19. Juni 2011: Dreifaltigkeitssonntag

Was macht den Menschen zum Menschen?
Wodurch wird er zur einmaligen, unverwechselbaren Person?
Was macht den Menschen aus?

Der aufrechte Gang?
Die Gabe zum abstrakten Denken in Begriffen?
Die die Fähigkeit Werkzeuge zu bauen und Kunstwerke zu schaffen?
Die Entwicklung von Sprache?

Man könnte sicher noch mehr aufzählen, was den Menschen ausmacht. Wesentlich für den Menschen ist aber noch etwas:
Der Mensch ist Mensch, weil er und indem er in Beziehung steht mit anderen.

Es sei nicht in Abrede gestellt, dass auch andere Lebensformen Beziehungen zueinander entwickeln,
Es sei auch nichts darüber gesagt, ob die Beziehungen zwischen Menschen eine andere Qualität haben als die anderer Lebewesen.

Aber: der Mensch kann nicht alleine Mensch sein.

Seit den Anfängen des menschlichen Denkens bewegt den Menschen die Frage: woher komme ich? Woher kommen die Pflanzen, die Tiere, die Erde, die Sterne, das All.

In der Bibel, die wir mit den Juden teilen, wuchst die Erkenntnis:
Es gibt einen Gott, der über allem ist. Durch ihn ist die ganze Schöpfung. Er was schon vor der Schöpfung und er wird immer sein.

Aber schon in der Bibel, die wir mit den Juden teilen, ist Gott thront Gott nicht nur unbeweglich über allem. Die Bibel spricht vom Geist Gottes und von der Weisheit Gottes:

Die Weisheit kommt zu den Menschen, durch sie ist die Erde geworden.

Und der Geist Gottes spricht aus den Propheten.

Gott tritt mit den Menschen in Beziehung. Er ist der Schöpfer, er ist Jahwe, der immer da ist, er sendet seinen Geist, er holt die Menschen aus ihrem Elend, er ist gnädig und barmherzig.

Das Volk, das sich Israel nennt, erfährt, dass Gott es begleitet und führt, dass Gott sich ihm zuwendet.

Ist es nicht auffallend?
Der Mensch fragt danach, was den Menschen zum Menschen macht und er fragt nach dem Woher und Warum?
Die Antworten, die er findet, ähneln sich.

Der Mensch gestaltet die Welt – sie ist von Gott erschaffen.
Der Mensch lebt in Gemeinschaft – Gott begleitet den Menschen.
Der Mensch hat Vernunft – Gottes Weisheit ist in seinen Werken.

Durch Jesus, dem wir und an den wir glauben,
wird die Frage nach dem Woher und Warum noch klarer gestellt.

Wir glauben, dass er vom Vater kommt,
und dass er uns mit dem Vater versöhnt hat
und dass uns den Geist der Kindschaft gegeben hat,

Wir nennen das die Erlösung, die Befreiung von der unsäglichen Grausamkeit, die den Menschen plagt: Die Sünde und der Tod.

Wir glauben, dass Jesus und der Vater eins sind,
deshalb sind sein Leben und Sterben und Auferstehen ein göttliches Werk – wir sind wahrhaftig erlöst.

Wir glauben, dass wir durch ihn Anteil haben an Gott und seiner Herrlichkeit. Durch ihn haben wir erkannt, dass Gottes Geist im Menschen lebendig ist, dass jeder Mensch aus Gottes Geist lebt.
Unser Ursprung ist in Gott – und nichts und niemand kann uns von ihm trennen. Wir sind und bleiben Gottes geliebte Kinder.
Sein Geist ist in uns.

Dies alles haben wir im Glauben gefunden und erkannt. Nicht wir haben uns Vater, Sohn und Geist ausgedacht. Sondern Gott hat sich uns so gezeigt und hat sich so von uns finden lassen, weil er seit Ewigkeiten so lebt: In Beziehung, als Liebe, als Vater – Sohn und Heiliger Geist.

