12.02.2017: 7. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
wann haben Sie das letzte Mal gestritten? mit wem? worüber? Darf man streiten?

Natürlich gibt es Streit unter Menschen und manchmal ist er unvermeidlich und sogar notwendig!
Auch Freunde, Eheleute und Lebenspartner haben oft gegensätzliche Interessen: Es kommt Konflikten. Und zu Ärger, Wut und Zorn!

Es heißt auch von Jesus, dass er voll Zorn und Trauer war über das verstockte Herz seiner Gegner, die ihn wegen einer Heilung am Sabbat verurteilten.
Hat Jesus damit gegen sein eigenes Gebot verstoßen: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“?

Er hätte dann sogar gegen ein Gebot der Thora verstoßen. Wir haben es gerade in der Lesung aus dem Buch Leviticus gehört: Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen Bruder tragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Lassen Sie mich dazu ein wenig ausholen:
Diese Stelle stammt aus dem sogenannten Heiligkeitsgesetz im Buch Leviticus. Es heißt so, weil in einigen Kapiteln Israel immer wieder aufgefordert wird: Seid heilig, denn ich euer Gott bin heilig.

Israel lebte damals nach dem Exil als kleine Gruppe rund um den Tempel. Der Glaube an Jahwe, der Gottesdienst im Tempel, die Einhaltung der Thora unterscheidet die wenigen Juden von der Mehrheit der Bevölkerung – ähnlich wie wir Kirchgänger heute eine kleine Gruppe sind. Diese kleine Gruppe der Israeliten, des Gottesvolkes, soll und will sich unterscheiden und etwas Besonderes sein unter den anderen Menschen.

Wir haben gehört: Wenn es zu Konflikten kommt, sollen die Israeliten den Bruder nicht hassen, sondern ihn zurechtweisen.

Ob dies Ruhe brachte? Wer lässt sich schon gerne zurechtweisen? Da verteidigt man sich. Man sucht alle möglichen Gründe, dass die Zurechtweisung zu Unrecht geschieht. Es ist eine der größten zwischenmenschlichen Herausforderungen, wenn man zurechtgewiesen wird.

Dennoch wird dieser Weg vorgeschlagen – im Gegensatz zum Hass.

Hassen bedeutet, den anderen auszugrenzen, sich nicht mehr verbunden fühlen, die Solidarität mit dem anderen aufkündigen.
Mit Hass sind nicht die Gefühle gemeint, sondern das Aufkündigen der grundsätzlichen Solidarität – nur dann kann es zur Rache kommen.

Du sollst dich an den Kindern deines Volkes nicht rächen und ihnen nichts nachtragen, sondern (im hebr. Urtext sind die Sätze durch das Wort „sondern“ verbunden) du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

Es geht also hier um Feindesliebe. Gerade die, mit denen die Solidarität, die Verbindung abzureißen droht, soll der Israelit lieben wie sich selbst.

Damit ist nicht die emotionale Liebe gemeint, die in Freundschaft und Ehe so viel Glück bringt. Damit ist gemeint, dem anderen Gutes zu wünschen und zu tun – eben mit ihm solidarisch zu sein.

Jesus übersteigert in der Bergpredigt dieses Gebot und gibt Beispiele dafür, was das konkret bedeuten kann. Freiwillig noch mehr geben, sich sogar doppelt schlagen lassen.

Er gibt uns aber auch eine Hilfe, wie wir den Hass überwinden können und stattdessen den anderen zurechtweisen und noch mehr Liebe erweisen:

Betet für die, die euch verfolgen!

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir für die beten, mit denen wir Streit haben, wenn wir für sie um den Segen Gottes beten, um Frieden und Wohlstand – sind wir dann och im Stande, Rache zu üben?

Und doch gibt es im Evangelium auch Hinweise darauf, wie man sich verhalten soll, wenn ein Bruder sein Unrecht auch vor Zeugen nicht einsehen will.

Das, was Jesus, was die ganze hl. Schrift, was Gott will, werden wir oft nicht umsetzen können. Denn es ist schwierig, Zurechtweisung anzunehmen und es ist schwierig, den Zorn zu überwinden. Auch für uns Christen. Wir brauchen Gottes Barmherzigkeit.

