1. November: Totengedenken am Friedhof

 Eröffnung:

1. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Begrüßung und Einführung:
Liebe Besucherinnen und Besucher unseres Friedhofs! Liebe Mitchristen!
Die Erinnerung an unsere Verstorbenen führt uns heute Nachmittag am Friedhof zusammen.
Wir fühlen uns nicht nur mit ihnen verbunden. Sie sind über ihren Tod hinaus ein Teil von uns selbst.
Sie haben mit uns das Leben geteilt. Sie haben unser Leben beeinflusst. Durch sie sind wir so geworden, wie wir sind.

Am Anfang der Feier steht das Wort Gottes im Mittelpunkt.
Dann werden die Gräber gesegnet und zur Erinnerung an die Taufe mit geweihtem Wasser besprengt und sie sind eingeladen miteinander zu beten.
Die Feier endet mit Fürbitten, mit dem von allen gebeteten Vater Unser und wird dann mit dem Segen beschlossen.

Kyrie: Christus gibt uns Hoffnung: für unsere Verstorbenen und für uns selbst. Deshalb rufen wir zu ihm:

Herr Jesus Christus, du zeigst uns den Weg zum Vater im Himmel. ‑ Herr, erbarme dich unser.
Du hast den Tod auf dich genommen, um alles mit uns zu teilen. ‑ Christus, erbarme dich unser
Du bist auferstanden vom Tod und schenkst uns Anteil an der Auferstehung. ‑ Herr, erbarme dich unser.

Gebet:
Vater im Himmel, wir stehen an den Gräbern unserer Verstorbenen.
Für sie bitten wir dich: Gib ihnen die Freude bei dir zu sein.
Erneuere unsere Hoffnung darauf,
dass wir alle bei dir eine Zukunft haben
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Wortgottesdienst:

Lesung: Aus dem Römerbrief8,31-39

31 Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?
32 Er hat seinen eigenen Sohn zu uns gesandt ‑ wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
33 Wer kann die von Gott Erwählten anklagen? da doch Gott selbst uns frei spricht und uns in seine Nähe holt.
34 Wer kann sie verurteilen?  Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

35 Was kann uns trennen von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung,  Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?
36 All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin ganz sicher: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Gewalten der Höhe oder Tiefe  noch irgendeine andere Kreatur
können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Gesang Wer nur den lieben Gott lässt walten.

Ansprache
Gehören sie zu den Menschen, die das Bild eines lieben Menschen im Geldbeutel bei sich tragen?
Haben Sie auch Bilder von verstorbenen lieben Menschen in ihrer Wohnung?
Auf diese Weise möchten wir sie bei uns haben – möchten wir uns an sie erinnern.

Zur Erinnerung an unsere Toten läutet nun die Friedhofsglocke!

Wenigstens in der Erinnerung, weil sie uns viel bedeutet haben und bedeuten, möchten wir unsere Verstorbenen bei uns haben!
Auch der Tod kann daran nichts ändern – jedenfalls nicht so schnell.

„Das hätte mein verstorbener Mann auch gewollt!“ So begründen manche Witwen ihre Entscheidungen.
„Ich übernehme diese Aufgabe und möchte sie im Sinne meines Vorgängers weiterführen.“ Mit diesen Worten wird das „Erbe“ eines Vorgängers als Verpflichtung angenommen.
Die Verstorbenen bleiben oft wichtig und bedeutsam bis lange nach ihrem Tod.

Nicht übersehen möchte ich, dass die gemeinsame Zeit mit ihnen uns unwiderruflich geprägt hat und wir meistens dankbar dafür sein. Ohne sie wären wir nicht die geworden, die wir sind.

Der Tod entreißt uns liebe Menschen – aber das Band der Verbundenheit kann er nicht zertrennen – es ist stärker als der Tod – jedenfalls für uns Lebende.

Wie ist es aber mit denen, die verstorben sind?  Wie wird es mit uns sein, wenn wir einmal aus dieser Welt scheiden?

Unserer menschlichen Erfahrung ist dies unzugänglich!  Beweise lassen sich deshalb darüber nicht führen.

Doch unser Glaube an den Schöpfer des Lebens, den wir mit Vater ansprechen können und dürfen, öffnet uns den Blick für das, was für unsere Augen unsichtbar bleiben muss.
Er hat uns ins Leben gerufen und er kennt keinen Tod.
Er, der Urheber des Lebens, hört nicht auf, jedes seiner Geschöpfe zu lieben und mit Leben zu erfüllen. Das haben wir durch Jesus Christus erkannt, der auferweckt wurde und seinen Freunden und Aposteln erschienen ist.

Im Blick auf den unsterblichen Gott, den Ursprung aller Dinge, ist Paulus voll Vertrauen und Zuversicht. Er ruft uns zu:
Weder Tod noch Leben! Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus sichtbar wurde.

Der Glaube an den Ursprung des Lebens lässt uns auch hoffen für unsere Verstorbenen und für uns selbst:
Die Liebe mit der Gott uns ins Leben rief, ist größer als der Tod.
Er selbst ist unsere Zukunft und in ihm bleiben wir verbunden mit allen Menschen, die zu uns gehören.

