6. Januar 2015: Erscheinung des Herrn

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Wichtiger als die Reiseroute der Sterndeuter,
wichtiger als die Frage, warum das Mt. Ev. von einem Haus spricht, in dem Maria und Josef mit dem Kind sind,
wichtiger als der Zeitpunkt an dem der Stern sichtbar wurde,
wichtiger als diese wissbegierigen Fragen ist:

Was sagt das Evangelium über Jesus von Nazareth in dieser allerersten Episode, nach der Geburt Jesu:

Die Sterndeuter suchen nach dem König der Juden.
Herodes erfasst sofort, dass es darum geht, dass der Messias geboren ist;
Die Schriftgelehrten erklären:
In Betlehem wird der Fürst des Hauses Israel geboren, der Hirt des Volkes Israel.

Als sie den Stern sahen, wurden die Sterndeuter von sehr großer Freude erfüllt.

Gleich zu Anfang verkündet das MT.Ev. wer Jesus ist:
Der Messias, der verheißene Hirte des Volkes Israel, der König der Juden – zu dem die Völker pilgern.

Dieser Geschichte verdanken wir die Strohsterne, die Lichter an Weihnachten, die hell leuchten sollen wie ein Stern.

„Wir haben seinen Stern aufgehen sehen!“ sagen die Sterndeuter!
Der Stern ist letztlich Jesus selbst: Er leuchtet und macht das Dunkel hell.
Er führt die Menschen, die ihm folgen, damit sie ihren Weg finden.

Wir haben seinen Stern aufgehen sehen!
Liebe Schwestern und Brüder, das dürfen wir mit den Sterndeutern freudig bekennen: Er gibt unserem Leben eine Richtung:
Dass wir mithelfen, dass die Armen aus ihrer Armut befreit werden;
dass wir Hoffnung bringen, wo die Hoffnung zu sterben droht;
dass wir Freude bringen, wo die Traurigkeit die Seele eines Menschen aufzehrt.

Er beschenkt uns selbst mit einer Hoffnung auf Leben,
mit der Freude über die Gemeinschaft, die wir erleben
und mit dem Reichtum, mit der Fülle des Lebens, an der er uns Anteil gibt.

Ein wichtiges Detail in der Weihnachtsgeschichte des Mt. Ist auch, dass die Sterndeuter auf einem anderen Weg heim in ihr Land gehen, anstatt zu Herodes zurückzukehren.

Natürlich ist diese zunächst dem Verlauf der Geschichte geschuldet:
Herodes hat ja Mordabsichten und will das Kind töten lassen – später werden unschuldige Kinder ermordet, nur weil sie in etwa das bestimmte Alter haben

Doch da gibt es auch andere Nuancen:
Wer Jesus begegnet ist, dem Messias, wer ihm gehuldigt hat,
wer in ihm den Retter erkennt, wer seiner Botschaft vom Reich Gottes glaubt, der geht von da an andere Wege:
Nicht mehr den Weg zu Herodes, wo es um Macht geht und um die Angst, die Macht zu verlieren.

Der Weg hat nun eine andere Überschrift:
Es ist der Weg, dem Leben zu dienen,
den Frieden zu suchen,
die Güter der Welt gerecht zu verteilen,
auf Gewalt zu verzichten.
Statt Ausgrenzung und Abwertung geht es nun um Zuwendung und Wertschätzung.

Liebe Schwestern und Brüder, lassen wir uns immer weiter verwandeln durch die Begegnung mit Jesus. Suchen wir immer wieder die neuen Wege, die er uns zeigt – durch seinen Geist, der in uns ist.

Segnung der Kreide: Wir verkünden die Botschaft des Segens.
den Weihrauch: die Freude erfüllt unser Leben und unser Miteinander.
das Wasser: neues Leben ist uns geschenkt – das Leben als Schwestern und Brüder Jesu, als seine Miterben, als Kinder Gottes.

04. Januar 2015: 2. Sonntag nach Weihnachten

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Schwestern und Brüder,
Eine Spinne begann am Morgen ihr Netz zu spinnen. Dank ihrer großartigen Fähigkeiten entstand ein wunderbares, regelmäßiges  eingespannt zwischen Zweigen und Blättern eines Busches.
Selten sieht man ein so schönes und regelmäßiges Spinnennetz, wie es dieser Spinne gelungen war.
Am Abend wanderte die Spinne noch einmal durch das ganze Netz und stellte an einer Stelle einen Faden Fest, der nicht in die Ordnung passte – er störte irgendwie. Die Spinne trennte den Faden ab.
Doch das war der erste Faden war, an dem das ganze Spinnennetz hing: Das Netz klappte über der Spinne zusammen und war zerstört.
Am nächsten Morgen würde sie von vorne beginnen.

Liebe Schwestern und Brüder, so ähnlich geht es dem Menschen, wenn er vergisst, nach seinen Ursprung zu fragen und seinen Ursprung im Auge zu behalten.

Die Ouvertüre des Johannesevangeliums drückt dies so aus:
„Das Licht kam in die Welt und die Welt ist durch ihn geworden.
Aber die Welt erkannte ihn nicht!
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“

Jesus ist das Licht der Welt. In ihm ist das Wort Gottes Fleisch geworden.

Alle vier Evangelien verkünden dies auf jeweils ihre eigene Weise:
Aus Jesus aus Nazareth, dem Sohn Mariens, spricht Gottes Weisheit und Geist, er verkündet Gottes Nähe und Erbarmen mit den Menschen.
Er bringt Leben, wo der Tod scheinbar schon gesiegt hat und heilt die Menschen von ihren Krankheiten.

Es kommt uns vielleicht ein wenig überheblich vor oder ein wenig zu selbstbewusst, wenn das Evangelium fortfährt:
„Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“

Paulus sagt das gleiche und es ist nichts Unrechtes, wenn er voll Dankbarkeit den Christen in Ephesus schreibt:

Gott hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus, der bei ihm ist,
er hat uns bestimmt, seine Töchter und Söhne zu werden, und zu ihm zu gelangen.
Er hat uns seine Gnade geschenkt durch Jesus, seinen Sohn!“

Der Geist Gottes ist in uns – nicht, weil wir besser wären.
Sondern, er ist uns im Glauben an Jesus geschenkt, damit wir Gottes Werke tun:

Und nun wagen sie mit mir ein Experiment: wenden wir das auf die Diskussion und den Streit an, wie wir uns zu den Muslimen verhalten sollen, die aus anderen Ländern zu uns kommen:
Was ist das Werk Gottes? Hören wir auf Gottes Geist, der uns gegeben ist:

Erkennen wir in ihnen Menschen, die – so wie wir selbst – das Leben von Gott empfangen haben?
Erkennen wir in ihnen Menschen, die Achtung und Respekt verdienen.
Erkennen wir in ihnen Menschen, die fähig sind zu Toleranz und Engagement und von denen wir dies erwarten können?
Erkennen wir in ihnen Menschen, denen wir in Gottes Güte begegnen, damit sie IHN, den einen und wahren Gott, den Vater Jesu erkennen können?

