25. September: 26. Sonntag im Jahreskreis

Es ist ein weiter Sprung im Matthäusevangelium von der Geschichte des Gutsherrn, der alle Knechte gleich bezahlt (25. Sonntag im Jahreskreis) – bis zu der für heute vorgesehenen Gleichnisgeschichte vom Vater, der seine beiden Söhne anweist, im Weinberg zu arbeiten:

Inzwischen ist Jesus nach Jerusalem gekommen und wurde von den Menschen wie ein König empfangen – auf einem Esel reitend.
Im Tempel hatte Jesus Aufsehen erregt: Er hatte die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben und Blinde und Lahme geheilt.
Da kamen die Hausherren zu ihm und fragten: „Mit welchem Recht, mit welcher Vollmacht tust du das?“ – Jesus ist in einer Zwickmühle:

Würde er sagen: der Vater im Himmel hat mir befohlen, dies zu tun – man würde ihn der Gotteslästerung beschuldigen.
Würde er antworten: Aus eigenem Antrieb handle ich. Dann würde er verschweigen, dass er in Gottes Kraft und Gottes Geist handelt. Er würde seinen Vater im Himmel verraten.

Deshalb bracht er seinerseits die Hohenpriester und Schriftgelehrten in die Zwickmühle und fragte: „Woher stammt die Taufe des Johannes?“
Würden sie antworten: vom Himmel, dann hätten sie ihm glauben müssen. Antworten sie: „Das war seine eigene Idee.“ – dann hätten sie die Leute gegen sich, die Johannes für einen Propheten hielten. Also sagten sie: Wir wissen es nicht.

Darauf erzählt Jesus drei Gleichnisse. Das erste ist das von den beiden Söhnen, die der Vater zum Arbeiten in den Weinberg schickt:
Da kommen die Hohenpriester schlecht weg. Denn durch ihren Unglauben gleichen sie dem einen Sohn, der zwar seine Bereitschaft kundtut – aber doch nichts tut. Die Kreditbetrüger und Prostituierten hingegen, die Johannes glaubten und ihr Leben änderten – sie gleichen dem anderen Sohn, der schließlich doch in den Weinberg ging.

Das Matthäusevangelium stellt damit einen engen Zusammenhang her zwischen „Glauben“ und „Tun“.

Hier berührt sich die Botschaft dieser Geschichte mit dem Brief des Paulus an die Philipper.
Paulus ruft uns Christen auf, einmütig zu sein, dass einer den anderen achtet und unterstützt, dass jeder das Wohl des anderen im Auge hat – genauso wie da eigene.
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht, der nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern Mensch wurde und den Tod am Kreuz erlitt – um die Treue Gottes und die Vergebung Gottes zu offenbaren.

An Jesus glauben – das heißt:
Für den Frieden, die Versöhnung und für den gerechten Ausgleich zwischen den Menschen zu leben.
Denn genau dies ist die Botschaft Jesu:  Das Reich Gottes, die ewige Zukunft der Menschen,  ist Versöhnung, ist Frieden, ist Gerechtigkeit und Leben in Fülle.

Das sind unsere Ideale, denen wir folgen sollen.

18. September 2011: 25. Sonntag im Jahreskreis

Jungen laufen um die Wette.
Viele Menschen strengen sich an, um die besten, die ersten zu sein,
oder auch die schönsten oder um ganz nach oben zu kommen.

Ehrgeiz ist menschlich!

Damit verbindet sich noch ein anderes Bedürfnis: Wer besser ist, verdient die Medaille;
der 1. Preis ist Gold, der zweite Silber, der dritte Bronze!

Dieses Bedürfnis nach Gerechtigkeit ist menschlich!

Und deshalb provoziert diese Gleichnisgeschichte, die Jesus seinen Jüngern erzählt hat! Am Ende wiederholt Jesus den Satz, den er mit dieser Geschichte erklären wollte: So werden die letzten die Ersten sein!
Zuvor nämlich hatte Petrus gefragt: „Jesus, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“
Für Petrus – den Jesus zum Felsenmann erklärt hatte – und die anderen Jüngern, die Aposteln, und für alle, die sich zu Jesu Freunden zählen, hat Jesus diese Geschichte erzählt. Die Geschichte ist so erzählt, dass Petrus sich mit den Arbeitern identifiziert, die schon früh am Morgen in den Weinberg gegangen waren.
Petrus musste sich die Geschichte anhören, weil er das Gefühl hatte: er und die anderen Apostel müssten im Himmel doch ein wenig besser dastehen als andere.

