oder ist er der, der von Gott gesandt ist?

„Ich und der Vater sind eins!“ – formuliert das Evangelium.
Wenn ich das glaube, dann ist das, was Jesus sagt, was er tut, was er lehrt nicht irgendetwas, sondern es ist Gottes Wort!
Und da Gott der einzige Herr ist, der Herr aller Herren, der über allen steht, muss ich dann auf ihn hören.

„Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie und sie folgen mir!“
Will ich zu Jesus gehören? Will ich ihm folgen und auf ihn hören?

Schwestern und Brüder, ich denke, wir haben die Antwort längst durch unser Leben gegeben.

In Jesu Worten erkennen wir Gottes Stimme und Botschaft. Denn es sind Worte, die Leben bedeuten, die Freiheit geben, die Zuversicht wecken, die zur Liebe rufen.

Es ist aber ähnlich wie zur Zeit des Evangelisten: Wenn wir auf Jesus hören und ihm folgen, geraten wir in Widerspruch zu anderen.
Es sind nicht mehr die „Juden“, die uns vorwerfen, wir würden einen Menschen zu Gott erklären –
Der Glaube an Christus erregt Anstoß bei denen, die keinen Gott anerkennen, sondern Wachstum und Rendite als oberste Maxime ausrufen

Der unbedingte Respekt vor dem menschlichen Leben von der Zeugung an bis zu seinem Tod wird als altmodisch und konservativ bezeichnet.
Die Orientierung an Gottes Geboten gilt als rückständig und verzopft.

Schwestern und Brüder, auch heute wird uns vorgeworfen, dass wir Jesus – einen Menschen – zu Gott machen – statt auf das zu hören, was die Herrschenden in der Politik und in der Wirtschaft und in den Medien wollen.

Doch ich höre in Jesu Worten Gottes Stimme,
die Stimme, der allein ich unbedingt folgen will,
weil nur seine Stimme zum Leben führt.

14. April 2013: 3. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Liebe Schwestern und Brüder!
Es war nicht leicht für die Jüngergemeinde, nach dem Tod Jesu einen neuen Anfang zu finden.

Aber es gab einen neuen Anfang, denn schon sehr bald verstanden die Jünger:
Was mit Jesus geschehen ist, musste geschehen. Es steht im Einklang mit der Heiligen Schrift.
Und in ihrer Gemeinschaft des Brotbrechens wurde ihnen die geradezu sinnliche Erfahrung zuteil, dass Jesus auferstanden ist.

Er ist auferstanden, so wie er es immer gesagt hatte, weil Gott ein Gott der Lebenden ist, weil Gott keinen vergisst, weil Gott keinen Tod kennt und weil für Gott niemand gestorben ist.

Die Jünger waren erfüllt von der neuen Gewissheit und vom gestärkten Glauben an das Evangelium Jesu. In Jerusalem konnten sie nicht bleiben. Deshalb kehrten sie zurück – dorthin, wo Jesus sie gerufen hatte – dorthin, wo sie gelebt hatten – oder wie es sich sonst ergab und – und verkündeten das Evangelium vom Reich Gottes, vom himmlischen Vater, von der Auferstehung.

Der eine war nach Süden gegangen, der andere nach Norden.
Die eine Gemeinde berief sich auf Petrus, die andere auf Johannes.
Die Erinnerungen und die Weise der Verkündigung und des Glaubens unterschieden sich in den verschiedenen Gemeinden.

Es gab große Unterschiede: man vergleiche nur einmal das Markus mit dem Johannesevangelium. Wessen Überlieferung ist die bessere?

Die Gemeinden des Johannes waren überzeugt, dass sie Jesus besser und tiefer verstanden hatten als die Gemeinden des Petrus.
Die Gemeinden, die sich auf Petrus beriefen, reklamierten wiederum, dass doch dem Petrus die Verantwortung für das ganze aufgetragen worden sei.

So liest man in den Evangelien:
Der Jünger, den Jesus liebte, der Verfasser des Johannesevangeliums,
er hat früher an die Auferstehung geglaubt, er war schneller, er lag an der Seite Jesu im Abendmahlssaal, er erkannte Jesus und musste es Petrus erst sagen.

Der Jünger, den Jesus liebte – er hat Jesus besser verstanden und er wurde von Jesus geliebt.

Simon, der Sohn des Johannes, aber – auch das steht in den Evangelien ‑
wird von Jesus als Fels benannt, auf dem die Kirche erbaut wird, ihm werden die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut, er soll seine Brüder stärken. Zu ihm sagt Jesus: „Weide meine Schafe!“

So also haben sich die beiden Strömungen unter den Jesusgemeinden verständigt: man hat das besonders innige Verständnis Jesu der einen und die Gesamtverantwortung der anderen gegenseitig anerkannt.
Beides gehört zur Kirche – beides macht Kirche aus – beides braucht die Kirche und braucht sich gegenseitig!

Schwestern und Brüder,
als alle am Ufer waren, lud Jesus sie ein und gab ihnen Fisch und Brot! Die Kirche – das wird mir dadurch deutlich – lebt von Jesus Christus, der so wie er es immer gesagt hat, zu seinem Vater im Himmel zurückgekehrt ist – und allen, die ihm folgen, die Tür zum Leben geöffnet hat.

Schwestern und Brüder,
unsere Art Kirche zu sein ist sehr stark auf Petrus ausgerichtet. Es geht um Einheit, um Struktur, um Organisation und Programm.

Es wäre gut, wenn wir johanneischer würden:
Wir sollten versuchen, Jesus tiefer zu verstehen, in sein Geheimnis einzudringen und den Geist der Kindschaft noch tiefer in uns aufzunehmen, damit all unsere Aktivitäten wirklich bei Jesus ihren Anfang nehmen.

Wenn die Kirche sich selbst verkündigt, dann werden ihre Netze leer bleiben. Wenn in den Christen die Freiheit spürbar wird und der Frieden, die von Christus kommen, wenn wir ihn zu den Menschen bringen, dann werden die Netze voll sein.

