2. Februar 2014: Darstellung des Herrn

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

 

Liebe Schwestern und Brüder,  im Prolog des Lukasevangeliums, in der Vorrede zu seinem Evangelium ist dies die vorletzte Geschichte. Es schließt sich noch der Besuch des 12jährigen Jesus im Tempel – anlässlich seines Erwachsenwerdens.

Dem Lukasevangelium ist das wichtig:
Jesu Eltern und er hielten sich an die Sitten und Regeln der jüdischen Religion. Reinigungsvorschriften, Tempelbesuch, Beschneidung – Aufnahme unter die Erwachsenen – so gehörte es sich.

Das ist für auch uns wichtig:
Jesus und seine froh machende Botschaft kommen nicht aus dem Nichts, sondern sie haben einen Wurzelboden. Abraham, Moses – Isai, der Vater Davids das jüdische Volk und der Bund, den Gott mit diesem Volk geschlossen hat auf ewig – das ist der Nährboden für Jesus und seine Verkündigung von Rettung und Heil durch Gottes Barmherzigkeit.

Wir Christen können nicht anders als mit Ehrfurcht und Dankbarkeit dieses Erbe zu bewahren – sonst würden wir unsere Wurzeln abschneiden.
Wir würden an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.

Wir können nicht anders – entgegen vielen Verirrungen vergangener Jahrhunderte – als dem jüdischen Volk und den Juden mit Dankbarkeit und in Freundschaft zu begegnen – auch wenn Sie Jesus nicht als Messias erkennen.

Wir Christen aber – schließen uns den Worten Simeons an: Nun lässt Du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben das Heil gesehen – das Licht, das die Völker erleuchtet und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Es geht darum, dass wir in Frieden leben und sterben können, weil wir das Heil gesehen haben: Christus, der das Heil ist und es uns gebracht hat.

Auch wenn dieses Wort in der Grußformel des 3. Reiches missbraucht wurde – und noch so oft in der Geschichte durch grausame Tyrannen und Folterknechte, die beanspruchten „Heil“ zu bringen.

Heil bedeutet genau nicht, die Unterwerfung und Vernichtung der Feinde!
Heil ist umfassend gemeint ein Zustand der Vollkommenheit, den Menschen aus eigener Kraft nicht herstellen und finden können.
Denn Heil bedeutet, dass die Feindschaft, die Konkurrenz ein Ende hat:

Es ist nicht mein Heil – gegen Dein Heil!
Vielmehr ist es mein Heil, weil es auch Dein Heil ist.

Wenn wir an das Heil glauben, das Christus gebracht hat – im Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater – dann begreifen wir also:

Die Menschheit, die Schöpfung gehört zusammen, sie ist eine Einheit.
Das 2. Vat. Konzil spricht deshalb immer wieder von der einen Menschheitsfamilie und davon, dass die Kirche das Sakrament der Einheit und das Werkzeug der Einheit in Gottes Hand ist.

Schwestern und Brüder, lassen wir uns von diesem Freudenruf des Simeon ganz persönlich herausfordern:
Dass wir in Frieden leben und sterben können, weil wir das Heil gesehen haben in Jesus Christus, weil wir an das Heil glauben, das Gott für uns bereit hält, der keinen vergisst – am wenigsten den, der in dieser Welt in seiner Todesstunde ganz unten angekommen ist.

Lassen wir uns herausfordern, dass wir nicht egoistisch „unser“ also das eigene Heil suchen,
sondern dass wir den anderen, die andere annehmen als die und den, der mnit uns zum Heil berufen ist und dessen Heil uns genauso anvertraut ist wie das eigene.

Lassen wir uns herausfordern, dass wir immer mehr als Schwestern und Brüder unserer Mitmenschen handeln und dass Gegensätze, Konkurrenz und Konflikt in dieser Einheit aufgehoben sind und überwunden werden können. Lassen wir uns heraufordern und unseren Mitmenschen Freunde sein.

12. Januar 2014: Fest Taufe Jesu

Taufe Jesu Taufbecken

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Was macht Marie aus Ruanda mit ihren Kindern in Deutschland?
Warum gibt es in Palästina und Israel und im ganzen Nahen Osten immer weniger Christen?

Flucht und Vertreibung sind millionenfache traurige Realität!
Ob Verfolgung, Krieg, Vertreibung oder Überlebensangst – die Ursache der Flucht waren: Flüchtlinge sehnen sich nach Frieden, nach Sicherheit – und wollen meist, wenn es irgendwie ginge, wieder zurück in ihr Land.

Versetzen sie sich einmal in die Lage eines Flüchtlings, der sein Schicksal mit vielen anderen teilt und hören Sie dann diese Worte:

Seht, da ist mein Erwählter. Er bringt den Völkern das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Doch löscht er nicht aus! Er bringt wirklich das Recht. Auf sein Gesetz warten die Inseln.

Wie hört sich das an in den Ohren einer Zwangsprostituierten in Deutschland, die unter falschen Versprechungen aus Osteuropa hierher gelockt wurde?
Wie hört sich das an in den Ohren der Menschen auf Lampedusa?
Wie hört sich das an in den Ohren von Menschen, die in Deutschland, Frankreich, Österreich eine Zukunft suchen und hier nicht arbeiten dürfen?

Vielleicht aber, Schwestern und Brüder, ist uns die Situation gar nicht so fremd: Wir fühlen uns manchmal wie ein zerknicktes Rohr oder wie ein Docht, der nur noch glimmt, aber nicht genügend Öl findet, um zu brennen.
Misserfolg, Schmerzen und Krankheit, persönliche Krisen und Enttäu­schungen machen uns mutlos und verzweifelt, rauben uns Kraft und Energie.

Wer verschafft den Unterdrückten Recht?
Wer hilft denen an ihre eigene Würde zu glauben, die in Massenunterkünften hausen müssen ohne persönlichen Schutzraum?
Wer bringt Licht dorthin, wo das Dunkel ist?