Was soll er nun verstehen durch diese Geschichte??

Ich persönlich würde es so sagen: Wenn das Glas voll ist, dann ist es voll!
Gönne es jedem, wenn sein Glas genauso voll wird wie das deine!
Beanspruche nicht einmal, der erste sein zu wollen, dessen Glas gefüllt wird. Sei zufrieden mit dem vollen Glas!

Auf das Himmelreich bezogen:  Wenn wir einmal in Gottes Herrlichkeit leben, gibt es kein weniger oder mehr. Gottes Herrlichkeit ist vollkommen. Es gibt keinen Himmel 1. Oder 2 Klasse! Im Himmelreich gibt es nur Goldmedaillen!

Doch auch in diesem Leben kann ich daraus meine Lehren ziehen:

Ich kann mir und anderen viel Verdruss und Leid ersparen, wenn ich das Leistungsprinzip durch Gerechtigkeit nach Gottes Art überwinde.
Ich muss nicht beanspruchen, mehr zu gelten als andere!
Ich kann anderen gönnen, wenn es ihnen gut geht.
Ich brauche nicht zu denken: das hat die doch gar nicht verdient.
Ich kann – aus freien Stücken – das meine mit anderen teilen und es ihnen zur Verfügung stellen.
Ich darf aufhören, mich mit anderen zu vergleichen, um zu beweisen, dass ich besser, schneller, klüger bin und deshalb größere Ansprüche stellen darf.
Ich kann zufrieden sein mit dem was ich habe!

Das ist keine Anweisung für Tarifpartner und Finanzminister!
Das ist kein Geheimwissen für Personalentscheidungen!
Das ist eine freundschaftliche Einladung an Petrus und alle Christen,
das Prinzip der Selbstbezogenheit,
Neid und Konkurrenz endgültig aufzugeben.

11. September 2011: 24. Sonntag im Jahreskreis

Diese Geschichte im Mt. Ev verstehe ich auf Anhieb: Die Christen sollen sich bewusst werden, dass jeder einzelne Gottes Vergebung erbittet und empfängt. Darum sollen die Jünger Jesu bereit sein, einander zu vergeben!

Dieser Gedanke hat einige Voraussetzungen – ich bin mir nicht sicher, ob wir und unsere Mitmenschen vor der Kirchenmauer, sie so verstehen und annehmen können. Darüber muss geredet und nachgedacht werden.
Und darüber hinaus: Am Ende dieser Geschichte erscheint Gott als unerbittlichen Richter – um dem Aufruf zur Vergebungsbereitschaft durch die Drohung mit der ewigen Verdammung Nachdruck zu verleihen – Ist das nicht ein Rückfall in die Angst vor Gottes Strafgericht?

Es fängt an mit der Frage des Petrus: Wie oft muss ich meinem Bruder, meiner Schwester vergeben? Siebenmal? Also praktisch uneingeschränkt? Ich höre einen besorgten Ton heraus: „Muss ich meinem Bruder, meiner Schwester wirklich immer wieder – unbegrenzt – vergeben?“

Diese Frage thematisiert eine Schwierigkeit im menschlichen Zusammen­leben: Es gibt Streit und Zerwürfnisse – und zwar zwischen Menschen, die eigentlich in Frieden miteinander leben sollten, um gut leben zu können: Nachbarn, Familienmitglieder, Freundeskreise, Kollegen, Gemeindemitglieder.

Petrus spricht vom „Vergeben“. Was heißt eigentlich vergeben und wie geht es? Wenn es mir gelingt, zu vergeben, passiert etwas in meinem Inneren: ich höre auf, die andere Person auf das Unrecht festzulegen, das sie mir angetan hat. Ich höre auf, ihr Vorwürfe zu machen.
Vergeben heißt: ich bin wieder in der Lage, offen und ohne Vorbehalt mit dieser Person umzugehen.
Vergeben wird leichter, wenn ich verstehen kann, warum die Person so gehandelt hat; was sie beabsichtigte. Erst recht, wird Vergebung leichter, wenn die andere Person ihr Unrecht einsieht.

