10. März 2012: 4. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

„Jetzt müssen wir uns freuen und ein Fest feiern!“ –
Die Geschichte vom barmherzigen Vater ist so anschaulich erzählt, dass ich die Personen direkt vor meinem Auge sehe. Die Handlung ist so klar, als ob ein Erlebnis geschildert würde!

Fragen wir uns: Wer bin ich in dieser Geschichte? Wo stehe ich in dieser Geschichte? Es gibt viele Möglichkeiten:
Sie können sich in einem der beiden Söhne erkennen; Oder nehmen sie lieber die Rolle des Vaters ein?
Es gäbe aber auch noch die Nachbarn – oder die falschen Freunde.

Ich selber – möchte einer der Tagelöhner sein, die das Fest feiern und sich mit dem Vater freuen. – Doch für sie hat Jesus das Gleichnis nicht erzählt. In dieser Rolle stehle ich mich davon und weiche der Botschaft Jesu aus!

Jesus spricht die Pharisäer und Schriftgelehrten an, die sich empören, weil er mit Zöllnern und Sündern zusammen ist. Aber auch sie hören diese Geschichte und sind also angesprochen – das möchte ich nicht vergessen.

Ziemlich schonungslos schildert Jesus ihr Versagen:
Der jüngere Sohn geht mit seinem Kapital: Sein Wissen, sein Verstand, alles, was er hat, hat er geerbt – er geht weg und tut, was er will. Er wirft alles, was er gelernt hat hinter sich und führt ein liederliches Leben!

Ich sehe darin nicht nur einen Menschen, der sein Leben verfehlt. Das ist für mich die Beschreibung unserer Welt:
In jeder Zeit erliegt der Mensch der Versuchung, seine Mittel und Möglichkeiten, seine Erkenntnisse, die Bodenschätze und die Schöpfung so zu behandeln, als könne er damit machen, was er will:
Wie sonst könnte verschimmeltes Futter verkaufen und verfüttert werden?
Wie sonst könnte jemand Kobaldminen in Afrika einrichten – und dabei jegliche Rücksicht auf die Arbeiter und auf die Natur außer Acht lassen?

Der jüngere Sohn hat erfahren, wie sein Weg der rücksichtslosen Ausbeutung seiner Vorräte ihn in den Abgrund führte.
Wenn wir Gottes Gebote nicht achten, wenn wir den Mitmenschen und die Schöpfung nicht achten, wird der Weg uns genauso in den Abgrund führen!

In seinem Elend beschließt er zurückzukehren.
Der Vater sieht ihn kommen und weiß er: mein Sohn kehrt nicht nur zu den Fleischtöpfen zurück – er wird in Zukunft das Leben und die Schöpfung achten.

Jesus offenbart in dieser Geschichte Gott, der keine zurückstoßen wird, der zu ihm kommt.

Können wir glauben, dass Gott dieser Welt und dem Menschen in der Welt immer wieder einen Weg offen lässt, einen Weg des Lebens?
Können wir glauben, dass diese Schöpfung uns immer wieder den Weg des Lebens gehen lässt, sobald wir ihn suchen?

Es wäre natürlich widersinnig zu sagen: Gut, dass Gott barmherzig ist: Alles, was mir gefällt und mir nützt will ich tun! Gott wird mir ja vergeben.

Jesus ermutigt nicht zur Sünde! Er ermutigt die Sünder, auf Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen und umzukehren.
Die Pharisäer und Schriftgelehrte und jeden, der andere beurteilt ein, lädt Jesus ein, sich zu freuen, wenn ein Mensch neu anfangen will.

Da Gott also barmherzig ist und seinen verlorenen Söhnen entgegengeht, kann ich Mut fassen. Ich muss nicht so tun, als ob ich keine Fehler hätte.
Ich kann mich hinsetzen und ehrlich zu mir selber sein:

Wie oft rede ich Dinge, die mir dann leid tun? – Gehe ich nicht oft den bequemen Weg, statt dem, was die Liebe sagt?