7. April 2013: 2. Ostersonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Liebe Schwestern und Brüder!
Was die Apostelgeschichte da schildert, kann ich mir real nicht so recht vorstellen: Wie bei einer Wallfahrt zogen die Leute mit ihren Kranken nach Jerusalem, damit der Schatten von Petrus auf die Kranken fiel. – Und alle(!) wurden geheilt!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Verfasser mir diese Information geben will – gerade weil er so unglaublich übertreibt.

Was aber will der Verfasser der Apostelgeschichte mir als Leser mitteilen?

Als Lukas die Apostelgeschichte verfasste, waren die Apostel, die ersten Zeugen des Auferstandenen, schon lange tot. Lukas schaut also aus einem Abstand von vielleicht 50 Jahren auf die Urgemeinde der Christen und ihre Entwicklung zurück: Als er schreibt, gibt es schon viele Gemeinden an verschiedenen Orten. Die Christen waren schon aus der Synagoge ausgeschlossen worden.

In seinem Evangelium verkündet Lukas, dass Jesus der Immanuel ist, den Gott gesandt hat, um den Armen eine frohe Botschaft zu bringen.
Er verkündet Jesus als Messias und Christus, der sein Leben für seine Freunde und für alle hingibt

In der Apostelgeschichte verkündet Lukas, wie die Christen, die Kirche, den Auftrag Jesu weiterführt, den Jesus seinen Jüngern gegeben hatte.
Dabei fällt es mir schwer, zu unterscheiden, wo die Erinnerung an reale Begebenheiten endet und wo die bilderreiche Verkündigung anfängt.
Lukas erzählt ja grundsätzlich anschauliche Geschichten, mit einer spannenden Handlung, die geradezu zum Nachspielen reizt.

Was nehme ich also mit?

Für Lukas, den Arzt, ist es wichtig zu erklären:
Gott setzt durch die Apostel das Werk Jesu Christi fort. So wie Jesus die Menschen von allen(!) Krankheiten heilte, so auch die Apostel.
Die Jünger verkündeten Christus durch ihre Einmütigkeit und es zeigte sich, dass der Glaube an den Herrn die Menschen heilte – was immer auch ihre Krankheit war.
So kamen immer mehr Menschen zum Glauben an Christus den Herrn!

Zu diesen vielen Menschen gehören auch wir. Durch das Zeugnis der Apostel glauben wir an Christus den Herrn, obwohl wir ihn selbst nicht sehen, obwohl er uns nicht erschienen ist.
Wir glauben so, wie das Johannesevangelium sagt: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

Ich verstehe das gar nicht so sehr als Tadel an Thomas. Sondern diese Geschichte zeigt mir: Ich, der ich glaube, ohne zu sehen, kann mich auf das Zeugnis der Apostel stützen, die Jesus den Auferstanden gesehen haben, denen er erschienen ist. Das Zeugnis der Apostel ist das Fundament meines Glaubens.

Liebe Christen, wir sehen Jesus nicht, doch die sieben Sakramente sind Zeichen, in denen er uns nahe bleibt. Wir sind Kinder Gottes wie er; sein Geist ist in uns; für uns hat er sein Leben gegeben; er vergibt immer wieder; er schenkt uns seine treue Liebe; er schenkt uns sein Heil und seine Botschaft vom Reich Gottes wird uns verkündet. –

Wir sind also reich beschenkt, deshalb werden wir zu recht seliggepriesen: Der Glaube an Jesus erleuchtet unser Leben, er gibt uns Halt und Geborgenheit, Stärke und Mut.

Doch all das ist nicht unser Besitz. Es ist uns nicht gegeben, damit wir den Segen festhalten wie einen Raub. Was uns gegeben ist, wird erst richtig unser Segen, wenn wir die Liebe teilen, die uns Christus geschenkt hat:

Wenn wir – so wie Lukas es darstellt – einmütig zusammenstehen und die Botschaft des Lebens und der Versöhnung vor allem den Kranken bringen und denen, die sich vom Leben abgeschnitten fühlen – dann merkt man, dass unser Glauben Kraft hat und nicht nur aus schönen Gedanken besteht.

Ob sie wirklich in Scharen gekommen sind?
Jedenfalls kommen sie bis heute und es sind mehr als 2 Milliarden, die an Christus glauben – gestützt auf das Glaubenszeugnis der Apostel.

 

31. März 2013: Ostersonntag

Liebe Schwestern und Brüder!
Am Tag vor dem Sabbat hatten sie Jesu Leichnam noch ins Grab gelegt.
Schnell noch vor Beginn der Sabbatruhe.
Am zweiten Tag, konnte man nichts tun – es war ja Sabbat.
Endlich, am dritten Tag wollte man nachholen, was vorher nicht mehr möglich war: Der Leichnam Jesu sollte gesalbt werden.
Deshalb kommt zuerst Maria von Magdala – wahrscheinlich mit anderen Frauen zum Grab. Sie sieht das offene Grab und schließt daraus, man habe Jesu Leichnam heimlich weggebracht!

Sie verständigt die Jünger und die zwei wichtigsten – Petrus und der, den Jesus liebte – liefen los. Und obwohl der andere zuerst am Grab war, lässt er Petrus zuerst in die Grabhöhle gehen: Petrus sieht die Leinenbinden und das Tuch. Ich stelle mir vor, wie er sich am Kopf kratzt und denkt: die Leinenbinden liegen da – also wurde der Leichnam nicht gestohlen. Doch er bleibt ratlos!

Dann endlich geht der dritte ins Grab hinein – als er die Tücher liegen sieht, glaubt er!
Der dritte Versuch, der dritte Anlauf, die dritte Person dringt endlich zum Glauben vor!
Dieser Jünger, den Jesus liebte, übertrifft Petrus – er versteht schneller, und „glaubt“ schon, als Petrus sich noch am Kopf kratzt.