Wie ist das nun zwischen Mensch und Gott? Ist der Mensch vor Gott wirklich schuldig? Sind wir Sünder vor Gott?
Ist es also nötig und angebracht, dass wir zu Beginn der Messfeier jedes Mal Gott um Vergebung bitten?
Die Bibel spricht jedenfalls von Anfang bis Ende davon, dass der Mensch vor Gott ein Sünder ist. Jesus spricht beim letzten Abendmahl davon, dass er sich hingibt, zur Vergebung der Sünden.

Eigentlich erübrigt sich die Frage: denn wenn ich zugebe, dass ich an einem Mitmenschen schuldig geworden bin, dann ist damit zugleich gesagt, dass ich vor Gott schuldig geworden bin, der der anderen und mir das Leben schenkt.
Die Gebote, nicht zu lügen, nicht zu betrügen, nicht die Ehe zu brechen, Vater und Mutter zu ehren – nicht mal diese grundlegenden Gebote befol­gen wir Menschen alle und immer. Geschweige denn das Gebot Jesu, dass ich jeden Mitmenschen lieben soll: dass ich ihm gutes und gut tun soll.

Diese Voraussetzung der Geschichte von den beiden Knechten stimmt: Vor Gott, der mir das Leben gibt und mich beruft, als sein Ebenbild zu leben, vor ihm bin ich ein Mensch, der immer wieder Schuld auf sich lädt, der vieles schuldig bleibt.
Befreiend ist die Zusage, dass Gott bereit ist, mir zu vergeben, selbst wenn ich unvorstellbare große Schuld auf mich laden sollte.

Dennoch kann ich mich, wenn ich mein Leben vor Gott ernst nehme, nicht aus der Verantwortung stehlen: Gerade, weil ich auf Gottes Vergebung vertraue, gerade deshalb, möchte ich doch so sein und leben, dass ich Gottes Vergebung nicht zu sehr beanspruchen muss.
Ich kann nicht anders, als auch meinem Mitmenschen zu vergeben – und immer wieder zu vergeben. Wollte ich ihn auf seine Schuld mir gegenüber festnageln – ich würde doch damit das Vergebungsangebot Gottes aus der Hand schlagen. Ich würde leugnen, dass ich selbst Vergebung nötig habe.

Ich will versuchen, in einem Satz zusammenzufassen, was dieses Gleichnis mich lehrt:
Habe keine Bedenken, dem anderen immer wieder zu vergeben; dem anderen die Vergebung zu verweigern würde bedeuten, das göttliche Geschenk der Vergebung abzuweisen und zurückzufallen in die Angst vor Gottes Strafe.

Schwestern und Brüder! „Vergeben“ ist nicht leicht. Denken wir darüber nach: Gibt es jemand, gegen den ich Groll im Herzen trage? Wie könnte ich diesen Groll überwinden? Was hindert mich daran?
Manchmal komme ich nicht weiter als zu sagen: Ich möchte vergeben können – aber auch das ist schon ein erster Schritt.

31. Juli 2011: 18. Sonntag im Jahreskreis

1. Kauft Getreide, Wein und Milch ohne Bezahlung!
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen!
Kommt zu mir, dann werdet ihr leben!
Ich will einen ewigen Bund schließen!

Wer das versprechen und halten könnte – zu ihm würde ich gehen und wahrscheinlich noch viele andere.

2. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe –
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

3. Sie teilten die Brote aus – und alle wurden satt.

Drei Bibelstellen von der göttlichen Fülle, die für alle reicht.

Das Wunder der Brotvermehrung ist sicher eine ganz besondere Herausforderung. Soll ich es glauben, dass Jesus mit 5 Broten und zwei Fischen 5000 Männer zuzüglich Frauen und Kinder gesättigt hat? Ich möchte diese Wundergeschichte nicht als Reportage über ein Ereignis missverstehen. Ich möchte sie so lesen und bedenken, wie sie gemeint ist: als Verkündigung über Jesus Christus und als Einladung zu Hoffnung und Vertrauen.

Alle 4 Evangelien berichten von wunderbaren Speisungen einer Vielzahl von Menschen. Jedes Mal dienen Jesus wenige Brote und Fische, um alle zu sättigen.

Brot – und zwar das gebrochene Brot ‑  deutet ganz gewiss auf Jesus Christus hin, der sich selbst das Brot des Lebens genannt hat. Der beim Mahl vor seinem Tod das Brot bricht und sagt: Das ist mein Leib.
Sollte jemand diese Sprache noch nicht verstehen, wird ein zweiter Hinweis gegeben: Die Fische: Das griechische Wort für Fisch ist ein urchristliches Akrostichon: Die Anfangsbuchstaben der Worte Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser ergeben das Wort „Fisch“.