Ich brauche nicht Angst zu haben, sondern kann in mich gehen.

Ich kann und darf jeden Tag und jeden Augenblick neu anfangen, danach zu fragen und das zu suchen, was die Liebe tut.
Gott, der die Liebe ist, wird mich kleiden mit dem Festkleid der Freude und wird mich aufnehmen in die Gemeinschaft des Lebens und derer, die das Leben des anderen lieben wie das eigene.
Dazu macht Jeus mir in diesem Gleichnis Mut – gegen jene, die sagen:  Für Dich ist es zu spät!

Für die Liebe Gottes ist es im Leben nie zu spät!

3. März 2013: 3. Fastensonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Jesus hält den Leuten vor: „Ihr werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“

Inwiefern „Genauso“? frage ich mich.
Jesus lag es sicher fern, den Leuten einen ebenso gewaltsamen Tod anzukündigen, falls sie sich nicht bekehren würden?

Die richtige Spur zu diesem „genauso“ findet sich vor diesem Abschnitt des Lukasevangeliums: Jesus spricht davon, dass die Leute die Zeichen der Zeit verstehen und richtig deuten sollten. Vor allem aber das Gleichnis vom Feigenbaum, der noch ein Jahr Gnadenfrist bekommt, zeigt, wie dieses Genauso zu verstehen ist.

Jesu mahnt: Wenn ihr euch nicht zu Gott bekehrt, wird euer Leben zu Ende gehen, ohne dass ihr Frucht gebracht habt!

Es muss nun auch noch das „Frucht bringen“ übersetzt werden:
Früchte bringt der Mensch, der sich zu Gott bekehrt: zu Gott, der alles Geschaffene liebt.

Jesus glaubte, er vertraute bis in die innerste Faser seines Herzens, dass Gott alles Geschaffene liebt. Sein Leben hatte den einzigen Sinn:
Dass durch ihn die Liebe seines Vaters im Himmel sichtbar wird.

Deshalb hat Jesus so fruchtbar wirken können:
Deshalb konnte er Frauen und Männern und Kindern, die zu ihm kamen, die man zu ihm brachte neue Kraft geben und ein neues Leben eröffnen.
Er hat in all diesen Menschen den Glauben, das Vertrauen begründet, dass Gott, sie liebt, wie ein Vater seine Kinder liebt.

Das war die Frucht, die Jesus brachte: er hat die Menschen mit Gott versöhnt. Er hat sie Gottes Liebe leibhaftig spüren lassen.

Wenn Jesus mich aufruft, mich zu bekehren, dann geht es also gar nicht darum, dass ich etwas tun müsste: es geht nicht so sehr um besondere Aktivitäten und Leistungen.
Das würde uns ja so gefallen: dass wir Gott etwas vorweisen können.

Es geht vor allem darum, dass wir – so wie Jesus – uns radikal auf den Glauben an die Liebe Gottes zu allem Geschaffenem einlassen.
Dieser Glaube an Gottes Liebe zu allem Geschaffenen wird ganz gewiss und gleichsam automatisch – von selbst – Früchte tragen.

Besonders, da Jesus alles dafür getan hat, damit der Glaube, dass Gott uns liebt unsere Wurzeln erreicht, so dass er in uns Früchte bringen kann.

17. Februar 2013: 1. Fastensonntag

Hier geht es zu den litugischen Texten: Beuron

 

Gibt es den Teufel? Dämonen?
Es wäre interessant, zu erkunden, was sich in der Bibel und besonders im Neuen Testament über den Teufel sagen lässt: Bei welchen Gelegenheiten Taucht er auf? Was tut er? Wie wird er dargestellt?
Aber hier in der Messe wäre das der falsche Ort: Denn ich verkündige Christus, den Auferstandenen und nicht den, den die Bibel Teufel und Satan nennt.

Mt., Mk. Und Lk., die drei synoptischen Evangelien berichten von dieser 40 tägigen Wüstenzeit Jesu und von den Versuchungen, denen er in dieser Zeit widerstand!