Gräbersegnung:

Lobpreis und Segensbitte:

V: Gott, im Leben und im Tod sind wir in deinen Händen. Wir preisen dich mit allen, die an dich glauben. Wir loben dich.
A: Wir preisen dich.
V: Dein Sohn Jesus Christus hat unser Leben gelebt und ist unseren Tod gestorben. Wir preisen dich mit allen, die die ewige Vollendung erwarten. Wir loben dich.
A: Wir preisen dich.
V: Du hast Jesus, deinen Sohn zu neuem Leben auferweckt und ihn zu deiner Rechten erhöht. Wir preisen dich mit allen, die auf die Macht deiner Liebe vertrauen. Wir loben dich.
A: Wir preisen dich.
V: Gott der Hoffnung und des Trostes: Du hast in deinem Sohn die Nacht des Todes und des Grabes erfahren. Sein leeres Grab ist für uns zum Zeichen für das neue Leben in deiner Gemein­schaft geworden. Wir bitten dich, erfülle alle, die die Gräber besuchen, mit Trost und Zuversicht. Das gewähre uns durch Jesus Christus, unseren Herrn. A: Amen.

Gräberumgang

Verleih uns Frieden gnädiglich………………………………………….. Chor

1. Hier sind unsere Lieben bestattet
Wir stehen an den Gräbern unserer verstorbenen. Wir lesen ihren Namen, vielleicht auch ihr Geburtsdatum und ihren Todestag.
Erinnerungen werden wach. Bilder, Erlebnisse, Gefühle für den Menschen, der hier begraben liegt.

Alles, was ihr Leben ausmachte,
worum sie kämpften und was ihnen wichtig war,
das, was sie für uns zu besonderen Menschen machte,
wofür wir sie mochten und liebten,
daran dürfen wir uns erinnern, während die Bläsergruppe einen Choral erklingen lässt:

2. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Kehrvers:  Belohne sie für das Gute, o Gott,  und entschädige sie für ihre Schmerzen.

 Erinnere dich Gott, an unsere Verstorbenen,  deren Gräber wir heute besuchen.
Wir wollen sie nicht vergessen, sie sind ein Teil von uns.

Du hast sie einst ins Leben gerufen  ihren Eltern hast du sie anvertraut;
damit sie ihnen Vertrauen und Liebe schenken und für sie sorgen bis sie erwachsen sind.

Vieles haben sie gelernt in ihrer Jugend,  immer mehr lernten sie ihre Kräfte zu gebrauchen.
Sie fanden Freunde und Bekannte, Menschen auf die sie sich verlassen konnten.

Es gab aber auch dunkle Stunden in ihrem Leben:  Schmerz und Trauer, Schuld und Versagen;
Trotz all dem versuchten sie, ihr Leben zu meistern und sehnten sich nach Freiheit und Liebe.

Dann aber kam die Stunde, in der sie aus dem Leben schieden.
Du hast sie zu dir gerufen damit sie bei dir leben in vollkommener Freude.

2. Wo sind sie jetzt? Was wird mit mir sein?
Die Erinnerung an unsere Verstorbene kann uns traurig stimmen. Es kann sein, dass wir ganz zufrieden sind und sagen: es ist gut, dass es so ist.

Das quälende „Warum“ nach ihrem Sterben entwickelt sich und wird zu einer neuen beständigen Frage, die auch uns selber und unsere Hoffnung betrifft.
Ein Gedicht von Gina Ruck-Pauquèt zeichnet diese Veränderung nach:

Warum ist denn der gestorben?
Und wohin?
Und ist er morgen auch noch tot?
Auf seinem Grab, da blüht es rot.
Doch da ist nur sein Körper drin.
Seine Furcht und sein Glück,
seine Traumgestalten,
und was in seinen Worten enthalten,
ist nicht mit Erde zugedeckt.
Wo hält sich das alles versteckt?
Was er gehofft hat und geliebt,
obs das noch gibt?
Ob es einer weiß?
Und versteht,
wohin alles geht?

Gina Ruck-Pauquèt

Hebe dein Augen auf………………………………………………………… Chor

3. Der Ewige Gott erinnert sich an jeden von uns in ihm werden wir leben.
Wie in allen Völker, dachten auch die Menschen in Israel über das Schicksal der Toten nach. Das Buch Jesaja im Alten Testament fasst Mut und Vertrauen im Glauben an den Schöpfer des Lebens, der an seinem Volk ebenso hängt wie an jedem einzelnen Menschen. Die folgenden Sätze sind voll Zuversicht:

Israel sagt: Der Herr hat mich verlassen, Gott hat mich vergessen.
Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände, ‑ Spruch des Herrn.

3. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

Kehrvers: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

1.    Der Herr ist mein Hirte, * nichts wird mir fehlen.
2.    Er lässt mich lagern auf grünen Auen * und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.

3. Er stillt mein Verlangen; * er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
4.    Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, * ich fürchte kein Unheil;

5.    denn du bist bei mir, *  dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
6.    Du deckst mir den Tisch * vor den Augen meiner Feinde.

7.    Du salbst mein Haupt mit Öl, * du füllst mir reichlich den Becher.
8.    Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, * und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

9.    Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist,
10. wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen.

Fürbitten:

Lasst uns beten zu Gott, dem Tröster der Betrübten, der die Hoffnung ist für Lebende und Tote. (Stille)
Gott, du Freund des Lebens:

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

L:    Erbarme dich aller, die auf diesem Friedhof begraben werden und deren Suchen und Hoffen niemand kennt als du. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Stärke alle, die Sterbende begleiten, die an den Betten von Sterbenden wachen, die für die Würde der Sterbenden eintreten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die um einen lieben Menschen trauern. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

L:    Tröste alle, die das Leben und den Tod fürchten. (Stille) Gott, du Freund des Lebens:

Gütiger Gott, stärke in uns die Zuversicht, dass wir leben werden und hilf uns aus dieser Zuversicht zu leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. A: Amen.