Jesu Jünger müssen die ersten sein, die für die Menschen eintreten, die ihre Heimat verloren haben:
Ob es nun Flüchtlinge sind aus fernen Ländern, oder Menschen, die in irgendeiner Weise in eine schwierige und hoffnungslose Lage geraten sind.
Jesu Jünger müssen die ersten sein, die andere aufrichten, die erlöschen­de Lebenskraft wieder entfachen und dabei helfen, eine neue Zukunft zu finden.
Und zwar deshalb, weil Jesus es vorgelebt hat;
deshalb, weil er den Kranken, den Menschen am Rande beisprang, denen die nichts galten, die sich ausgeschlossen hatten oder ausgeschlossen wurden.
Er vertrieb die bösen Geister der Selbstentwertung, der Angst, der Verzweiflung und gab den Menschen den Glauben zurück, dass sie zum Leben berufen sind, dass sie kostbar und wertvoll sind.

Dass Jesus mit seinem Leben vor 2000 Jahren und mit seiner Botschaft auch heute noch diese Kraft entfalten kann, liegt an uns, die wir uns nach ihm Christen nennen: es liegt an uns, dass wir nicht nur seinen Namen tragen, sondern wirklich als seine Jünger und Schüler handeln:
Der Geist Gottes kam auf Jesus herab, die Kraft und Weisheit Gottes war in ihm. In Gottes Kraft hat er gehandelt und die Menschen befreit.

Und er sagt: Ich lege meinen Geist in euch! Oder mit anderen Worten:
Meine, Gottes, Kraft ist in euch, damit ihr das Gute schafft.

5. Januar 2014: 2. Sonntag nach Weihnachten

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Wer ist Jesus eigentlich?

Viele halten Jesus für ein großes Vorbild der Menschlichkeit und schätzen ihn wegen der „Werte“ des Evangeliums.

Das ist auch berechtigt: denn Jesus ist ein Symbol für Barmherzigkeit, Frieden, Versöhnung und Einheit. Wer in dieser Weise auf Jesus hört und innerlich seiner Lehre zustimmt, kann sicher sagen, dass er an Jesus glaubt.

Ist das alles? Jesus als Vorbild der Menschlichkeit? – reicht das, um ihn zu verstehen?

Wohl ist die „Nächstenliebe“ zentral in Jesu Botschaft. Sie ist das wichtigste Gebot. Wie aber Jesus die Nächstenliebe deutet, geht weit über das hinaus, was unter Menschen, die es gut mit anderen meinen, üblich ist:
„Verkaufe alles, was Du hast!“ „Wenn Dich einer auf die linke Wange schlägt, halte ihm auch noch die rechte hin.“ „Wenn einer den Mantel von dir will, gib ihm auch noch das Hemd!“ „Der Größte unter euch soll der Diener aller sein!“ – Diese Aufzählung lässt sich fortsetzen. Das ist weit mehr als „lieb“ sein.

Jesus ist der Bote radikaler Nächstenliebe – ist damit umrissen und beschrieben, wer Jesus war?
Die vier Evangelisten sind sich darüber einig, dass es anders ist:
Die zentrale Botschaft Jesu ist: „Das Königreich Gottes ist mitten unter euch!“ Wenn ich sagen möchte, wer Jesus ist, muss ich als erstes sagen:

Er hat Gottes Reich verkündet und in ihm, seinem Handeln und seiner Verkündigung ist es angebrochen. Die Liebe Gottes zu seinen Kindern und zu seiner Schöpfung, sowie die Liebe zu Gott und zum Nächsten hat Jesus als das wichtigste im Reich Gottes erklärt.

Jesus hat also etwas mit Gott zu tun. Er versteht sich von Gott her und er lebt, um Gottes Willen zu tun und die Menschen für ihn zu begeistern.

Wer ist Jesus? – In welcher Beziehung steht Jesus zu seinem Gott, zum Gott Israels, den er seinen und unseren himmlischen Vater nennt?
Wer ist Jesus? Das lässt sich nicht beantworten, ohne auch darauf eine Antwort zu suchen.

Die Evangelien und die Briefe der Apostel reichen nachweislich bis ins erste Jahrhundert zurück, also unmittelbar bis zur Zeit des Lebens Jesu.
Diese Schriften aus der urchristlichen Überlieferung beantworten diese Frage mit dem Titel: „Sohn Gottes“!

Die Stimme aus dem Himmel sprach: „Das ist mein geliebter Sohn!“ Der Hauptmann unter dem Kreuz bekennt: „Wahrhaftig dieser Mensch war Gottes Sohn.“

Was aber ist damit gemeint? Was bedeutet Sohn Gottes?

Das Johannesevangelium kann dasselbe ausdrücken mit den Sätzen:
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott. Alles ist durch das Wort geworden. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“

Lukas kann es ausdrücken mit der Geschichte vom Engel Gabriel, der Maria die Botschaft bringt. Matthäus beschränkt sich auf die Bemerkung: „Es zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete durch das Wirken des Heiligen Geistes.“
Wir Theologen heute sprechen in abstrakter objektivierter Sprache von der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus.
Die früheren Theologen sagten: Er ist eines Wesens mit dem Vater, gezeugt nicht geschaffen.“

Jesus ist der Sohn Gottes – das sagen wir Christen aller Konfessionen.
Es ist eine größte innerliche Nähe zu Gott angesprochen.
Es ist eine Sendung von Gott her angesprochen.
Wer mich hört, hört den Vater im Himmel! Ich bin gesandt, um seinen Willen zu tun.

Doch über all dem brauchen und sollten wir nicht vergessen: Jesus sagt: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater! Wir sind als Söhne und Töchter Gottes – jedenfalls, wenn wir an Jesus, den Sohn Gottes und an sein Wort glauben.

1. Januar 2014: Neujahr

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„Kommt, wir gehen nach Bethlehem!“ sagten die Hirten zueinander – so folgten sie der Botschaft: „Euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, der Messias, der Herr!“
Die Hirten kommen also zum Stall und finden Maria und Josef und das Kind in der Krippe. Wenn sie die Aufgabe des Evangelisten hätten, wie würden sie die Begegnung der Hirten mit der Heiligen Familie beschreiben?