Liebe Schwestern und Brüder, nicht wenige Menschen sagen:
Weil in anderen Ländern weniger Freiheit für Christen ist, sollten auch wir Menschen aus anderen Kulturen und Religionen nicht so große Freiheit einräumen. Weil in anderen Ländern weniger Toleranz ist, brauchen auch wir keine Toleranz aufbringen, etc. So können wir nicht urteilen.

Sonst gleichen wir uns der Intoleranz und der Unfreiheit an.
Statt dessen sollten wir in Gottes Geist handeln:

Er, der vollkommen ist und gut, er wendet sich uns unvollkommenen zu, die oft böse sind, und schenkt uns Anteil an seiner Fülle.
Gott bleibt in seiner Liebe treu, auch wenn wir untreu werden. Bleiben wir ihm und unserem Glauben treu und begegnen wir den Fremden bei uns mit Achtung und Respekt.

01.01.2015: Neujahr

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Liebe Schwestern und Brüder,
Es ist ein sehr harmonischer geistlicher Dreiklang am 1. Januar:
Der Beginn eines neuen Jahre – das Lob Mariens als Gottesmutter –
und der Weltfriedenstag zu dem der Bischof von Rom jedes Jahr eine Botschaft an alle Menschen sendet, die den Frieden ersehnen.

Mit Jesus, den Maria geboren hat, hat Gott einen neuen Anfang gemacht – einen Anfang, der weit bedeutsamer ist als der Anfang eines neuen Kalenderjahres.

Aus dem Mund der Hirten hört Maria, welchen neuen Anfang Gott durch Jesus setzen wird: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die Gott liebt.

Jesus wird Gott die Ehre geben, weil er auf ihn hört. Alles, was er denkt und tut und fühlt kommt aus dem bedingungslosen Vertrauen, dass er vom himmlischen Vater geliebt ist und dass er diese Liebe den Menschen verkünden und bringen möchte.

Seine Botschaft ist, dass jeder Mensch ein Kind Gottes ist und von Gott geliebt ist. Jeder!

Besonders richtet sich diese Botschaft deshalb an die Kranken – sie sind nicht bestraft oder ausgeschlossen, sondern sie werden geheilt.

Diese Botschaft richtet sich an die Sünder: Keine Sünde ist so groß, dass Gott deshalb aufhören würde, auch den Sünder zu lieben. Ihnen wird vergeben. Auch sie können wieder aus dem Bewusstsein leben, dass sie Gottes Kinder sind.

Diese Botschaft richtet sich an die Armen, die vom Leben und von der Teilhabe an den Gütern der Welt ausgeschlossen sind: Gott schließt sie nicht aus, sondern gibt ihnen den ersten Platz. Deshalb ist es unsere erste Aufgabe dafür zu sorgen, dass jeder Mensch Essen und Trinken kann, Kleidung hat und eine Wohnung.

Diese Botschaft richtet sich besonders an die Kinder: sie sind nicht zu klein und zu schwach. Im Gegenteil: sie habe ein offenes Herz. Sie leben ohne Bosheit und Hintergedanken. Sie sind uns Jüngern Jesu darin ein Vorbild

Wir alle sind Gottes geliebte Töchter und Söhne, darauf vertrauen wir und daraus leben wir. Doch, da wir wissen, wie begrenzt unsere Liebe oft ist, und weil wir sehen, dass Jesu Liebe zu Gott und den Menschen vollkommen war, bekennen wir: Jesus ist DER SOHN GOTTES.

Er ist ganz und gar von Gottes Geist und Liebe erfüllt.
Ihn hat Gott gesandt zu uns gesandt, zu den Armen und Kranken, zu den Sündern und Kindern. Er hat es uns offenbart, dass wir Gottes Kinder sind.

Weil Jesus der Sohn Gottes ist, nennen wir Maria mit dem Ehrentitel MUTTER GOTTES. Nicht im Sinn der griechischen Göttermythen, nicht im Sinn der altorientalischen Religionen;
sondern, weil Jesus von einer Frau auf menschliche Weise geboren und genährt und erzogen wurde, er, den wir als den SOHN Gottes bekennen.

Maria, die den Sohn Gottes geboren hat, ist dadurch der Urtyp von uns Glaubenden: In uns allen kann Gottes Wort vom Frieden Fleisch werden und Gestalt annehmen: in uns selbst und in unseren Kindern.

Auch Eva ist der Urtyp von uns Menschen:
wir können uns Gott verweigern und uns selbst zum Mittelpunkt der Welt erklären. So werden wir zum Ausgangspunkt von Neid und Eifersucht, von Gewalt und Mord.

Maria hält deshalb in vielen Darstellungen einen Paradiesapfel in der Hand: Sie ist das Urbild des Menschen, der im Paradies lebt: im Frieden mit Gott und mit der ganzen Schöpfung. Sie ist die neue Eva.

Es ist leider nicht so, dass alle Menschen auf Jesus hören;
leider hören wir selbst nicht immer auf Jesus und sein Gebot der Liebe.
Deshalb gibt es in der Welt nach wie vor Ausgrenzung und Gleichgültigkeit und Gewalt.

Was Jesus Christus uns gebracht hat, bleibt dennoch gültig – solange es Leben gibt im Universum: Gott schenkt Frieden und Versöhnung!
Wir sind seine gesalbten, Christen, damit wir Frieden ausbreiten und Versöhnung.

31.12.2014: Jahresschlussfeier

Lesungen: Röm 8,18-39 – Ps 121 – Mt 5,13-16

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Am Jahresende angekommen schauen wir zurück: Wir konnten unsere Aufgaben erfüllen; wir haben unseren Alltag bewältigt. Das ist sehr viel wert.
Wir konnten anderen Gutes tun: durch unsere Zuwendung und Hilfe.
Durch unsere Spenden.
Doch blieben wir auch manches schuldig: durch unsere Engherzigkeit, durch unseren Egoismus, durch unseren Neid.

Darum wollen wir am Ende des Jahres miteinander und füreinander Gott um Vergebung bitten und sprechen das Schuldbekenntnis:

Schuldbekenntnis

Vergebungsbitte
Der Blick zurück zeigt uns Gutes und Böses, Freude und Trauer und so bitten wir: Gott unser Vater schenke uns sein erbarmen. Er vergebe uns und führe uns zur ewigen Freude!

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder!
Wie bei jedem Jahrestag ändert sich von heute auf morgen nicht mehr und nicht weniger, als sich sonst ändert von einem Tag auf dem anderen.
Und dennoch ist es anders: Das Ende und der Anfang eines neuen Kalenderjahres ist ein Anlass zur Rückschau und Erinnerung.

Und wir schauen nach vorne und fragen uns, was im neuen Jahr alles geschehen wird:
Manche Gesetze bringen Änderungen zum 1. Januar,
Manche Entscheidungen der vergangenen Monate werden in den nächsten Monaten umgesetzt. – Besonders spannend ist: Welche Überraschungen wird es geben!

Werden die beteiligten Regierungen im Konflikt um die Ukraine eine Lösung finden, die den Menschen wieder Frieden und Sicherheit bringt?
Wann wird die Ebola Epidemie eingedämmt werden können?
Wie geht es in Griechenland und mit Europa weiter?