Er glaubt, obwohl weder er noch Petrus verstehen konnten, dass Jesus – gemäß der Hl. Schrift von den Toten auferstehen musste.
Er glaubt, obwohl und ohne dass ihm der auferstandenen Jesus erschienen war. Er glaubt so, wie Jesus es nach der Offenbarung an den Apostel Thomas sagen wird: „Selig, die nicht sehen und doch glauben!“

Das, liebe Schwestern und Brüder, ist genau unsere Situation:
Wir glauben an Jesus und seine Auferstehung ohne ihn zu sehen.
Letztendlich glauben wir an Jesu Auferstehung, weil wir ihm glauben, was er immer verkündet hat: Der Menschensohn wird am dritten Tage auferstehen.

Wir glauben an seine und unsere Auferstehung, weil …
Weil Jesus es verkündet hat und weil er dafür sein Leben gegeben hat!

Reicht das aus, um zu glauben?
Oder ist der Jünger, den Jesus liebte, zu leichtgläubig?
Oder ist es vielmehr so, dass der Glaube dieses Jüngers seine Wurzeln und sein Fundament hat in der ganzen Geschichte des Volkes Israels.

Denn was Jesus verkündete und woran er glaubte, das alles speist sich aus jener Quelle, die wir Altes Testament oder alten Bund nennen.
Jesus von Nazareth ist wie ein Filter: die Substanz, das wesentliche des Glaubens Israels hält er fest:
das Vertrauen, dass Gott die Quelle des Lebens ist und dass er seiner Schöpfung treu ist.
Das Wissen, dass die ganze Liebe des Menschen Gott gehört, weil der Mensch das Geschöpf ist, das nach seinem Woher sucht und seinem Schöpfer Liebe zeigen kann.
Die sichere Hoffnung, dass dieses vergängliche Leben nicht alles ist, sondern dass das Leben ewig ist und dass deshalb alles Sterbliche Anteil erhält an Gottes Ewigkeit.

Jesus hat gemäß der Heiligen Schrift des Volkes Israel, in neuer und einzigartiger Weise die Liebe des Schöpfers verkündet:
Er hat in seinem Leben sichtbar gemacht, dass der Menschensohn und der himmlische Vater eins sind.

Schwestern und Brüder! An Jesus glauben, heißt ihm glauben.
Ihm glauben, dass der Vater im Himmel das Heil der Menschen will!
dass er der ist, der die Verheißungen der Propheten erfüllt hat:
weil durch ihn und in ihm Gott seine Treue zur Schöpfung offenbar werden ließ.

Wir dürfen wie der Jünger, den Jesus liebte, glauben, ohne Jesus, den Auferstandenen zu sehen – doch wir wissen aus der Schrift, dass Gott Macht hat – auch über den Tod.
Er gibt uns Leben- wie seinem Sohn Jesus, den er auferweckt hat vom Tod.

30. März 2013: Feier der Osternacht

S1

Hier geht es zu den liturgischen Texten:
Beuron

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute darf ich noch zweimal mit dem Taufwasser spritzen:

nach der Erneuerung des Taufversprechens
und bei der Segnung der Speisen.

Wir Priester werden immer wieder verdächtigt, dass wir Spaß daran haben, den einen oder die andere besonders intensiv anzuspritzen.
Man hätte es gerne, wenn wir Pfarrer so ein klein wenig boshaft wären – das würde uns so menschlich machen.

Ist es menschlich, boshaft zu sein?
Ist es menschlich, den anderen mit Fleiß zu ärgern?
Ist es menschlich, gegeneinander zu arbeiten, anderen das Leben zu vermiesen – vieles würde noch in diese Reihe passen!

Es ist insofern menschlich, als Menschen das tun.

Aber es ist doch viel menschlicher, mit dem anderen Brot zu teilen,
dem anderen zu helfen, ihm Mut zu machen und dem anderen Gutes zu tun?

Was ist menschlich? Ein Herz aus Stein oder ein Herz aus Fleisch – mit den Worten des Propheten Ezechiel gesprochen!

Warum sind wir hartherzig?
Weil wir uns ärgern, weil wir genug haben, weil wir an uns denken, an unseren Vorteil, …
Ansehen, Geld, Karriere, Stolz – brauchen wir nur (!) in dieser Welt.
Dafür machen wir unser Herz hart. Wenn wir hartherzig sind, handeln wir, als ob wir nicht an das Leben in Gott und bei Gott glauben würden.

Ezechiel spricht als Prophet und verkündet Gottes Wort: Ich lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz aus Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz aus Fleisch. Dann werdet ihr mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.

Gott gibt uns ein Herz aus Fleisch! Gott macht uns menschlich!
Der Glaube an Gott, in den hinein unser Leben mündet, dieser Glaube weckt in uns die wirklich und wahrhaftig menschlichen Regungen:

Wenn wir füreinander einstehen, wenn wir einander vergeben,
wenn wir das Brot teilen, wenn wir Schuld eingestehen,
wenn wir Verständnis haben für die Not des anderen …

dann handeln wir aus der Überzeugung, dass es wichtigeres gibt, als den kurzfristigen Erfolg;
dann merkt man, dass wir an die Zukunft des Lebens glauben.

Denn Barmherzigkeit, Frieden und Versöhnung, Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit – diese Werte sind wertvoll in dieser vergänglichen Welt;
sie sind der Nährboden für die Zukunft des Lebens und der Welt
und Sie bleiben auch im zukünftigen Leben, das wir von Gott erwarten.

Schwestern und Brüder, wir feiern Ostern, weil das Leben den Tod besiegt.
die Liebe den Hass, die Wahrheit die Lüge, die Hoffnung die Angst.

Freuen sie sich auf die paar Tropfen des frischen Taufwassers:
Es ist das Wasser des Lebens,
es ist das Wasser, das unseren Geist von der Bosheit reinigt,
es ist das Wasser, das unser Herz von der Angst befreit,
es ist das Wasser, das Hoffnung, Vertrauen und Liebe nährt.

Wer mit dem Wasser der Taufe in Berührung kommt,
wer Jesu Botschaft hört und ihm glaubt,
der empfängt von ihm ein neues Herz,
ein Herz aus Fleisch, ein wahrhaftig menschliches Herz.