V   Lasset uns beten, wie der Herr uns gelehrt hat:

A   Vater unser im Himmel… Denn dein ist das Reich…

Der Herr ist mein Hirte……………………………………………………… Chor

 Abschluss der Feier

Vater Unser

Gebet:
Ewiger Gott, gedenke unserer Verstorbenen,  die wir geliebt haben und lieben.
Gedenke unserer verstorbenen Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Freundinnen und Freunde,  die wir nicht vergessen wollen.
Gedenke aller unserer Toten, die wir dir anvertraut haben.
Wir danken dir, dass du uns in Trauer und Leid beistehst und uns tröstest.
Wir danken dir, dass uns auch der Tod nicht aus deiner Hand reißen kann.
Wir hoffen auf dich. lass uns allen das Licht der Auferstehung leuchten
Durch Jesus, Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

 Segen
Der Gott des Erbarmens und allen Trostes schenke euch seinen Segen. Er tröste euch in aller Not.
Den Lebenden gewähre er die Versöhnung, und den Verstorbenen schenke er das Licht seines Friedens.
Der Lebenden und der Toten erbarme sich Jesus Christus, der wahrhaft vom Grabe erstanden ist.

Es segne euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
A: Amen.

4. Bläserchoral……………………………………………………… Bläsergruppe

1. November 2012: Fest Allerheiligen

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

„Jetzt sind wir Kinder Gottes“,  lesen wir im 1. Johannesbrief.

„Kinder Gottes“ das gibt unsere Abstammung, unsere Herkunft an!
Wir kommen von Gott her – und das steht nicht im Geringsten im Gegensatz zur Elternschaft unserer Eltern.
Vielmehr durften unsere Eltern und durften viele von ihnen als Eltern mitwirken an der unaufhörlichen Schöpfungstat Gottes.
Wir leben durch und aus Gottes Schöpfungstat. Darum dürfen wir uns auch Kinder Gottes nennen.

Kinder sind oft das Spiegelbild ihrer Eltern – dabei meine ich weniger das Aussehen, als die menschliche Wesensart:
Die Sprache, die Gesten, die Gewohnheiten, die innere Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen – Kinder ahmen ihre Eltern nach und übernehmen alles von ihnen.

Wir nennen uns Kinder Gottes – und damit drücken wir aus, dass wir ihm dem Schöpfer des Lebens sehr ähnlich sind. Nicht so, wie das Spiegelbild seinem Urbild gleich ist, sondern vielmehr so, wie Kinder ihren Eltern ähnlich sind: wie Gott heilig ist, so sind auch wir heilig.

Gott ist heilig, der Heilige sagen wir manchmal – Was meinen wir damit?

Gott ist heilig, weil er vollkommen gut ist und also niemandem böses will.
Gott ist heilig, weil es in ihm keine Unwahrheit gibt und keine Täuschung.
Gott ist heilig, weil er mit sich eins ist und in ihm vollkommener Friede ist.

Was bedeutet es also heilig zu sein?
Heilig sein heißt gut sein zu den Menschen, heißt keine Unwahrheit in sich zu haben und es heißt voller Frieden zu sein.

Wir sind Kinder Gottes:  das heißt wir sind Menschen, die diese göttliche Wesensart in sich haben:
Wir wollen gut sein, wir wollen wahr und echt sein und wir wollen Frieden in uns haben.

Am Fest Aller Heiligen lenken wir unseren Blick auf all die Menschen, die das versucht haben. Wir schauen dankbar auf die Menschen, die ihre Energie und ihren Ehrgeiz dafür einsetzten, Gott ähnlich zu werden.

Das macht uns Mut, selber auf diesem Weg zu bleiben, weil wir an ihnen erkennen, dass es möglich ist!

Es ist uns möglich, auf Gott hin zu leben;
es ist uns möglich, solidarisch zu sein mit Menschen, denen Schlimmes widerfährt.
Es ist möglich, auf körperliche und psychische Gewalt zu verzichten;
Es ist möglich, gerecht und fair zu den Menschen zu sein,
Es ist durchaus möglich, mit Armen zu teilen und mit den Fehlern anderer Nachsicht zu üben;
Es ist uns möglich, ohne Hintergedanken und offen auf andere zuzugehen;
Es ist uns möglich, dass Frieden von uns ausgeht, weil wir uns der Zwistigkeiten aus Konkurrenz und Neid enthalten.

All dies ist durchaus für Menschen möglich.
Es ist durchaus menschenmöglich, als Gottes Kind ihm ähnlich zu sein,
oder wie ich im Johannesbrief lese; sich zu heiligen.

28. Oktober 2012: 30. Sonntag im Jahreskreis – Weltmissionssonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

„Im gleichen Augenblick konnte Bartimäus konnte wieder sehen!“

Auf dem Hintergrund dieser Geschichte könnte man formulieren: Kirche ist die Gemeinschaft von Menschen, denen Jesus die Augen geöffnet hat – die Augen des Herzens.