05.02.2017: 5. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder,
Manchmal fällt aufgrund von Unwettern oder technischen Störungen der Strom aus. Kein Licht mehr! Dann bricht Chaos aus. Panik.
Aber jeder weiß es: Ohne Licht gibt es kein Leben.

Schal, langweilig schmeckt jedes Gericht ohne Salz. Auch der Organismus funktioniert nicht ohne genügend Salz.

Licht und Salz: lebensnotwendig, große Wirkung auch schon in kleinen Mengen –
Jesus sagt zu Ihnen, zu uns: Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid das Licht der Welt!

Wie geht es ihnen damit, für ihre Mitmenschen wie Salz zu sein und wie Licht?
Sind ihre Kraft und ihr Licht bei den anderen gefragt?
Oder nehmen die es für selbstverständlich, dass immer Salz und Licht da sind.
Fühlen sie sich als Salz und Licht im Dauereinsatz?
Woher nehmen sie die Kraft dafür?

Worin besteht unser Salzen und Leuchten für unsere Mitmenschen?
Das macht die Lesung aus dem Buch Jesaja deutlich. Sie entstammt dem sogenannten Trito-Jesaja, dem dritten Jesaja –der jüngsten Schicht dieses Prophetenbuches. Sie entstand nach der Rückkehr Israels aus dem Exil. Die Isareliten werden gemahnt, als sie jammern, weil es immer noch nicht recht vorwärts geht mit dem Wiederaufbau von Gesellschaft und Stadt.

Teile an die Hungrigen dein Brot aus!
Nimm die Obdachlosen in dein Haus auf!
Bekleide die nur noch Fetzen am Leib tragen!
Sorge für Deine Verwandten!
Beende die Unterdrückung bei Dir!
Verleumde niemanden und zeige nicht mit dem Finger auf andere!
Dann geht im Dunkeln dein Licht auf.
Deine Finsternis wird hell wie der Mittag!

Liebe Schwestern und Brüder, das sind einfach verständliche Ermunterungen und Hinweise, wie das geht: Salz und Licht sein für die Menschen, mit denen wir leben.

Christen setzten dies seit Anfang um und leben danach: die Sorge für Menschen in jeglicher Not: materiell, seelisch, geistig moralisch war immer und ist auch heute DAS Merkmal jeder Kirche. Das ist sozusagen die DNA der Christenheit.
Deshalb gibt es so viele kirchliche Gesundheitsdienste, Beratungsstellen, pädagogische Einrichtungen … ‑ auch wenn dies heute in unserer Deutschen Gesellschaft zum größeren Teil durch Versicherungen und staatliche Leistungen finanziert wird.
Die Werke der Barmherzigkeit werden von den Kirchen heute – notwendigerweise – in professioneller Weise angeboten. Millionen Menschen nehmen sie dankbar an.

Schwestern und Brüder, auch in unserer Pfarrei und im Leben des einzelnen Christen werden die Werke der Barmherzigkeit geübt: täglich, oft unauffällig und im Verborgenen. Genau dadurch geschieht, was Jesus sagt: wenn die Menschen dies sehen, werden sie sich dem zuwenden, der uns so salzig und hell sein lässt: unserem Vater im Himmel.

Ich möchte ihnen als Ansporn und zu ihrer Bestätigung Gedanken des früheren Bischofs von Erfurt Joachim Wanke weitergeben, die er „moderne Werke der Barmherzigkeit“ für die Menschen in unserer Gesellschaft genannt hat:

  1. Einem Menschen sagen: Du gehörst dazu
    Viele Menschen fühlen sich unwichtig, unbedeutend, und werden an den Rand gedrängt: die Arbeits­losen, die Ungeborenen, die psychisch Kranken, die Ausländer usw. Das Signal: „Du bist kein Außenseiter!“ „Du gehörst zu uns!“ z.B. auch zu unserer Pfarrgemeinde, ist ein sehr aktuelles Werk der Barmherzigkeit.
  2. Ich höre dir zu
    Viele Menschen sind sehr allein: die alleinerziehenden Eltern, die trauern und sich zurückziehen, die alten Menschen, die keine Kraft mehr haben, um herauszugehen. Ich bin da. Ich höre dir zu. Das ist ein not-wendendes Werk der Barmherzigkeit!
  3. Ich rede gut über dich
    Viele erwähnen zunächst einmal das Gute und Positive am anderen, an einer Herausforderung sehen. Manchmal muss man Kritik üben und Widerstand-leisten. Oft fehlt aber ein grundsätzliches Wohlwollen für den anderen, für seine Anliegen und die Achtung seiner Person. Gut über den anderen reden! Gutes anerkennen – das ist eine Wohltat, die wir anderen viel öfter gönnen sollten.
  4. Ich gehe ein Stück mit dir
    Zuhören können und miteinander beraten – das ist sehr viel. Oft aber braucht es ein bisschen mehr, bis der andere Mut und Kraft hat, einen neuen Weg alleine weiterzugehen. „Ich helfe dir. Ich unterstütze dich bei deinem neuen Anfang! Du schaffst das!“ Das ist ein Segen für jeden, der etwas neues anfangen will.
  5. Ich teile mit dir
    Es wird immer Hilfe nötig sein für Menschen, die sich selbst nicht helfen können. Wer Geld und Dingen mit anderen teilt, lindert oft schlimmste Not und sorgt dafür, dass das Leben weitergeht.
  6. Ich besuche dich
    Ein Besuch ist etwas ganz besonderes. Gerade, wenn es einem schwer fällt herauszugehen. Der Besuch schafft Gemeinschaft und stärkt den Besuchten. So zeigen wir den anderen – ohne Worte – dass wir sie achten und dass Gott sie achtet.
  7. Ich bete für dich
    Wer für andere betet, schaut auf sie mit anderen Augen. Er begegnet ihnen anders. Sag es als Mutter, als Vater deinem Kind, deinem Enkelkind: Ich bete für dich! Tun wir es füreinander, gerade wenn es schwierig wird im Miteinander. So kann Gottes Barmherzigkeit unsere Ratlosigkeit und Trauer verwandeln in neue Hoffnung und Freude.

15.01.2017: 2. Sonntag im Jahreskreis

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Liebe Schwestern und Brüder!
Das ist meine Kommunionkerze und sie gilt mir wie meine Taufkerze:
Denn meine Taufkerze gibt es nicht. Ich weiß nicht, ob ich eine eigene hatte, oder ob bei meiner Taufe einfach eine Kerze angezündet wurde.

Am auffälligsten an dieser Kerze ist das große Christus Monogramm
mit den Buchstaben: Chi und Ro – den Anfangsbuchstaben des Namens „Christus“.

Wenn die Taufkerze an der Osterkerze angezündet wird, sagt der Taufspender:

Empfange das Licht Christi.
Christus hat dein Leben erleuchtet.
Du sollst in diesem Licht leben und selbst anderen leuchten,
bis du das Licht Gottes schaust in Ewigkeit.

Schwestern und Brüder,
Lichter – Kerzenlichter, Lichterketten, sind schön anzusehen.
Schön anzusehen sind in der Nacht die Fenster aus denen es hell leuchtet.

Licht ist etwas Wunderbares und es ist lebensnotwendig:
jedenfalls für die meisten Lebensarten auf dieser Erde. Ohne Licht – im Dunkeln – werden wir krank, viel leichter bekommen wir Depressionen, gehen zugrunde.

Die Sonne mit ihrem Licht, ihrer Wärme, genau im richtigen Abstand zur Erde, lässt uns leben und lässt die Pflanzen wachsen, von denen wir uns ernähren.

Wir brauchen noch ein anderes Licht: ein Licht, im übertragenen Sinn: ein Licht, das uns erfüllt, das unser Leben mit Freude erfüllt, mit Hoffnung und mit Sinn.

Dieses Licht ist Christus: Er ist das Licht, das uns erfüllt:

Durch ihn glauben wir, dass Gott gut ist und deshalb das Gute stärker ist und bleiben wird als das Böse – im andauernden Ringen der Kräfte auf dieser Erde. Nicht der Teufel, nicht das Böse, sondern Gott, der Gute, hat das sagen in der Welt.

Durch Christus glauben wir,
dass Gott uns aus Liebe erschaffen hat, um uns Anteil zu geben an seinem Leben und an seiner Freude. Durch Jesus glauben wir, dass Gott die Liebe ist, die sogar den Tod auf sich nimmt für den anderen.
So deutet es Johannes d. T. an: Seht das Lamm Gottes ….
Nicht Neid und Missgunst, nicht Hass und Gewalt herrschen über die Erde,
sondern die Liebe, denn Gott ist die Liebe.