Er widerstand den Versuchungen!
Dadurch und deshalb kann er unser Erlöser und Messias sein, weil er den Versuchungen widerstand und ihnen nicht erlag!

Lassen Sie mich die drei Versuchungen anschauen:

Es ist nichts Verwerfliches daran, seinen Hunger zu stillen! Schließlich und endlich beten wir um das tägliche Brot!

Jeder Mensch möchte über sich und sein Leben bestimmen können. Wir sind gerade durch den freien Willen Gott ähnlich ‑ durch die Fähigkeit, neues zu entdecken, auszuprobieren und auch zu schaffen.

Der Glaube an den unsichtbaren Gott und seinen Schutz ist eine Herausforderung für jeden Menschen. Wer würde sich nicht über einen handgreiflichen Beweis freuen, dass Gott wirklich da ist und uns behütet und schützt?

Im Leben Jesu tauchen alle drei Themen immer wieder auf:
Er hat den Menschen Brot gegeben!
Er hat die Regeln des jüdischen Glaubens frei interpretiert und scheinbar gebrochen.
Er hat Menschen von ihren Krankheiten geheilt und sie so handgreiflich spüren lassen, dass Gott ihnen nahe ist und ihnen Gesundheit und Heil schenkt.

Hunger, Selbstbestimmung und unmittelbare Gottesgewissheit – was also ist daran verkehrt? Worin besteht die Versuchung für Jesus?

Die Antworten Jesu sind das Entscheidende!

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!
Der Menschen sehnt sich in seinem Innersten nach mehr als die Welt der Vergänglichkeit ihm geben kann. – Diesen Hunger kann nur Gott stillen!

Du sollst allein dem Herrn, deinem Gott, dienen und dich vor ihm niederwerfen.
Wer Gott als seinen einzigen Herrn anerkennt, wird sich davor hüten, die Freiheit und Selbstbestimmung anderer Menschen zu übergehen.
Unsere Freiheit ist uns gegeben, damit Gottes Herrschaft in der Welt zu Frieden und Gerechtigkeit führt. Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen!

So sehr wir nach Gewissheit hungern – wir würden Gott nicht mehr als Gott achten, wenn wir ihm Bedingungen setzen: Ich glaube an dich, wenn du mir beweist, dass du Gott bist! Wir dürfen Gott nicht zwingen wollen, in dieser Welt unsere Vorstellungen umzusetzen.
Wenn ich glaube, verlasse ich mich darauf, dass Gott mir Heil schenkt; und zwar durch den Tod hindurch.

Lukas verkündigt Jesus als den,
der allein von seinem himmlischen Vater das Heil erwartet;
der nichts anderes will, als Gottes Willen zu tun;
der sich auch im Leiden und Tod Gott anvertraut.

Jesus hat den Versuchungen widerstanden und den Gehorsam gegen Gott und das Vertrauen zu Gott an die erste Stelle gesetzt.

Wenn ich ihn fragen würde: Was ist dir wichtig im Leben?
Er würde vielleicht sagen: Dass Gottes Wille in der Welt geschieht – durch mich.

Was ist unsere Antwort?

13. Februar 2013: Wortgottesdienst am Aschermittwoch

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Ich rede lieber von der österlichen Bußzeit als von der Fastenzeit, weil „österliche Bußzeit“ klar und deutlich das Ziel benennt:
Nach 40 Werktagen und 6 Sonntagen werden wir Ostern feiern!

Ostern feiern – das geht nicht so leicht.

An Ostern geht es ums Zentrum unseres Glaubens: dass Jesus von Nazareth sich freiwillig einem ungerechten Todesurteil unterwarf.
Die Evangelien verkünden, dass er diesen Weg aus Liebe und Treue ging: aus Liebe und Treue zu seinem himmlischen Vater wie auch zu den Menschen, die ihm gefolgt waren und denen er Versöhnung, Verständnis und Heilung gebracht hatte.
Doch auch dadurch ist es nicht viel einfacher zu verstehen!

