23. Dezember 2012: 4. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

Zahlreiche Christen und die Vertreter des Bistums empfingen am Donnerstag Rudolf Voderholzer, unseren künftigen Bischof. Es war ein froher und herzlicher Empfang. Der neue Bischof fand sehr herzliche Worte. Vor allem aber sprach er als Christ zu den Menschen. Selbst wenn man nicht dabei war, kann man in den Berichten und Aufzeichnungen spüren, wie bewegend die Situation war.

Jeden Tag grüßen wir Menschen und werden begrüßt – doch manchmal ist es etwas ganz Besonderes:

Eine besondere Begrüßung schildert das Lukasevangelium: Maria besucht Elisabeth, um ihr in der Schwangerschaft beizustehen.

Lukas schildert keine historische Situation: Aber er schildert lebendig und anschaulich: ich sehe die Szene vor mir, in der Elisabeth Maria zuruft:

Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!

Diesen Worten möchte ich mich anschließen: Denn die Frau, die Jesus geboren und erzogen hat, ist wirklich eine gesegnete Frau! Gottes Geist ist mit ihr und spricht aus ihr.

Wir hätten viel gewonnen, wenn eine Schwangerschaft grundsätzlich als Segen empfunden würde und nicht als Bedrohung für die eigene Lebensentfaltung.
Es wäre viel gewonnen, wenn die Gesellschaft werdenden Mütter gratuliert und ihnen jeden Beistand gewährt, damit sie das Kind ruhig und zuversichtlich erwarten können.
Es wäre viel gewonnen, wenn ein ungeborenes Kind als Segen begrüßt werden könnte, wie Elisabeth sagt: Gesegnet ist die Frucht deines Leibes!

Für unsere Zeit ist das eine wichtige Botschaft in den Sätzen des Evangeliums.

Lukas aber lag aber etwas anderes am Herzen:
Elisabeth ist die Mutter Johannes’ des Täufers, der das Volk Israel auf die Ankunft des Messias vorbereitete.
Elisabeth ist Vertreterin des Volkes Israel, auf dem die Verheißungen Gottes ruhen. Sie begrüßt freudig und dankbar Maria und das Kind, das den Namen Jesus tragen wird.

Sie grüßt Maria als Mutter ihres Herrn. Ich möchte mich innerlich Elisabeth anschließen.

Ich möchte sagen: Gesegnet ist Jesus, den Maria empfangen hat.

Er ist gesegnet, erfüllt mit dem Heiligen Geist!
Er ist für mich und für die Menschen zum Segen geworden,
denn durch ihn sind wir versöhnt mit Gott,  dem diese Welt so am Herzen liegt, dass er in ihr als Mensch leben wollte.

 

Bußgottesdienst Advent 2012: „Wachet auf“, ruft uns die Stimme …

Die Vorlage zum Bußgottesdienst stammt vom Deutschen Liturgischen Institut.

kluge-Jungfrauen-2 Berner Münster

 

 

Wachet auf ruft uns die Stimme

Bußgottesdienst im Advent 2012

 

 

 

 

 

 

ERÖFFNUNG

Gesang zur Eröffnung GL 110/1

Einführung:  Schwestern und Brüder!
Es ist ein frohes Lied, dessen erste Strophe wir eben gesungen haben. Nicht nur weil der Text von einer Hochzeit handelt – vor allem die Melodie weckt eine frohe, festliche Stimmung. Erstaunlich ist, in welcher Situation dieses Lied entstanden ist:

Die Pest wütete in Unna, der Stadt, in der Philipp Nicolai, der Autor und Komponist dieses Liedes, lebte. Innerhalb eines Jahres hatte sie 1400 Menschen dahingerafft.
Nicolai singt mit seinem Lied gegen dieses Elend und gegen die allgegenwärtige Klage an. Im Bild von der Hochzeit singt er vom Schönsten, vom größten Glück: von der Liebe, von der Hochzeit, vom Fest.

Die Pest ist eine furchtbare Wirklichkeit. Aber es gibt noch eine andere Wirklichkeit, von der die Heilige Schrift, die Geschichte des Volkes Israel, reiches Zeugnis gibt.

GEBET
Hilf uns, Gott, dass wir in diesen Tagen
die Ankunft deines Sohnes voll Freude erwarten.
Nimm alle Trägheit von uns
und mache uns bereit, zu wachen und zu beten,
damit uns Christus nicht schlafend findet,
wenn er kommt und anklopft.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Verkündigung und Gewissenserforschung

Nehmen Sie bitte das Bild zur Hand.

Evangelium von den klugen und törichten Jungfrauen? Mt 25,1-13

Das Bild zeigt Frauen mit brennenden Öllampen in den Händen. Das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen wurde häufig an Portalen von Kirchen und Kathedralen dargestellt. Diese drei gehören zur Darstellung der Jungfrauen am Hauptportal des Berner Münsters.

Sie bilden ein Spalier. Wenn man durch das Portal eintritt, erinnern sie daran, dass es töricht ist, unvorbereitet auf den Bräutigam, auf Christus, zu warten. Klug sind die, die vorgesorgt und ihre Lampen aufgefüllt haben. In diesem Gottesdienst haben wir – um im Bild zu bleiben – Gelegenheit, unsere Lampen in Ordnung zu bringen. Nehmen wir uns jetzt Zeit.