12. Juni 2011: Pfingsten

Warum dieser bittere Ton – selbst nach den schönsten Sätzen?
Es wäre wunderbar: Jesus, der Auferstandene sendet die Jünger, sie sollen wie er den Menschen die Sünden nachlassen. Aber dann: „Denen ihr die Sünden festhaltet, ihnen sind sie festgehalten.“

Geht es darum? dass die Jünger Jesu entscheiden, wem nicht vergeben wird?
Sollen die Jünger an Gottes Stelle urteilen?

Mich stört dieser Satz. Und ich gebe zu: Es fällt mir schwer ihn auszublenden. Es fällt mir auch deshalb schwer, weil dieser Satz so sehr mit dem Vollzug des Bußsakramentes verbunden wurde und wird: Die Aufgabe des Priesters, der die Beichte hört, wird auch als richterliche Aufgabe verstanden und dargelegt. Er urteilt darüber, ob er die Lossprechung erteilt – oder auch nicht.
So wurde dieses Sakrament von einem Sakrament der Versöhnung zum Ort der Angst und Unsicherheit entstellt.

Doch es zeigt sich: diesen schwer verständlichen Abschluss kann man nur verstehen, wenn man den Zusammenhang betrachtet.

Es ist der Ostertag! Der Tag der Auferstehung. In der Frühe entdeckten die Frauen das geöffnete Grab; Petrus und der andere Jünger hatten sich davon überzeugt. Die Jünger versammeln sich – und sperren sich ein – aus Angst. Was werden sie nun tun ?

Dann entwirft das Evangelium die Szene: Jesus kommt und sagt: Friede sei mit euch!
Das Friedenswort war schon befreiend für die Jünger, die doch Jesus zwei  Tage vorher im Stich gelassen und verraten hatten. Der Friede, den Jesus zusagt, ist mehr als die Versöhnung nach einem Streit E s geht um den Frieden, der in Jesus war, den die Welt nicht geben kann, um den Friede als völliges Ruhen in sich selbst; mit sich im Einklang sein.

Kennen sie einen Menschen, der so ganz zufrieden ist – in dem ungestörter Frieden ist? Für mich ist dieser Friede ein höchst erstrebenswertes Gut. Mehr oder weniger aktiv sucht doch jeder nach diesem Frieden:

Man versucht sich und anderen Wünsche zu erfüllen; Man strebt nach Zielen; Man kämpft gegen die Übel; Man versucht ein guter Mensch zu sein; Man meditiert, wallfahrtet, treibt Sport ….

Jesus sagte: Einen Frieden, den die Welt nicht geben kann, gebe ich euch. Was ist das für ein Friede?

Er muss Jesus im tiefsten Inneren erfüllt haben.
Jesus beschrieb ihn mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins!“
Theresia von Avila sagte: „Wer Gott hat, hat alles. Gott allein genügt!“
Paulus sagte: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes!“
Thomas Morus zeigte ihn durch seinem Humor bei seiner Hinrichtung am Schafott, als er den Bart zur Seite und sagte: „Der wenigsten hat keinen Verrat begangen!“
Dietrich Bonhoeffer dichtete in der Todeszelle: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag!“

Dieser Friede ist das eins sein mit dem, den Jesus Vater nennt! Jede Unehrlichkeit, jede Lieblosigkeit, jeder Schmerz kann mich aus dieser Einheit mit dem Lebendigen in mir herauskatapultieren.
Die Rückkehr in diesen Frieden ist immer wieder möglich, das hat Jesus gezeigt: denn Gott ist bereit zur Versöhnung, er schließt die Tür nicht zu, sondern hält sie offen.

Die Jünger sind gesandt, diese Versöhnung immer wieder anzunehmen und den Frieden zu empfangen. Und wann immer ein Mensch die Botschaft von der Versöhnung annimmt, empfängt er den Frieden. Der Geist Jesu, das Lebensgeheimnis Jesu ist dieser Friede. Durch den Glauben an Jesus, den der Vater gesandt hat, kehrt dieser Geist in den Glaubenden ein. Diese Botschaft jemandem nicht anzubieten, wäre ein Versagen, denn man würde ihm die Versöhnung, den Frieden mit Gott verwehren.