Ostern feiern, das geht nicht so leicht:

An Ostern feiern wir, dass wir eine Zukunft haben, weil Jesus auferstan­den ist. Unsre Zukunft liegt jenseits dieser Welt. Unsere Zukunft ist der, aus dem diese Welt hervorgeht, der sie trägt und hält, der sie liebt – vielleicht sogar weil sie so unvollkommen ist.

Dreimal sagt Jesus:
„Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
Damit richtet er den Blick auf diese Zukunft, die uns offen steht.

Wir haben sechs Wochen Zeit, uns darauf einzustellen:
dass wir Ostern feiern – unsere Zukunft bei Gott, dem Ursprung des Weltalls, jenseits dieser Welt, die uns trägt und ernährt.

Diese sechs Wochen haben den Sinn,

dass wir diese Zukunft klarer sehen,

dass wir entschiedener diese Zukunft wollen und anstreben,

dass wir dankbarer genießen,
was uns dabei hilft und unser Vertrauen stärkt,

dass wir uns mehr darüber freuen,
wenn wir Zeichen dieser Zukunft in dieser Welt erleben dürfen;

dass wir überzeugter glauben, dass Gott aus Jesus gesprochen hat;

dass unsere Kraft zu lieben, größer wird.

Dieser anspruchsvollen Herausforderung können wir uns in den nächsten Wochen stellen. Ich bin mir sicher, jede und jeder unter uns könnte entschiedener sein in seiner Lebensgestaltung. Jede und jeder von uns hat noch Möglichkeiten, sich stärker auf diese Zukunft auszurichten, die wir an Ostern feiern werden.

Mit großer Kraft können wir dann an Ostern unser Taufversprechen bekräftigen und allem widersagen, was dem Glauben an Gottes Liebe widerspricht.

Wir können auf die Frage ob wir an Gott, den Schöpfer, den Erlöser, den Beistand glauben und an die Auferstehung der Toten entschiedener antworten: „Ich glaube“.

Das ist das Ziel der österlichen Bußzeit.

Ich selber möchte mich deshalb in diesen 6 Wochen einigen Fragen stellen – und möglicherweise den Konsequenzen in der Lebensgestaltung:

Was ist mir im Leben wichtig?

Was tue ich dafür?

Was hindert mich zu tun, was ich gut finden würde?

Was macht mir Freude?

Was macht mich traurig?

Welche Glaubensfragen  beschäftigen mich zurzeit?

Vielleicht mögen Sie die kommenden sechs Wochen sich auch diese Fragen stellen? Vielleicht sind für Sie ganz andere Fragen bedeutend?

Als Anregung erhalten Sie  jedenfalls bei der Auflegung des Aschenkreuzes einen Zettel mit diesen Fragen für die österliche Bußzeit 2013.

10. Februar 2013: 5. Sonntag im Jahreskreis

Hier findest Du die liturgischen Texte:
Beuron

Von Nazareth geht Jesus wieder nach Kafarnaum. Dort befreit er einige Menschen von sie quälenden Geistern; er wohnt im Haus des Simon, heilt dessen Schwiegermutter vom Fieber und nach mehreren weiteren Heilungen nimmt der Andrang immer mehr zu.

Als er Simon sieht, seinen Gastgeber, nimmt er sein Boot, damit er zu den vielen Leuten reden kann!

Diese Geschichte steht hinter einem Detail in manchen Barockkirchen wie in Mariä Verkündigung in Altenerding: Die Kanzel steht in einem Fischerboot.

Die Kanzel ist der Ort, wo Petrus und alle seine Nachfolger das Netz auswerfen, wenn sie Jesus Christus und seine Botschaft verkündigen!

Christus selber ist der erste, der die Botschaft von Gottes Reich verkündet.
Petrus stellt ihm dafür sein Boot zur Verfügung!

Wir alle dürfen Jesus das unsere zur Verfügung stellen – damit er seine Botschaft verkünden kann. Damit seine Botschaft die Menschen erreichen kann.