Durch Jesus sehe ich die Welt in einem hellen Licht:

  • Es ist die Welt Gottes! Es ist die Welt, die in Gott ihren Ursprung hat und die in Gott ihr Ziel hat.
  • Trotz Unwahrheit und Neid und Gewalt, Trotz Krankheit und Tod erkenne ich Gottes Spuren in dieser Welt.
  • Ich sehe die Sonne, durch deren Wärme das Leben möglich ist und erkenne in ihr ein Abbild von Gottes schöpferischer Liebe.
  • Ich kann das Leben annehmen und mich darüber freuen – weil ich mich von Gott angenommen weiß.
  • Durch Jesus Christus erkenne ich: das Ziel des Daseins ist nicht der Untergang ist, sondern die Heimkehr in die Herrlichkeit und Ewigkeit des Vaters.
  • Am Ende siegt nicht der Stärkere,  am Ende werden die Menschen und die Geschöpfe vereint sein:
    Der Neid wird die Menschen nicht mehr trennen,  sondern die Liebe wird die Menschen verbinden.
  • Was Menschen versuchen und unternehmen und schaffen, damit sie anderen Geborgenheit schenken, Krankheiten überwinden und um Frieden herzustellen – all das wird nicht umsonst gewesen sein. Durch Christus kann ich glauben, dass all das nicht umsonst gewesen sein wird, weil das alles in der Ewigkeit Gottes aufgehoben ist.

Kirche: das ist die Gemeinschaft der Menschen, denen Jesus die Augen geöffnet hat. Durch Jesus lernen wir:
wichtiger ist das was wir verschenken, als das, was wir besitzen.
wichtiger ist das, was wir für andere tun, als uns durchzusetzen.

Die Kirche versucht, als Gemeinschaft des Glaubens, diese Sicht des Lebens und der Welt vorzuleben.

Immer war ein Markenzeichen der Kirche, dass die Christen den Witwen und Waisen halfen, dass die Kranken gepflegt und geheilt wurden,
dass die Gemeinden sich gegenseitig stützten.

Bis heute ist das so geblieben.

Dadurch ist und wird die Kirche ein leuchtendes Zeichen für die gesamte Menschheit. Ein Zeichen für den Glauben an die Liebe zu der der Mensch von Gott gerufen ist.

In vielen Gegenden der Erde ist es bis heute so, dass nur die Kirche Schulen für die Kinderbaut;
oft ist es einzig und allein die Kirche, die Krankenstationen errichtet und unterhält;
oft und oft steht einzig die Kirche auf der Seite der Armen und sucht mit ihnen gemeinsam nach einem Weg, um die Lebenssituation zu verbessern und der Ungerechtigkeit zu entkommen.

Heute dürfen wir durch unsere Spende für die Weltmission einen Beitrag leisten. Was wir heute Spenden, wird irgendwo in dieser Welt ein wenig Licht bringen, wird die Hoffnung der Menschen stärken und ihnen Kraft geben, für ein besseres Leben zu arbeiten.

21. Oktober 2012: Kirchweihfest

Die Geschichte vom Zachäus ist einfach schön: ich finde sie anrührend.
Der reiche Mann, der so klein ist, den keiner leiden kann, weil er ein Zöllner ist. Ein Kollaborateur, ein Verräter, der mit der römischen Besatzungsmacht gemeinsam Sache macht und seine Stellung ausnützt, um sich zu bereichern.
Er klettert auf einen Baum – auf die Gefahr hin, sich lächerlich zu machen, wenn er entdeckt würde.
Jesus sieht ihn! Jesus sieht ihn an – statt ihn höflich zu übersehen.
Er spricht ihn an und gibt ihm seine Würde, indem er sich bei ihm einlädt. So jedenfalls hat niemand Gelegenheit, über Zachäus auf dem Baum zu spotten.

Zachäus nahm Jesus freudig bei sich auf!

Das macht Kirche aus: Kirche, das sind die Menschen, die Jesus freudig bei sich aufnehmen.

Mich beschäftigt, warum es mit der Kirche bei uns so steht, wie es steht: so dass man von der Kirchenkrise spricht.
Ist ein Grund dafür vielleicht, dass Jesus nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, wenn die Menschen an Kirche denken und in der Kirche sind?
Jesus, den die Kirche, den die Christenheit verkündet, wird abgelehnt und zurückgewiesen:

Man zweifelt an dem, was die Evangelien überliefern:

  • War das wirklich so? Die Wunder sind doch unglaublich. Wurde das alles nicht viel später aufgeschrieben?
    Dabei kann jeder heute wissen, dass es den Evangelien oft nicht darum ging, Vorgänge zu beschreiben, sondern den Glauben an Jesus zu verkünden. Die Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums will eben nicht erklären, was bei der Zeugung Jesu geschah und wie Maria das Kind empfangen hat. Gerade die Christenheit – aller Konfessionen hat sich darum verdient gemacht zu verstehen, wie diese Texte richtig zu verstehen und auszulegen sind.
  • Viele glauben nicht an die Auferstehung Jesu. Es wird spekuliert und phantasiert, ob er tatsächlich ehelos lebte oder verheiratet war.  Das klingt so einleuchtend, dass viele es für bare Münze nehmen – selbst wenn diese Spekulationen in einem Roman geboren werden, der phantasiert, wie es vielleicht auch hätte sein können. Die Aussagen der Evangelien, die 1950 Jahre alt sind, werden dafür einfach als unglaubwürdig abgetan.
  • Ganz unmöglich scheint für viele zu sein, Jesus als Sohn Gottes zu bekennen und zu glauben – das klingt ja so ähnlich wie die Göttersagen des griechischen Olymps.