29. März 2013: Karfreitag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Welche Begebenheit in der Leidensgeschichte des Herr geht ihnen besonders nahe?
Die Verhaftung? Das Verhör beim Hohenpriester? Wie Petrus Jesus dreimal verleugnet?
Beschäftigt sie das Gespräch zwischen Pilatus und Jesus oder aber die Verspottung Jesu durch die Soldaten?
Oder die Hasserfüllten Rufe, die Jesus Kreuzigung fordern?
Oder geht ihnen letztlich der Kreuzweg, die Entblößung, die Hinrichtung besonders nahe –
oder schließlich und endlich sein Tod und der Ruf: „Es ist vollbracht!“?

Letztendlich hat Jesus durchgemacht, was ein Mensch nur durch-machen kann.
Wozu ging er diesen Weg? Warum lenkte er nicht ein? Warum ließ er es soweit kommen?

„Jesus wusste, dass er von Gott gekommen war und dass er zu Gott zurückkehrte!“ sagt das Evangelium über ihn:
Wer Unrecht erfährt, verfolgt und verhaftet wird; wer erleben muss, dass ihn die Freunde verlassen und verleugnen;
wer verspottet und gefoltert wird – bis hin zum Tod;
wer unter Schmerzen und Schwäche leidet, der kann sich erinnern:

Jesus, der wusste, dass er von Gott gekommen war, er hat es freiwillig angenommen.
Wenn ich etwas von diesem Leid erfahre, wenn ich mit mir ringe und mit meinem Leben hadere, dann kann ich auf Jesus schauen.
Der Blick auf Jesu Leiden und Sterben kann mir Mut und Kraft geben:

Wenn Jesus sein Leiden und Sterben angenommen hat, dann kann auch ich Schmerzen und Enttäuschung annehmen –
ich kann sie annehmen und darf zugleich beten:

Gott, himmlischer Vater, befreie mich und verschone mich –
doch gib mir die Kraft, auch jetzt zu vertrauen, dass du da bist, dass mein Weg zu dir führt, dass du mich erlösen wirst.

Jesus wusste, dass er von Gott gekommen war und dass er zu Gott zurückkehrte – das ist der Grund, warum Jesus nicht zurückschreckte. Darin liegt auch das wozu:

Er war in der Welt um Zeugnis abzulegen für seinen himmlischen Vater. Er wollte seinen Vater ins rechte Licht rücken.
Er hat seinen Vater befreit von all dem, was menschliches Denken Gott auflud:
Er würde Strafen und richten, er würde als Feldherr für die einen kämpfen und die anderen erschlagen.
Er würde wie ein König auf die Einhaltung aller Gesetzesvorschriften pochen und wie ein Richter jeden verurteilen, der das Gesetz übertritt.

So hat er das Leid angenommen, um Gott als Vater bekannt zu machen und um die Menschen zu befreien, von der Angst vor dem Urteil, von der Angst, zu kurz zu kommen, von der Angst vom Tod verschlungen zu werden.

Es fällt mir schwer, mich zu entscheiden, welche Szene der Leidensgeschichte mich besonders bewegt.
Doch ich wünsche mir, dass im Bild gesprochen, zur rechten Zeit der Hahn kräht,
wenn wir, die wir uns Christen nennen, Christus durch unser Denken und Tun verleugnen.
Wenn wir über Menschen urteilen, wenn wir uns abwenden von denen, die Leid tragen,
wenn wir die Wahrheit und das Recht beugen,
wenn wir vergessen, dass wir gesalbt sind, das Brot zu teilen und an den Armen der Welt achtlos vorübergehen.
Wenn wir Christus aus unserem Alltag verbannen und ihn in der Kirche einsperren, wenn wir jemandem Leid zufügen …

Dann möge der Hahn krähen!
Damit wir es merken, damit wir uns wieder bekehren und aufs Neue Christus nachfolgen –
auf seinem Weg, der durch das Leiden in die Herrlichkeit Gottes führt.

28. März 2013: Gründonnerstag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Die drei biblischen Lesungen am Gründonnerstag sind richtige Schwergewichte.
Für unseren christlichen Glauben sind alle drei von großer Bedeutung – alle drei fordern uns heraus – alle drei sind aufeinander bezogen.

Die Fußwaschung gibt mir den Schlüssel, um die befreiende und froh ma­chende Botschaft zu hören. Die Fußwaschung Jesu öffnet mir den Raum für die Freude am Glauben und für die Freiheit in der Beziehung zu Gott.

„Jesus wusste, dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte!“
betont das Johannesevangelium, bevor es den Dienst Jesu an den Jüngern schildert. Es geht gar nicht so sehr darum, dass der Sohn Gottes, sich so erniedrigt – es geht nicht darum, die Geste Jesu noch weiter zu erhöhen:
Nicht „OBWOHL“, sondern „WEIL“ Jesus von Gott kommt, wäscht er seinen Jüngern die Füße und dient ihnen.

Dann gilt natürlich auch für uns Christen, die wir den Namen Christi tragen:
Unser ureigenstes Wesen ist es, dem anderen zu dienen.

Das beginnt in der Familie:
Dass wir da dem Egoismus im täglichen und selbstverständlichen Miteinander keinen Raum lassen, sondern darauf aus sind, einander zu unterstützen und Achtung und Anerkennung zu geben: In der Familie sollen wir unseren Eifer daran setzen, möglichst viel füreinander zu tun, statt uns gegeneinander durchzusetzen.

Jesus lebt uns in der Fußwaschung das Dienen vor – als Grundvollzug seines göttlichen Seins. Genau davon sprechen seine Worte, als er den Jüngern das Brot bricht: Das ist mein Leib für Euch. Das ist mein Blut, mein Leben, das ich gebe – für euch! Damit ihr – wenn ihr die Trauer überwunden habt – umso mehr mir und meinem Wort glauben könnt. Damit ihr das „für dich, für Euch“ zu eurem Lebensideal machen könnt und mir nachfolgen könnt.