Durch Christus sehen wir vor uns das Licht, das Leben;
nicht das Loch, in das man unseren Leichnam versenkt, von dem irgendwann nichts mehr übrig sein wird,
Unser Ende ist nicht das Feuer, das uns zu Asche verwandelt, die in einer Urne gesammelt wird, bis niemand mehr sie aufbewahren will.
Christus hat für uns den Tod überwunden – und uns Frieden geschenkt.
Nicht das Dunkel des Todes, sondern das Licht des Lebens, die Freude, zu leben – das ist unsere Zukunft.

Christus ist das Licht, das uns erfüllt – und nicht nur uns:
Bis an das Ende der Erde soll es leuchten,
die Güte Gottes soll allen Menschen bekannt werden.

Die Liebe Gottes gilt jedem Menschen in jedem Volk und zu jeder Zeit und an jedem Ort. Deshalb sind auch wir gesandt, unsere Liebe immer weiter werden zu lassen, so dass wir jeden Menschen lieben können, der uns begegnet.

Das Leben ist die Zukunft, die Gott für die Menschen bereithält.
Die Sorge für das Leben ist uns anvertraut: Wir werden uns immer besser bewusst, dass alles, was wir tun, anderen schaden oder nützen kann.
Hüten wir das Leben. Jedes Menschenleben, das Leben der Pflanzen und Tiere soll uns kostbar und wertvoll sein.
So wird sichtbar, dass Gott das Leben ist und dass das Leben die Zukunft ist.

06.01.2017: Erscheinung des Herrn

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Liebe Schwestern und Brüder,
die Sätze aus dem Jesaja Buch finde ich faszinierend:
Das sind Verheißungen an ein Volk, das trotz seiner Befreiung aus der Gefangenschaft in Babylon auch nach 20 Jahren immer noch nicht so recht auf die Füße kommt: ähnlich wie heute die Balkanländer, die immer noch festsitzen im Schlamassel der Armut und Bestechung.

Richte dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt!
Die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über Dir!
– während Finsternis die Erde bedeckt.
Deshalb wandern Könige zu deinem Licht! Sie alle versammeln sich bei Dir:
Auch die Söhne und Töchter des Volkes, die ausgewandert waren,
die dir den Rücken zugekehrt hatten; Auch sie kommen herbei!

Du wirst strahlen und beben vor Freude, wenn Du siehst, wie alle kommen mit ihren Reichtümern und Schätzen und in dein Land strömen.
Und sie verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.

Wer Menschen gewinnen will, wer sie begeistern will, muss ihnen etwas versprechen, etwas, das nur mit ihm und durch ihn zu erreichen ist!

Dieses Rezept funktioniert bis heute:
Jede Werbung, jede politische Kampagne wendet dieses Mittel an:
versprich den Menschen möglichst viel, damit sie zu dir kommen und dich unterstützen.

Ich bin solchen Versprechungen gegenüber mehr als skeptisch:
am meisten helfen sie dem, der wirbt: er verkauft, er wird gewählt,
er bekommt Unterstützung.

Doch in der Heiligen Schrift geht es um mehr als um wirtschaftliche und politische Versprechungen: Es geht um das, was Gott seinem Volk verspricht: dieses Volk ist nicht ein Volk unter anderen: es bildet sich aus Menschen aller Völker dieser Erde. Gott will auch nicht etwas von uns, er braucht unsere Reichtümer nicht, sondern er will uns seine Herrlichkeit schenken!

Liebe Schwestern und Brüder! Die Versprechungen des Jesaja richten sich ursprünglich an das Volk Israel.  Wir Christen aber beziehen sie auf das neue Volk Gottes, auf die Kirche – auch wenn wir uns bewusst sind, dass Gottes Versprechen an das Volk Israel nach wie vor gelten.

Das Matthäusevangelium erzählt die Geschichte von den Sterndeutern, die dem Stern gefolgt sind, der die Geburt des neuen Königs anzeigte.
Die Vertreter der Völker kommen zu Jesus, in dem die Herrlichkeit Gottes aufstrahlt. Und sie bringen ihm ihre Geschenke: Gold dem König, Weihrauch dem Sohn Gottes, Myrrhe dem Gekreuzigten.