Mir sagt diese Speisungsgeschichte: Jesus ist Geber und Gabe zugleich!
Er ist der Geber, dessen Vorrat nie leer wird und er ist die Gabe, die nie ausgeht. Wer zu ihm kommt, dem schenkt er sich selbst.

Wer zu ihm kommt, wird Erbe des Himmelreiches.  Es gibt dort weder Überbevölkerung noch Hungersnot.
Vielmehr empfängt jeder den Geist und das Leben, um selber die Gabe weiterzugeben, die er empfangen hat.

Nun werden die sich selbst so bezeichnenden Realisten einwenden: So viele Menschen können doch im Himmel gar nicht Platz haben.
Das ist dasselbe Unverständnis, in dem sie sagen: Es ist nicht möglich, mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen zu sättigen.

Zwei Gedanken seien dagegen gesetzt:
Der erste Gedanke greift die Argumentationsebene derer auf, die scheinbar rational sich dem Glauben verweigern:
Wenn schon diese kleine Erde 6 Milliarden Menschen beherbergt –  Wenn schon der Mars ein Vielfaches der Erde ist,
Dann kann doch sicher der Himmel, alle Menschen beherbergen, die jemals leben.

Der zweite Gedanke aber ist wichtiger:
Gott ist Geist. Jedenfalls ist Gott kein Ding und keine Materie. Wenn er uns das ewige Leben verspricht, wird es ganz gewiss kein Umzug sein von einem Planeten auf einen größeren. Wir werden Anteil haben an seinem geistigen Leben und Sein. Wir werden ein Teil von ihm sein. Wir werden merken, wie wahr die Glaubensschau des Apostels Paulus ist:
Nichts kann uns trennen von seiner Liebe, die Christus Jesus ist, unserem Herrn.

24. Juli 2011: 17. Sonntag im Jahreskreis

Von klein auf wurde uns oder wird uns gelehrt, dass wir etwas dafür tun müssen, um in den Himmel zu kommen.

Seit Jahrzehnten hat sich die Tonart geändert: Es wird betont, dass Gott barmherzig ist und uns die Sünden verzeiht – dass wir also keine Angst haben brauchen.

Seit einigen Jahren aber höre ich immer stärker die Frage: Kann es aber sein, dass alle in den Himmel kommen – auch die Bösewichter, die grausamen – solche, die schuld sind an Völkermord, Menschen wie Hitler oder Stalin und andere mehr.

Wo ist die Grenze? Natürlich: letztlich bestimmt Gott
– aber wo sollte sie sein – nach unserem Empfinden von Gerechtigkeit? –
Mord? Totschlag? Missbrauch von Kindern? Besondere Grausamkeit? Verweigerung von Hilfe trotz übermäßigem Reichtum?

Wenn ich mit solchen Gedanken anfange, dann lande ich wieder bei dem Anspruchsdenken – selbst wenn es auf ein Minimum reduziert wird:
Du kommst in den Himmel, wenn du kein allzu großes Unrecht begehst!

Ich frage mich: Ist das Jesu Botschaft vom Vater im Himmel, von Gottes Reich?
Ich finde das ist zu klein gedacht; das ist ein unbedeutender, nichtssagender Satz.
Das gibt mir weder Kraft noch Ansporn für mein Leben – darauf könnte ich genauso gut verzichten.

Die beiden kurzen Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der Perle fallen dadurch auf, dass der Finder, der Entdecker alles dafür verkauft.
Nun wäre es meiner Meinung nach eine Sackgasse in der Auslegung, zu sagen: Du musst für das Himmelreich alles verkaufen – Auto und Haus, Grund und Boden.
Es wäre zu kurz gegriffen. Kann ich mir dafür das Himmelreich kaufen? Was soll ich dann tun, wenn ich alles verkauft habe?

Schnell wäre ich wieder in der Überlegung gefangen: Wie viel muss ich tun, spenden, beten, einsetzen, um in den Himmel zu kommen?
Wie viel darf ich gerade noch behalten, damit der Besitz mich nicht am Eintritt in den Himmel hindert.

Ich möchte darauf hinweisen, warum die beiden Männer alles verkauften:
Sie freuten sich über alle Maßen, dass sie den Schatz ihres Lebens gefunden hatten.