Ohne den Glauben an Jesus Christus hat die Kirche der Welt und uns nichts zu sagen und verliert ihre Daseinsberechtigung. Ohne Christus brauchen wir keine Kirche.

Unsere Herz Jesu Kirche stellt das als Bauwerk dar: Ohne den Altar, ohne die Zuspitzung auf den Gekreuzigten an der Ostwand der Apsis hätte dieses Bauwerk keinen Sinn mehr.
Man bräuchte sich nicht mehr darin zu versammeln.

Der Glaube an Jesus Christus, der verkündete, dass Gott und Mensch sich ganz nahe stehen, dass der Mensch Gott unendlich wertvoll und kostbar ist, der dafür sein Leben gab – dieser Glaube lässt uns Kirche sein und Kirche werden.

Wir, die wir in die Kirche gehen, dürfen es nicht versäumen, Jesus Christus in die Mitte zu stellen.

  • Was ist mir wichtig an ihm?
  • Kann ich erzählen, wer er war, was ihm wichtig war, was er getan hat, für wen er da war, was er verkündete?
  • Weiß ich mehr von ihm als seine Geburt und seinen Tod?
  • Was heißt für mich, Christus nachzufolgen und sein Jünger zu sein?

Zachäus nahm Jesus freudig bei sich auf und hat verstanden, was es bedeutet, Jesus bei sich zu haben: Er teilte sein Vermögen, er hat Unrecht wieder gut gemacht.
Unsere Kirchenfenster mit den Werken der Barmherzigkeit zeigen es, was es bedeutet, Christus zu beherbergen und sein Jünger zu sein.
Es bedeutet gut zu sein und Gutes zu tun.

Nehmen wir uns Zachäus zum Vorbild, von dem Jesus sagte: Heute ist ihm das Heil geschenkt worden. Das dürfen wir auch auf uns beziehen. Amen.

14. Oktober 2012: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Ein Kamel hat nichts mit einem Nadelöhr zu tun. Deshalb wechseln manche das Wort Kamel durch das Wort Schiffstau oder dickes Tau aus. Griechisch heißt das Kamel nämlich kamelos und das Schiffstau kamilos.
Aber ändert das wirklich etwas an der Gegenüberstellung: Dick und groß gegen schmal und klein? Und wird die Unmöglichkeit nicht viel drastischer ausgedrückt durch das Kamel, das niemals durch ein Nadelöhr passen wird und das niemand versuchen wird durch ein solches zu fädeln. Das ist eine geradezu surrealistische Vorstellung.

So verstörend wie die Zusammenstellung Kamel und Nadelöhr ist auch dieser ganze Abschnitt des Mk-Ev’s.
Was widerfährt diesem Mann, der den Weg ins Himmelreich sucht!
Jesus führt ihn erbarmungslos an seine Grenzen. Der Evangelist fügt noch hinzu: „weil er ihn liebte“.

„Gib alles, was du hast den Armen, dann hast du einen bleibenden Schatz im Himmel. Dann komm und folge mir nach“

Das ist also der Weg ins Himmelreich! Diese Episode und dieses Jesuswort überliefern übrigens auch das Lk. und das Mt. Ev.

Wenn ich dieser Mann wäre – was würde ich tun? Jeder sollte sich diese Frage stellen.

  • Würde ich aufbrausen und Jesus für diese Unverschämtheit beschimpfen?
  • Würde ich versuchen, darüber zu diskutieren und einen Mittelweg zu finden: Eine Selbstverpflichtung zum Spenden. Besser ein regelmäßiger Spender als noch ein Armer, der mittellos herumwandert.
  • Würde ich über diese Verrücktheit lachen und mich abwenden von einem solchen Spinner?

Was würde ich tun?

Tatsächlich aber ist das nicht die einzige Stelle in den Evangelien, die deutlich macht, dass Reichtum und Christ sein nicht zusammen passen. Ich kann nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon! (Mt. Bergpredigt)

Wer in dieser Welt reich sein will, muss über die Not der Armen hinwegsehen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss die AUgen davor verschließen, dass sein Reichtum etwas zu tun hat mit der Armut der Armen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss ausblenden, dass dieser Reichtum in Gottes Ewigkeit nichts zählt, sondern ihn eher von Gott trennt, der alles mit uns teilt.

Schwestern und Brüder, wir können es drehen und wenden, wie wir wollen:
weder ein Kamel noch ein Schiffstau passen durch ein Nadelöhr.

So unmöglich kommt ein Reicher in das Himmelreich. –  Jedenfalls nicht aus eigener Kraft.

Für Gott aber ist alles möglich!

Sein Erbarmen mit uns,  seine Bereitschaft mit uns zu teilen, sollte unser Herz bewegen,
damit unsere Hände sich öffnen,
damit sie nicht ängstlich festhalten, was in dieser Welt als Besitz kostbar ist,  sondern mit denen teilen,
die nicht vor Gott sondern in dieser Welt als Arme gelten.

Wer reich sein will vor Gott, braucht in dieser Welt Hände, die nicht festhalten, sondern die teilen und verschenken.

07. Oktober 2012: Erntedank

Schlendern sie auch gerne durch einen Markt? Im Urlaub bestaune ich gerne Gemüse, Käsesorten, Fisch und Fleisch und die Köstlichkeiten, die daraus zubereitet wurden. Es ist eine Pracht ‑ so wie der Erntealtar.

Warum legen wir Früchte und Gemüse vor den Altar? Weil es eine besonders schöne Dekoration ist? Oder geht es um mehr?