Wer diesen Glauben nicht, oder noch nicht oder nicht mehr teilen kann, den Glauben an die Einheit mit Gott, der bleibt in seiner Zerrissenheit festgehalten, bis er zum Glauben kommt. Das meint dieser letzte Satz.

Jesus sendet uns aber, dass wir die Sünden vergeben, dass wir den Frieden bringen, der in der Einheit mit dem göttlichen Leben in uns besteht.

5. Juni 2011: 7. Ostersonntag

Das Johannesevangelium sagt: Jesus hat Gott verherrlicht. Was kann ich mir darunter vorstellen? Fragte ich mich. Da dachte ich an das Vermählungswort in der kirchlichen Eheschließung.

Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an. Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.

Den anderen lieben – jeden Tag des Lebens lieben! – lässt sich das durchhalten?

Ich würde schon gerne hören, was Ehepartner dazu sagen, die schon viele Jahre verheiratet sind und die darüber froh und dankbar sind.

Wer liebt, wünscht dem Geliebten Gutes, will ihm gut sein, will ihm Gutes tun, will ihn vor Schaden bewahren, will zu ihm halten. Und das auch im Streit, im Ärger, im Unverständnis, im Zorn …

Ich möchte diese Gedanken über die Liebe in der Ehe in Verbindung bringen mit den Worten des Johannesevangelium. Jesus sagt zu seinem himmlischen Vater: „Ich habe dich auf der Erde verherrlicht.“

Ich meine, das ist etwas ähnliches: Bei allem, was er tat und sprach, ging es Jesus darum, aus Liebe zu seinem Vater zu reden und zu handeln.
Da ich die liebe, spreche ich gut von dir und verkünde deine Barmherzigkeit, Gott.
Da ich dich liebe Gott, wende ich mich den Kranken zu, weil du willst, dass sie heil sind.
Da ich dich liebe Gott, wende ich mich denen zu, die in ihrer Schuld gefangen sind, weil du willst, dass sie frei sind.

Jesus sprach also wirklich die Worte, die der Vater ihm gegeben hat;
Bei allem, was er sagte und tat, ging Jesus von der Liebe zu seinem Vater aus – er war von ihm gesandt.

Indem ich das erkenne, bin ich sein Jünger und Christ.
Der Glaube an Jesus, der vom Vater ausgegangen ist und der die Worte des himmlischen Vaters gesprochen hat,
wirkt sich dann fast wie von selbst, zwangsläufig im Leben aus:

Und zwar so:  Wer an Jesus glaubt, versucht wie dieser sein Leben so zu gestalten: Da ich an Gottes Liebe zu mir und zu jedem Menschen glaube und da ich diese Liebe erwidern möchte, ….

Werde ich an das Gute im Menschen glauben und an die Zukunft, des Lebens.
Werde ich offen sein für die Sorgen und Nöte anderer.
Werde ich gut zu anderen sein.
Werde ich wahrhaftig und ehrlich sein – aber nicht ohne Liebe und Nachsicht.

Schwestern und Brüder,  können wir dies vor unser Reden und Handeln setzen:
Da ich an Gottes Liebe zu mir und zu jedem Menschen glaube,
und da ich diese Liebe erwidern möchte, werde ich …

Was ich die Kirche schon immer fragen wollte …

Pfarrer Martin Müller und Pastoralreferent Wolfgang Kaiser werden versuchen, ihre Fragen zu beantworten.
Die Fragen können das gesamte kirchliche Leben betreffen: Glaube, Liturgie, Kirchenrecht, Bibel, Caritas, Gemeindeleben, Finanzen, die Gesamtkirche, …
Damit sie fundierte Antworten bekommen, haben Sie in den nächsten Wochen die Möglichkeit, ihre Fragen in eine Box einzuwerfen, die in der Kirche aufgestellt sind. Wir hoffen, dass zahlreiche Fragen eingehen!

2. Juni 2011: Christi Himmelfahrt

Wenn wir vom Himmel sprechen, vom Himmel, in dem Gott ist und zu dem Jesus aufgefahren ist, wird es ziemlich kompliziert. Denn der Himmel Gottes – ist unvorstellbar.