Inhaltlich führt uns das Lied: Wachet auf, runftuns die Stimme durch diesen Gottesdienst. Impulse und Fragen können uns helfen, auf unser Leben zu schauen. Entsprechend den drei Liedstrophen sind die Denkanstöße in Abschnitte aufgeteilt.

Nach jeder Strophe hören wir zunächst jeweils eine kurze Lesung und einige Gedanken dazu. Dann regen uns die Fragen an, unser Leben in den Blick zu nehmen.

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. (Jes 52,8-9)

Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt. Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.

„Mitternacht heißt diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde: ,Wo seid ihr klugen Jungrauen?‘ Wohlauf, der Bräutgam kommt; steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja. Macht euch bereit zu der Hochzeit. Ihr müsset ihm entgegengehn.'“

So haben wir eingangs gesungen. Das Lied verbindet zwei Bibelstücke miteinander:
das Gleichnis Jesu von den klugen und den törichten Jungfrauen und den Ruf des Propheten Jesaja, der dem Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft einen Erlöser ankündigt, und dass es in die Heimat Jerusalem zurückkehren wird.

„Wacht auf“ ruft uns die Stimme. Gott kommt uns entgegen, er geht auf uns zu. Doch auch wir dürfen nicht untätig sein: „Wir müssen ihm entgegengehn. – Steht auf, die Lampen nehmt.“

Impulse zum Nachdenken

Was ist der Schlaf, aus welchem ich aufwachen muss? Wozu muss ich aufstehen?

Zwischen den folgenden Impulsen ist immer eine Pause zu machen, die es den Mitfeiernden erlaubt, die Frage innerlich zu beantworten.

  • Sind mir die Mitmenschen gleichgültig geworden?
    Wie es ihnen geht? Was sie brauchen?
  • Habe ich resigniert? Oder habe ich Ideale?
  • Welche Werte sind mir wichtig?

Was sind meine Lampen, mit denen ich dem Herrn entgegen gehe?

  • Kann ich Vertrauen schenken? Kann ich anderen Wohlwollen und Sympathie zeigen?
  • Was sind meine Fähigkeiten und Begabungen, die ich einsetzen und einbringen kann?

2 Minuten meditatives Orgelspiel

Lied: GL 110/1. Strophe – Zwischenspiel – GL 110/2

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. (Jes 60,1-2)

Mach dich auf, Zion, werde licht; denn dein Licht kommt, die Herrlichkeit des Herrn geht über dir auf. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.

„Ihr Freund kommt“, „prächtig“, „von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig“, „du werte Kron“, „Gottes Sohn“, „Hosianna“, „Freudensaal“, „Abendmahl“ – Aus dem Aufeinander-zu-Gehen, von dem die erste Strophe gesungen hat, wird in der zweiten die persönliche Begegnung:

Aus der Stadt Jerusalem ist die Braut geworden, die ihren Bräutigam bewundert und anbetet.

Die Worte „Freudensaal“ und „Abendmahl“ stellen eine neue Verbindung her: Der Bräutigam ist Jesus Christus und die Braut, das sind die Jünger Jesu, die mit ihm im Abendmahlssaal sitzen; die Kirche als Gemeinschaft der Christen ist die Braut Christi.

Gott kommt mir entgegen und bietet mir seine Freundschaft an.

Impulse zum Nachdenken

Christus kommt auch mir in meinem Leben entgegen.
Wie gebe ich ihm Gelegenheit, mir zu begegnen?
Wie gehe ich ihm entgegen?

  • Bete ich persönlich privat?
    Wie gestalte ich mein privates Gebet?
  • Was prägt mein Gebet zu sehr oder zu wenig: Staunen über Gottes Wirken, Freude, Dank, Lob, Klage, Bitte?
  • Wie feiere ich den Gottesdienst mit?
    Singe und bete ich mit? Öffne ich mich für Gottes Wort und das Geheimnis des Glaubens?
  • Wie versuche ich, meine Gottesbeziehung zu vertiefen?

2 Minuten meditatives Orgelspiel

Lied: GL 110/2. Strophe – Zwischenspiel – GL 110/3

Lesung aus dem Buch der Psalmen (Ps 150)

Halleluja! Lobt Gott in seinem Heiligtum,
lobt ihn in seiner mächtigen Feste!
Lobt ihn für seine großen Taten,
lobt ihn in seiner gewaltigen Größe!

Lobt ihn mit dem Schall der Hörner,
lobt ihn mit Harfe und Zither!
Lobt ihn mit Pauken und Tanz,
lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel!

Lobt ihn mit hellen Zimbeln,
lobt ihn mit klingenden Zimbeln!
Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!

In der dritten Strophe kommt die Bewegung der ersten beiden Strophen an ihr Ziel. Es ist mehr als ein Hochzeitssaal:
Besungen wird der himmlische Freudensaal. Hier herrscht nur noch Jubel.

Menschen und Engel bilden einen einzigen großen Chor, der jubelnd singend Gottes Thron umgibt?