Im persönlichen, privaten Leben geht es um Krankheiten, die hoffentlich überwunden werden, um den Wunsch nach einem ruhigen Jahr – ein Jahr ohne Trauerfall, ohne Schrecken und Ängste, es geht um Weiterentwicklung im Beruf, um Gesundheit, um Familienplanung …

Das alles nehmen wir mit ins neue Jahr. Der Jahreswechsel ist ein besonders guter Zeitpunkt, um das, was uns beschäftigt hat und bewegen wird, mit unserem Gott zu verbinden.

Hier und jetzt nehmen wir uns Zeit für Gebet und Besinnung: Wir wollen das alte Jahr gut (friedlich) beenden und das neue Jahr gut (optimistisch) beginnen.

Ich möchte nochmal erinnern an die Ereignisse im Leben, die nicht (ganz) in unserer Hand liegen: Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod, Krieg und Frieden, Katastrophen und Wohlergehen:

Für all das hilft mir der Gedanke des Apostel Paulus:
Gott wird alles zum Guten führen. Weder Gutes noch Böses – nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die Christus Jesus geoffenbart hat.

Dieses Vertrauen gibt eine große Gelassenheit und Zuversicht:
Was auch immer geschehen wird: Gott, der Ursprung des Lebens ist mit seiner Liebe treu wie eine Mutter und wie ein Vater: und er wird alles zu einem guten Ziel führen: zu dem Frieden, der von ihm kommt und zum Leben in Fülle, das er selber ist.

Diese Gelassenheit ist nicht einlullend und einschläfernd.
Diese Gelassenheit macht nicht träge, sondern verleiht Mut und Kraft, um Aktivität zu entwickeln, um die eigenen Kräfte und Möglichkeiten einzusetzen:

Jesus sagt zu uns: „Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!“

Deutlicher geht es nicht:
Die Welt ist in unsere Hände gelegt: Ob Frieden ist, ob die Menschen Zuneigung und Anerkennung genießen können,
Das ist in unsere Hand gelegt!

Ob jemand Hilfe findet und Unterstützung, die er sucht,
ob Kinder geboren und geliebt werden und alte und kranke Menschen gepflegt und getröstet werden,
das ist in unsere Hand gelegt!

Wir dürfen am Jahreswechsel uns und alle, die uns am Herzen liegen, Gott anvertrauen.
Mit unsere Sorgen und Freuden, mit unserem Bemühen und unserer Ohnmacht dürfen wir getrost leben, weil Gott das Ziel aller Dinge ist und weil in ihm alles gut werden wird.

Zugleich dürfen wir mit Kraft und Mut uns anstrengen, dass wir selbst Licht zu den Menschen bringen. Es ist unsere Sendung, den Menschen das zu bringen, was ihr Leben lebenswert macht, und das jeder von uns braucht wie das Salz in der Speise: Zuwendung und Sorge, Lob und Anteilnahme: Denn dann kann ein Mensch erfahren: „Es ist gut, dass es mich gibt!“

Es ist gut, dass es dich gibt! Ich wünsche und, dass wir das möglichst vielen Menschen im neuen Jahr möglichst oft spüren lassen.

24.12.2014: Christmette

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
Wir danken unserem lieben Jesus aus Nazareth, dass er uns zu seinem Geburtstagsfest eingeladen hat.
Wir sind gerne gekommen, weil er uns allen lieb und teuer ist.
Das ganze Jahr, jeden Tag, ist er uns nahe:
in der Verzweiflung macht er uns Mut,
in der Verwirrung stiftet er Klarheit,
er hilft uns, die rechten Entscheidungen zu treffen, damit wir zum Frieden und zur Versöhnung in der Welt beitragen können.

Er gibt uns das ganze Jahr hindurch eine Nahrung, die wichtiger ist als alles andere: er schenkt uns seine Liebe und sorgt dafür, dass unsere Liebe lebendig bleibt.

Dankbar für all das Gute, das wir von ihm empfangen, wollen wir ihn preisen:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
als Jesus geboren wurde, nahm man keine Notiz von ihm:
Geboren wurde auch nur das Kind eines jüdischen Paares –  an einem damals ziemlich unbedeutenden Ort. Die Geschichte wurde woanders geschrieben: In Rom im kaiserlichen Palast und in Ägypten.
In Israel hatte ein König von Roms Gnaden das Sagen.
Die Priester und die Elite des jüdischen Volkes versuchten sich zu arrangieren mit den Verhältnissen und mit denen, die auf dem Herrscherstuhl saßen.

Niemand konnte ahnen, dass dieses Kind so groß werden würde.
So bedeutend, dass ein römischer Statthalter Jesus verurteilen würde zur Folter und Kreuzigung!
So bedeutend, dass sich eine Gemeinde um ihn bildet, die auch nach seinem Tod zusammenbleibt und seiner Lehre folgt – genau genommen erst dann so richtig anfängt.
So bedeutend, dass seine Jünger als Gefahr angesehen wurden und verfolgt wurden;
So bedeutend, dass Kaiser Konstantin erkannte, dass dieser Glaube sein Reich festigen könne.

Heute, Schwestern und Brüder, stehen wir hier an der Krippe und feiern seine Geburt, von der niemand Notiz zu nehmen brauchte – außer  seine Eltern und ein paar Leute, die wach wurden von den Geräuschen, die bei einer Geburt entstehen.

Es ist gut, dass wir das tun. Denn dieser Jesus aus Nazareth, geboren in Bethlehem, dieser Jesus aus Nazareth hat die Kraft, die Welt zu verändern:

Er verändert die Welt, weil er etwas verkörpert und verwirklicht und ermöglicht, was die Welt braucht – so notwendig, wie Wasser und Brot.

Er ist Gottes Sohn! – das ist gar nicht kompliziert, wenn wir es nicht kompliziert machen. Es ist so, wie es im Evangelium steht:
Der Geist Gottes kam auf ihn herab und blieb auf ihm und er hörte eine Stimme rufen: Du bist mein geliebter Sohn!
Daraus hat Jesus gelebt und gehandelt: Dass er von Gott geliebt ist.
Das ist sein innerstes Geheimnis. Jede Faser seines Körpers, jeder Gedanke, den er fasste, jede Regung seiner Seele wurzelte darin und war davon durchdrungen: Gott liebt mich als seinen Sohn und schenkt mir seinen Geist!

Schwestern und Brüder, wir schauen heute auf diese Kinderfigur, auf das Jesuskind: Wir beugen uns zu ihm nieder, wir knien vor ihm nieder – wie wir es oft bei kleinen – neugeborenen Kindern tun:
So werden wir Gott ganz ähnlich: wir lieben dieses Kind – und zugleich: das ist ein Wunder: zugleich sind wir für diese Augenblicke ganz eins mit uns selbst und wissen uns geliebt, so wie wir dieses Kind lieben.