Herkömmlich spricht man von „Erntegaben“ – doch für wen sind die Gaben? Für Gott? Gott braucht sie nicht! Jedenfalls nicht für sich!
Was wir tun, ist eine Geste an den unsichtbaren Gott, dessen Gegenwart der Altar darstellt. Wir wollen die gute Ernte Gott zeigen.
– Auch wenn er dieser Information nicht bedarf –für  uns ist diese Geste wichtig. Wir freuen uns über die Ernte und die gut geratenen Früchte der Erde und wollen sie dem Schöpfer zeigen.

Wem aber danken wir für die Ernte?
Wem danken der Patient und der Arzt für die Heilung?
Wem dankt der Lehrer, dass seine Bemühungen nicht vergeblich sind?
Wem dankt ein Jugendlicher für den Erfolg in der Schule?

Viele Menschen sind an der Ernte beteiligt: sie haben Saatgut gezüchtet, die Felder bestellt und die Ernte eingebracht – bis hin zu denen, die die Erntemaschinen erfinden und bauen.
Es ist würdig und recht, diesen allen zu danken für ihre Arbeit und Mühe, für ihr Können und ihre Sorgfalt.

Gerade die Landwirte wissen am besten, wie viele Stunden sie auf dem Traktor saßen, wie viel Dünger ausgestreut wurde und wie das Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen waren.
Doch gerade sie feiern (wenn sie glaubend sind) oft mit großer Freunde Erntedank. Sie sind dankbar, weil sie wissen: trotz aller Mühe ist es nicht nur mein Werk!
Die Erde bringt die Frucht hervor!

Sie danken dem Schöpfer aller Dinge, dass ihrer Arbeit Frucht gebracht hat und nicht vergebens war. Dadurch wird ihr Tun und Können in keiner Weise geschmälert.
Vielmehr nehmen sie in ihrem Tun das Leben an und den Auftrag, für das Leben zu sorgen.

Wir danken Gott zu Recht für den Ertrag unserer Arbeit, für all das, was uns in Beruf und Familie und sonst irgendwo gut gelingt.
Denn was immer wir auch forschen, entwickeln und tun –  wir nutzen die Kräfte, den Reichtum, die Vielfalt die Gott in unsere Erde gelegt hat.

Die Erde, all ihre Kräfte und Schätze sind uns von Gott anvertraut. Wir erkennen den Auftrag, sie zu erforschen und zu nutzen –
je mehr wir aber unsere Möglichkeiten erweitern, desto mehr muss uns bewusst werden:
Das Leben und die Erde sind uns geschenkt. Uns ist die Sorge für das Leben anvertraut – aber nicht nur für unser eigenes Leben.

Wir werden uns immer mehr bewusst, dass wir den Auftrag haben, unser Wissen und Können für andere zu nutzen und auf das Wohl aller Lebewesen zu achten.
Denn diese Erde und das Leben hat Gott nicht nur uns geschenkt, sondern allen Menschen dieser Erde – im Norden und Süden, im Osten und Westen. Es ist die eine Erde für alle Menschen – heute und morgen.

Unser Dank für den Ertrag unserer Arbeit in Familie und Beruf, in Fabriken, Gärten, Äckern und Wald, kann nur ehrlich sein, wenn wir all das nicht nur für uns behalten, sondern wenn es allen zu Gute kommt. So wie Gott jedem Menschen Leben und Würde gibt.

30. September 2012: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Zu Recht kreidet man es der Kirche an, wenn es ihr nur um sich selbst geht – um ihren Einfluss, ihre Finanzen und um ihr Ansehen!

Zu Recht geraten Politiker in Misskredit, wenn sie ihr eigenes Süppchen kochen, unliebsame Konkurrenten ausschalten, Vorteile im Amt annehmen!

Zu Recht werden Unternehmen boykottiert, die ihren Angestellten keinen angemessenen Lohn zahlen, sie mit Kameras überwachen und unwürdige Arbeitsbedingungen herstellen.

Zu Recht beklagen wir, wenn der Egoismus die Gesellschaft dominiert –
ich meine damit: eine Mentalität, die persönlichen Gewinn über Fairness und Gerechtigkeit stellt.

Der Jakobusbrief sagt dazu unverblümt und schonungslos: „Euer Reichtum verfault, eure Kleider werden von Motten zerfressen; euer Gold und Silber verrostet“

Der Egoismus, der Arbeitern ihren Lohn vorenthält, der nicht zurück-schreckt vor Lüge und Unwahrheit, der Blind macht für den Mitmenschen, dieser Egoismus trennt den Menschen von Gott. Er ist unmittelbar gegen Gott gerichtet und er bringt Spaltung, Unglück, Tod und Verderben zuerst über die Armen und Benachteiligten und dann über die, die Unrecht tun.

Davor warnt der Jakobusbrief und auch das Markusevange­lium mit seinen drastischen Sätzen, es sei besser mit einem Auge, Hand, Fuß in das Himmelreich zu kommen als mit beiden Augen, Händen, Füßen in das nie verlöschende Feuer.

Schwestern und Brüder, es geht darum, ob wir unser Leben auf Gott ausrichten, ob wir Gott anerkennen in unserem konkreten Tun und Lassen. Das Evangelium beschwört seine Leser geradezu, sich für Gott zu entscheiden. Es ist die Entscheidung zwischen Leben und Tod.