Und das ist die Frage, die diese Gleichnisse stellen: Was bedeutet mir das Reich Gottes?
Was bedeutet mir das Reich Gottes im Vergleich zu dem, was ich in meinem Leben sonst gewinnen und erwerben und finden kann?
Ist es mein wertvollster Schatz? Ist es die Entdeckung meines Lebens?
Ist es so wichtig, so toll, so berauschend und begeisternd, dass ich mein Leben insgesamt dem Reich Gottes widme:
Mein Leben für die Familie, mein Engagement in einem Verein,
die Freuden und Schmerzen, die mir das Leben bringt?

Ist das Himmelreich, das kommt und zu dem ich schon gehöre,
der größte Schatz, die wichtigste Entdeckung in meinem Leben?

17. Juli 2011: 16. Sonntag im Jahreskreis

wäre es nicht wunderbar, wenn man das Böse ausmerzen könnte auf dieser Welt?
Kein Krieg mehr ‑ keine Waffen – keine Lügen – keine Ungerechtig­keit – kein Neid – keine Krankheiten – kein vorzeitiger Tod –
Nur noch gute Menschen – nur noch gesunde – jeder teilt mit dem anderen, was der braucht – gegenseitiges Verständnis –

Zurecht denken Sie vielleicht kritisch: was sollen diese Hirngespinste. Eine solche Welt gibt es nicht. Stimmt: eine solche Welt gibt es nicht.

Aber die Abschaffung des Privateigentums und die Vergesell­schaftung aller Vermögen sollte für Gerechtigkeit sorgen.
Diverse Säuberungsaktionen in den Ländern Lateinamerikas sollten die Straßenkinder, die betteln und stehlen, verschwinden lassen – oder auch Slums: weil sie die Brutstätte von Gewalt und Kriminalität seien.
Nicht zuletzt fragen manche Leute: Wie kann Gott das zulassen? oft dann, wenn Menschen schreckliche Dinge tun.
Gott müsste doch dafür sorgen, dass dies und das nicht geschehen kann.

Die sich eine saubere, reine Welt vorstellen und wünschen, eine Welt ohne Gräueltaten und Naturkatastrophen – haben ein gutes empfinden: sie lieben das Leben und wollen das Beste für den Menschen.
Doch die eine saubere Welt herstellen wollen, die mit aller Macht gegen Unrecht und die Schuldigen vorgehen – vor denen müssen wir uns noch mehr hüten – ob nun in der Kirche oder in der Gesellschaft –ob in der Politik oder in einem Unternehmen:
Oftmals erscheint den Saubermännern jedes Mittel recht, um die zu vertreiben, zu vernichten, die sie als Übeltäter identifizieren wollen. Verfolgung, Gefängnis Tod – Angst und Schrecken verbreiten sie bei Guten und Bösen, denn jeder hat Angst, als Übeltäter entlarvt zu werden – und jeder hat irgendetwas gesagt oder getan, das reicht, um ihn zum Feind der guten und gerechten Gesellschaft zu erklären.

Wir brauchen die Einsicht:  Wo Weizen wächst – da wächst auch Unkraut.
Wer das Unkraut völlig und restlos ausreißt und vernichtet, wird auch keinen Weizen mehr ernten.
Deswegen lässt Gott seine Sonne aufgehen über Guten und Bösen. Wer Leben will und wer will, dass sich das Leben entfalten darf, muss sich damit abfinden, dass es sich nicht nur so entfaltet, wie er es gerne sehen würde.
Vor allem aber: wenn Menschen anfangen zu entscheiden, was richtig und falsch ist, was leben darf und was ausgerissen werden muss – wenn Menschen sich an Gottes Stelle setzen und selbst den Maßstab definieren – dann müssen wir Angst bekommen.

Es ist schwer: aber lassen wir dem Lebendigen Raum; auch dem, was uns nicht gefällt und als Unkraut erscheint.
Setzen wir alles daran, gute Früchte zu bringen – überlassen wir es aber ihm, der Quelle des Lebens, zuletzt zu entscheiden, was und wer in ihm eine ewige Zukunft hat.

10. Juli 2011: 15. Sonntag im Jahreskreis

Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beschlossen im September wichtige Ziele, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten:

Bis 2015 sollte die Zahl der Menschen halbiert werden, die weniger als einen US-Dollar täglich zur Verfügung haben. Ebenfalls sollte der Anteil der Menschen, die Hunger leiden, halbiert werden.

Bis zum Jahr 2015 sollte sichergestellt werden, dass Kinder auf der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Grundschulbildung abschließen können.