Jesus hilft uns zu glauben, dass wir selbst – und dass jeder Mensch – von Gott geliebt ist, Gottes Kind ist, Sohn und Tochter.
Das ist die erlösende und befreiende Botschaft, die die Welt verändern kann und verändert.
Auch wenn wir Christen selbst schon hundertmal uns gegen diesen Glauben und damit gegen Gott versündigt haben.
Dass jeder Mensch Gottes Sohn und Gottes Tochter ist – dieses Bewusstsein, diese Erkenntnis ist die Wurzel für Versöhnung und Frieden!

Die Hirten des Lukasevangeliums, diese Dauerflüchtlinge, diese heimatlosen überall Fremdlinge, diese immer Verdächtigen, haben die Botschaft gehört und wurden dadurch verwandelt und erlöst:
Gott sendet ihnen diese Botschaft: ihr seid gerettet. Ihr seid Gottes Kinder! Frieden!

Schwestern und Brüder, schauen wir auf dieses Kind, lächeln wir es an, lieben wir es und erfahren wir uns dadurch als wertvolle, geliebte Menschen.
Lassen wir uns verzaubern und verwandeln zu neuen Menschen, zu geliebten Menschen, zu Menschen die im Frieden Gottes leben und den Frieden Gottes verbreiten. Jeden Tag!

Bußgottesdienst im Advent 2014: Versöhnung finden

ERÖFFNUNG

Zur Eröffnung:  Macht weit die Pforten in der Welt        GL 360,1

Einführung:  Schwestern und Brüder!
Vielleicht haben Sie auch Schwierigkeiten mit dem Wort Buße?
Buße tun – das hört sich nach etwas Schlimmen an, das ich auf mich nehmen muss, um eine Schuld abzubüßen.
Darum geht es nicht. Buße ist eine tägliche Übung, in der wir versuchen uns beständig auf den Willen Gottes auszurichten.
Etwa wie ein Radfahrer, der durch kleine Gewichtsverlagerungen und Ausgleichsbewegungen dafür sorgt, dass er das Gleichgewicht behält und in der richtigen Richtung bleibt.

Heute Abend geht es auch um Versöhnung:
Um Versöhnung mit meinem Leben; um Versöhnung mit mir selbst; um Versöhnung mit den Mitmenschen und um Versöhnung mit Gott.

GEBET
Hilf uns, Gott, dass wir in diesen Tagen
die Ankunft deines Sohnes voll Freude erwarten.
Nimm alle Trägheit von uns
und mache uns bereit, zu wachen und zu beten,
damit uns Christus nicht schlafend findet,
wenn er kommt und anklopft.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Besinnung

Hinführung:
Ich lade sie ein unter drei verschiedenen Richtungen auf das eigene Leben zu schauen. Nach einem kurzen Impuls haben wir jeweils 3 Minuten Zeit zum Nachdenken im Gebet:
Das, was uns persönlich bewegt und beschäftigt hat, bringen wir dann im gemeinsamen Psalmgebet vor Gott.

  1. Was mich bedrückt und mir Kummer macht

Schauen wir auf unser eigenes Leben, auf uns selbst – als Person:
Es gibt vieles, was gut ist bei jedem von uns.
Worüber wir froh sind, dass es so ist:
Das sollte bitte nicht anders sein: ob es ein geregelter Tagesablauf ist oder die gesicherten Lebensverhältnisse.

Aber es gibt auch manches, was einem bekümmern kann:
Krankheit, die Krankheit eines lieben Menschen;
die nachlassenden Kräfte; Sorgen um die Altersversorgung;
Ein Übermaß an täglichen Aufgaben.

Machen wir uns bewusst:
Was ist gut in meinem Leben? Was tut mir gut?
Was macht mir Sorgen? Was bekümmert mich?
Was tut mir Weh oder was macht mir Angst?

Zeit zum Nachdenken – 3 Minuten Orgelspiel

Auch wenn wir viel Gutes erleben.  Manches bedrängt uns, macht uns unruhig, wir haben Angst.
Unsere Not dürfen wir vor Gott bringen und mit dem Psalm 71 beten:

Psalm 71 Gott, die Zuflucht bis ins Alter

V: Herr, ich suche Zuflucht bei dir. * Lass mich doch niemals scheitern!

A: Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit, * wende dein Ohr mir zu und hilf mir!

V: Sei mir ein sicherer Hort, * zu dem ich allzeit kommen darf.

A: Du hast mir versprochen zu helfen; * denn du bist mein Fels und meine Burg.

V: Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, * meine Hoffnung von Jugend auf.

A: Für viele bin ich wie ein Gezeichneter, * du aber bist meine starke Zuflucht.

V: Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, * verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden.

A:Manche reden schon über mich. / Sie sagen: „Ach dem geht es schlecht. * Dem kann niemand mehr helfen.“

V: Gott, bleib doch nicht fern von mir! * Mein Gott, eil mir zu Hilfe!

A: Auch wenn ich alt und grau bin, * o Gott, verlass mich nicht,

V: damit ich der Nachwelt verkünde, * mit welcher Kraft du mich gerettet hast.

A: Mein Gott, Du ließest mich viel Angst und Not erfahren. * Belebe mich neu, / führe mich herauf aus den Tiefen der Erde!

V: Bring mich wieder zu Ehren! * Du wirst mich wiederum trösten.

A: Ich will deine Treue preisen; *mein Gott, du Heiliger Israels,

V: Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist

A: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen

Lied: O Heiland reiß die Himmel auf, GL 231,1+2

  1. Wer mir Kummer bereitet und über wen ich zornig bin.

Zum Glück gibt es Menschen um uns herum, die uns achten und mögen und die gut mit uns sind.
Wir dürfen Anerkennung Erfahren
und oftmals die Hilfe einer guten Seele.
Wir freuen uns über Gemeinschaft und Zuwendung.

Doch es gibt auch schlechte Erfahrungen mit anderen:
Angehörige lassen den Kontakt zueinander abreißen.
Jemand zeigt uns die kalte Schulter.
Wir werden allein gelassen und keiner ist da, der hilft.
Manchmal erleben wir auch Feindschaft
und es fügt uns jemand tatsächlich Schaden zu.
Es gibt böse Worte, die die Ehre kränken
und Verachtung zum Ausdruck bringen.

Wagen wir es, auch diese Erfahrungen anzuschauen:

Welche Menschen machen mir Freude.
Mit wem bin ich gerne zusammen.
Wer ist für mich da und hilft mir?

Wer hat mich verletzt?
Wer hat mich traurig gemacht oder zornig?
Wer hat mir Schaden zugefügt – vielleicht sogar mit Absicht?
Wer macht mir das Leben schwer?

Zeit zum Nachdenken – 3 Minuten Orgelspiel

Auch wenn es nicht viele sind, so gibt es doch die Menschen, die uns nicht gut sind, die es nicht gut mit uns meinen, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen. In unserer Not beten wir mit dem Psalm 17.

Ps 17 Gebet in der Verfolgung

V: Herr, ich suche Gerechtigkeit, * achte auf mein Flehen, ich lüge nicht!

A: Von deinem Angesicht ergehe mein Urteil; *  denn deine Augen sehen, was recht ist.