Impulse zum Nachdenken

Was bewirkt dieses Bild in mir:

  • Möchte ich einstimmen in den Jubelchor? Möchte ich dazu gehören?
  • Sehne ich mich danach, so jubeln zu können?

Wirkt sich der Glaube an die Auferstehung in meinem Leben aus?

  • In Freude und Leid?
  • Im Umgang mit Menschen?
  • In der Suche und im Bemühen um ein erfülltes Leben?

2 Minuten meditatives Orgelspiel

Lied: GL 110/1. Strophe – Zwischenspiel – GL 110/2

BUSSE UND VERSÖHNUNG

Schuldbekenntnis – Vergebungsbitte

„Wachet auf“, ruft uns die Stimme … – das vertraute Lied hat uns vor Fragen gestellt: Welche Rolle spielt der Glaube ganz persönlich bei mir? Vor allem: Ist das, was ich mit dem Wort „Himmel“ verbinde, für mich eine Realität? Eine Realität, die etwas bewirkt: im Alltag, im Umgang mit meinen Mitmenschen, in dem, was mich zutiefst bewegt?

Jede und jeder hat seine eigene Geschichte mit Gott, seine besondere Beziehung zu ihm. Wir alle aber bleiben hinter dem zurück, was wir aus Gottes Gaben machen könnten.

Die Hoffnung und Freude des Glaubens könnten unser Leben noch stärker prägen.
Unser Verhalten gegenüber uns selbst und den Mitmenschen und gegenüber Gott widerspricht oft dem, was wir glauben und nbekennen und was Gottes Willen entsprechen würde.

Deshalb wollen wir jetzt mit den Worten des Allgemeinen Schuldbekenntnisses miteinander und füreinander Gott um Verzeihung bitten:

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, …

Gott hat Jesus in die Welt gesandt, um uns mit sich zu versöhnen.
Er hat uns den Heiligen Geist gesandt, den Geist des Friedens und der Versöhnung. Er verzeihe uns unsere Sünden.
Er führe und leite uns in der Nachfolge Jesu, damit wir einst teilhaben an der himmlischen Freude. Amen.

Friedensgruß

Im Advent betrachten wir, dass Gott uns entgegenkommt, um uns Frieden und Versöhnung zu schenken durch Jesus Christus:
Sein Friede sei allezeit mit euch.

Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung.

Vater Unser

L: Als versöhnte Kinder des einen himmlischen Vaters dürfen wir beten, wie uns unser Bruder Jesus Christus selbst gelehrt hat:

A: Vater unser … Denn dein ist das Reich …

Zeichen der Umkehr

„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?“ – Vielleicht ist es Ihnen beim Gesang der ersten Strophe unseres Liedes aufgefallen: Es ist nur von den klugen Jungfrauen die Rede. Die törichten werden gar nicht erwähnt.
Das ist so, weil das Lied mitten im Elend Hoffnung wecken will.
Das ist Advent. Wir wollen klug sein.
Wir dürfen und wollen dem Herrn mit brennenden Lichtern entgegen gehen.

Überlegen wir, welches Zeichen wir in unserem Leben setzen.
Wie machen wir deutlich, dass wir an Jesus Christus glauben,
dass wir für ihn brennen, dass er es ist, dessen Ankunft wir erwarten und ersehnen.

Orgelmeditation zu „Wachet auf‘ —

ABSCHLUSS

Dankgesang

Am Ende dieses Gottesdienstes fassen wir, was uns jetzt bewegt hat, noch einmal zusammen, indem wir das Lied, das uns jetzt begleitet hat, noch einmal mit allen seinen Strophen singen.

GL 110,1-3       „Wachet auf`, ruft uns die Stimme

Segen

Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt; er segne und heilige euch (uns) durch das Licht seiner Gnade. – A: Amen.

Er mache euch standhaft im Glauben, froh in der Hoffnung und eifrig in den Werken der Liebe. – A: Amen.

Die erste Ankunft des Erlösers sei euch ein Unterpfand der ewigen Herrlichkeit, die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt auf den Wolken des Himmels. – A: Amen.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist.

A: Amen.

POSTLUDIUM Improvisation über „Wachet auf, ruft uns die Stimme“

„Wachet auf`, ruft uns die Stimme
der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
„wach auf, du Stadt Jerusalem!“ ‑
Mitternacht heißt diese Stunde;
sie rufen uns mit hellem Munde: ‑
„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräutgam kommt;
steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja.
Macht euch bereit zu der Hochzeit,
ihr müsset ihm entgegengehn.“

Zion hört die Wächter singen;
das Herz tut ihr vor Freude springen,
sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn. Hosianna.
Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.“

Gloria sei dir gesungen
mit Menschen- und mit Engelzungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore
‚an deiner Stadt; wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Halleluja für und für.

Bußgottesdienst im Advent „Wachet auf,
Herausgeber: Deutsches Liturgisches Institut, 54216 Trier.
Foto: S. Angerhausen: Die klugen Jungfrauen, Hauptportal des Berner Münsters 1460/80.

 

16. Dezember 2012: 3. Adventsonntag

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Eure Güte werde allen Menschen bekannt!
Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts!

Sorgt euch um nichts!