Bis 2015 sollte die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren bis um zwei Drittel verringert werden.

Das sind große Ziele – wenn sie verwirklicht werden, ist die Welt dem Frieden unter den Völkern sicher einen großen Schritt näher gekommen – inzwischen steht allerdings fest: Die Ziele werden nicht erreicht werden:

Soll man sie deshalb aufgeben?

In den Frageboxen fand sich die Frage, ob alle Spendengelder wirklich bei den Menschen ankommen? Auch wenn die kirchlichen Hilfswerke ihre Lauterkeit immer wieder überprüfen lassen – es gibt ohne Zweifel Spendenorganisationen, die mehr der Bereicherung ihrer Initiatoren dienen als dem Spendenzweck: Soll man also nicht mehr für Hungernde spenden?

MISEREOR leistet seit Jahrzehnten an vielen Orten der Welt Hilfe zur Selbsthilfe: Doch ständig kommen neue Anfragen aus aller Welt – sollte MISEREOR wegen Erfolglosigkeit schließen?

Seit den Tagen Jesu wird die Botschaft verkündet, dass Gottes Reich nahe ist – ist davon etwas zu merken? Hat sich die Welt seitdem verbessert? Herrschen nicht nach wie vor Egoismus und Unfriede vor?
Wenden sich die Menschen nicht immer mehr ab vom Glauben an Jesus?

Sollte man nicht aufhören, von Jesus zu reden?

Nein – sollte man nicht: Was den Menschen hilft, was zum Frieden beiträgt, was Ungerechtigkeit mindert – es hat seine Wirkung und sein Ziel.

Es war nicht umsonst, dass viele Menschen vom Hunger befreit wurden.
Es war nicht umsonst, dass viele Schulen gebaut wurden.
Es war nicht umsonst, dass Wüstendörfer eine eigenständige Energieversorgung durch Solarenergie bekamen.

Es war nicht vergeblich, dass viele Milliarden Menschen Jesu Botschaft aufnahmen und in ihrem Leben umsetzten.

Seine Botschaft ist: Das Reich Gottes, das dem Menschen nahe ist;
ja, das gegenwärtig ist: denn es ist überall da, wo ein Mann, wo eine Frau, wo ein Kind im Geist Jesu, im Geist Gottes, im Heiligen Geist handelt:

Nötig ist, dass wir nicht so viel des guten Samens verschwenden!
Nötig ist, dass wir uns endlich zu Herzen nehmen, was Jesus meinte:

Hören wir auf damit, das Reich Gottes bloß für das Jenseits zu erwarten.
Fangen wir an, Jesus ernst zu nehmen:
Das Reich Gottes können und müssen wir in dieser Welt aufbauen – durch jedes Werk und Wort der Menschenfreundlichkeit.

Hören wir auf damit, zu warten, bis es kommt,
fangen wir damit an: dass Gott in dieser Welt das Sagen bekommt –
indem wir das werden, was wir schon immer sind: sein Ebenbild – berufen, dem Leben zu dienen und Leben zu zeugen.

Alles, was wir einem Menschen Gutes tun, wird Frucht bringen –
das ist das Vertrauen, für das Jesus wirbt.

Das Reich Gottes ist unser täglicher Auftrag.

Es ist wie mit unserer täglichen Arbeit. Wenn auch manches daneben geht. Meistens erreichen wir unser gewünschtes Ziel.

3. Juli 2011: 14. Sonntag im Jahreskreis

Es gibt ganz besondere Gasthäuser: da sitzen in der Gaststube verschiedenste Menschen an einem Tisch, so wie es sich gerade ergibt: Man geht hinein und setzt sich an einen freien Platz an irgendeinem Tisch zu anderen Leuten dazu. Und man beginnt miteinander zu reden. Der Akademiker mit dem Handwerker, der Wohlhabende mit dem, der sich grade so über Wasser halten kann. Es gibt keine sozialen Barrieren! Viele solche Gasthäuser gibt es nicht – aber es sind ganz besonders gemütliche.

Bei uns in der Pfarrgemeinde Herz Jesu soll es auch so sein:  Es braucht keine Barrieren: Vermögen, Ausbildung, Titel, Karriere, ‑ unterscheiden uns zwar. Das bringt die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Begabungen zum Ausdruck, aber darin liegt kein besser oder schlechter.

Eines verbindet uns: Uns allen hat Jesus den himmlischen Vater offenbart.