Denn Gold und Silber verrosten, und die Motten zerfressen die Kleider.
Niemand kann etwas mitnehmen, wenn er stirbt, doch das Gute, das Menschen tun, die Liebe, die sie empfangen und schenken, bleibt in Ewigkeit.

23. September 2012: 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Bei einer Wanderung mit Freunden kürzlich, lief ich um die Wette mit einem Kind, das gerade in die Schule gekommen ist. – Es versteht sich von selbst, dass das Mädchen gewonnen hat. Es sollte ja nur sein Ehrgeiz angestachelt werden.
Habe ich damit gegen Jesu Wort vom Dienen verstoßen, weil ich das Kind animierte, gewinnen zu wollen?

Beim Spiel, im Sport, in der Wirtschaft – überall geht es um Konkurrenz: Wer ist schneller, wer kann es besser, wer kann mehr verkaufen, wer macht größeren Gewinn ….

Es ist ein Naturgesetz, das der ganzen Schöpfung eingeschrieben ist. Die vielfältigen Lebensformen, die wir heute beobachten entstanden, weil jedes Lebewesen und jede Art versuchen, sich immer besser der Umwelt anzupassen und in Konkurrenz mit anderen Arten zu bestehen.

Aber heute hören wir: Wer der Erste sein will, soll der Letze von allen und der Diener aller sein.

Für die gesunde Entwicklung eines Menschen ist es aber wichtig, dass er lernt, seine Kräfte einzusetzen, dass er sich vergleicht und mit anderen misst. Es ist notwendig, um seine Kräfte zu entwickeln und einschätzen zu lernen. Es wäre ein schwerer Fehler, den Kindern das Wetteifern zu verbieten.

Aber heute hören wir: Wer der Erste sein will, soll der Letze von allen und der Diener aller sein.

Ich kenne aber auch eine andere Erfahrung:
Ich ärgere mich über Leute, die dauernd das Sagen haben wollen;
wenn jemand immer und überall nur seine Interessen sieht und durchsetzen will;

Ein Gruppe ist anstrengend und belastend, wenn man das Gefühl hat, man muss dauernd kämpfen, um akzeptiert und gesehen zu werden.

Statt Selbstsucht und Egozentrik wird Teamgeist gefördert, man soll Zuhören können, und lernen, die Bedürfnisse des anderen zu respektieren:
Wie sehr schätzen wir Menschen, die zuvorkommend und rücksichtsvoll sind.

Ist das gemeint mit den Worten  Wer der Erste sein will, soll der Letze von allen und der Diener aller sein.

Ich glaube, es geht in diesem Jesuswort um mehr als um Formen der Höflichkeit und des Anstands:
Erinnern wir uns, dass vorher davon die Rede ist, dass Jesus getötet werden wird und achten wir darauf, dass danach die Aufnahme eines Kindes als Beispiel für das Dienen genommen wird.

Kinder galten damals nichts. Sie sollten möglichst bald etwas arbeiten und leisten. Ihre Bedürfnisse galten damals nichts und viele Kinder liefen als Waisen auf der Straße herum.
Wer für ein solches Kind sorgt, weil er sich Jesus zum Vorbild nimmt,  der hat das Wort vom Dienen verstanden.
Er tut dies einfach um des Kindes willen, um es zu behüten und um ihm zu helfen. Das Evangelium geht so weit zu sagen: Wer so etwas tut, der nimmt Gott auf, der diesem Kind das Leben geschenkt hat.

Das Wort vom Dienen und vom Letzter sein ist so wie das Wort von der Selbstverleugnung eine Herausforderung und Jesus mutet uns einiges zu.
Es richtet sich an uns, als Jünger Jesu und macht uns deutlich:
Wer zu Jesus gehört und ihn zum Vorbild nimmt,  geht in der Entwicklung der Menschlichkeit einen Schritt weiter:
Was ich am besten kann, soll nicht dazu dienen, dass ich über anderen stehe, sondern dass ich damit anderen und der Gemeinschaft nützen kann.

Schön, wenn es dafür auch noch ein Lob gibt.

16. September 2012: 24. Sonntag im Jahreskreis

Das Christentum wird von vielen Menschen geschätzt – wegen seiner Werte: Ob da der Wert der Selbstverleugnung auch im Bewusst sein ist?

Sich selbst verleugnen – das klingt – schrecklich.
Soll ich meine ureigenen Bedürfnisse verleugnen:  Soll ich darauf verzichten, etwas gelten zu wollen?
Soll ich darauf verzichten, meine Rechte zu gebrauchen und auch gegenüber anderen einzufordern?
Soll ich aufhören, Bedürfnisse und Wünsche zu haben? Soll ich mich aufgeben und sozusagen auflösen?

Es ist nicht verwunderlich, wenn sich einem da die Nackenhaare aufstellen und sich alles in einem dagegen sträubt.

Ich will weder sie noch mich zu dieser Art der Selbstverleugnung drängen – denn ich bin mir sicher, dass dies nicht im Sinne des Evangeliums und im Sinne Jesu wäre. ‑ Es gibt genügend Sätze im Evangelium, die eine andere Sprache sprechen.

Dennoch steht hier: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst. Er nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!
Das erinnert an Jesu Kreuzestod, den er mit so vielen anderen Menschen im römischen Reich teilte.

Es ist auch heute ‑ wie zu Zeiten des Evangelisten – nicht leicht zu glauben, dass dieser Gekreuzigte Jesus aus Nazareth der Messias sein soll.
Und es ist heute wie damals schwer, sich für diesen Glauben einzusetzen und dafür gerade zu stehen.