Jeder kann sich fragen, was ist mein Fischerboot, das Jesus brauchen kann?
Oft sind es einfach unsere hilfsbereiten Hände, durch die er verkündigt.
Jesus verkündet seine Botschaft durch unser Herz, das sich immer mehr von ihm prägen lässt, so dass seine Freude aus uns strahlen kann;

wenn wir Verständnis zeigen,
wenn wir uns mutig für Gerechtigkeit einsetzen,
wenn wir der Unwahrheit widerstehen,
wenn wir Nachsicht zeigen und bereit zur Versöhnung sind ….

dann steht Jesus in unserem Boot und verkündet seine Botschaft vom Heil für die Menschen.

Weil Fasching ist, wage ich noch einen Blick im Streiflicht auf diesen Abschnitt des Lukasevangeliums:
Wegen der Überfülle des Fischfangs während der ungünstigen Tageszeit erinnert mich dieser reiche Fischfang an das Weinwunder in Kanaan.
Da ist die Weinmenge schier unerschöpflich und der Wein kommt aus den großen Krügen, die für hygienische Zwecke bereit standen.

Man kann es kaum glauben: Niemand schlägt Kapital aus dieser Fülle:
Jesus und seine Jünger eröffnen weder ein Weingeschäft, noch einen Fischhandel.

Denken sie doch mal über die Gründe nach!

3. Februar 2013: 4. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

 

Das Lukasevangelium schildert hier ein Musterbeispiel dafür, wie Menschen aneinander geraten können, ohne dass es unbedingt nötig wäre und ohne, dass es jemand gewollt hätte.

Es hatte gut begonnen. Das hörten wir am vergangenen Sonntag: Jesus liest Jesaja: Ich bin gekommen, um ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. Er sagt: Heute hat sich das Schriftwort erfüllt. Alle staunten über ihn!

Allzu verständlich ist der Satz: Ist das nicht der Sohn Josefs?
Wer hätte dem solche Worte zugetraut?

Dann aber ergreift Jesus das Wort und bringt die Situation zum Kippen!
Er provoziert seine Landsleute bis aufs Äußerste, mit diesen Beispielen von den Propheten Elija und Elischa!

„Ihr glaubt mir so wenig, wie die Israeliten damals den Propheten glaubten!“ Und unversehens stellt er sich damit ausdrücklich neben diese beiden größten Propheten des Volkes!

Ich habe Lukas gefragt:
Lieber Evangelist Lukas warum steht diese Szene in deinem Evangelium! Du willst doch die Leser für den Glauben an Jesus gewinnen – hier aber legt er es geradezu drauf an, die Leute gegen sich aufzubringen! Warum und wozu hast Du das geschrieben?

Der Evangelist Lukas antwortete mir in einem Brief:

Lieber Martin,
danke, dass Du mein Evangelium so sorgfältig liest.
Ich gratuliere Dir, dass Du bemerkst, wie schwierig diese Szene ist. ‑
Obwohl Du von Kindheit an gewohnt bist zu denken, dass Jesus nichts falsch machen kann.

Ja, ich habe diese Szene mit Absicht so geschildert und verfasst.
Ich versuche Dir zu erklären, warum:

Du weißt: In Nazareth ist der erste öffentliche Auftritt Jesu. Wer mein Evangelium liest, soll von Anfang an merken, wie das alles enden wird.
Ich will Jesus von Anfang an vorstellen als den, der „gekommen ist, zu suchen und zu retten, die verloren sind!“;

als Propheten den Leuten den Spiegel vorhält und der von den Führenden verurteilt wird und auch als den, der hindurch geht.

Das alles deute ich schon in dieser Nazareth Szene an. Deshalb geht die Begegnung Jesu mit seinen Landsleuten in Nazareth genauso schief, wie die Begegnung mit den Führenden in seinem Volk.

Den Leuten fiel es damals sehr schwer zu glauben, dass der Retter, den Gott sendet, als Mensch unter Menschen lebt; dass er als ganz normales Kind aufgewachsen ist; dass er ganz normale Eltern hatte.
Man hat sich vorgestellt, dass der Messias Gottes mit Macht und Herrlichkeit kommt – und nicht als Sohn eines Zimmermanns.