Lukas entwickelt die Szene sehr logisch und verständlich, finde ich: Die Hirten erklären, warum sie zum Stall gekommen sind.
Der Bericht der Hirten versetzt „alle“ die sie hörten in „Staunen“, selbst Maria, die das Kind empfangen und zur Welt gebracht hatte. Sie bewahrte alles in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

Die Hirten aber kehrten zu ihrer Herde zurück und waren voll Freude und priesen Gott – so wie die Engel, die ihnen die frohe Botschaft verkündet hatten.

Schwestern und Brüder,  das Lukasevangelium stellt besonders heraus, dass Jesu den Armen und Kranken und Sündern das Reich Gottes verkündete und ihnen die Rettung, die Versöhnung brachte – also den Menschen, die Grund hatten, mit ihrem Leben, ihrer Geschichte, ihrem Schicksal und mit sich selbst unzufrieden zu sein – so wie die Hirten auf dem Feld.

Ihnen verkündet Jesus den Frieden! Ihnen verkündet Jesus, dass Gott sie liebt – sie, die von aller Welt schief angeschaut und verachtet werden. „Gott straft sie für ihre Sünden“ so redet man von ihnen. –
Jesus aber sagt: Kommt zu mir. Ich lege euch keine schweren Lasten auf. Bei mir findet ihr Ruhe und Frieden!“

In den Hirten dürfen und sollen wir  uns erkennen:  Zu ihnen dürfen wir uns stellen. Mit ihnen hören wir die Botschaft des Friedens, der Versöhnung, der Befreiung vom Zwang des Gesetzes.
Deshalb haben wir die Geburt Jesu gefeiert.

Jetzt, da wir Jesus gesehen und gehört haben, jetzt, da wir zum Glauben gekommen sind, dass wir Gottes geliebte Kinder sind, jetzt können wir es wie die Hirten machen:
Gott loben und preisen und zur Herde zurückkehren – also zu unseren täglichen Aufgaben.
Wir müssen nicht unser ganzes Leben ändern, damit Gott uns liebt!
Wir müssen nicht darauf warten, dass wie durch einen Blitz alles ganz anders und besser wird!
Nein: in unser Leben hinein klingt die Botschaft: Euch ist der Retter geboren! Bei ihm findet ihr Frieden!
Das macht uns Mut – heute am ersten Tag eines neuen Kalenderjahres – nachdem wir die Geburt Jesu gefeiert haben:

In unserem Leben – so wie es ist und werden kann – finden wir ihn, der uns Frieden gibt.

31. Dezember 2013: Messfeier zum Jahresschluss

Lesungen:
1. Lesung: Weish 7, 7-11 (28. So. LJ B)
2. Lesung: Röm 12,3-13 (ML VIII S. 315)
Ev: vom 28. Sonntag LJ B oder Lk 18,15-30

Der Jahreswechsel ist Anlass, auf das vergangene zurückzuschauen: auf Gutes und Schlechtes. Manches ist schief gelaufen, manches ist gut geworden.

Nicht vergessen sollten wir die vielen ganz normalen Tage. Die vielen – scheinbar selbstverständlichen – Dinge: das tägliche Brot, die Wärme, die Kleidung, die Gesundheit, Glück hat, wer sich darum nicht kümmern muss.

Vielleicht gab es wichtige Entscheidungen, in denen Weichen gestellt wurden für die kommende Zeit: Für die Pfarrei Herz Jesu war von Bedeutung die Weihe des neuen Bischofs – die Erkrankung des Pastoralreferenten, des Mesners, die Wahl Franzikus‘ zum neuen Bischof von Rom. (Pfarrhaus).

Das alles ‑ was war – soll das Leben nicht beschweren:
Die Freude über das Gute soll mich nicht verführen stehen zu bleiben und die Erfolge wie Trophäen vor mir hertragen.

Die Trauer, der Schmerz über das Schlechte sollte mich nicht unendlich belasten: Es soll mich nicht verführen, in Pessimismus zu verfallen oder in Selbstmitleid. Es soll nicht die Gedanken blockieren und das Herz nicht verfinstern.

Gutes und das Schlechtes sind ein Teil meines Weges, der nun hinter mir liegt und der weiter führt:

Wenn wir wandern tragen wir einen Rucksack mit dem, was wir brauchen. Auch auf der Lebensreise haben wir sozusagen einen Rucksack dabei.

Kennen sie die Erfahrung, dass der Rucksack immer schwerer wird?
Es sammeln sich viele Dinge an: Was ich geleistet und erreicht habe;
wie sehr ich mich anstrengen musste, was ich erdulden musste ‑
das alles ist mir wertvoll und teuer. Es ist mein Leben, ich will es nicht lassen. Es ist mein.

Je schwerer der Rucksack ist, weil immer mehr dazu kommt, desto öfter muss ich Pause machen und alles hervorholen, es auspacken, damit ich meine Geschichte erzählen kann – damit ich mir bewusst werde, dass ich viel bewirkt habe und mir Lob und Aufmerksamkeit verdient habe.
Es besteht sogar die Gefahr, dass der Proviant keinen Platz mehr hat.

Die Jahreswende kann ein guter Anlass sein, um den Rucksack zu entlee­ren, um das Gewicht zu vermindern, damit die Lebensreise leichter wird.
Die Jahreswende kann ein Anlass sein, den Proviant wieder aufzufüllen:

Die Erfahrungen sind dabei wertvoll, weil sie wichtige Hinweise geben, was ich wirklich brauche; was wirklich in meinen Rucksack gehört, damit ich den Weg des Lebens gehen kann?

Ich brauche Nahrung, die mir Kraft gibt:
Stark macht mich die Hoffnung, die Gott mir gibt;
stark macht mich das Vertrauen in die Gemeinschaft, die mir hilft dass ich das Ziel erreiche.

Den Weg finde ich, wenn ich das Ziel kenne und nicht aus dem Blick verliere:
Das Wort Gottes, die Seligpreisungen, und die vielen guten Erfahrungen vermitteln mir eine Ahnung, wie das Ziel aussehen wird.