Der Epheserbrief spricht nicht vom Himmel, sondern von der Herrlichkeit des Vaters Jesu.

Unsere große Hoffnung ist diese Herrlichkeit. Sie ist das Erbe, das wir als Schwestern und Brüder Jesu empfangen, wenn Gott seine Macht an uns erweist

Er hat sie an Jesus erwiesen, als er ihn auferweckt hat und ihn neben sich gestellt. „Hoch über alle über alle Mächte und Gewalten, über alle Kräfte und Herrschaften dieser und der zu­künftigen Welt“ – wie der Epheserbrief sagt.

Christus ist im Himmel, neben Gott – wie Gott – als Gott!

Und das sagen wir – wohlgemerkt – von einem Menschen, der vor den Augen der Zuschauer hingerichtet wurde und starb. Ist das zu groß? Zu mächtig? Zu anspruchsvoll? Zu abgehoben?

Erst am Montag hatte ich wieder einen kleinen Dialog mit einer klugen und soweit ich weiß, gläubigen Frau, die sagte: Wir sollten uns doch klar werden, dass es nur einen Gott gibt für alle Menschen. Dass dieser eine Gott – wie immer wir ihn auch nennen – doch alle Menschen retten möchte. – Ich kann diesem Gedanken nur zustimmen –

Aber was sagen dazu die Buddhisten? Was sagen dazu die Japaner, die in diesen Tagen den Tod so vieler Verwandter und Freunde betrauern und deren Zukunft so ungewiss ist? Was sagen dazu die Muslime, die Atheisten, die weder an einen Gott noch an einen Himmel glauben?

Der schöne Gedanke, dass es nur einen Gott und Vater aller Menschen gibt, ist ein urchristlicher Gedanke. Trotz aller Weherufe und trotz aller Gerichtsandrohungen in den Evangelien hat sich gerade bei uns Christen der Glaube durchgesetzt, dass Gott alle Menschen zu sich führen will – nicht nur die Christen.

Der Glaube an Gottes unbegrenzte Barmherzigkeit unterscheidet uns von anderen Religionen und Überzeugungen.
Dieses unbegrenzte Vertrauen zu Gott, als Vater und Mutter allen Lebens, als Ziel der ganzen Schöpfung, verdanken wir Christus.
Diese universelle Hoffnung drückt der Epheserbrief in den anmaßend klingenden Worten aus: „Gott hat Jesus über alle Mächte und über jeden Namen gestellt!“

Als Christ glaube ich, dass die Muslime durch Christus gerettet sind und selbst die Atheisten – jeder, der das Leben annimmt und für das Leben eintritt, ist durch Christus mit der Quelle des Lebens verbunden, mit Gott!

Diese Freudenbotschaft muss der ganzen Welt bekannt werden:
Nicht, weil die Menschen anderen Glaubens verloren sind, sondern damit sie auch glauben können, dass kein Mensch verloren ist ‑ in den Augen Gottes.

Wir verkünden Christus nicht, weil wir andere Überzeugungen abwerten, sondern weil in ihm die Spaltungen überwunden sind, weil er deutlich macht: es gibt nur Eines, was in dieser Welt zählt: das ist die Liebe zum Leben, zum Lebendigen, zum Mitmenschen – die Sorge um ihn, die Zuwendung.

Deswegen können wir Christen auch andere Glaubensüberzeugun­gen respektieren und achten. Als Jünger Jesu dürfen wir niemand von unserer Achtung, von unserem Respekt ausschließen.

Da wir aber den gefunden haben, der größer ist als alle, werden wir keiner anderen Macht folgen. Als Christen werden wir für alle Mächte dieser Welt sperrig und eigenwillig bleiben, weil wir allein auf ihn hören, der das Leben für alle will. Es gibt niemand, der über uns herrschen kann, der uns zwingen kann, gegen das Leben und gegen die Quelle des Lebens zu handeln. Keine Macht der Welt.