Weisen und Klugen bleibt es verborgen: Damit ist nicht gemeint, wie viele Bücher jemand gelesen hat – Weise und Kluge: sind Menschen, die allein auf menschliche Weisheit bauen, die meinen, durch eigene Anstrengung dem Leben einen Sinn zugeben, die den Himmel verdienen wollen, die selbst den Himmel bauen wollen.

Wir, die Gemeinde Jesu, das Volk Gottes, glauben an unseren gemeinsamen himmlischen Vater und an Jesus, den er gesandt hat, damit wir Ruhe finden: zu inneren Frieden, zur inneren Harmonie.
Damit wir im Einklang leben können mit dem Vater im Himmel, mit dieser Welt und unseren Mitmenschen.

Wir sind untereinander verbunden, weil wir uns bemühen, von Jesus zu lernen: Dass wir gütig und demütig sind: Gütig: gut zu anderen und uns selbst;
demütig: wir haben Mut, zu unseren Grenzen und Schwächen zu stehen. Wir sind uns selbst bewusst, dass es vieles gibt, was andere besser verstehen und können und dass wir nicht ohne die anderen auskommen und das, was sie für uns tun.

Wir sind Gemeinde Jesu Christi: das heißt: Wir setzen unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten füreinander ein und wir nehmen dankbar den Einsatz der anderen an.
Keiner kann alles alleine – jeder braucht den anderen und das, was er kann.

So kann so ein gemeinsames Fest organisiert werden, wie unser heutiges Pfarrfest. So können wir dieses Fest genießen, weil jeder sich angenommen und getragen weiß von allen anderen, die hier verweilen.

Miteinander kommen wir zu Jesus – mit allen Lasten, die wir zu tragen haben und finden Ruhe bei Jesus. Nicht nur heute Nachmittag, wenn wir Pfarrfest feiern, immer mehr und das ganze Jahr hindurch kann dies unser Miteinander in der Gemeinde prägen:
Wir setzen uns füreinander ein;
Wir nehmen dankbar an, was ein anderer tut,
Wir brauchen einander und schenken einander Achtung und Aufmerksamkeit.

Das dürfen wir von Jesus lernen, damit wir zum Einklang mit uns selber finden.

26. Juni 2011: 13. Sonntag im Jahreskreis

Wie kann eine Buddhistin in Regensburg leben? Entweder, sie gibt ihren Glauben auf – jedenfalls nach außen hin –
oder sie steht ganz bewusst dazu: Dann aber wird sie mehr oder weniger oft mit Gebräuchen und Sitten in Konflikt geraten, die für uns selbstverständlich sind.
Sie wird immer wieder einmal vor die Wahl gestellt werden:  Passe ich mich an – vermeide ich ignorante Bemerkungen, Fragen – oder stehe ich zu meinen Überzeugungen.

Ebenso geht es Christen in fernöstlichen Ländern, ebenso erging es Christen in den kommunistischen Ländern Osteuropas bis 1989: Ein bekennender Christ hatte Schwierigkeiten: in der Schule, bei der Berufswahl, ein Studium war gänzlich ausgeschlossen.
Manchmal ergaben sich wegen der religiösen Überzeugung auch Konflikte in der Familie: zwischen Eltern und Kindern, zwischen Partnern, unter Geschwistern.

Solche schwierigen Situationen steht hinter den Sätzen des Mt-Evangeliums: „Wer Eltern oder Kinder mehr liebt als mich, kann nicht mein Jünger zu sein! Wer nicht bereit ist, für den Glauben, für die Liebe, Schmerzen und Nachteile hinzunehmen, kann nicht mein Jünger sein.“

Hinter diesen Sätzen stehen existentielle Konflikt­situationen:  Manche Christen standen vor der Wahl, den Glauben zu verleugnen oder zu sterben.  Kann eine Frau, ein Mann das Martyrium wählen
– ungeachtet der Kinder, die zu versorgen sind?

Kann ich meinen Glauben verleugnen und gegen meine Überzeu­gung handeln – wegen dem, was mir angedroht wird?
Was ist schlimmer: seine Unversehrtheit zu verlieren oder sein Gesicht, seine Selbstachtung?

Zum Glück stehen wir heute nicht vor solchen Entscheidungen! Jedenfalls nicht so, dass es um Leben und Tod geht dabei.