Kann man das zu Menschen sagen, die an Krebs erkrankt sind?
Die arbeitslos geworden sind oder um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, wie die Mitarbeiter von Opel in Bochum?
Kann man das Leuten sagen, deren ohnehin kleine Rente stagniert?
Kann man das Menschen sagen, die sich Sorgen machen müssen um Partnerschaft, um Kinder und Freunde?

Andererseits: Sorgen machen das Leben schwer?
Manchem rauben sie den Schlaf!
Andere können sich vor lauter Sorgen nicht mehr freuen.
Die Sorgen fressen mich auf! Sagt man sprichwörtlich!

Ist es möglich, sich um nichts zu sorgen?

Paulus war sicher der letzte, der Verantwortungslosigkeit gepredigt hat!
Wie viel Sorge spricht aus seinen Briefen an die von ihm gegründeten Gemeinden in Ephesus, Galatien und Korinth!
Wie sehr hat er sich eingesetzt, damit das Evangelium von Jesus Christus überall bekannt wird und die Menschen durch ihn Rettung und Erlösung finden!

Dabei ist er in wahrhaft missliche Situationen geraten: Als er schrieb: „Sorgt euch um nichts“, war er im Gefängnis von Ephesus!

Wie kam er – dieser überaus engagierte Mensch – zu dieser Haltung zu sagen: „Sorgt euch um nichts!“?

Die Antwort gibt er selbst mit dem Zuspruch: „Der Herr ist nahe!“
Der Herr, Jesus Christus, der Erlöser, der Heiland, der Retter ist nahe.

Wenn die Rettung nahe ist, braucht man sich nicht zu sorgen, dann kann man zuversichtlich sein und sich freuen,
denn alles, was einen bedrückt und das Leben schwer macht, wird bald überwunden sein!

Der Herr ist nahe!
Nicht nur, weil wir in ein paar Tagen die Geburt Jesu feiern ‑
Er ist Ihnen nahe, bei allem was Sie tun und bei allem was mit Ihnen geschieht!

Er ist nahe gerade auch im Leid, in der Bedrängnis, in der Not, denn erkennt selbst Not, Angst und Leid.
Er bleibt jedem Menschen nahe und verlässt keinen in seiner Not!
Er ist nahe als ein liebender Freund!

Nein, er kann nicht alle Nöte aus der Welt schaffen ‑ aber er gibt Kraft und Mut, weil uns das Heil von Gott geschenkt ist.

Das gibt Kraft zuversichtlich zu bleiben!
Das bewahrt davor, den Blick nur noch auf ihre Ängste und Sorgen zu verengen!
Diese Zuversicht, dass alles gut werden wird, weitet den Blick und wir können auch die Not anderer wahrnehmen.

Der Aufruf: „Eure Güte werde allen Menschen bekannt“ ist die andere Seite dieser Medaille und hängt zutiefst mit der Zuversicht zusammen, dass er, der Retter und Erlöser nahe ist, um Heil und Leben zu schenken.

Wagen wir den Schritt: Vertrauen wir uns Gott an und seiner Liebe!
Vertrauen wir ihm, dass er uns Heil bringt!
Werfen wir all unsere Sorgen auf ihn!
Er schenkt uns Frieden, er macht alles und uns selber gut, so dass durch uns seine Güte allen Menschen bekannt wird,
so dass sein Friede sich ausbreitet in aller Welt!

9. Dezember 2012: 2. Adventsonntag (LJ C)

Hier geht es zu den liturgischen Texten Beuron

Nur das Lukasevangelium gibt sich die Mühe, die Zeit zu nennen, in der sich das alles ereignet.
Johannes der Täufer lebte in einer ganz bestimmten Zeit und begann sein Wirken an einem ganz bestimmten Ort – so wie Jesus!

Dieser Abschnitt des Lukasevangeliums versetzt uns in die Zeit kurz bevor Jesus öffentlich auftrat. – Also etwa 30 Jahre nach seiner Geburt.
Und das, wo wir uns jetzt auf das Fest der Geburt des Herrn vorbereiten.

Was bereiten wir vor? Wie bereiten wir uns vor?

Es soll wieder ein schönes Weihnachten werden.
Im Lauf der Zeit haben wir dafür einen persönlichen Stil und Bräuche entwickelt und so soll es auch heuer wieder werden.

Adventskranz! grüne Zweige – oder sogar einen Baum ‑  Geschenke für bestimmte Personen – Weihnachtskarten – Plätzchen und Gebäck.
In manchem Haus gibt es zu Weihnachten immer ein bestimmtes Essen, das einfach zum Tag gehört –
andere denken sich jedes Jahr ein Weihnachtsmenü aus.

Viele bringt das unter Druck, dass sie das alles schaffen bis zum 24..

Wie würden wir uns gerne vorbereiten?
Wie könnten wir uns auch vorbereiten?

Fragen wir uns zuerst: Worauf bereiten wir uns vor?  Und was bereiten wir vor?

Lukas sagt es mit den Worten des Jesaja Buches:  „Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt!“

Wie könnte ich mich vorbereiten auf das Heil, das von Gott kommt? Was stelle ich mir darunter vor?