Wir nennen uns Christen nach unserem Herrn, den wir Christus nennen – aramäisch: Messias Gottes. Die messianische Sendung Jesu sollen wir weitertragen und weiterleben. Wie Jesus haben wir Gottes Geist in uns und sind gesandt und dazu gesalbt, das Brot zu teilen: mit all den Menschen, die das tägliche Brot entbehren, denen das fehlt, was zu einem menschenwürdigen Leben nötig ist.

Das ist der neue Bund, den Gott durch Jesus begründet und mit uns geschlossen hat. Der Bund der Versöhnung und der der Bund der Treue Gottes zur Schöpfung, der Bund des Lebens, in dem der Mensch davon befreit ist, durch eigenes Tun die Gunst Gottes erwerben zu müssen.

Dieser Bund wird allein von Gott begründet, kein Mensch muss dafür ein Opfer bringen. Der neue Bund ist Gottes Geschenk an den Menschen.
Das ist das neue in diesem Bund. Das Zeichen des Neuen Bundes ist das Brechen des Brotes und das Trinken aus dem einen Kelch.

Dadurch wird der erste Bund Gottes bestätigt und erneuert, an den die ungesäuerten Brote erinnern und an  dem die Juden bis heute festhalten:
Auch der erste Bund ist ein Bund der Freiheit:
Israel ist das Volk Gottes, in dem der Glaube an den einen Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, herangereift ist.
Israel hat seine Befreiung aus der Fremdbestimmung und Sklaverei als Gottes machtvolles Handeln gedeutet.
Das Zeichen dieser Freiheit war das Blut der einjährigen Lämmer an den Türpfosten der Israeliten und das ungesäuerte Brot.

Jesus von Nazareth, unser Messias, bekannte sich zu diesem ersten Bund Gottes. Er feierte mit seinem Volk die Befreiung aus der Knechtschaft.
Zugleich hat er diesen Bund erneuert und mit einem neuen Geist erfüllt:

Jesus hat in seiner Lebenshingabe geoffenbart: Kein Mensch muss Gott etwas opfern und Gott opfert niemanden.
Vielmehr gibt Gott sich selbst den Menschen hin, damit sie Mensch werden und damit sie das Leben in Fülle haben.

Schauen wir dankbar und voller Hochachtung auf das Volk Israel und auf die Juden – unsere älteren Geschwister im Gottesglauben:
Denn in diesem Volk wuchs der Glaube an den einen Gott aller Menschen;
Israel suchte als Volk Gottes seinen Weg durch die Zeit. Es sah sich vom „Ich bin da“ geführt und geleitet. Das Paschamahl ist das Zeichen der Freiheit und des Bundes. Dort sind unsere Wurzeln, von denen wir uns nicht abschneiden und nicht trennen können.

Zugleich aber leben wir in dem neuen Bund, der den alten erfüllt:
Weil er Gott ist, schenkt er leben und Versöhnung, dient er dem Menschen und wäscht ihm die Füße.

24. März 2013: Palmsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

 

Zum Evangelium vom Einzug Jesu nach Jerusalem:

Endlich kommt Jesus nach Jerusalem:
Er, der die Armen seliggepriesen hat,
er, der die Reichen zum Teilen aufgefordert hat,
er, der immer von seinem himmlischen Vater sprach,
der in Jerusalem im Tempel verehrt wurde.

Er wird gebührend empfangen:

Mich erinnert das ein wenig an die Geburtsgeschichte:

Da sangen die Engel:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.
Jetzt rufen die Menschen: Hosanna dem Sohne Davids.

Stimmen wir ein in den Freudengesang Israles.
Singen wir Freundenlieder, weil unser König und Erlöser,
unser Retter und Befreier ist da.Unsere Erlösung ist nahe!

Nach der Lesung der Leidensgeschichte nach Lukas

Freudig haben wir mit der Palmprozession begonnen –
Jetzt aber wurde uns die Leidensgeschichte Jesu zugemutet – bis hin zu seinem Begräbnis.
Die Freude schlägt um – in Anteilnahme, Betroffenheit, Entsetzen.

Mit den Kommunionkindern habe ich zweimal den Kreuzweg gebetet: Die Station: „Jesus wird ans Kreuz geschlagen“ ist schier unerträglich wegen der Grausamkeit dieser Folter, die Jesus ertragen musste.

Warum halten wir uns dieses schreckliche Geschehen vor Augen?
Warum betrachten wir das Leiden Jesu.

Wir tun es aus der Perspektive von Ostern – auch jetzt, in der Woche der Trauer. Nur aus dieser Perspektive ist es erträglich.

Denn aus österlicher Sicht können wir staunen darüber, dass Jesus bereit war, dies alles zu ertragen, ohne davon zu laufen und sich zu verstecken.
Aus österlicher Sicht, können wir die Liebe und Treue Jesu erkennen –
zum Vater den er verkündet hat
und zu den Menschen, denen er den Vater verkündet hat.

Zugleich gibt uns die Betrachtung des Leidens Jesu die Kraft, dass wir uns dem Gebet Jesu anschließen:
„Vater, verschone mich, wenn es möglich ist, von diesem Leid.
Aber nicht mein Wille soll geschehen – an mir und durch mich – sondern der Deine!“

Jesus zeigt uns: auch durch das Leid hindurch führt uns der Weg in die österliche Herrlichkeit.

 

17. März 2013: Bußgottesdienst in der Fastenzeit 2013

 

 

Schöpfung (Köder)

„Vater Unser“

Bild: Die Schöpfung von Sieger Köder

Lied:                    Solang es Menschen gibt auf Erden                 GL 300/1+2

Einführung:
Es ist gut, dass sie gekommen sind.
Es soll eine ¾ Stunde werden, in der wir einmal innehalten.
Auf unser Leben schauen. Ist mein Leben gut, ist es recht?
Was bedrückt und belastet mich?  Was tue ich, was ich eigentlich nicht gut finde?  Wohin führt mich mein Weg eigentlich?

Unser Nachdenken ist ausgerichtet auf das Leben, auf die Quelle des Lebens, auf Gott. Lebe ich auf das Leben hin?
Oder überlasse ich mich negativen Gedanken und Stimmungen, die vom Leben weg führen, vom Leben, das von Gott kommt und auf Gott zielt.