V: Du kennst meine Gedanken. * Heute Nacht wirst du kommen,

A: du wirst mein Innerstes durchforschen * und nichts finden, was du tadeln müsstest.

V: Ich befolge deine Gebote * ich weiche nicht davon ab.

A: Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich. * Habe ein offenes Ohr für mich, höre auf meine Worte!

V: Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, * birg mich im Schatten deiner Flügel

A: vor den Frevlern, die mich hart bedrängen, * vor den Feinden, die mich wütend umringen.

V: Sie haben ihr hartes Herz verschlossen, * sie lauern mir auf, sie haben gegen mich Böses im Sinn.

A: Rette mich, Herr, mit deiner Hand vor diesen Leuten, * vor denen, die im Leben schon alles haben.

V: Du füllst ihren Leib mit Gütern, / auch ihre Kinder werden satt * und sogar ihre Enkel beerben sie.

A: Ich aber will keine Schuld auf mich laden. / Vielmehr sehne ich mich danach, * dass ich dein Angesicht schaue,

V: Wenn ich wach werde, * will ich mich satt sehen an Dir.

A: Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist

V: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen

Lied: O Heiland reiß die Himmel auf, GL 231,3+4

  1. Wie ich es an Liebe fehlen lasse

Im Alltag versuchen wir nach unserem Gewissen zu handeln: Wir machen unsere Arbeit, wir gehen zur Kirche und beten zu Gott. Wir versuchen hilfsbereit zu sein und Verständnis zu haben.
Wir sind auch nicht geizig, sondern spenden, wie es uns richtig erscheint.
Wir wollen in Frieden leben und gut miteinander auskommen.

Doch nicht immer gelingt es uns.
Wir halten manchmal unsere Zunge nicht im Zaun.
Leicht finden wir Ausreden, dass wir nicht helfen müssen.
Wir wollen unsere Wünsche erfüllen  und sind blind für das, was andere wollen.
Wir urteilen über andere und erzählen von ihren Fehlern.
Wir könnten vielleicht noch großzügiger Spenden.
Gerne sehen wir unsere Vorurteile bestätigt.
Es kann sein, dass wir etwas sagten oder taten und deshalb jetzt noch ein schlechtes Gewissen haben.

Fassen wir Mut und sind wir ehrlich gegen uns selbst. Denken wir über uns nach:

Wer hat Grund, über mich verärgert zu sein und warum?
Wann war ich egoistisch?
Habe ich jemand Schaden zugefügt oder jemanden gekränkt?
Habe ich ein Versprechen gebrochen?
Was muss ich mir vorwerfen?

Zeit zum Nachdenken – 3 Minuten Orgelspiel

Es ist eine echte Not, wenn wir merken, dass wir selbst lieblos oder ungerecht oder teilnahmslos waren. Bringen wir auch diese Not vor Gott mit dem Psalm 51

Psalm 51 Ein Lied Davids.

V: Gott, du bist reich an Liebe und Güte; / darum erbarme dich über mich, * vergib mir meine Verfehlungen!

A: Nimm meine ganze Schuld von mir, *  wasche mich rein von meiner Sünde!

V: Ich weiß, ich habe Unrecht getan, * meine Fehler stehen mir immer vor Augen.

A: Nicht nur an Menschen bin ich schuldig geworden, * gegen dich selbst habe ich gesündigt;

V: ich habe getan, was du verabscheust. / Darum bist du im Recht, wenn du mich schuldig sprichst; * deinen Richterspruch kann niemand tadeln.

A: Ich bin verstrickt in Verfehlung und Schuld * seit meine Mutter mich empfangen und geboren hat.

V: Das war mir verborgen; du hast es mir gezeigt. * Dir gefällt es, wenn jemand die Wahrheit erkennt.

A: Nimm meine Schuld von mir, dann werde ich rein! * Wasche mich, dann werde ich weiß wie Schnee!

V: Lass mich wieder Freude erleben und mit deiner Gemeinde jubeln. * Du hast mich völlig zerschlagen; richte mich doch wieder auf!

A: Sieh nicht auf meine Verfehlungen, * tilge meine ganze Schuld!

V: Gott, schaffe mich neu: / Gib mir ein Herz, das dir völlig gehört, * und einen Geist, der beständig zu dir hält.

A: Vertreibe mich nicht aus deiner Nähe, * entzieh mir nicht deinen Heiligen Geist!

V: Mach mich doch wieder froh durch deine Hilfe * und gib mir ein gehorsames Herz!

A: Gott, du bist mein Retter! Ich habe den Tod verdient, *  aber verschone mich! Dann werde ich laut deine Treue preisen.

V: Herr, nimm die Schuld von mir und löse mir die Zunge, * dann kann ich deine Güte vor allen rühmen.

A: Du willst kein Bußübungen, die doch nur dafür gedacht sind, * vor den Menschen wieder Ehre zu erlangen.

V: Aber wenn ein Mensch dir Herz und Geist hingibt, * wenn er sich dir nicht mehr verschließt, dann weist du ihn nicht zurück.

A: Ehre sei dem Vater und dem Sohn * und dem Heiligen Geist

V: wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit * und in Ewigkeit. Amen

Lied: O Heiland reiß die Himmel auf, GL 231,5+6

Evangelium: Die Heilung eines Gelähmten Lk 5,17 -26

Ansprache: Liebe Schwestern Liebe Brüder,
ein Politiker wurde zum Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten Albrecht befragt und dabei auf dessen Entscheidung für Gorleben als atomares Endlager angesprochen. Der SPD Mann sprach ins Mikrofon: „Auch solche Fehlentscheidungen gehören zum erfüllten Leben eines Politikers.“

Er hatte ein erfülltes Leben – das ist ungefähr das Beste, was man über einen Menschen sagen kann. Was ist ungefähr damit gemeint?

Erfüllt hat gelebt, wer in seinem Leben etwas hatte, wofür er lebte und was ihn ausfüllte. Erfüllt war das Leben eines Menschen, der im Großen und Ganzen im Einklang mit sich selbst leben konnte. –
Ein Leben im Einklang mit uns selbst – das wünschen wir uns – Frieden.

Kummer und Schmerz, Hilflosigkeit und Schwäche sind dafür eine arge Herausforderung: Wir klagen darüber und können uns nicht damit abfinden: wir finden es ungerecht. Wir sind in Gefahr, verbittert zu werden und unser eigenes Leben nicht akzeptieren zu können.
Wir liegen im Streit mit uns und unserem Leben.

Jesus reicht uns die Hand: Er hat sich besonders der Kranken angenommen. Viele hat er geheilt – wie diesen Gelähmten.

Jesus selbst hat die Schmerzen seiner Folter ertragen und am Ende seiner Qual gebetet: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.Von ihm können wir lernen, dass wir Gott vertrauen können –auch in der Krankheit ist ER uns nahe. Gott ist auch dann der Ursprung unseres Lebens und unser Ziel. Jesus gibt uns die Zuversicht, dass Gott uns Heil schenken wird wenn wir zu ihm kommen.