Wenn das Heil Gottes Frieden bedeutet?
Wenn das Heil Gottes Heilung bedeutet?
Wenn das Heil Gottes Freude bedeutet?

Wie könnte ich mich darauf vorbereiten?

Ich müsste die Hindernisse aus dem Weg schaffen! – Soweit es mir möglich ist: den Unfrieden – das Unheil  – die Freudlosigkeit.

Das Heil kommt von Gott! Behauptet das Evangelium, behauptet der Glaube – ohne Umschweife und Einschränkung.

Das Heil kommt von Gott, doch es kommt nicht mit Trompeten und Fanfaren!
Es kommt in einer bestimmten gar nicht so wichtigen Stunde der Menschheit, der Geschichte des römischen Reiches!
Es kommt in und mit und durch Menschen, die da gelebt haben, die geboren wurden wie eben Kinder geboren werden, die aufgewachsen sind, wie eben Kinder aufwachsen.

Das ist da besondere an der Bibel – besonders am Neuen Testament!
Wir glauben, dass Gottes Heil gekommen ist – durch einen Menschen in dieser Zeit! Wir glauben, dass Jesus in diese Zeit das Heil von Gott gebracht hat – als Mensch mit Haut und Haar.

Nicht so, dass sich niemand dagegen wehren könnte,
nicht so, dass er alle unterworfen hätte,
nicht so, dass er jeden umpolen würde wie in einem göttlichen Umerziehungslager.

Er hat das Heil, das von Gott kommt gelebt und verwirklicht  und dazu eingeladen hat, mit ihm im Heil zu leben und ihm nachzufolgen.

Das Heil kommt von Gott – es ist schon in diese Welt gekommen!
Johannes der Täufer hat es angekündigt und die Leute darauf vorbereitet!

Jetzt ist Advent – jetzt können wir anfangen, uns vorzubereiten und die Hindernisse aus dem Weg zu räumen,
denn das Heil kommt von Gott durch uns in die Welt, wenn wir das Heil leben wie Jesus, dessen Geburtsfest wir deshalb feiern.

2. Dezember 2012: 1. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron

„Wacht und betet allezeit, damit ihr vor den Menschensohn hintreten könnt“ (Lk 21,36)

Mit diesen Worten endet der Text des heutigen Evangeliums und dies sind auch die letzten Worte Jesu in der Öffentlichkeit vor seiner Gefangennahme und Verurteilung!

„Wacht und betet allezeit, damit ihr vor den Menschensohn hintreten könnt“ (Lk 21,36)

Was müsste jemand tun, damit er nicht vor den Menschensohn hintreten kann, wenn er kommt?

Jesus spricht von Rausch und Trunkenheit und von den Sorgen des Alltags, die mich verwirren könnten!

Verwirren?
Verwirrt ist jemand, der die Gedanken nicht mehr richtig ordnen kann.
Er weiß nicht mehr woher und wohin, und bringt die Dinge durcheinander.
Er kann nicht mehr unterscheiden zwischen wichtig und unwichtig, zwischen falsch und richtig.

Die Sorgen des Alltags können uns verwirren – weil wir sie so ernst und wichtig und bedeutend nehmen,
weil wir sie als so wichtig ansehen – obwohl es doch nur die Sorgen des Alltags sind, die das Leben selbst kaum bedrohen können.

Die Sorgen des Alltags können uns so verwirren, dass wir den Maßstab verlieren!
Rausch und Trunkenheit können uns so verwirren, dass wir die Richtung verlieren und völlig irre Dinge tun.
Manchmal lösen erst Krankheit und Schicksalsschläge uns aus dieser Verwirrtheit, so dass wir merken, was wirklich wichtig ist.

Deshalb mahnt Jesus: „Wacht und betet allezeit, damit ihr vor den Menschensohn hintreten könnt.“
Ich soll also bewusst leben, statt mich treiben zu lassen.
Ich soll aufmerksam sein für die Menschen um mich herum.
Ich soll mich bemühen, die Zeichen der Zeit zu erkennen und darüber nachsinnen, was Gottes Botschaft ist, was er von mir erwartet.
Ich soll achtsam sein: dass ich wahrnehme, was mich antreibt, welche Wünsche und Sehnsüchte.
Ich soll achtsam sein für das, was mir Freude macht.
Ich soll genauso achtsam sein für den Mitmenschen und wahrnehmen, wie ich ihm als Freund und Mitmensch begegnen kann.
Ich soll darauf achten, was es für mich heißt, gerecht zu sein, wie ich den Menschen, die mir begegnen Nächstenliebe erweisen kann.

Lasst euch nicht verwirren! Tut ganz bewusst Gottes Willen, damit ihr vor den Menschensohn hintreten könnt.

Der Advent ist auch eine Zeit der Besinnung und Nachdenklichkeit, deshalb möchte ich eine Frage an das Ende stellen:
Wofür würde ich mich vor Jesus schämen,  wenn ich ihm heute gegenübertreten würde?

25. November 2012: Christkönigssonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: 

Man stelle sich vor:
ein ungewaschener, von der Gefangennahme und Vernehmung gezeichneter Mann, gekleidet mit einem weißen einfachen Obergewand steht gefesselt vor einem römischen Statthalter.