Wir denken vor Gott über uns und unser Leben nach, weil er uns annimmt. weil er uns Kraft gibt; weil er uns öffnet, wenn wir anklopfen, weil er uns den Weg des Lebens zeigt und gehen hilft. Das Vater Unser ist heute Abend die gedankliche Richtschnur für unser Nachdenken und Besinnen.

Kyrie GL 523

Oration
Unser Vater im Himmel, durch deine Gnade dürfen wir leben.
Du hast uns in der Taufe als Deine Kinder angenommen.
Doch unser Vertrauen ist gering und unsere Liebe oft schwach.
Unser Gewissen klagt uns an.
Rede uns nun zu Herzen, tröste, ermahne und ermutige uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus

Lied:                    Herr wir hören auf dein Wort                              GL 860/1

Evangelium: Lk 11,1-4
1      Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte,
sagte einer seiner Jünger zu ihm
Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
2      Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme.
3      Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
4      Und erlass uns unsere Sünden; /
denn auch wir erlassen jedem,
was er uns schuldig ist. /
Und führe uns nicht in Versuchung.

Lied:                    Herr wir hören auf dein Wort                              GL 860/2

Ansprache:
Die Evangelien berichten immer wieder, dass Jesus betete, manchmal auch lange betete – meistens in der Einsamkeit.

Beten gehörte jedenfalls wesentlich zum Leben Jesu dazu. Beten gehört zu jedem Menschen, der an Gott glaubt.

Weil ich an Gott glaube und mit Gott lebe, bete ich: Was mir geschieht, gut oder schlecht, bringe ich vor Gott,
denn ich möchte reden und tun, was meinem Glauben an Gott entspricht.

Wer an Gott glaubt, betet! –Vielleicht nur durch das Leben – vielleicht sogar ohne Zeiten, Orte und Worte.
Manche Glaubende sagen: Mein Leben ist mein Gebet!

Wenn ich „an Gott glaube“: Lebe ich jedenfalls in einer Beziehung zu Gott, mein Leben steht mit ihm in Verbindung, denn Gott ist der, der mich unbedingt angeht.

Das Bild von Sieger Köderträgt eigentlich den Namen „Schöpfung“. Dieses Bild drückt genau aus, was ich meine: Diese Schöpfung, das ganze Universum, geht aus Gott hervor und wird von Gott gehalten.

Da ich Mensch bin und über mich selbst und die Welt nachdenken kann,
da ich von Gott abstamme und einen Funken seines Seins in mir ist,
kann ich zu ihm sprechen und kann ich auch versuchen, ihn zu hören – in meiner Seele, in meinem Herzen.
Ich bete.

Die Jünger haben Jesus darum gebeten, sie das Beten zu lehren!
Dahinter steckt der Wunsch: Zeige uns, welche Beziehung wir zu Gott haben. Zeige uns, wer er für uns ist! Führe uns ein, damit wir so zu Gott stehen und so mit ihm leben wie du.

Lehre uns beten, so dass unser Glaube an Gott so wird wie Dein Glaube. Dass Gott uns Kraft gibt! Dass er uns befreit! So wie seine Kraft in dir ist und wie du Jesus frei bist durch ihn.

Jesus antwortete den Jüngern mit dem „Vater Unser“ als seinem Gebet, in dem sein Geist liegt. Jesu Gebet zeigt uns, wie wir vor Gott und mit Gott leben – so dass Gottes Kraft, dass seine Freiheit in uns ist.  Am Vater Unser entlang denken wir über uns nach und richten unser Leben neu auf Gott hin aus.

Gewissenserforschung

1. Wort: Vater Unser im Himmel

Es ist manchmal nicht leicht, an den unsichtbaren Gott zu glauben.
Schmerzen und Leiden der Menschen, die Ungerechtigkeit und Empfindlichkeit des Lebens lassen uns an Gott zweifeln:
Kann diese Welt das Werk eines Gottes, eines guten Gottes sein?
Gibt es wirklich einen himmlischen Vater, der uns als seine Kinder liebt?

  • Was stellt meinen Glauben in Frage? Was stellt ihn auf die Probe?
  • Suche ich Antworten auf meine Fragen oder verdränge ich sie?

Kyrie 2 mal

2. Wort: Geheiligt werde dein Name

Was heißt eigentlich, „Gottes Namen heiligen“?
Gott ist der Heilige, der Eine, der Wahre, der Schöpfer, der in und über allem ist. Gott ist unser himmlischer Vater – gerade deshalb prägt Dankbarkeit, Liebe, Gehorsam, Ehrfurcht unsere Beziehung zu ihm.

  • Ist Gott mir wertvoll? Ist er mir einzigartig wichtig?
  • Habe ich „Ehrfurcht“ vor Gott?
  • Gebe ich ihn in meinem täglichen Leben und in meiner Umgebung Raum? Gottesdienst – Gebet – Symbole des Glaubens in meiner Wohnung – Ein „Herrgottswinkel?“

Kyrie: 2mal

3. Wort:   Dein Reich komme,  dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Was will Gott?
Jesus sagt:  Ich bin gekommen, damit ihr das Leben in Fülle habt:
Und in Getsemani betet er: Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine

Gott will Leben und Heil, er will diese vergängliche Welt und er will sie aufnehmen in seine Unvergänglichkeit.

Gottes Wille geschehe – an mir:
ich will mich mein Leben annehmen, was immer auch geschehen mag:
Ich will darauf vertrauen, dass Gott mir Heil und Leben schenken wird.

Gottes Wille geschehe durch mich:
Gott will, dass ich gerecht bin und wahrhaftig, dass ich Rücksicht nehme und helfe, dass ich Not wende und Verständnis zeige.

  • Wann und wie habe ich gegen Gottes Willen gehandelt?
    Wen habe ich gekränkt? Wem  bin ich etwas schuldig geblieben?
    Wem verschließe ich mein Herz?
  • Kann ich mich Gottes Willen anvertrauen?
    Kann ich glauben, dass er mir Heil und Leben schenken wird?
    Oder schwindet mein Vertrauen, weil manches anders kommt, als ich es mir wünsche?