Denn heute wie damals stehen Jesus und seine Botschaft quer zu den alltäglichen Vorstellungen von Lebensqualität:
Jesus predigt die Bereitschaft, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen, er fordert dazu auf, eigene Interessen zurückzustellen, er widerspricht dem Leistungsprinzip, er verweigert sich dem Machtstreben, er ist alles andere als angepasst und bequem.

Das einzige, was er gegen dies alles setzt, ist das, was er Auferstehung und ewiges Leben nennt, das sogenannte Reich Gottes, das er ausruft und gekommen sieht.
Das ist aber im Jenseits unseres Lebens und des Todes! Dieses Jenseits stellt Jesus uns vor als Glückseligkeit für den einzelnen Menschen und für Alle: Im Jenseits hat der Mensch Anteil am Leben Gottes, an seiner Fülle, an seiner Herrlichkeit.
Jesus lädt dazu ein, dass wir bereits jetzt so leben, wie es dem Jenseits entspricht. Mit dem Wort vom Leben retten und verlieren, mit dem Wort von der Selbstverleugnung macht er auf einen Zusammenhang aufmerksam, der bei genauerem Hinsehen gar nicht so widersprüchlich ist, wie es den Anschein hat:

Die Liebe zu anderen ist eine unbändige Triebfeder: Aus Liebe geben Menschen ihr letztes Hemd,  verzichten, reiben sich auf, riskieren ihr Leben, verschenken ihr Leben.

Die Liebe zu Gott beginnt damit, dass er uns ins Dasein ruft, das Leben in uns hat göttlichen Ursprung,
Die Liebe zu Gott sollte nicht aufhören, wenn es darum geht, sich und seine Möglichkeiten einzusetzen, damit das Leben, Gottes Gabe, sich entfalten und entwickeln kann.

Im Ernstfall müssen wir uns immer wieder entscheiden ob wir in diesem Leben und in dieser Welt die Werte des Himmelreiches gelten lassen: Frieden, Gemeinschaft, Geborgenheit.

Ob die Menschen, die die christlichen Wert schätzen: Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Rücksicht und ähnliches  dabei daran denken, dass diese Werte mit Verzicht und dem Aufbieten eigener Kraft und Möglichkeiten zu tun haben??

02. September 2012: 22. Sonntag im Jahreskreis

Ein Klick zu den litugischen Texten:

Ich möchte gut dastehen – vor der Gemeinde, vor ihnen. Das möchte doch jeder.
Deshalb versuche ich durch mein Verhalten einen guten Eindruck zu machen.
Dazu gehört das äußere Aussehen, gewisse allgemein übliche Verhaltensweisen …

So entsteht hoffentlich der Eindruck, dass ich in Ordnung bin.
Dieses Bedürfnis so zu gelten, teile ich – das nehme ich an ‑ mit vielen Menschen.
Ebenso teile ich vermutlich mit den meisten Menschen, die Erfahrung und das Wissen, dass es „hinter den Kulissen“ nicht immer so ist, wie der Anschein, der äußerlich aufrechterhalten wird.
Tatsächlich aber will ich, wie fast alle Menschen, nicht nur den Eindruck erwecken, sondern wirklich in Ordnung sein – auch wenn nicht jeder Fehltritt an die große Glocke gehängt werden braucht.

Es ist ein ziemlich großes Kompliment, wenn man von jemanden sagt:  Die ist schwer in Ordnung!

Wie kann ich ein Mensch werden, der „in Ordnung“ ist? Einer, auf den man sich verlassen kann, der andere versteht, der weiß, was anderen und ihm selbst gut tut, der sich nicht gehen und treiben lässt?

Das Markusevangelium nennt solche Menschen rein, es sind Menschen die mit sich, die den Mitmenschen und mit Gott im Reinen sind.
Das kann nicht von außen in den Menschen hinein kommen, sondern das muss im Inneren des Menschen in seinem Herzen heranreifen und groß werden.
Da seinen Jüngern Unreinheit vorgeworfen wird und die Missachtung der Überlieferung vorgehalten wird, beschreibt Jesus den Zusammenhang vom schlechten her: aus dem Inneren des Menschen kommen die bösen Gedanken, die den anderen und seine Bedürfnisse und Ehre missachten.

Wenn ich in Ordnung sein möchte, muss ich also auf mein Inneres achten, muss ich darauf achten, dass ich gute Gedanken habe:
Ich muss mein Herz, meine Seele trainieren und üben, dass ich voll Respekt vor dem Anderen und seinen Bedürfnissen und seiner Ehre bin.

Wie kann ich das üben?
Voraussetzung ist natürlich der Glaube, das Vertrauen in Gott, den Ursprung und die Quelle des Lebens, der seine Geschöpfe liebt und will, dass sie heil werden.

Weil ich üben will, nehme ich mit etwas ganz bestimmtes vor:  ich suche mir einen Menschen aus, gegenüber dem ich mich ganz besonders bemühen will, ihn, seine Bedürfnisse und seine Ehre zu achten. Und nun geht es los, dass ich mein Verhalten, meine Gesten und meine Sätze so gestalte.
Je schwerer die Aufgabe, desto länger werde ich üben müssen.
Desto öfter wird es nötig sein, dass ich inne halte,  dass ich Gottes guter Kraft in meinem Inneren Raum schaffe und wieder anfange.

Denn aus dem Inneren des Menschen kommen die guten Gedanken!