Ich brauche eine Karte und Wegmarkierungen, die mir helfen, die Orientierung nicht zu verlieren und auf dem Weg zu bleiben:
Die zehn Gebote, das Gebot der Liebe, die Wegbeschreibungen der Erfahrenen weisen mir den Weg und bewahren mich vor manchen Irrwegen

Einer dieser Vorgänger, dessen Wegbeschreibung helfen kann, auf dem Weg zu bleiben, ist Nikolaus von der Flüe. Er hat so gebetet:

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Ich möchte mir dieses Gebet zu eigen machen und mache mir dazu meine Gedanken:

Vater, nimm mir meine Angst, meine enge Sicht; befreie mich von Habgier und Geiz, von Feindschaft und Neid; und von allem, was mich hindert auf dem Weg weiter zu gehen, den du mir zeigst:

Vater, gib mir, was mir hilft, auf diesem Weg zu bleiben:
Lass mich dein Wort verstehen; lass mich finden, was ich zum Leben brauche; halte mich in der Gemeinschaft der Glaubenden; erhalte mein Vertrauen in dich und in die Versprechen, die du mir im Glauben machst.

Vater, nimm mich mir und bewahre mich davor, mich allzu wichtig zu nehmen; befreie mich von meinem Stolz und meiner Eitelkeit,

und gib mich ganz zu eigen Dir, damit ich den Frieden suche und die Versöhnung, damit ich Barmherzigkeit finde und in deinem Licht leben kann. Amen.

Ich lade sie dazu ein, mit diesem Gebet das vergangene Jahr zu beschließen und in das neue hinüberzugehen.
Beten wir es gemeinsam als das allgemeine Gebet der Gläubigen um Gottes Barmherzigkeit am Jahreswechsel. Amen.

GL 5,1

25. Dezember 2013: Weihnachten

Geburt JesuHier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Schwestern und Brüder,
Das haben sie sicher schon erlebt: Man sitzt abends zusammen, man plaudert, es ist gemütlich, allmählich wird es dunkel – irgendwann schaltet jemand das Licht ein – es ist wie eine kalte Dusche! Die Gemütlichkeit ist dahin.

Wir haben gerade gehört: „Das Licht kam in die Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“
Das Licht ist Christus, der das Leben in sich hat, das Leben, das durch Gottes Wort wurde und wird.
Finsternis, das ist die Welt für sich allein. Angefüllt mit Gewalt, Feindseligkeit und Tod. Finsternis, das ist der Kampf der Lebensformen um Lebensraum. Wer ist geschickter, wer ist schneller, wer ist stärker in der Fortpflanzung, in der Fähigkeit, sich auf die Lebensbedingungen einzustellen.

Christus, das Licht, der das Leben in sich hat, kam in die Welt. Er fand nicht viele Freunde in der Welt. Man hatte für ihn keinen Platz – nur das Kreuz!

Christus kam nicht vergebens in die Welt. Sein Licht hat andere erleuchtet, die durch ihn selbst zu leuchten begangen – und davon will ich heute am Weihnachtstag sprechen:

Schwestern und Brüder; die ihn aufnehmen, werden durch ihn Kinder Gottes, sie sind – ebenso wie Christus – aus Gott geboren, weil Gottes Leben und Licht in ihnen ist.
In uns ist das Licht, in uns ist sein Friede, in uns ist seine Herrlichkeit und Vollkommenheit!

Zählen wir einmal die Gnaden auf, die wir als Kinder Gottes empfangen und die durch uns in die Welt kommen:

Die erste große Gabe ist das Teilen: Gott teilt sein Leben mit uns.
Das Teilen ist unsere Wesensart: wir teilen das Brot mit denen, die keines haben, wir teilen die Freundlichkeit mit denen, die am Rande stehen, wir teilen die Geborgenheit mit denen, die in Unsicherheit leben. Wir teilen das Leben!

Die zweite große Gnade und Gabe, die wir empfangen haben ist die Hoffnung: Gott lässt seine Schöpfung, der er das Leben einhaucht, nicht zugrunde gehen. Die Welt, die Menschen habe Zukunft. Zuletzt ist Gott selbst die Zukunft für jeden einzelnen, denn Gott vergisst keinen und für Gott ist keiner gestorben.

Die dritte große Gabe und Gnade, die Gott uns schenkt, ist die Freude:
die Freude der Kinder Gottes über all das Schöne und Gute, das wir in dieser Welt finden und erleben dürfen: über jedes neu geborene Kind, über die Vielfalt der Tiere und Pflanzen in all ihrer Schönheit, über die Wärme der Sonne und das Leuchten der Sterne – Wir Kinder Gottes freuen uns an der Schöpfung und über die Schöpfung.

Die Gaben und Gnaden sind so vielfältig, dass sie nicht aufgezählt werden können, umso weniger je mehr wir einzelne Beispiele erwähnen:

Doch eine vierte Gabe und Gnade will ich noch nennen:
die Barmherzigkeit! Gott sagt JA zu jedem Menschen. Er sagt JA zu dieser Schöpfung und er zieht sein Ja niemals zurück.
Alles darf sein! Gott schließt niemanden aus. Was immer auch ein Mensch tut, wie sehr er sich auch verfehlen mag, wie schwach und gebrechlich er auch ist – Gott sagt JA zu dir!

Die Barmherzigkeit dürfen wir in der Welt vor den Menschen leben und sichtbar machen, indem wir uns für das Leben einsetzen und uns besonders denen zuwenden, die im Wettstreit um die besten Plätze das Nachsehen haben.

Die Barmherzigkeit bewahrt uns davor, andere zu verurteilen und den Stab über sie zu brechen: So hat Christus es uns vorgelebt:
Er hat niemanden gekreuzigt, sondern ließ sich ans Kreuz schlagen, um denen zu vergeben, die ihn verurteilten und die das Urteil vollstreckten.

Schwestern und Brüder, „aus seiner Fülle haben wir alle empfangen“ ruft das Johannesevangelium begeistert in die Welt hinein.

Nehmen sie sich doch Zeit – wenn Sie mögen – und denken sie nach:
Was haben sie alle empfangen, weil sie Christus aufgenommen haben und ihm nachfolgen.

22. Dezember 2013: 4. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Werden wir Menschen es schaffen, dass es gut mit der Welt weitergeht?