So können wir uns mit unserer Lebensgeschichte versöhnen: Wir können unser ganzes Leben annehmen – mit all seinen Beschwerlichkeiten – weil auch Gott uns annimmt und mit seiner Liebe bei uns bleibt.
So finden wir auch die Kraft, um die Gesundheit zu kämpfen und aus jeder Situation das Beste zu machen.

Im Einklang mit uns selbst zu bleiben, wird besonders schwer, wenn uns ein Unrecht geschieht: Es stellen sich Gefühle ein von Niedergeschlagen­heit, Demütigung, Schwäche, Zorn, Wut und Hass und auch Rachegelüste.
Wie können wir da wieder Frieden finden?

Es mag gehen, wenn der der uns Unrecht tat, sein Unrecht anerkennt und die Verantwortung auf sich nimmt. Wenn er um Vergebung bittet.

Aber wenn nicht?
Wenn Versöhnung und Annäherung unmöglich erscheinen?
So wie es bei Jesus war, der dem Hass seiner Feinde zum Opfer fiel?

Jesus hoffte, dass Gott Gerechtigkeit schafft. Vor Gott ist das Unrecht offenbar, vor Gott kann niemand etwas leugnen. Gott steht auf der Seite der Opfer und setzt sie wieder ein in ihrer Ehre, ihrer Unversehrtheit.

So wird bei Gott Versöhnung möglich: Wenn wir wiederhergestellt sind, können wir denen vergeben, die uns Unrecht taten. Dann können wir Wut und Rache hinter uns lassen. Im Blick auf die Versöhnung bei Gott können wir uns bereits jetzt nach Versöhnung sehnen und danach, dass wir nie­mandem Böses wünschen – auch denen nicht, die uns Böses getan haben.

Wir selbst haben viele verschiedene Wege, um unsere Augen davor zu verschließen, dass wir selbst Unrecht tun: Wir sagen: „Es ging nicht anders“ oder „Sie ist selbst schuld.“ Wir entschuldigen uns mit Missver­ständnissen; wir sagen, dass wir an diesem Tag überfordert waren …

Doch wissen wir genau: Ich will das Gute und tue es nicht.
Ich will den Frieden und kämpfe doch mit Worten und Winkelzügen.
Ich habe Unrecht getan. Diese Erkenntnis kann uns für lange Zeit den Frieden rauben. Wir stehen nicht im Einklang mit uns selbst.

Das verursacht schlimme Gefühle: man verachtet sich selbst, hat Angst vor dem, was die anderen sagen, bedauert es vielleicht ein Leben lang. Wir müssen erkennen, dass wir auf Vergebung angewiesen sind.

Jesus hat eine tröstende: Umkehr ist möglich. Gott vergibt. Gott kann auch das wieder gut machen, was wir verschuldet haben.

Das verleiht Mut und Kraft, um Verzeihung zu bitten
das gibt uns Mut und Kraft, uns selbst wieder anzunehmen.

Buße und Versöhung

Schuldbekenntnis – Vergebungsbitte

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus schenkt uns Versöhnung und Frieden durch seine Leben, durch sein Vorbild, und ja, besonders durch sein Sterben und Auferstehn.
Gott will unser Heil. Er will, dass wir im Einklang stehen, mit ihm, mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen.
Deshalb wollen wir Gott und einander unsere Schuld bekennen und miteinander und füreinander um Vergebung bitten.

Wir sprechen das Schuldbekenntnis:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben. – A: Amen.

Lied:  Singet Lob unserm Gott GL 829,1-3

VATERUNSER — FRIEDENSGRUSS

Durch Jesus haben wir jene Freiheit erlangt, in der auch wir Gott unseren Vater nennen dürfen. So wollen wir nun beten:

A: Vater unser im Himmel …

ABSCHLUSS

Gebet
Himmlischer Vater,  wir danken dir, dass du ja zu uns sagst.
Du bist eins mit deinem Sohn  und mit dem Heiligen Geist.
Eins im Wollen, eins in der Liebe, eins im Vollbringen.
Hilf uns, dir immer ähnlicher zu werden, und in Einheit zu leben.
Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus im Heiligen Geist. Amen

SEGEN

Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt;
Er segne und heilige euch durch das Licht seiner Gnade.

Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. –
A: Amen.

14. Dezember 2014: 3. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt,
so bringt Gott der Herr Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern.

Das ist eine wunderbare Zuversicht. Gott bringt Gerechtigkeit hervor!

Das ist das Loblied eines Menschen, der von sich sagt: Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn.
Meine Seele soll jubeln über meinen Gott.

Ist es vorstellbar, dass wir in diesen Jubel einstimmen, dass wir mit Freude und Überzeugung sagen: „Ich freue mich über den Herrn.“

Was könnte dafür sprechen?
Was könnte uns zu solchem Jubel bewegen?

Nicht jedem Tag ist einem danach so zu jubeln – das ist selbstverständlich.
Aber wann und wodurch könnten wir so über Gott jubeln?

Der Prophet Jesaja nennt den Grund:
Der Geist Gottes ruht auf mir. Er hat mich gesandt, den Armen eine frohe Botschaft zu bringen und damit ich alle heile, deren Herz zerbrochen ist;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und ein Gnadenjahr des Herr ausrufe!

Der Herr hat mich gesandt! Damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe!
Das ist der Grund für den Jubelruf über Gott! Daher diese Freude des Propheten.

Schwestern und Brüder,  damit sind wir mitten in der Gegenwart und in jeder Gegenwart:
Der Geist Gottes ist in uns. Wir glauben an Jesus Christus, den Gott gesandt hat, und haben seinen Geist empfangen.

Wir sind gesandt, gesandt um die Flüchtlinge aus ihrem Elend zu befreien,
Wir sind gesandt, die Armen aus ihrer Armut zu befreien,
wir sind gesandt, denen, die keine Hoffnung haben, einen Grund zur Hoffnung zu geben,
Wir sind gesandt, …, denn Gottes Geist sendet uns!

Viel zu sehr verkürzen wir den christlichen Glauben:
Wir tun so, als ob es nur darum ginge, dass wir durch den Glauben das Seelenheil erlangen;
als sei der Glaube uns geschenkt, nur damit wir inneren Frieden finden.

Der Geist Gottes ist uns geschenkt, damit wir Licht und Hoffnung zu denen bringen, die im Dunkeln sitzen.

Jeder kennt Menschen, die im Dunkeln sitzen:
jeder kennt jemand, der unglücklich ist mit seiner Situation,
jemanden, der konkrete Hilfe braucht in seinem Alltag;
jemanden, der alleine dasteht und Unterstützung braucht.

Wir alle wissen um das Elend in der Welt: im Osten und Süden.
Wir wissen von Kriegen und Katastrophen, Flucht und Vertreibung!

Wie der Garten die Pflanzen hervorbringt,
so bewegt uns Gottes Geist, dass wir Heil bringen, wo Unheil ist.

Gottes Geist gibt jedem von uns die Kraft, zerbrochene Herzen zu heilen.
Jeder kann sich einem anderen zuwenden und ihm zeigen, dass er ihm wertvoll ist. Wir dürfen uns das schon zutrauen – Gottes Geist ist ja in uns mit seiner Kraft. Löschen wir den Geist nicht aus!