Fällt es den Menschen in Deiner Zeit leichter an Jesus von Nazareth zu glauben? Glauben sie heute leichter, dass Gott ihn als Retter gesandt hat?
Obwohl er einfach Mensch war?

Ich will, dass die Leser meines Evangeliums sich keine Illusionen machen: Der Weg Jesu, sein Leben, seine Botschaft – es ist schon eine riesige Herausforderung darin das Wirken Gottes zu erkennen.

Aber das ist eben die Botschaft Jesu:
Erwartet das Reich Gottes nicht nur für eine ferne Zukunft.
Es ist mitten unter euch und es liegt an euch, dass es sichtbar wird.

Diese Welt ist Gottes Welt und er wirkt das Heil durch euch Menschen!

Vergebt – dann vergibt auch Gott!
Heilt – Gott gibt euch die Kraft!
Befreit – Gott hat euch den Geist der Freiheit geschenkt.

Heute gilt es, Gottes Willen zu tun – so wie es Jesus tat!
Gott rettet – das ist sein Name und sein Programm!

Und weil Gott niemanden im Stich lässt und vergisst,
weil Gottes Kraft im Menschen ist,
deshalb geht Jesus durch alle Anfeindungen hindurch und lässt sich nicht beirren. Herzliche Grüße. Dein Lukas.

27. Januar 2013: 3. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen  Texten: Beuron

Nun haben wir also wieder einen neuen Bischof. Wie wurde er – Rudolf Voderholzer zum Bischof?

Aufgrund der Entscheidung des Papstes legten ihm Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und die anderen anwesenden Bischöfe die Hände auf, er wurde – wie bei seiner Taufe, Firmung und Priesterweihe ‑ mit Chrisam gesalbt und er versprach die Aufgaben eines Bischofs getreu dem Evangelium zu erfüllen.

Das alles zeigt: Bischof Rudolf Voderholzer ist eingebunden in die Gemeinschaft seiner Mitbischöfe, in die Gemeinschaft der Christen.
Nicht nur in die Gemeinschaft derer, die gegenwärtig als Christen und Bischöfe leben und glauben – sondern auch in die Gemeinschaft der Christen und Bischöfe, die das Evangelium Christi überliefert haben – angefangen mit Jesus selbst.

Zu Recht nennen wir die Bischöfe „Nachfolger der Apostel“.
Zu Recht sehen wir uns in dieser langen Reihe der Frauen und Männer, die an Jesus glauben und an sein Evangelium.

Wir glauben das Evangelium des Jesus von Nazareth, der Mensch war!
– Er war ganz und gar Mensch. Er ist keine Idee, keine Philosophie, kein System, keine Ideologie –
Er hatte eine Heimat: Nazareth, die kleine Stadt in Israel. Er hatte Eltern.
Er hatte alle Bedürfnisse, die ein Mensch hat.
Er kannte Freude und Leid, Angst und Hoffnung – wie jeder Mensch.
Er war ein Jude und ging in die Synagoge.
Er betete die Psalmen und las die hl. Schrift.

Aus ihm, der unter uns Menschen lebte und der die Apostel berufen und ausgesandt hat, ‑ aus ihm hat Gott gesprochen:
„Ich bin gekommen, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe!“

Wir Christen tragen den Namen Christi! Wir wurden mit dem Chrisam gesalbt – als Zeichen dafür, dass Gottes Geist in uns ist. Wir heißen und sind Gottes Kinder und dürfen mit Jesus Christus Gott als unseren lieben Vater ansprechen.

Wir können nicht anders, als diese Worte Jesu zu unserem Ideal zu machen.
Wir sind gesandt, um den Armen eine frohe Botschaft bringen, und den Blinden das Augenlicht!
Damit wir die Zerschlagenen in Freiheit setzen und verkünden, dass Gottes Gnade bei uns ist:

Er schenkt uns seine Gnade, das heißt:  Er selbst schenkt sich uns:
Er schenkt uns sein Leben, seine Fülle, seine Liebe seinen Geist.
Er macht uns fähig Anteil zu haben an ihm und seinem Leben!