Wie die Sterndeuter aus dem Osten erkennen auch wir in Jesus, die Herrlichkeit des Herrn. Sein Licht strahlt in die ganze Erde, wie das Licht der Sonne! Jeder der sein Licht sieht, darf kommen und erhält Anteil an seiner Herrlichkeit! Er schickt niemanden weg, weil er nicht wie wir Angst haben muss, dass das Licht nicht reichen könnte oder schwächer würde.
Das Heil, das von Gott kommt ist anders als unser Reichtum:
es ist und bleibt die Fülle des Heiles für jeden, der zu Christus kommt und bei ihm bleibt.

Wir wollen aber auch nicht mit leeren Händen zu Jesus kommen:
Wir bringen ihm unsere Gaben:

Unsere materiellen Möglichkeiten setzen wir ein, damit mehr Menschen in Sicherheit leben können. Lasst uns großherzig bleiben, bei den vielen Spendenaktionen für Menschen in Not.

Wir opfern ihm unsere Illusion, alles in der Hand zu haben und selbst zu bestimmen, was richtig ist: Wir öffnen uns für ihn und fragen immer wieder: was willst du, das ich tun soll?
Im Gebet und im Gottesdienst preisen wir ihn, den Herrn und Schöpfer der Erde und stellen uns unter seinen heilvollen Willen.

Wer in der Nachfolge Jesu lebt, hat auch Anteil an Jesu Leiden: Enttäu­schungen, Ablehnung, Verachtung, Erfolglosigkeit – wir schenken Jesus die Bereitschaft auch das anzunehmen und dennoch ihm und seinem Vater im Himmel zu glauben, der uns seine Güte schenkt.

01.01.2017: Neujahr

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Liebe Schwestern und Brüder
die nächsten 365 Tage werden wir die Jahreszahl 2017 benutzen, um festzuhalten, wann ein Brief geschrieben wird oder eine Einladung stattfindet. Stehen 2017 für sie persönlich besondere Ereignisse an?

Ein Jubiläum? Eine neue Aufgabe? Nehmen sie Aufgaben oder Sorgen aus dem vergangenen Jahr mit ins neue Jahr? Das, was wir bisher getan und übernommen haben, wirkt sich ja in unserer Zukunft aus: bestimmt weitgehend über das, was wir tun werden.

Zugleich aber gibt es die Überraschungen, die wir nicht vorhersehen können: Überraschungen verändern unsere gewohnten Abläufe: wir stellen uns auf die Veränderungen ein und versuchen uns sie in unseren Alltag zu integrieren.

Das Lukasevangelium schließt die Geburtsgeschichte von Jesus ab mit der Namensgebung: Acht Tage nach der Geburt wurde das Kind beschnitten und es erhielt seinen Namen: Jehoschua – verdeutscht: Jesus.

Der Name Jesu ist ein Versprechen, eine Verheißung, eine Zusage:
Übersetzt bedeutet er, wie sie alle wissen, Gott rettet!

Der Anfang des Kalenderjahres ist selbstverständlich Anlass, um vorauszudenken: was erwartet mich? was will ich tun? Was wird mich überraschen? Alle diese Gedanken werden begleitet von dem Grund-motiv, von einem Thema, das immer mitklingt: Gott rettet!

In 20 Tagen übernimmt der neue amerikanische Präsident die Regierungs-geschäfte in den USA. Die Vorzeichen, was schon geschehen ist, deuten darauf hin, dass sich vieles verändern wird.

In wichtigen europäischen Ländern sind heuer Wahlen, die von großer Bedeutung sein können für die Zukunft der europäischen Gemeinschaft.

Wie geht es weiter in den Kriegsgebieten der Erde?

Wie entwickeln sich die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei und Russland und Amerika?

Über all dem und auch über unseren persönlichen Entscheidungen, Veränderungen und Überraschungen steht als Überschrift: Gott rettet

Gott rettet, Gott ist mit uns.
Jesus ist bei uns, alle Tage, bis zum Ende der Welt.

Das gibt uns einen festen Halt und eine feste Richtung:
was immer auch geschieht – uns ist ein Gebot gegeben, das uns immer die Richtung weist: Jesus sagt:
Wer mir nachfolgt, wird das ewige Leben haben.

Wie kann ich Jesus nachfolgen? In meiner Situation?
Wie kann ich heilen? Wie kann ich trösten?
Wie kann ich Zeugnis dafür ablegen, dass Gott der einzige Herr ist?
Was kann ich tun für den Frieden?