29. Mai 2011: 6. Ostersonntag – LJ A

Haben Sie ein Testament geschrieben?
Haben sie darin ihren Besitz – viel oder wenig – verteilt?
Oder enthält ihr Testament auch eine letzte Botschaft an die, die es lesen werden?

Wer ein Testament verfasst, denkt dabei an das Wesentliche, an das, was ihm wirklich wichtig ist.
Es wäre eine interessante Frage: Was möchte ich über meinen Tod hinaus anderen mitteilen, ihnen sagen und ans Herz legen?

Das Johannesevangelium hat sich eine große Aufgabe gestellt:  Es hat eine lange Abschiedsrede Jesu an seine Jünger zusammengestellt. Einen kurzen Abschnitt daraus haben wir gerade gehört.

Der erste Satz, in diesem Abschnitt beginnt mit einem „Wenn“: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihre meine Gebote halten!“
Manche verstehen diesen Satz so: „Wenn du mich wirklich liebst, dann wirst du …“ Dann würde Jesus einen Nachweis der Liebe verlangen, das klänge nach Bedingung und Druck.
Ich verstehe dieses „Wenn“ anders – eher als Begründung:  Weil du mich liebst, wirst du …“

Der Exeget Johannes Beutler drückt es so aus:  Die Liebe der Jünger zu Jesus wird auf ihrer Seite dazu führen, dass sie seine Gebote halten.
Den Jüngern wird also nicht das Messer auf die Brust gesetzt: Ihr sollt mir beweisen, dass ihr mich liebt.

Aber es gibt den  Zusammenhang: Die Liebe zu Jesus führt den Jünger dazu, dass er seine Gebote beachtet.
Die Liebe bewirkt, dass wir den Geliebten achten und dass wir achten, was ihm wichtig und wertvoll ist und dass wir meiden, was ihm zuwider ist oder Kummer bereitet, was ihn ärgert oder verletzt.

Was aber ist es, was Jesus den Jüngern ans Herz legt?
Es ist die Liebe zueinander, die Liebe zu Gott und die Liebe zu jedem Menschen!
Eine Liebe, die für jeden anderen das Gute will: ob Fremd oder vertraut, ob Freund oder Feind.
Diese Liebe wird tätig – und indem sie das Gute für den anderen in den Mittelpunkt stellt, verbindet sie sich auch immer mehr mit dem Wunsch, mit dem Gefühl, den anderen zu lieben.
Die Liebe, die Jesus uns ans Herz legt, beginnt nicht mit dem Gefühl für den anderen – aber sie führt dazu hin.

Die Liebe zum alleinigen Grund und Ziel des Handelns zu machen –  ich weiß, dass ich das nicht schaffe. Meine Liebe hat Grenzen. Weil Jesus das weist, wie schwer dieser Weg und diese Aufgabe sind, verspricht er: „Der Vater wir euch den Geist als Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“

Dieser Beistand hilft uns, dass wir auf dem Weg bleiben, den Jesus uns gezeigt hat.
Der Geist Gottes ist bei uns und er ist in uns wirksam:
Wann immer ein Mensch einem anderen etwas Gutes tut oder gut tut – Gottes Geist regt ihn dazu an, gibt ihm dafür die Kraft, das Können und das Wissen.

Es ist eine wunderbare Zusage, die uns gegeben ist: Gottes Geist ist als Beistand bei uns.

Öffnen wir einmal die Augen und das Herz, damit wir besser erkennen, was Gottes Geist in uns und den anderen Gutes bewirkt!

22. Mai 2011: 5. Ostersonntag

Wie stehe ich zu dem Satz „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. |:Niemand kommt zum Vater, außer durch mich!“?:|

Das klingt für manche ausschließend. Sie wenden ein: Was ist mit denen, die keine Christen sind?
Schließt Gott sie vom Heil aus?

Sind nur wir Christen die Auserwählten? Haben nur Getaufte Zugang zum Himmel Gottes?

Diese Fragen entstehen auch, weil nach wie vor jener Satz gegenwärtig ist: „Außerhalb der Kirche kein Heil!“

Heute denken wir anders: Wir leben als Christen. Aber wir leben in einer Gesellschaft, in der Toleranz ein großer, hoher Wert ist. Jeder kann glauben, was und wie er will.  Oder so: Jeder darf auf seine Art selig werden.