Kyrie: 2 mal

4. Wort: Unser tägliches Brot gib uns heute

Brot: das ist Essen und Trinken, das ist Anerkennung und Respekt,  das ist alles, was wir brauchen, um menschenwürdig zu leben.
Wir beten um unser Brot: Nicht um mein Brot. Als Beter vor Gott sind wir eingebunden und verbunden mit allen, die mit uns auf dieser Erde leben.
Wir beten um das tägliche Brot, das wir heute brauchen. Das Leben kann nicht im Vorhinein abgesichert werden. Jeder neue Tag ist Gottes Geschenk, an jedem neuen Tag bitten wir um unser tägliches Brot.

  • Schätze ich das tägliche Brot? Kann ich dankbar sein?
  • Bin ich fordernd gegenüber anderen?
  • Helfe ich durch Spenden die Not in der Welt zu lindern?
    Möchte ich großzügiger sein?

Kyrie: 2 mal

5. Wort:   Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Dass wir Gott und den Mitmenschen viel schuldig bleiben, wissen wir. Statt Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Geduld zu üben sind wir auf uns fixiert und fragen gar nicht nach Gottes Willen.
Zugleich sind andere an uns schuldig geworden: Frieden mit uns selbst finden wir, wenn uns vergeben wird und wenn wir es schaffen, zu vergeben.

  • Welche Menschen muss ich um Verzeihung bitten? Wofür?
  • Wem habe ich etwas zu vergeben?
  • Kann ich etwas beitragen, dass es zur Versöhnung kommt?

Kyrie: 2 mal

6. Wort:   Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

„Die Versuchung“ und „das Böse“ stehen in einer Bitte zusammen. Nicht ohne Grund, denn das Böse ist die Versuchung für uns Menschen. Wenn wir dem Bösen begegnen, sind wir versucht, nicht mehr an das Gute zu glauben. Und manchmal sind wir versucht das Böse zu wählen oder zu tun, weil es so verlockend ist. Geld – Vorteil – Vergnügen – Entspannung – Abenteuer – Erfolg können uns tatsächlich so anziehen, dass wir dafür breit sind, anderen Böses zu tun, statt Gottes Willen zu achten.

  • Was sind meine persönlichen Versuchungen?
    Was ist mir so wichtig, dass ich bereit wäre, dafür gegen mein Gewissen zu handeln?
  • Sehe ich das Gute in meinem Leben?
    Oder bin ich auf das fixiert, was ich nicht bekommen oder erreicht habe?
  • Sehe ich das Gute in der Welt
    oder sehe ich nur noch Unrecht und Unglück und Unzulänglichkeit in der Schöpfung und bei den Menschen?

Kyrie: 2 mal

Bitte um Vergebung

Wir haben über uns und unser Leben nachgedacht.
Manches, was wir getan oder nicht getan haben, bedauern wir oder bereuen wir sogar.
Manches wollen wir besser machen, in Ordnung bringen.
Manches können wir nicht anders machen, obwohl es nicht gut ist:
vielleicht haben wir nicht genügend Mut oder Kraft oder es gibt zu große Hindernisse.

So beten wir:
Herr, wir bekennen vor dir unsere Schuld:
Wir haben manchmal so gelebt,
als ob wir dich nicht lieben würden.
Wir haben den Mitmenschen,
unseren Nächsten, nicht geliebt,
sondern waren ihm gegenüber hart,
unaufmerksam, unbarmherzig,
verschlossen und gleichgültig, deshalb sprechen wir:

Das Schuldbekenntnis: „Ich bekenne ….“

Gott, unser Vater, sei uns gnädig. Er verzeihe uns unsere Sünden.
Er stärke uns im Guten. Er mehre unser Vertrauen.
Er erwecke in uns immer wieder die Liebe zueinander und zu ihm, unserem Schöpfer und Retter. Amen

 7. Wort: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Der Lobpreis steht am Ende: Wichtig ist mir das Wort DENN.
Das alles bitten und beten wir – unser Leben richten wir auf Gott hin aus,
denn das All und seine Schönheit und seine Kraft – Alles – kommt von Gott her und mündet in Gott ein.

So singen und danken wir unserem Gott

Lied:                     Nun saget Dank und lobt den Herren                  GL 269/1

Abschluss

Gott vergibt uns und nimmt uns an, uns seine geliebten Kinder,
sein Volk, das er sich erworben hat durch die Hingabe seines Sohnes  Jesus Christus.
Er schenkt uns seinen Frieden, der uns untereinander verbindet.

Lasst uns nun beten, wie der Herr es gelehrt hat.

Vater unser

Segensgebet

Der HERR,
erfülle euch mit seiner Kraft,
auf dass Ihr in Gelassenheit ertragt,
was er euch zumutet und auferlegt;

ER erfülle euch mit seiner Liebe,
auf dass ihr sie an die weitergebt,
die sich danach sehnen;

ER erfülle euch mit seiner Güte,
auf dass ihr denen Hilfe bringt, die Not leiden;

ER erfülle euch mit seiner Barmherzigkeit,
auf dass ihr sie an denen übt,
die verfolgt und rechtlos sind;

ER erfülle euch mit seinem Segen,
auf dass ihr selbst zum Segen werdet.

ER schenke euch seine Gnade,
auf dass ihr mit seiner Hilfe
ihm und den Menschen dient
und den Weg zu ihm findet.

Mit seinem Segen begleite euch
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

(nach Heinz Pangels)

Orgelspiel

Erarbeitet von Martin Müller, Stahlzwingerweg 11, 93047 Regensburg

17. März 2013: 5. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Das Misereor Hungertuch findet man hier: MISEREOR-Hungertuch

Wir haben den Hunger satt! – das ist das Leitwort der MISEREOR Fastenaktion in diesem Jahr.
Wir haben den Hunger satt – das ist ein Wortspiel mit der Redewendung „ich habe es satt …“, die Überdruss ausdrückt. Wir wollen nicht mehr hungern müssen!