Werden wir die Umweltprobleme begrenzen können und unsere Lebensweise verändern – oder werden wir weiter selbst unsere Lebensgrundlage vergiften, so dass das Leben von Milliarden Menschen bedroht ist, weil ihr Lebensraum zugrunde geht?

Werden wir die Konflikte zwischen China, Russland, Europa und Amerika friedlich lösen – oder führen die wirtschaftlichen Egoismen zu einer existenzgefährdenden Auseinandersetzung – militärisch oder wirtschaftlich?

Werden wir die Armut in Afrika und ihre regionalen und weltpolitischen Ursachen überwinden können – oder versinkt ein ganzer Kontinent über lange Zeit in Bürgerkriegen, Unselbstständigkeit und Grausamkeit?

Man könnte manchmal meinen – wir haben die Probleme im Griff – es gelingt uns, Frieden und Gerechtigkeit zu errreichen.
Doch genauso kann man befürchten: der Egoismus, die Rücksichtslosig­keit, die Maßlosigkeit, die vielen jetzt Wohlstand und sogar Reichtum bescheren, sie werden sich ins Gegenteil verkehren – und dann?

Wer kann der Menschheit helfen, durch alle Krisen und Verirrungen hindurch den Weg zu finden, der für möglichst viele Geborgenheit, Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit bedeutet?

Wir brauchen keinen, der zuerst alle anderen entmachtet – mit welchen Mitteln auch immer.
Wir brauchen keinen, der sagt: Ich werde den Frieden bringen – deshalb müssen die anderen beseitigt werden.

Wir brauchen einen, der uns hilft daran zu glauben, dass die Verirrungen der Vergangenheit und Gegenwart uns nicht fesseln müssen.
Wir brauchen einen, der uns Hoffnung gibt, dass es nicht vergebens ist, wenn man sich für Frieden und Versöhnung einsetzt – statt seine eigenen Ansprüche durchzusetzen.
Wir brauchen einen, der uns Vertrauen gibt, dass es nicht zu spät ist, sondern dass es immer auf den gegenwärtigen Augenblick ankommt.

Wir brauchen einen, der uns sehen hilft, dass die Liebe das Größte ist –
die Liebe, mit der jeder Mensch geliebt ist, der das Licht der Welt erblickt,
die Liebe, zu der jeder Mensch befähigt ist, weil sie ihn glücklich macht und frei.

Schwestern und Brüder, der unsere Hoffnung stärkt, und uns Vertrauen gibt und Liebe weckt,
der kann uns helfen, dass wir den Weg finden:
dass wir unsere Menschlichkeit entwickeln und das Unmenschliche immer mehr überwinden.
Er verdient, dass wir ihn Retter nennen, weil er uns davor bewahrt, Unheil anzurichten und der Verzweiflung anheim zu fallen.

Ich weiß keinen anderen außer Jesus, der unsere Herzen mehr dazu bewegen kann.
Er kann auch heute die Herzen, unsere Herzen bewegen, weil er wahrhaftig der Immanuel ist, der „Gott ist mit uns!“.
So, wie Jesus beim Abschied zu seinen Jüngern sagt: „Ich bin bei euch – alle Tage, bis zum Ende der Welt!“

Bußgottesdienst Advent 2013: „Im Gleichgewicht“

Dreifaltigkeit – Ikone von Andreij Rubljowes

dreifaltikeit andreij rubljow

„Im Gleichgewicht“

ERÖFFNUNG

Gesang zur Eröffnung       GL 116/1-2

Einführung:  Schwestern und Brüder!
Advent – Ankunft – Ein Wort, das andeutet, das wir in diesem Leben unterwegs sind.
Wohin? Was ist unser Ziel in dieser Welt?
Was wollen wir erreichen, solange wir leben?

 GEBET
Hilf uns, Gott, dass wir in diesen Tagen die Ankunft deines Sohnes voll Freude erwarten.
Nimm alle Trägheit von uns und mache uns bereit, zu wachen und zu beten,
damit uns Christus nicht schlafend findet, wenn er kommt und anklopft.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Verkündigung und Gewissenserforschung

Lesung aus dem Buch Leviticus: Lev 19,9-18

Wenn ihr erntet, sollt ihr euer Feld nicht bis an den Rand abernten und keine Nachlese halten.
Auch eure Weinberge sollt ihr nicht ganz ablesen und die heruntergefallenen Trauben nicht aufheben.
Lasst etwas übrig für die Armen und für die Fremden bei euch. Ich bin der HERR, euer Gott!

Vergreift euch nicht an fremdem Eigentum. Belügt und betrügt einander nicht.
Missbraucht nicht meinen Namen, um etwas Unwahres zu beschwören; denn damit entweiht ihr ihn. Ich bin der HERR!
Erpresst und beraubt nicht eure Mitmenschen. Wenn jemand um Tageslohn für euch arbeitet, dann zahlt ihm seinen Lohn noch am selben Tag aus.
Sagt nichts Böses über einen Tauben, der es nicht hören und sich nicht wehren kann, und legt einem Blinden keinen Knüppel in den Weg.

Nehmt meine Weisungen ernst: Ich bin der HERR!

Wenn ihr einen Rechtsfall zu entscheiden habt, dann haltet euch streng an das Recht.
Bevorzugt weder den Armen und Schutzlosen noch den Reichen und Mächtigen.
Wenn ihr als Richter über einen Mitmenschen das Urteil sprecht, darf allein die Gerechtigkeit den Maßstab abgeben.

Verbreitet keine Verleumdungen über eure Mitmenschen.
Sucht niemand dadurch aus dem Weg zu schaffen, dass ihr vor Gericht falsche Anschuldigungen gegen ihn vorbringt.

Ich bin der HERR!

Wenn du etwas gegen deinen Bruder oder deine Schwester hast, dann trage deinen Groll nicht mit dir herum.
Rede offen mit ihnen darüber, sonst machst du dich schuldig.
Räche dich nicht an deinem Mitmenschen und trage niemand etwas nach.

Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. Ich bin der HERR!‘

Wort der Heiligen Schrift

Lied:               Wohl denen, die da wandeln                    GL 614/1+3

Evangelium Mt 22,34-40 Das wichtigste Gebot

35    Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, stellte Jesus eine Falle. Er fragte ihn:
36   „Lehrer, welches ist das wichtigste Gebot des Gesetzes?“

37    Jesus antwortete: „’Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand!‘
38    Dies ist das größte und wichtigste Gebot.
39    Aber gleich wichtig ist ein zweites: ‚Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!‘
40    In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern.“

Ansprache:
Im Gleichgewicht – vielleicht denken Sie zunächst eher an eine Waage, die man mit Gewichten ins Gleichgewicht bringt – so wie früher auf dem Markt oder beim Gemüsehändler.

Diese Art von Gleichgewicht ist auf Ausgleich bedacht: zwei Gegenüber sollen sich möglichst ausgleichen. Dieses Gleichgewicht kann notfalls sogar ein Gleichgewicht des Schreckens sein – wie wir es aus der Politik der 60er bis hin zu den 80er Jahren kennen.

Man könnte auch an eine Akrobatin denken, die auf einem Hochseil das Gleichgewicht hält, um nicht abzustürzen.

Ich denke jetzt aber an eine andere Art des Gleichgewichts – an ein Gleichgewicht, um das wir uns andauernd selber bemühen – und das wichtig ist, damit wir uns glücklich nennen können.

Ich möchte im Gleichgewicht sein, ich möchte die Balance behalten, in mir selbst, so dass sich ein Gefühl der Geborgenheit einstellt und ich mich ausgeglichen fühlen kann.

Diese Ikone des russischen Mönches und Ikonenmalers Rubljow (etwa 1411) stellt an und für sich die Dreifaltigkeit dar. Es ist eine Drei-Einheit, die geradezu ein Idealbild darstellt, für das Gleichgewicht der drei Angesichter Gottes.

Nicht zwei stehen sich gegenüber, sondern durch den dritten entsteht eine Harmonie, eine Ausgeglichenheit, die zwischen zwei so nicht möglich wäre.
Jede der drei Gestalten wendet sich segnend mit seiner rechten der anderen zu. Jeder hält den Stab in der Hand. Zwei schauen auf den einen und der sieht zu beiden.
Zu dieser Art des Gleichgewichts sind wir Menschen berufen, wenn wir Abbild Gottes genannt werden.

Eine Dreiheit entsteht, wenn wir uns öffnen:
Die eine Seite öffnet sich hin zu den Menschen, mit denen wir leben, mit denen wir zu tun haben, die uns irgendwie begegnen.
Die andere Seite öffnet sich hin zu Gott, zu unserem Ursprung und Ziel, zu dem, der uns Anteil gibt an seinem Leben und ebenso all den anderen, die mit uns diese Erde bewohnen.

Wir öffnen uns nach zwei Seiten hin – doch zugleich bleiben wir bei uns selbst und brauchen uns in den Beziehung nicht verlieren.
Unser Leben ist im Gleichgewicht gehalten von den drei Polen: Ich – Du – Gott!

Wenn ich mich nur um mich kümmern würde, würde ich mich in mir selbst einschließen und verkümmern und verdorren.
Wenn nur mehr bei anderen wäre, bin ich in Gefahr, mich zu verlieren.
Wenn ich die Mitmenschen vergesse – oder auch Gott ausklammere – dann wird das Leben zweidimensional.
Viel leichter kann die Ordnung durcheinander kommen und ich komme aus dem Gleichgewicht.

Im Gleichgewicht sein, ausgeglichen sein, dieser glückliche Zustand wird beschrieben in dem Doppelgebot, dass alle anderen Gebote zusammenfasst:
Die Gebote können und sollen dem Menschen helfen, dass er im Gleichgewicht bleibt: Ordnung und Anpassungsfähigkeit, Ich und Du, Ruhe und Aktivität, Haben und Teilen sind nicht sich ausschließende Gegensätze, sondern einander bereichernde Pole.

Das Doppelgebot Jesu – oder ist es ein Drei-Gebot? – hilft uns und beschriebt, wie wir ausgeglichen und im Gleichgewicht sein und bleiben können: Ich – DU – Gott – das sind die drei Pole, zwischen denen wir uns bewegen können. In diesem Dreieck finden wir, was wir suchen:
Kraft und Geborgenheit und Offenheit.

Diese drei Pole bilden für uns den Raum unseres Lebens.
Jetzt dürfen wir nacheinander und unter verschiedenen Aspekten unser Leben zwischen diesen drei Polen in den Blick nehmen:

Meine Sorgen
Jedes menschliche Leben kennt Höhen und Tiefen. Jesus hat gesagt: „Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Sorgt euch nicht um Morgen, denn jeder Tag hat seine eigene Sorge.“ Gelassenheit hat ihre Wurzel im Grundvertrauen auf das Leben, auf andere Menschen, auf Gott. Im Vertrauen, dass es gut werden wird

  • Was mache ich, wenn manche Dinge nicht nach meinen Plänen laufen? Wie reagiere ich?
    Wie möchte ich gerne reagieren? – Pause
  • Wie sehr nehmen mich die Sorgen um mich, um meine Gesundheit, meinen Beruf oder meine finanziellen Mittel in Beschlag?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

V: Mein Umgang mit den Mitmenschen
Wir leben in verschiedensten Beziehungen: in der Familie, in der Nachbarschaft, im Kollegen- und Freundeskreis. Diese Menschen nehmen uns und manchmal auch unsere Hilfe in Anspruch.

  • Merke ich, wenn jemand mich braucht? Nehme ich manche Mitmenschen und ihre Anliegen nicht ernst? – Pause
  • Sehe ich in erster Linie nur mich selber und meine eigenen Wünsche?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

V: Verzeihen können
Menschen machen Fehler. Manchmal erhalten wir von anderen nicht die richtige Aufmerksamkeit oder Anerkennung. Manchmal werden wir verletzt durch Worte oder Gesten. Manchmal fügt uns jemand absichtlich oder unabsichtlich Schaden zu. Im Vaterunser beten wir: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

  • War ich nachtragend gegenüber jemandem?
    Bin ich mit jemand zerstritten? – Pause
  • Habe ich Geduld mit anderen Menschen und ihren Unzulänglichkeiten, ihren Eigenheiten? – Pause
  • Wann habe ich zuletzt jemand um Verzeihung gebeten?
    – Pause
  • Verleugne ich meine Schuld? Bin ich rechthaberisch?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

V: Mein Konsumverhalten und meine Bereitschaft loszulassen
Wir brauchen vielerlei Dinge zum Leben: Nahrung, Wohnung, Wärme, Kleidung, um nur einige Grundbedürfnisse zu nennen. Es kann allerdings geschehen, dass wir diese Dinge, die unser Leben erleichtern sollen, zum Lebensinhalt machen.