Das kam öfters vor – aber diese Szene wird in einem Buch beschrieben, das eben jenen Gefesselten verkündet, als Sohn Gottes, als Licht der Welt, als den, der Erlösung und Befreiung bringt.

Der mächtige Pilatus, dem Soldaten und Sklaven zur Verfügung stehen, stellt nur diese eine Frage.
Jener aber, der seiner Verurteilung entgegensieht, es kann nur das Todesurteil sein, dieser Wanderprediger Jesus spricht:

Hältst Du Dich an das Gerede der Leute?
Mein Königtum ist nicht irdisch – keine Soldaten kämpfen für mich.
Ich bin in die Welt gekommen, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen.

Ein seltsames Verhör – und noch seltsamer ist es, dies zu berichten von einem Mann, der in diesem Evangelium als Retter der Welt, als Messias und Sohn Gottes verkündet werden soll.
Wer will schon an einen zum Tod verurteilten glauben?
Das stellt doch die Welt auf den Kopf!

Wer rettet die Welt?
Augustus oder Karl der Große?
Karl Marx oder Adam Smith (einer der Begründer des Kapitalismus)?
Putin oder Obama oder Xi (der neue chinesische Parteichef)?

Da ist die Frage nach der Wahrheit. Jesus ist gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.
Die Großen dieser Welt suchen nach der Wahrheit.
Die Naturwissenschaften finden ein Naturgesetz nach dem anderen und entdecken immer neues und immer mehr im Mikrokosmos und im Makrokosmos.
Die Regierungen, die Machthaber ob demokratisch oder autoritär suchen nach dem besten Rezept, um sich die Macht und ihren Völkern den Wohlstand zu sichern.

Doch was ist Wahrheit?
Jesus Christus steht dafür, dass es eine Wahrheit gibt, die für alle gilt und die den Menschen befreit.
Es ist die einfache und schlichte Wahrheit,
dass der die Welt rettet, der auf Gott hört und Gottes willen tut.
Der rettet die Welt, der sich nicht zu gut ist, anderen die Füße zu waschen.
Der rettet die Welt, der sich selbst anderen zur Speise gibt.
Der rettet die Welt!

Der rettet die Welt vor dem Egoismus und der Raubtiermentalität,
Der rettet die Welt vor der Rechthaberei und der Unnachsichtigkeit.

Der rettet die Welt und den Menschen: Denn der Mensch ist nicht irgendein weiterentwickeltes Raubtier sondern er ist von Gott gesandt, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen,
dass diese Welt von Gott kommt und das Gott das Ziel dieser Welt ist.

 

 

18. November: 33. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Geradezu hellsichtig erscheint mir, was das Mk Evangelium über die Zukunft des Alls und der Menschheit sagt. Obwohl der Text über 1900 Jahre alt ist, kann ich diese Aussagen noch in mein Weltbild des 21. Jahrhunderts einordnen:

Auch die Astrophysiker sagen: Selbst Galaxien wie unsere Milchstraße werden vergehen. Es gibt Kollisionen, die dazu führen, dass Sonne und Mond nicht mehr sind.
Planeten können zusammenstoßen. Die Kräfte des Universums könnten erschüttert werden.

Zugleich aber: die Zeiträume, in denen dies zu erwarten ist, sind weit entfernt: gemessen an der Perspektive eines Menschenlebens von ca. 70 bis 90 Jahren sind es Ewigkeiten bis dahin – wenn nichts Außergewöhn­liches mit unserer Erde passiert.

Das Mk.Evangelium sagt: So eindeutig, wie man an der Natur ablesen kann, wann der Sommer kommt, so eindeutig wird es sein, wenn die Erde vergeht. Man wird es nicht übersehen können.

Als Christ, der im Lauf der Zeit lebt, im 21. Jahrhundert lebt, kann ich daraus die gleichen Folgerungen ziehen, wie der Evangelist vor 1930 Jahren:

Erstens:
Auch wenn es immer wieder Leute gibt, die auf schreckliche geschichtliche Ereignisse hinweisen: auf Kriege und Erderwärmung, auf Naturkatastrophen und auf die moralische Verkommenheit –
Wenn noch so nachdrücklich behauptet wird: daran erkennt man, dass das Ende bevor steht! Ich werde den Weltuntergangspropheten nicht glauben!

Daraus ergibt sich die zweite Folgerung:
Wir Menschen sind dazu heraus gefordert, diese Erde und das Leben auf dieser Erde zu gestalten und zu formen:

Wir tun dies in einer großen Zuversicht: dass nämlich uns nicht der Untergang erwartet, sondern dass das Leben in Gott unsere Zukunft ist:
Der Menschensohn wird kommen – und es wird sein, wie wenn der Sommer kommt.

Zuversicht also prägt unser Tun – nicht die Angst.
In dieser Zuversicht versuchen wir den Auftrag anzunehmen, den das Leben darstellt:
Wir treten für das Leben ein: Für das Leben von der Zeugung an – bis hin zu den Menschen, die dem Tod entgegengehen.