In unserem heutigen christlichen Bewusstsein herrscht der Gedanke vor: Gottes Liebe ist so universell und allgemein, dass er keinen Menschen, kein Geschöpf vom Leben ausschließt.
Ja, manche denken sogar, kein Mensch könne so große Schuld auf sich laden, dass Gott sie ihm nicht vergeben würde.

Wir denken vielleicht sogar: Wenn Gott wirklich ein gütiger Gott ist, dann darf er doch keinen Menschen vom Leben, vom ewigen Leben ausschließen.

„Niemand kommt zum Vater, außer durch mich!“ Wie können wir diesen Satz verstehen?
Ist er vereinbar mit dem Glauben an Gottes unbegrenzter Liebe und Barmherzigkeit?
Oder ist Gott nach diesem Satz doch wie ein despotischer Herrscher, der auswählt und bevorzugt?

Ich glaube, diese Zuspitzung macht deutlich: Dieser schöne Satz: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer durch mich!“ – ist keine Antwort auf die Frage: „Kommen auch Nicht-Christen in den Himmel?“

Auf welche Frage gibt dieser Satz Antwort? Thomas stellte sie:
„Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“

Jesus öffnet seinen Jüngern die Augen dafür, was er für sie tut:  Er bereitet den Weg, er ist der Weg zum Leben beim Vater.
Der zweite Satz stellt einen nicht zu überbietenden Anspruch: „Niemand kommt zum Vater, außer durch mich!“ Allein Jesus ist es, der den Vater in der Welt offenbart, der Gott als Vater der Menschen zugänglich macht.

Für mich schließt dieser Satz niemanden aus, sondern er sagt, was Christus auch für alle anderen bedeutet: jedenfalls aus meinem christlichen Glauben heraus: Er ist gekommen, damit alle Menschen gerettet werden – durch ihn.

Als Christ glaube ich so: auch die Nicht-Christen sind durch ihn erlöst, also befreit von Angst und Tod zum Leben im Himmel Gottes. Aber eines finde ich nur bei Jesus und durch Jesus:
Dass ich Gott als liebenden Vater erkenne, der alles mit uns teilt, der Freund der Menschen ist, der keines von seinen Geschöpfen verachtet, …

Diese Erkenntnis ermöglicht mir allein Christus und keiner sonst.
Niemand kommt dazu, Gott als Vater zu denken, außer mit und durch Jesus.

Dafür sei ihm Dank. Durch mein Leben.

08. Mai 2011: 3. Ostersonntag

Auch in diesem Abschnitt des Johannesevangeliums begegnet uns eine Dynamik, eine Entwicklung, die ganz bezeichnend ist für dieses Evangelium:
Nach einer erfolglosen Nacht auf See begegnen die Jünger Jesus. Aber: „Sie wussten nicht, dass es Jesus war!“
Als aber Jesus nach dem erfolgreichen Fischfang zu ihnen sagt: „Kommt und esst!“ da wussten sie, dass es der Herr war.
Im Johannesevangelium ist das sehr wichtig: dass die Jünger, das Menschen zum Glauben kommen, dass sie Jesus erkennen.

Es ist eine sehr rätselhafte Geschichte: dass die Jünger plötzlich einen so reichen Fang machen; dass Jesus plötzlich ein Kohlenfeuer entfacht hat und dass Brot und Fisch darauf liegt.
Dass von den Fischen im Netz der Jünger keinen keiner gebraucht wird, dass Petrus das Netz alleine an Land zieht.
Es springt einem fast in die Augen: Hier geht es nicht um ein Ereignis, das unbedingt erzählt werden muss;
Hier geht es um eine Glaubensbotschaft, die mittels dieser Geschichte verkündet werden soll.

Die Hauptpersonen sind in dieser Geschichte – noch vor dem Auferstandenen zwei Jünger: Einer ist natürlich Petrus, der so wie immer dargestellt wird: Spontan, tatkräftig, entschlussfreudig, emotional. Er teilt die Hauptrolle mit einem anderen : mit dem Jünger, der ihn – wieder einmal – erst die Augen öffnet. Dieser Jünger erkennt Jesus früher als Petrus und er wird nur genannt: „Der Jünger, den Jesus liebte!