Ganz darauf abgestimmt ist auch das neue Hungertuch von MISEREOR, das uns heuer und nächstes Jahr zum Nachdenken anregen kann.
Das Hungertuch trägt die Überschrift: „Wie viele Brote habt ihr?“ Das hat Jesus seine Jünger gefragt, als diese ihn aufmerksam machten, dass er die Menschen wegschicken soll, damit sie sich etwas zu essen kaufen könnten.

Die Szene sehen wir auf dem Bild links oben:
Im Hintergrund die Armen, die Hunger leiden. Im Vordergrund ein Tisch, hinter dem ein Kind steht. Es hat alles was er hat, die zwei Fische, auf den Tisch gelegt.
Das Bild ist aus der Perspektive Jesu gezeichnet. Von ihm her fällt helles Licht auf den Tisch und den Jungen.
Ein Mensch fängt an zu teilen, ein Mensch fängt an, aus Liebe zu handeln, ein Mensch, vertraut sich und seine Möglichkeiten Gottes Kraft an.
Was dieses Kind bringt, reicht für alle.

Das Bild darunter beschreibt den betrüblichen Teil der menschlichen Wirklichkeit: Der Tisch auf dem Bild ist eine Barriere zwischen denen, die Köstlichkeiten in sich hineinstopfen und den Hungernden, die flehend die Arme in die Höhe strecken, damit sie ein wenig Anteil haben am Brot.
Die Frage: Wie viele Brote habt ihr? Findet kein Echo. Niemand bringt etwas. Diese Selbstsucht führt viele Menschen in den Tod durch Krankheit und Hunger. Sie führt zu Gewalt. Deshalb sind im Hintergrund die drei Kreuze. Doch auch hier ist das Licht Christi zu sehen: die Verheißung einer solidarischen Welt.

Rechts oben ist Christus dargestellt. Um ihn herum sind Kranke, Verkrüppelte, Kinder und ihre Mütter. Christus teilt Brot und den Wein mit ihnen – wie der Junge auf dem Bild links daneben – gibt er sich – auch in der Fußwaschung die in dieses Bild aufgenommen ist.
Miteinander das Brot teilen. Einander die Füße waschen, einander dienen – so entsteht Gottes Reich mitten in der Welt. So strahlt das Licht Jesu in diese Welt.

Das Bild rechts unten ist ein Gegenbild zu dem daneben:
Kinder sitzen auf dem Tisch, der nun keine Barrikade mehr ist. Getreidehalme mit vollen Ähren umspielen ihre Füße. Es ist das Leben in Fülle, das Jesus verheißt. So sehr diese Verheißung das Jenseits betrifft, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Könnte sie nicht auch Gegenwart sein, wenn wir Menschen die Frage beantworten: „Wie viele Brote habt ihr?“
Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt – heißt es in einem Lied! Besonders heute – aber nicht nur heute – sind wir eingeladen zu teilen, was wir haben, damit der Hunger weniger wird und die Menschlichkeit, die uns über die Evolution hinaushebt, zunimmt.

Ans Ende der Ansprache möchte ich einige Sätze von Bischof Theotonius Gomesaus Dhaka/Bangladeschstellen,

Liebe Freunde,
ich heiße euch herzlich willkommen, mit mir einige persönliche Gedanken zur TischSymbolik dieses Hungertuchs zu teilen.
Lasst mich auf der konkreten Ebene beginnen: die Nahrung, die uns zuteil wird, sollen wir behutsam und bewusst essen, um satt zu werden; und wir sollen sie mit Freude kosten und schmecken, um die Güte, die uns widerfährt, bewusst wahrzunehmen. Mit einer solchen Haltung werden wir Zugang zum Geist des Fastens und der Fastenzeit gewinnen.

Ja, lasst uns satt werden und uns stets freuen an dem Brot, das wir essen. Sollte uns im Überfluss diese einfache Freude abhanden gekommen sein, lasst sie uns demütig wieder erlernen von den Armen und all jenen, die hungern. Auch wenn es wie ein Wunder erscheinen mag: Sie freuen sich an der einen, sehr einfachen Mahlzeit am Tag, derer sie vielleicht habhaft werden können.

Lasst uns die Güte der Nahrung erkennen als Gottes tägliches Geschenk an uns, als Geschenk der Erde und unserer Hände Arbeit, ein Geschenk, dem eine Dimension des Heiligen innewohnt, und das uns zuteil wird, damit wir leben können. Die Dimension des Heiligen in unserer Nahrung wird dort umso deutlicher, wo sie von reichen und armen Menschen geteilt wird als Zeichen der Freundschaft und familiären Verbundenheit – auch wenn diese Menschen weit entfernt voneinander wohnen.

Nichts von dieser so wertvollen Nahrung darf vergeudet, nichts weggeworfen werden. Aber wir wissen: es gelingt uns bis heute nicht, die eine, liebevolle Menschheitsfamilie auf der Erde zu schaffen unter dem Zeichen des Täglichen Brotes. Wir sind beschämt und niedergeschlagen. Ja, »wir haben den Hunger satt«, den Hunger, der den Tod bedeuten kann, den Hunger, dessen Schmerzen den Hungernden peinigen. Es gelingt uns nicht, den Hunger unserer Tage zu stillen. Lassen wir, liebe Freunde, jenen inneren Hunger in uns entstehen, der den Hunger aus der Welt verbannen kann.

Hier halten wir einen Moment inne und wagen es, auf jene die Zeiten übergreifende Tischrede im Gebet unseres Herrn zu hören: »Unser tägliches Brot gib uns heute.« Lasst es uns inständig beten, auf dass es für alle Wirklichkeit werden möge. Das Herrenmahl ist die Gnade, die uns leitet, wenn wir unsere täglichen Gaben darbringen und gestärkt werden in der Feier der Eucharistie. Wir beten und versprechen, uns mit all unserer Kraft, mit unserem Körper und unserem Herzen einzusetzen für eine weltweite Kultur und Zivilisation des Täglichen Brotes als Zeichen der Gegenwart seines Reiches unter uns, im Hier und Heute.