  • Wie sehr bin ich darauf fixiert, bestimmte Dinge zu besitzen? – Pause
  • Unterstütze ich die Hilfswerke, die Menschen in Not helfen, so dass sie ihre Situation verbessern können? – Pause
  • Fällt es mir schwer auch einmal auf etwas zu verzichten? Bin ich geizig oder kann ich gut Dinge abgeben?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

V: Umgang mit sich selbst: Das Gebot heißt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das heißt: Ich darf und soll auch mich und meine Bedürfnisse achten und ernst nehmen.

  • Wie gehe ich mit mir selbst um?  Höre ich auf meine innere Stimme?
    Traue ich mir, einen eigenen Standpunkt zu haben?
    Achte ich auf meine Bedürfnisse nach Ruhe, Aktivität, Entspannung, Stille und Unterhaltung? – Pause
  • Fordere ich mehr von mir, als ich leisten kann?
    Oder gebe ich mich zu schnell zufrieden?
    Kenne ich die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit?
  • Bewerte ich mein Leben nach meiner Leistungsfähigkeit? Gibt es Genussmittel, nach denen ich süchtig bin?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

V: Gebet, Pflege der Beziehung zu Gott
Der Prophet Jod fordert zum Gebet auf. Denn er vertraut darauf, dass vom Herrn die Rettung kommt.

  • Wie steht es um mein Gebetsleben? Bete ich regelmäßig? Vertraue ich mich im Gebet Gott an oder stellt mein Gebet eher eine Pflichtübung dar? – Pause
  • Wann suche ich die Begegnung mit Gott und die Gemeinschaft der Glaubenden im Gottesdienst?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

LIED             Herr, deine Güt ist unbegrenzt                   GL 289/1+2

 Buße und Versöhung

Schuldbekenntnis – Vergebungsbitte

Gott will unser Heil. Er will, dass wir im Einklang stehen, mit ihm, mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen. Manchmal verlieren wir die Balance, achten zu wenig auf uns selbst, verlieren Gott aus dem Blickwinkel oder sind gleichgültig gegenüber anderen und ihren Bedürfnissen. Deshalb bekennen wir vor Gott und voreinander unsere Schuld und bitten miteinander und füreinander um Vergebung.

Wir sprechen das Schuldbekenntnis:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben. – A: Amen.

Der Glaube dass Gott uns treu ist in seiner Liebe und Zuwendung hilft uns, dass wir immer wieder die Balance suchen und finden.  Halten wir nochmal einige Augenblicke Stille und überlegen, wie wir unsere Balance in den nächsten Wochen besser halten können: durch mehr Augenmerk auf uns selbst, auf Gott oder auf Mitmenschen.

2 Min. Orgelmusik: Variation zu GL 289

Vater Unser – Friedensgruß

Durch Jesus haben wir jene Freiheit erlangt, in der auch wir Gott unseren Vater nennen dürfen. So wollen wir nun beten:

A: Vater unser im Himmel …

Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch. – A: Und mit deinem Geiste.

Gebt einander ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung.

ABSCHLUSS

Gebet
Himmlischer Vater, wir danken dir, dass du ja zu uns sagst.
Du bist eins mit deinem Sohn und mit dem Heiligen Geist.
Eins im Wollen, eins in der Liebe, eins im Vollbringen.
Hilf uns, dir immer ähnlicher zu werden, und in Einheit zu leben.
Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus im Heiligen Geist. Amen

Lied                Den Herren will ich loben                                   GL 261

SEGEN

Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt;
Er segne und heilige euch durch das Licht seiner Gnade.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. – A: Amen.

Bußgottesdienst im Advent „Im Gleichgewicht“, angeregt von und unter Verwendung der Vorlage „Richtet euch auf“, Deutsches Liturgisches Institut

24. November 2013: Christkönigssonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Kreuz Worms 2Jesus war mit seinen Jüngern in Jerusalem eingezogen. Das Volk hatte ihn begrüßt mit den Freudenrufen: „Hosanna dem Sohne Davids. Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn!“

In den Tagen danach stritten die Jüngern, wer von ihnen der Größte sei. Jesus wies sie zurecht und sagte: (Lk 22)

25 Die Könige herrschen über ihre Völker und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. 26 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste und der Führende soll werden wie der Dienende. 27 Ich bin unter euch wie der, der bedient.

Jesus ist der Retter und Erlöser der Armen und Kleinen!
Die Reichen und Mächtigen mit ihrer Selbstherrlichkeit sieht Jesus als diejenigen, die die Armen und Kleinen unterdrücken und ausnützen.
Dagegen protestiert Jesus energisch.
Unter seinen Jüngern jedenfalls soll ein anderer Geist herrschen:  sie sollen füreinander da sein, sie sollen keine Vorrechte beanspruchen; sie sollen sich nicht bedienen lassen, sondern sollen anderen dienen.

Jeder kennt solche selbsternannten Könige: sie versuchen, ihren Willen durchzusetzen und über andere zu bestimmen – nach ihren eigenen Interessen. Jeder hat damit Erfahrungen …
Manchmal verhalten wir selbst uns als kleine selbst ernannte Könige.