Aber Situationen der Entscheidung gibt es auch in unserem Leben.
Situationen in den wir uns  für den einfacheren Weg entscheiden oder für die Wahrheit.
für das Zuhören oder dagegen; für das Bekenntnis oder für das Schweigen; …

Nehmen wir solche Entscheidungssituationen war?
Benützen wir das Instrument des Gewissens – der bewussten Entscheidung – oder folgen wir einfach unseren Gewohnheiten und Reflexen?
Bedenken wir, was wir reden oder tun?  Ob es der Nachfolge Jesu entspricht?

Es gibt sicher Beispiele, in denen wir selbstbezogen handeln, ohne Rücksicht darauf, was es für den Mitmenschen bedeutet.

Wenn ich darauf achte, wie barmherzig Jesus mit seinen Jüngern war, vertraue ich ihm und seinem Verständnis.
Aber darum möchte ich mich bemühen, dass ich merke, was eine Situation der Entscheidung ist.

Die Entscheidung für Jesus Christus, für sein Vertrauen zum himmlischen Vater,
für seine Achtung vor dem Menschen, für seine Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit,
die Entscheidung für die Gemeinschaft mit den Glaubenden,
erfordert ganz gewiss eigenständiges Denken.

Man braucht Mut, sich zu unterscheiden;
man wird beobachtet, ob man lebt, was man zu glauben behauptet,
man muss auch den eigenen Glauben immer wieder befragen und vor sich und den Mitmenschen begründen und erklären.

ChristSein ist in unserer Zeit keine Lebensweise für Mitläufer.  Notwendig ist eine bewusste Entscheidung für den Glauben und die Bereitschaft, sich zu unterscheiden und Unterschiede aus- und durchzuhalten.

23. Juni: Fronleichnam

Fragen sie sich doch bitte: Wovon lebe ich? Was gibt mir Kraft?
Essen und Trinken! Ohne Flüssigkeit, ohne Wasser überlebt der Mensch nur wenige Tage. Ohne Nahrung verlieren wir die Kraft, gehen wir langsam aber sicher zugrunde.

Und wenn sie genügend zu essen und zu trinken haben?
Reicht es ihnen dann? Möchte sie nicht auch noch ein gemütliches Zuhause? Wärme?

Was gibt ihnen Kraft? Wovon leben sie?

Wir leben von der Begegnung mit Menschen?
Wir leben von der Anerkennung, die uns gegeben wird?
Wir leben von der Zuwendung, die wir erfahren.

Es gibt uns Kraft, wenn wir merken, dass jemand uns mag.
Es gibt uns Kraft, wenn wir merken, dass unser Tun und Mühen etwas bewirkt.
Wir können unglaubliche Kräfte frei setzen, wenn wir ein großes Ziel haben, für das wir uns einsetzen und das uns wichtig ist.

Wahrscheinlich haben Sie schon die gedankliche Brücke zur Eucharistiefeier erkannt:
In der Eucharistie begegnet uns der Auferstandene Christus;
er wendet sich uns zu und erkennt uns als Kinder Gottes, als seine geliebten Schwestern und Brüder;
er setzt sich für uns ein, so dass er sein ganzes Leben für uns lebt und auch noch für uns sein Leben gibt.
Er beruft uns einem großen Ziel zu folgen:
das Reich Gottes soll gegenwärtig sein in unserem Tun.

Wir empfangen das gebrochene Brot. Dabei empfangen wir Gemeinschaft mit Jesus, und werden Gemeinschaft untereinander. Wir werden zu dem, den wir empfangen – Christus.

Wenn wir mit dem geweihten, konsekrierten Brot durch unsere Straßen ziehen, wird eines deutlich:
Wo wir Christen hinkommen, kommt Christus.
Wo wir handeln, handelt der, an den wir glauben: Christus.
Durch uns und in uns ist Christus gegenwärtig – er, den wir im gebrochenen Brot empfangen.

Schwestern und Brüder, es kann nicht ohne Wirkung bleiben, wenn wir Kommunion, Gemeinschaft haben mit Christus, wenn wir Gott loben und preisen.
Da durch uns und in uns Christus gegenwärtig wird in dieser Welt, leitet uns ein Gedanke:

Was würde Jesus an meiner Stelle tun? Was würde er an meiner Stelle sagen?
Wie kann Christus durch mich gegenwärtig werden, so dass mein Nächster erhält, wovon er leben kann:
Zuwendung, Anerkennung und die Einladung, am Reich Gottes mitzubauen.