Die Suche nach der Wahrheit und nach der Gerechtigkeit leitet unser Handeln: denn Wahrheit und Gerechtigkeit sind göttliche Eigenschaften:

Die Wahrheit ist, dass jeder Mensch von Gott kommt und die Gerechtigkeit besteht darin, dass jeder Mensch erhält, was ein menschen – würdiges Leben möglich macht.

Menschen würdig wird das Leben durch die Freiheit zu leben und über sich selbst zu bestimmen und sein Leben zu gestalten.

Wahrhaftig menschlich wird das Leben vor allem und zuerst aber durch die Erfahrung geliebt zu sein und lieben zu können.

Solange wir auf dieser Erde leben, sind wir von Gott berufen sein Ebenbild zu sein und Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe zu verwirklichen.

11. November 2012: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den litrugischen Texten:

Worauf kommt es im Leben an? Was ist das entscheidende?

Wie hätte die Witwe darauf geantwortet?
Welche Antwort hätten die Reichen gefunden, die viel Geld in den Opferkasten geworfen haben?
Welche Antwort hätten die Schriftgelehrten gegeben, mit denen Jesus so hart ins Gericht ging?

Worauf kommt es im Leben an? Was ist das entscheidende?
Welche Antwort erwarten Sie jetzt von mir in der Predigt?
Was fällt ihnen dazu ein?

Die Witwe und die Reichen mit ihren Spenden für den Tempel sind sich einig, dass Gott im Tempel geehrt werden soll.
Ihnen ist bewusst, dass sie etwas dazu beitragen wollen. Um Gottes willen spenden sie für den Tempel, dem Symbol, dass Gott mitten unter seinem Volk lebt.

Jesus erkennt den Unterschied zwischen der armen Witwe und den Reichen: Wie viel muss ihr der Tempel bedeuten, wie viel muss ihr Gott bedeuten, der im Tempel verehrt wird! –

Sie weiß doch selbst, dass ihre zwei kleinen Münzen für die Tempelkasse unbedeutend sind – vor allem im Vergleich zu den großen Spenden der reichen Leute.
Und dennoch wirft sie zwei kleine Münzen und damit ihren ganzen Lebensunterhalt in den Opferkasten!

Worauf kommt es im Leben an? Was ist die Antwort dieser Frau?

Wir würden es vielleicht besser verstehen, wenn sie diese zwei Münzen einsetzte, um sich etwas zu gönnen, etwas scheinbar Überflüssiges
Wenn sie jemand die Münzen gäbe, der noch ärmer ist als sie –  das käme uns bewundernswert vor – aber für den Tempel?

Ich würde keine arme Witwe mit einer kleinen Rente ermuntern, ihre letzten 10 Euro in das Kollektenkörbchen zu werfen.
Hätte Jesus das getan? Ich denke nicht!

Entscheidend ist, dass Jesus es sieht und bemerkt und was er den Jüngern erklärt: In den Augen Gottes zählt nicht der Betrag, sondern die Liebe, die Hingabe. Gott sieht in das Herz der Menschen und er sieht, dass diese Frau alles für den Tempel Gottes gibt.

Worauf kommt es im Leben an?

Es kommt darauf an, was Gott im Menschen sieht.

4. November 2012: 31. Sonntag im Jahreskreis

Höre Israel!
Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr!
Darum sollst du den Herrn deinen Gott lieben
mitganzem Herzen, und ganzer Seele,
mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.

Das hört sich sehr gewichtig an, und zugleich denke ich:
Wenn er der Schöpfer ist, dieser einzige, wie kann ich ihn lieben, ihm etwas geben, da er doch die Fülle ist?

Und ich frage mich: Da er doch unsichtbar ist – wie soll ich ihn lieben?
Woran kann er merken, woran kann ich merken, woran kann ein anderer merken, ob ich Gott liebe?

Was heißt es, Gott zu lieben?

Es ist ja manchmal schon schwer, die Liebe zu den eigenen Kindern und zu den eigenen Eltern aufrecht zu erhalten. Obwohl man sie sieht und mit niemandem anderen so eng verbunden ist, gibt es die Gefühle des Ärgers, der Ablehnung, der Gleichgültigkeit.

Was heißt es, Gott zu lieben?

Auf der Suche nach Antwort richte ich meinen Blick auf Menschen,  denen Gott viel bedeutet hat:

Franziskus von Assisi:
Er zog sich immer wieder zum Gebet in die Einsamkeit zurück:
Den Unsichtbaren Gott können wir leichter begegnen und uns ihm öffnen, wenn uns nichts ablenkt und in Anspruch nimmt – wenn wir die Stille suchen.

Dr. Martin Luther:
er erkannte die Oberflächlichkeit in der die Kirche seiner Zeit entartet war.
Er litt darunter, dass Gott missbraucht wurde, um die Menschen zu unterdrücken; ja, sogar um Geschäfte mit dem Glauben zu machen.
Er kämpfte für die Freiheit des Christenmenschen.

Mutter Teresa von Kalkutta,
sieh sah die Menschen am Straßenrand sterben, ohne Beistand.
Sie nahm sie auf und kümmerte sich um sie, damit keiner allein sein musste.

Roger Schutz von Taizé,
widmete sein Leben dem Gebet und der Meditation und der Jugend. Er lud ein auf den Pilgerweg der Versöhnung nach der Erfahrung des Krieges, der Europa in Schutt und Asche gelegt hatte. Sein Leben war geprägt von Einfachheit und Gemeinschaft.