Schon am Tag darauf steht Jesus vor Pilatus und antwortet auf die Frage: Bist du der König der Juden schlicht und klar: „Du sagst es!“

Was ist königlich an Jesus Christus?
Er handelt königlich, weil er sich treu bleibt: trotz Erniedrigung und Verrat und obwohl ihn seine Freunde und Schüler im Stich lassen.
Er reagiert nicht mit Aggression, er wird nicht hysterisch.
Er steht fest in seinem Vertrauen und in seiner Hoffnung und verkündet dadurch und deshalb auch in dieser prekären Lage noch seine Botschaft, dass Gottes Reich allen Menschen offen steht und dass niemand das Recht hat, andere aus der Gemeinschaft mit Gott auszuschließen:

Nach der Antwort an Pilatus hören wir Jesus erst wieder sprechen, als er schon am Kreuz hängt. Da sagt er zu dem, der mit ihm gekreuzigt wurde:
„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“

Der hatte ihn nämlich gebeten: „Jesus denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst.“
Er schaute auf Jesus, der wie ein König aufrecht und seiner selbst gewiss, seinen Weg ging. Da bekam er die Kraft, zu seinem Leben zu stehen und entdeckte, dass er wie Jesus neben ihm eine Würde besitzt, die ihm kein Mensch nehmen kann.

Dann sagt Jesus seinen letzten Satz: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.

Während die mächtigen alles Mögliche unternehmen, während all der Hektik und Aufgeregtheit in ihrem Prozess behält Jesus die Ruhe: sein Weg musste ihn in Konflikt bringen – und jetzt war es soweit. Doch sah er vor sich das Leben – nicht den Tod.

Das ist ein Impuls für uns: Wenn ich meinen Weg gehe – und wenn ich mit mir und Gott im Reinen bin – dann kann ich wie Jesus königlich – also selbst bestimmt und gelassen – meinen Weg gehen – was auch kommen mag, ich brauche mich nicht zu ängstigen.

Gerne möchte ich mich in dem Verbrecher neben Jesus wiedererkennen:
Jesus macht ihm Hoffnung: Er wird Anteil haben an diesem Königtum Jesu und mit ihm im Paradies sein!

Genauso möchte Ich meine Hoffnung auf Jesus setzen.
Er gibt mir Anteil an seiner Kraft und seiner Hoffnung und an seinem königlichen Leben.

10. November: 32. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Schott

Das Evangelium heute führt uns mitten in die Frauenwelt des Orients:
Da spielte es scheinbar keine Rolle, ob eine Frau nach dem Tod ihres Mannes heiraten wollte – sie musste heiraten, wenn es möglich war:

1. Damit ihr Mann doch noch Kinder bekam und
2. Damit sie nicht der Armut und dem Elend preisgegeben war.

Witwe zu sein bedeutete in der Regel arm zu sein. Heute ist für die Frauen tatsächlich vieles besser geworden!

Liebe Schwestern und Brüder, es geht in diesem Streitgespräch allerdings nicht um die Situation der Frauen – es geht um eine religiöse Grundfrage:
Gibt es die Auferstehung der Toten und das ewige Leben – so wie Jesus es verkündet hat?

Wenn sie mit ihren Freundinnen und Nachbarn darüber sprechen, kann es ihnen wie Jesus ergehen: Die Sadduzäer wollten ihn und seine Botschaft der Auferstehung und des ewigen Lebens lächerlich machen.
Heute wird behauptet, der christliche Glaube an Gott, an die Auferstehung widerspräche der Vernunft und der Wissenschaft, sei unlogisch. Dieser Glaube behindere den Menschen mehr, sein Leben gut zu gestalten, als dass er ihm dabei hilft.

Liebe Schwestern und Brüder, wie Jesus sollten wir dann ebenfalls eine Antwort wissen:

Widersprechen sich die Leugner des Auferstehungsglauben nicht selbst,
wenn sie den Menschen und alle Lebewesen zu einer biochemischen Maschine degradieren, mit der nach dem Tod des Körpers alles aus ist?

Warum können Menschen „ich“ und „Du“ sagen?
Warum können sogar Tiere sich freuen?
Wie kann es sein, dass wir Menschen „nachdenken“ über das Leben und immer besser verstehen lernen, wie die Mechanismen des Lebens sind?

Wer leugnet, dass der Mensch Gottes Geschöpf ist und mit Geist und Seele begabt, widerspricht sich eigentlich selbst.
Gerade er setzt doch seine Fähigkeit des freien Denkens ein, um zu behaupten, dass alles nur biologischen Gesetzen gehorche.

Der Mensch ist mehr als Biologie:
Der Mensch hat eine Seele, er hat einen Willen und er hat Vernunft.

Deshalb fragt der Mensch auch nach seinem Ursprung, nach dem Ursprung der Erde und des Universums.

Dieser Ursprung kann nicht geringer sein als der Mensch, der nach seinem Ursprung fragt. Vielmehr ist die Welt durch seine Weisheit und Macht geworden.
Wie von selbst liegt der Gedanke nahe, dass er auch die Zukunft ist, dass er nicht nur am Anfang steht, sondern auch das Ziel ist:

Wir erwarten nicht den Tod, den Untergang des Seins,
sondern wir leben hin auf ein Ziel: dass wir bei ihm sein dürfen, von dem wir das Leben empfangen haben und der uns das Leben gibt.

Wir leben hin auf die Freude, auf das Licht, auf die Vereinigung mit Gott, den Jesus seinen himmlischen Vater nennt.
Von dieser frohen Erwartung ist unser Leben durchdrungen:
Diese Erwartung gibt uns Kraft, als Gottes Ebenbild, als Gottes Kind die Welt zu gestalten, so dass sie Gottes Willen entspricht:

Wir wissen, dass es wichtiger ist, gut und barmherzig zu handeln,
als möglichst viel für sich selbst aus dem Leben herauszuholen.

Diese Erwartung hilft uns in schweren Zeiten, dass wir nicht verzweifeln, sondern uns in Gottes Hand legen, der alles gut machen kann.

Diese Erwartung bewahrt uns davor, wie Räuber zu leben, denen es darum geht, möglichst große Beute zu machen. Die Fülle des Lebens müssen wir nicht mit allen Mitteln in dieser Welt erkämpfen, sondern Gott hält die Fülle des Lebens für uns bereit.

Das gibt uns die Kraft, jetzt für andere einzutreten und etwas zu tun, damit das Leben menschlicher wird und damit unsere Hoffnung sichtbar wird in dem Guten, das wir einander und anderen tun.