Dieser Jünger wird später als Verfasser des Johannesevangeliums dargestellt. Petrus wird als der gezeigt, der das Netz an Land zieht.

Die ersten Christen lebten in verschiedenen Gemeinschaften, die sich auf verschiedene Apostel stützen. Die einen eher auf Petrus, die anderen mehr auf den Jünger, den Jesus liebte, und der oft als Johannes benannt wird.

Diese Geschichte erkennt an, dass Petrus es ist, der die Kirche zusammenhält – aber sie geht auch davon aus, dass Petrus die Rolle des Lieblingsjüngers anerkennt und dass er ihn braucht.

Die johanneischen Gruppen nehmen in Anspruch, Jesus besser zu kennen, ihn tiefer zu verstehen. Sie sind es, die die stärkste Gruppe zu einem tieferen Verständnis Jesu führen können.
Für uns Christen kann diese Ostergeschichte deshalb heute besonders wichtig werden:

Die Kirche, die sich so sehr auf das universale Petrusamt stützt, unsere römisch-katholische Kirche – tut gut daran, johanneischen Glauben zuzulassen – mehr noch: auf seine Erkenntnis zu hören.

Ich möchte versuchen, aus dieser Sicht die heutige Situation der Christenheit zu betrachten: Die Taufe wird gespendet in vielerlei Kirchen, die sich teilweise stark voneinander unterscheiden.
Aber durch die Taufe, durch den Glauben an Christus, gibt es ein tiefes Band der Gemeinschaft, so dass alle Getauften zusammen sagen können: Wir sind das eine Volk Gottes.

Die Unterschiedlichkeit zwischen evangelisch, orthodox, anglika­nisch sollten wir nicht übertreiben: es ist der Glaube an Christus, der uns zusammenhält. Zusammen sind wir auf dem Meer der Zeit unterwegs. Zusammen werfen wir die Netze aus, damit wir Menschen zu Jesus führen.

Er aber ist es, der zu uns allen sagt: Kommt und esst!
Durch ihn leben wir. Er hat uns allen die Tür zum Leben geöffnet.
Er ist für uns alle, die Speise für das ewige Leben.

Wenn er es ist, der uns einlädt, warum sollten wir dann andere von unserem Tisch fernhalten? Wenn er es ist, der uns einlädt, warum sollten wir dann nicht Gäste sein am Tisch der anderen?

Wir sollten einander darauf hinweisen: Es ist der Herr, der uns zu essen gibt: das Brot der Versöhnung, das Brot des Himmels.

Märchen hinter Fächern und Schleiern

Der Arbeitskreis Mission – Entwicklung – Frieden
lädt ein zu einer
90-Minuten-Reise durch Asien

Mit Fächer und Schleier werden in der asiatischen Kultur ganze Geschichten erzählt, Geheimnisse verhüllt, Liebesbotschaften weitergegeben. Die Geschichten und Märchen, die in den Küchen, Gärten und an den Brunnen erzählt werden, bergen manche Weisheit und Lebensklugheit, manchen Witz, aber auch manches Leid.

Barbara Scheel reiste in viele Länder, um deren Kulturen zu erleben und Erzähler zu treffen. Sie ist weltweit als Puppenspielerin und Erzählerin unterwegs. Sie wird mit den Zuhörern auf eine Reise durch Asien gehen und aus Afghanistan, Japan, Usbekistan, Vietnam, Persien, der Mongolei und anderen faszinierenden Ländern erzählen.
Einige der Märchen wird sie mit einfachen Requisiten und Figuren auf dem Tisch illustrieren. Märchen haben schon viele Generationen von Erwachsenen fasziniert.

Ein Abend, der zum Genießen verführt und zum Träumen wie geschaffen ist.

Zeit: Freitag, 6. Mai 2011 um 19.00 Uhr
Ort: Josefssaal, Kreuzgasse 24, Regensburg