Jesus von Nazareth, schließlich:
Er ist für uns Christen wohl das Idealbild eines Menschen, der Gott liebt:
Er wollte nur reden, was sein Vater ihm aufgetragen hat;
Er betete in der Einsamkeit;
Er schenkte Versöhnung;
Er wanderte von Ort zu Ort und verzichtete auf eigenen Besitz;
Er verkündete,
dass Gottes Reich den Menschen offen steht, weil Gott es will.
Er befreite die Menschen von der Angst vor dem Gericht;
Er wandte sich den Kranken und den Armen und den Sündern zu;
Er warnte vor der Gier nach Ansehen, Macht und Reichtum;
Die Liebe war für ihn das wichtigste!

Denn in der Liebe geht der Mensch über sich selbst hinaus und öffnet sich für den anderen. Die Liebe bringt Freiheit und Gerechtigkeit und Wahrheit!

Am Anfang stand die Frage: Was heißt es Gott zu lieben!
Die Liebe zu Gott sucht sich ihre Wege, damit die Liebe in der Welt mehr wird.

2. November 2012: Allerseelen

Lesungen: Jes 25,6a.7-9  Mt 7,11-17

Was verändert sich, wenn ein lieber Menschgestorben ist?
Unmittelbar nach dem Tod ist es anders als Wochen und Monate danach.

Manchmal ist es ein Schock, dass jemand gestorben ist,
manchmal ist der Tod erwartet oder fast schon herbeigesehnt als Befreiung von Krankheit und Schmerz.

Manchmal ist der Verlust für die Zurückbleibenden kaum zu ertragen.
Manchmal ändert sich gar nicht viel.

Das Lukasevangelium erzählt die Geschichte einer Witwe, die ihren Sohn betrauert. Für Mütter und Väter ist es besonders schwer, wenn sie eines ihrer Kinder betrauern müssen.

Zu Lebzeiten Jesu erwartete die Frau in dieser Geschichte eine traurige Zukunft: Nach ihrem Mann hat sie auch den einzigen Sohn als Ernährer und Beschützer verloren. Sie war nun wirtschaftlich, sozial und rechtlich schutzlos und in ihrer Existenz gefährdet.

Jesus hatte Mitleid mit Ihr, erzählt Lukas. Und nachdem der Tote ins Leben zurückgeholt ist, heißt es: Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
Das Augenmerk liegt in der Geschichte darauf, dass Jesus die Not der Witwe abgewendet hat.

Manchmal befinden sich Trauernde in einer Situation wie diese Witwe:
Sie klagen über das Unglück, das ihnen widerfahren ist.
Sie klagen Gott an, der ihnen das nicht ersparte.

Dem gegenüber steht das Wort am Ende dieser Geschichte: „Gott hat sich seines Volkes angenommen!“

In zweifacher Weise beantwortet Gott in Christus die Trauerklage des Menschen:

Jesus wendet sich den Not – Leidenden zu:
Es wird deshalb immer Auftrag der Jünger Jesu sein, Menschen in Not zur Seite zu stehen, sich ihrer anzunehmen und ihre Not zu wenden.
Auch der Tod eines Verwandten soll niemand in Armut und Elend stürzen.

Zum anderen aber teilt Jesus das Todesschicksal mit uns und überwindet es, weil er in seinem Tod eine Zukunft hat und sieht.
Er glaubt und verkündet die Auferstehung der Toten.
Er stirbt ganz bewusst hinein in das Leben, das er erwartet.
Es ist das Leben in Gott und mit Gott – Wir nennen es meist den Himmel.

Es werden immer Fragen bleiben, denn Gott und das, was nach dem Tod kommt, ist und bleibt unseren Sinnen entzogen. Es ist und bleibt eine Sache des Vertrauens in das Leben und seinen Ursprung, den wir Gott nennen. Ein Gedicht von Lothar Zenetti verdichtet das Fragen  und Hoffen.

Lied am Grabe

Niemand weiß, wie lange werden wir noch sein,
morgen oder heute holt der Tod uns ein.

Keiner kann uns helfen, jeder stirbt allein,
und es bleibt am Ende nur ein Grab, ein Stein.

Alle unsre Namen wird der Wind verwehn,
oder ruft uns einer, dass wir fortbestehn?

Kann es sein, dass Gott uns einst vom Tod befreit
und in Freude wandelt alles Menschenleid?

Ob wir dann wie Kinder vor dem Vater stehn
und mit neuen Augen seine Wunder sehn?

Werden wir dann hören, wie die Schöpfung singt,
wie das Lied der Sterne und der Blumen klingt?

Eine neue Erde, wie soll das geschehn,
dass wir unsre Lieben einmal wiedersehn?

Oder sind das Träume, die wir uns erdacht?
Wer von uns ist jemals aus dem Tod erwacht?

Wer wälzt von dem Grabe uns den schweren Stein?
Wer kann, wenn wir tot sind, uns vom Tod befrein?

Einen sah ich sterbend in das Leben gehn,
und ihm will ich glauben, dass wir auferstehn.