Diese Sendung lässt uns jubeln über Gott!
Und auch, wenn wir Rückschläge erleben, werden wir niemals den Jubel vergessen und wir werden uns an die Freude erinnern. Das wird uns helfen, die Enttäuschung zu überwinden.
Der Jubel über Gott und die Freude über den Herrn werden nicht ausgelöscht, sondern immer wieder entfacht!

So werden wir Menschen, die wie Johannes auf den hinweisen, der kommt. Wir bereiten dem Herrn den Weg.
Immer mehr Menschen können einstimmen in den Jubelruf:

Meine Seele jubelt über meinen Gott!

30. November 2014: 1. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten:Schott

Wir müssen wachsam sein. Denn die Werte der Gesellschaft und die christlichen Werte entwickeln sich auseinander – in zentralen Fragen, in denen es um den Menschen und sein Leben geht.
Wir Katholiken – als mündige Christen – stehen mitten in diesem Prozess und sind daran beteiligt:

Heute gestalten selbstverständlich auch Katholiken ihr Leben so, wie es jede und jeder selbst für richtig und gut hält – ohne sich vom Lehramt etwas vorschreiben zu lassen ‑ etwa über das sexuelle Verhalten.

Aber: Was ist richtig und gut? Dieser Frage dürfen wir nicht ausweichen – im Gegenteil: da Autoritäten (welche auch immer) und erst recht das kirchliche Lehramt an Geltung verloren haben, ist es umso wichtiger, selbst eine Antwort zu suchen.

Werte gibt es für jeden Menschen und jeder Mensch handelt so, dass er versucht, seine Werte zu verwirklichen.
Meistens ist es einfach: Man möchte etwas, z.B: zu Hause guten Kaffee genießen, und kauft sich eine tolle Kaffeemaschine. Oder man möchte schön gekleidet sein und erwirbt die Stücke, die einem gefallen.

Nicht immer ist es so leicht: manchmal steht mehr auf dem Spiel:
und zwar, wenn es um den Menschen selber geht: um sein Glück, um seine seelische und körperliche Gesundheit oder um sein Leben.

In diesen Monaten wird in Deutschland über Sterbehilfe diskutiert.
Mit starker Unterstützung durch die Medien treten manche dafür ein, dass ein schwer kranker oder leidender Mensch, der sterben möchte, beim Selbstmord unterstützt werden soll oder getötet werden darf.

Die Selbstbestimmung des Menschen soll geachtet werden – so fordert man. Und man stellt uns Menschen als Beispiel vor Augen, die ihre Schmerzen oder ihre ausweglose Situation nicht mehr ertragen können. Hilfe zur Selbsttötung, aktive Sterbehilfe wird als Akt der Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit dargestellt.

Ich sage: Seid wachsam!

Erstens wird das menschliche Leben nicht mehr an die erste Stelle gesetzt. Auch wenn manchmal wirklich ein Sterbewunsch geäußert wird:
Man kann kein Recht auf Selbstmord haben! Es gibt kein Recht darauf, dass einem andere beim Selbstmord unterstützen.

Das Leben ist vielmehr das kostbarste Geschenk Gottes – auch wenn es vergänglich ist: Deshalb darf der Mensch nicht über das Leben verfügen.

Ein Mensch, der Schmerzen hat und schwach ist, braucht Zuwendung, Schmerlinderung, Pflege und Fürsorge.

So wenig es nötig ist, jemand zu verurteilen, der versucht aus seiner Not zu flüchten und sich deshalb das Leben nimmt,
so wenig ist es mit dem christlichen Glauben vereinbar, darüber zu befinden, wann die Schmerzen eines Menschen so unerträglich sind, dass seinem Wunsch nach (Selbst)tötung nachgekommen werden muss.

Das Leben als Gottes Gabe ist heilig, es darf nicht angetastet werden.

Das müssen und dürfen wir Christen und unsere Bischöfe in der Diskussion zu bedenken geben – und ebenso alle negativen Folgen, die die Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe für unsere Gesellschaft haben könnte.

Zweitens aber, müssen wir damit rechnen, dass ein Gesetz beschlossen wird, das aktive Sterbehilfe in irgendeiner Weise erlaubt oder nicht mehr gänzlich verbietet.

Für uns Christen heißt das: Wir sollen wachsam sein und unseren eigenen Werten folgen. Nicht der Staat bestimmt, was Gottes Willen entspricht – unser eigenes Gewissen hört auf die Stimme Gottes.

Wir kennen die Gebote: Du sollst nicht morden!
Und: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Deshalb werden wir Christen uns für den Menschen und für sein Leben stark machen. Einen Menschen zu töten und Hilfe beim Selbstmord zu leisten, geht nicht mit dem Gebot der Liebe zusammen.

Sondern das Gebot der Liebe treibt uns dazu an, alles für das menschenwürdige Leben zu tun und den Sterbenden beizustehen.

Wir müssen nicht mit allen Mitteln das Leben verlängern,

Den Wunsch eines Menschen, der nicht mehr mit Medikamenten und Geräten behandelt werden will, müssen wir achten.

Doch wir werden alles dafür tun, dass er möglichst ohne Schmerzen und ohne Angst leben kann, umsorgt und geborgen – bis zum letzten Atemzug.

Seien wir wachsam, bleiben wir Gottes Willen und unseren eigenen Werten treu – wie immer auch ein Gesetz lauten wird.

16. November 2014: 33. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Liebe Schwestern und Brüder,
Muss ich Angst haben? Vor Gott? Vor seinem Urteil? – Ist das die Botschaft dieser Gleichnisgeschichte?

Im Mt- Evangelium folgt auf diese Geschichte die Rede vom Weltgericht.
Danach fasst der Hohe Rat den Beschluss, Jesus zu töten – nicht zuletzt aufgrund einer Mahnrede gegen die Schirftgelehrten und Pharisäer, durch die Jesus die Führenden Juden erzürnt hatte.

Aber: Was kann und will dieses Gleichnis uns hier und jetzt sagen?

Der Anfang ist einfach: Ein offenbar sehr vermögender Mann vertraut sein Vermögen an, während er selbst auf Reisen geht.
Damit ist offensichtlich der Auftrag und die Vollmacht verbunden, das Vermögen zu verwalten.
Der Diener mit dem einen Talent – um ihn geht es in der Geschichte – hat Angst, er könnte es verlieren und legt es deshalb in den Tresor. Er verweigert sich dem Auftrag seines Herrn.
Dass der Herr ihn dafür tadelt, kann ich verstehen.

Er bestraft ihn aber sehr hart: Äußerste Finsternis, heulen und mit den Zähnen knirschen. –
Ist das nicht zu streng? Bewahrheitet sich so die angstvolle Einschätzung des Dieners?

Möchte Jesus uns Angst machen?

Doch genau die Angst lähmt ja den Menschen! Aus Angst vergrub der Diener das Talent – statt damit zu wirtschaften.
Das Gleichnis sagt eigentlich das Gegenteil: Nimm das Vertrauen an! Baue darauf und wirtschafte mit dem, was Dir anvertraut ist.