Warum glauben auf der ganzen Welt so viele Menschen an das Evangelium Christi?

Aus diesem Grund:
Weil Christen nach wie vor den Armen helfen, Trost spenden, Hoffnung wecken, Kranke heilen und pflegen, Mutlose aufrichten,
Hilflosen beistehen, selbständig zu werden und Abhängige in Freiheit setzen.

Unser neuer und jeder künftige Bischof verkörpert,
dass wir eingebunden sind in die große Gemeinschaft der Glaubenden,
die das Werk Jesu fortsetzen und Menschen heilen und befreien von dem, was sie hindert, Gott als ihren lieben Vater zu erkennen.

Wir Christen dürfen wie Christus eine lebendige Einladung an unsere Mitmenschen sein, Eine Einladung zum Leben mit dem Leitwort:
Gott liebt mich. Deshalb …

20. Januar 2013: 2. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten Beuron

 

Am Ende des Johannesevangeliums heißt es: „Jesus, der wusste, dass seine Stunde gekommen war.“
Und Jesus betet „Vater, die Stunde ist da!“

„Die Stunde Jesu“, das ist die Stunde seines Todes, seiner Hinrichtung!
Diese Stunde ist für alle, die an ihn glauben, die entscheidende Stunde:

Jesus gibt sein Leben endgültig hin an die Menschen. Sein Leben, sein Vertrauen, seine Hoffnung, seine Treue – alles setzt er ein – damit wir glauben, damit wir versöhnt sind, damit endlich niemand glauben muss, Gott wolle die Menschen wegen ihrer Sünde bestrafen!

In dieser Hochzeitsgeschichte sagt Jesus: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“
Und doch offenbart er seine Herrlichkeit, so dass seine Jünger an ihn glaubten.

Die Geschichte von der Hochzeit zu Kanaan ist der Auftakt von Jesus öffentlichen Auftreten im Johannesevangelium:
In den anderen drei Evangelien beginnt Jesus sein öffentliches Auftreten mit der Botschaft vom Reich Gottes!

Meiner Meinung nach entsprechen sich diese verschiedenen Anfänge im Inhalt – nur nicht in der Form: Die Hochzeit ist nämlich ein bekannter biblischer Vergleich für Gottes Bund mit den Menschen. Durch Jesus wird dieser Bund erneuert und ausgeweitet auf alle, die an ihn glauben.

Das wird ausgedrückt, indem Jesus für den besseren Wein sorgt, und durch diese riesige Menge des Weines!

Als die Stunde da ist, wäscht Jesus den Jüngern die Füße und er reicht ihnen den Kelch mit Wein. Im Evangelium ist die Hochzeit zu Kanaan ein Vorausbild des Abendmahls, in dem Jesus Brot und Wein zum Zeichen seiner Gegenwart unter den Jüngern macht.

Wie können wir Christen es rechtfertigen, dass wir den Kelch nicht mit anderen teilen, die ebenso an Jesus glauben wie wir!

Mit Gläubigen, die wie wir versuchen, Marias Wort zu befolgen: „Was er euch sagt, das tut!“

Wie wir glauben die evangelischen, die orthodoxen, die reformierten, die altkatholischen Christen, dass Christus sein Leben gab – um uns zu befreien. Wie wir sind sie voll Hoffnung, dass sie von Jesus ewiges Leben empfangen.

Wann werden die verschiedenen christlichen Kirchen gegenseitig anerkennen, dass auch die Christen der anderen Konfessionen als Jünger Jesu vom Wein Jesu trinken,
dass Jesus im Zeichen des Mahles bei ihnen gegenwärtig ist.

Er ist es doch, der für den Wein sorgt!

Wir dürfen davon trinken und wir dürfen an ihn glauben.
Dürfen wir jemanden, der ebenso an ihn glaubt, ausschließen?