Dennoch bleibt dieser erschreckende Schluss: Heulen und Zähneknirschen in der äußersten Finsternis. Ein zu hartes Urteil?

Gut, nehmen wir uns die Freiheit und denken wir uns einen anderen Schluss für die Geschichte aus:
Wie würden wir die Geschichte enden lassen?

Vielleicht so?
„Zu dem dritten Knecht sagte der Mann:
Habe ich Dir so viel Angst gemacht? Das tut mir leid. Du musst keine Angst haben. Ich gebe Dir nochmal dein Talent – wirtschafte damit.
Selbst wenn Du es verlierst, musst Du keine Angst haben. Ich kann es verschmerzen.“

Oder so?
„Nun, ich sehe,“ sagte der Herr, „dass ich von Dir zu viel erwartet habe. Es tut mir leid, dass Du dadurch Angst bekommen hast. Gut, dass Du das Talent vergraben hast. So ist es wenigstens nicht verloren gegangen. Ich werde Dir eine andere Aufgabe zuweisen, die dir nicht Angst macht.“

Schwestern und Brüder, ohne Zweifel wäre der Herr dann freundlicher. Der Schluss wäre nicht so erschreckend. Doch zugleich wird spürbar, dass die eigentliche Pointe der Geschichte verschwindet. Es geht gar nicht um den Herrn und seine Reaktion auf den dritten Knecht.

Es geht um uns. Es geht um die Einsicht, dass wir die frohe Botschaft nicht begraben dürfen. Die Hoffnung Jesu soll in uns wirksam sein!
Seine Liebe soll uns anstiften zu Taten der Liebe! Sein Vertrauen zu uns soll uns Vertrauen geben in ihn und in seine Botschaft.

Wenn wir die frohe Botschaft vergraben,
wenn wir schweigen von der Hoffnung und von der Freude,
wenn wir anzweifeln, ob das Reich Gottes wirklich schon mit Jesus gekommen ist?
wenn wir aus Angst vor dem Belächelt werden unseren Glauben verstecken

– dann ist uns nicht zu helfen!
Dann haben wir die Freude der Botschaft Jesus, die Gnade der Erlösung, den Sieg der Liebe versteckt und verborgen.
Dann leben wir nicht in seinem Licht, sondern in der Finsternis.

Schwestern und Brüder!
Das ist der Zusammenhang, auf den das Evangelium hinweist.
Es geht nicht darum, ob der Mann in den Himmel oder in die Hölle kommt.
Es geht darum, dass wir Jünger Jesu die Welt beschenken mit der Liebe, der Hoffnung und der Freude, die Jesus uns geschenkt hat.

Die Alternative dazu ist Angst einflößend: Es regieren Selbstsucht und Lüge, Angst und Misstrauen, Krieg und Gewalt.

Liebe Mitchristen, das darf nicht geschehen.
Lasst uns die Liebe Gottes in die Welt tragen in Wort und Tat, damit der Friede zunimmt und die Freude.

2. November 2014: Allerseelen

1. Lesung: Ijob 19, 1.23-27
2. Lesung: Röm 8, 14-23
Evangelium: Joh 14,1-6

Das Leid, das dem Ijob widerfährt ist sprichwörtlich geworden: Ijob wird seines Eigentums beraubt, die Kinder werden ermordet. sein Haus wird verbrannt und ihn befällt eine Krankheit, in der man schon so gut wie gestorben ist. Ijob steht für alles Leid, das Menschen in ihrem Leben erfahren können und tatsächlich: jeder Mensch kann von Trauer, Krankheit und auch von Feindseligkeit erzählen.

Doch: gerade die Menschen, die am weitesten unten sind, haben oft die größten Hoffnungen. Ijob sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Ich werde Gott schauen “

Viele hundert Jahre nach Ijob ergeht es dem Apostel Paulus ganz ähnlich: Er hat Verfolgungen, Verhaftungen, Folter und Gefängnis erträgt, Schiffbruch erlitten und fast ertrinkt, schrieb: „Ich bin überzeugt: die Leiden dieser Zeit sind nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die uns geschenkt werden wird!“

Liebe Schwestern und Brüder, die Menschen im Wohlstand teilen diese Hoffnungen weniger. Sie sagen: „Ich kann mir das nicht vorstellen. Warum nicht jetzt diese Herrlichkeit? Warum nicht schon auf dieser Erde?“
Viele können und wollen nicht auf das künftige Leben hoffen, in dem wir Gott schauen und befreit sind vom Elend dieser Zeit.

Hängt es damit zusammen, dass wir durch unseren Wohlstand das Elend überdecken; dass wir die Augen verschließen und den Tod aus dem Bewusstsein verdrängen.
Ich frage mich: Wollen die Menschen eigentlich den Tod negieren, wenn sie sagen: wenn ich sterbe, dann ist alles aus?

Wenn es so wäre, wenn der Tod des Körpers das Ende der eigenen Existenz wäre, dann könnte man leben, als ob es den Tod nicht gäbe.
Man könnte den Tod verdrängen und jeden Tag auskosten und sagen: das ist das Leben. Mach das Beste daraus – für Dich.

Doch wer die Augen öffnet, der fragt sich: wozu leben, wenn es dann doch zu Ende ist? Die Freude, das Schöne das kann man ja gerne hinnehmen. Doch wozu Schmerzen ertragen? Wozu leben, wenn ich nicht mehr tun kann, was ich will?

Der Glaube an die Auferstehung gibt dem Tod eine andere Bedeutung:
Der Tod wird zum Übergang in die Welt Gottes.
Wer darauf hofft, für den hat das ganze Leben einen Sinn.
Der mag sich fragen, warum es so viel unverschuldetes Leid gibt?
Der wird mit Gott vielleicht streiten und ihm das Elend klagen.

Doch er hofft, die Herrlichkeit Gottes zu empfangen.
Deshalb geht es im Leben darum, als Gottes Ebenbild zu leben.
Es geht darum, Leben zu empfangen und Leben zu geben!

Wer das ewige Leben erhofft, wird auch das Gute dankbar annehmen und genießen – vielleicht als Vorgeschmack des Himmels.

Wer auf das ewige Leben hofft, wer Hoffnung hat, wird aber auch die Kraft haben, dem Elend, dem Leid, der Schwäche Stand zu halten. Wer hofft, hält allem stand – so hat es Paulus ausgedrückt.

Liebe Schwestern und Brüder,
heute an Allerseelen denken wir an die Verstorbenen: an alle! Weil keiner verloren ist, weil Gott keinen vergisst!
Besonders denken wir natürlich an die Verstorbenen, die wir gekannt haben und die uns nahe stehen: Die Liebe, die uns mit ihnen verbindet, reicht über den Tod hinaus.

Wir denken an die Verstorbenen mit Zuversicht:

Das Gute findet seine Vollendung!
Das Schlimme wird geheilt!
Das Böse wird vergeben und getilgt.
Die Liebe aber feiert ein Fest: denn die Liebe ist ewig –
wie Gott selbst, in dessen geliebte Kinder wir sind und bleiben
in alle Ewigkeit.