13. Januar 2013: Fest der Taufe Jesu (LJ C)

Sie haben sich entschieden! Wofür?
Sie haben sich entschieden heute diese Sonntagsmesse mitzufeiern!

Die meisten unter uns haben sich irgendwann entschieden, dies in der Regel zu tun – wann immer es ihnen möglich ist.

Wir feiern die Eucharistie, weil wir an Christus glauben! Weil wir getauft sind!
Von Zeit zu Zeit ist es gut und notwendig, dass wir uns erinnern, dass wir getauft sind und dass wir die Entscheidung für das Leben als Getaufte erneuern und bekräftigen.

Wenn ich heute gefragt würde: würde ich mich taufen lassen?
Auf den Namen Jesu Christi? Im Glauben an ihn, den Sohn Gottes? In diese katholische Kirche hinein?

Da ich schon als Kind in diesen Glauben hineingewachsen bin, kann ich mich fragen: Was bewirkt dieser Glaube in meinem Leben?
Was in meinem Leben ist so, wie es ist, weil ich als Christ glaube und lebe?

Ich möchte persönlich Zeugnis geben:

Das erste und wichtigste ist für mich,
dass ich glaube, dass ich, dass jedes Lebewesen in dieser Welt  von Gott gewollt und angenommen ist – in der Vergänglichkeit dieses irdischen Seins.

Diese Überzeugung ist sehr existenziell und bedeutsam: meine Eltern konnten sich nur überraschen lassen, von dem Kind, das ihnen geschenkt wurde. –
Ich glaube aber, dass in all den Zufälligkeiten ich von Gott gewollt bin. Dass er der Uranfang meines Seins ist. Dass jedes neugeborene Kind seine Idee ist – eine wunderbare, einzigartige Idee!

Das zweite ergibt sich fast von selbst daraus:
Da ich von Gott gewollt bin, bin ich geliebt von Gott, von Anfang an!
Dieses Vertrauen darf mich immer mehr prägen; dies darf immer mehr wie ein helles Licht in mir leuchten: ich bin Gottes geliebtes Kind!

Ich kann es kaum mit Worten beschreiben, was dies für das tägliche Leben bedeutet: für das Aufstehen und Arbeiten, für das Genießen und Freuen:
Ich habe einen festen Anker, einen Lebensatem, eine Lebenskraft,
eine Quelle, die nicht versiegt!
Ich muss mir dies auch nicht verdienen, sondern ich darf aus dieser Quelle leben – ohne etwas dafür getan zu haben.
Das erste und wichtigste meines Leben ist: ich bin von Gott geliebt!

Das dritte ergibt sich wiederum daraus:
Ich wünschte mir, dass alles, was ich tue und anfange, da seinen Aus­gangspunkt hat: Ich tue das und ich tue es so, weil ich von Gott geliebt bin.

Oft gelingt mir das nicht: Manchmal handle ich aus Ärger!
Manchmal bestimmen meine Vorstellungen und Wünsche mein Tun!
Oft zieht mich einfach der tägliche Betrieb in seinen Bann.
Oft lasse ich mich von den Menschen und ihren Wünschen und Erwartungen bestimmen.

Viel öfter könnte ich handeln unter der Überschrift:
Weil ich glaube, dass Gott mich liebt, und
weil ich glaube, das die Liebe das Größte ist, …

Jedes der vier Evangelien erzählt von der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan. Diese Taufe des Johannes wird verbunden mit der himmlischen Aussage über Jesus: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe!

Wenn ich lese und bedenke, was die Evangelien über Jesus zu erzählen wissen, dann fast diese Aussage alles zusammen:
Du bist mein geliebter Sohn!

Jesus ist für mich der Mensch, der davon ganz und gar durchdrungen war und der sich ganz diesem Glauben geöffnet hat – so dass alles, was er tat und sagte, darin seinen Ausgang hatte. Dieses Licht leuchtet aus ihm und es leuchtet in mein Leben.

Es leuchtet auch in mir – und in jedem der glaubt – je mehr ich mich dafür öffne.