Selbst, wenn ich Fehler mache,
selbst wenn ich meinen Aufgaben nicht gewachsen bin,
selbst wenn man mit Unrecht täte:

Bleibt die Zusage: Gott rettet dich! Er ist mit dir!
Und es bleibt das Gebot Jesu:
Wer mir nachfolgt, wird das ewige Leben haben.

So können wir getrost das neue Kalenderjahr beginnen,
all das weiterführen, was wir bisher begonnen haben,
unsere Pläne und Ziele verfolgen,
die Überraschungen, die sich einstellen, annehmen:

Denn immer gilt Jesu Gebot: Folge mir nach und vertraue darauf:
Gott rettet! Er ist mit Dir!

24. Dezember 2016: Christmette

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Liebe Schwestern und Brüder,
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
es ist der Messias, der Herr.

Das ist großartig! Den Retter der Welt brauchen wir:
damit die Menschen nicht mehr allzu menschlich, sondern wirklich menschlich sind.
damit niemand mehr Angst haben muss vor Gewalt und Tod;
damit niemand mehr Hunger leiden muss und Durst.

Doch das – liebe Schwestern und Brüder – wird ein Traum bleiben, fürchte ich, solange wir Menschen auf dieser Welt leben.

Nicht einmal der große und allmächtige Gott schafft das, dass alle Menschen friedliebend und gewaltlos sind. Er schafft es ja nicht mal bei mir. Denn ich bin nicht immer friedlich und auch wenn ich niemanden schlage nicht immer gewaltlos.
Selbst wenn ich gar niemand Böses will, passiert es, dass ich anderen zur Last falle und in ihnen Gefühle der Angst, Frustration und Enttäuschung hervorrufe.

Ja, es ist so: sogar Gott kann uns Menschen nicht den Frieden bringen.

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren,
es ist der Messias der Herr!

Woran erkennt man den Retter der Welt?
Ein Kind in Windeln gewickelt liegt in einer Krippe!

So wird der Viehstall zur Oase des Friedens:
denn ein kleines Kind, nackt und bloß, hilflos und klein,
findet in das Herz jedes Menschen hinein.

Das neugeborene Kind, jedes neugeborene Kind zeigt mir:
Mit uns Menschen geht es weiter.
Wir sind nicht am Ende, sondern hier ist ein neuer Anfang!

Wir sind gerettet: die Menschheit wird nicht verschwinden;
wir sind gerettet: die Menschlichkeit wird nicht untergehen,
denn das neugeborene Kind weckt in uns die Menschlichkeit.

Jesus hat in den Menschen, die auf ihn hörten, die Menschlichkeit geweckt und erneuert. –

Vor allem in denen am Rand,
in denen, die schon dem Tod gehörten,
die sich selbst schon aufgegeben hatten
die sich für schlecht und verdorben hielten;
die sich nichts zutrauten, die meinten nichts Besonderes zu sein.

Auch denen, die sich bemühen, gute Menschen zu sein, wirklich menschlich zu sein, hat Jesus einen neuen und helleren Weg gezeigt:
Den Weg der Barmherzigkeit: der Nachsicht, der Versöhnung, der Großzügigkeit, des Vertrauens.

Schwestern und Brüder,
„Euch ist der Messias, der Herr, der Retter geboren“, sagen die Engel zu den Hirten und zu uns: ob er uns rettet, liegt daran, dass wir ihn annehmen als unseren Herrn.

Er verurteilt uns nicht für unsere bösen Worte und Taten und Gedanken – so wenig wie die Ehebrecherin – er bringt uns Frieden.

Er bringt uns Rettung, weil wir durch ihn an das Leben glauben, das uns erwartet, wenn wir ihm nachfolgen und in das Licht Gottes eintreten und selbst zu einem Lichtstrahl des göttlichen Lichts werden.

Wir sind wie die Hirten: wir hören die Botschaft, wir kommen, um das Kind zu sehen, wir erzählen, was uns von diesem Kind gesagt wurde.

Wir kehren zurück in unsere Häuser und preisen Gott,
weil wir den Retter gefunden haben:
ihn der uns rettet, dass wir Menschen bleiben voller Hoffnung
erlöst – befreit –  von der Angst vor dem Untergang
und erfüllt von der Freude, dass Gott mit uns ist.

Amen.

18. Dezember 2016: 4. Adventsonntag

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  1. Lesung: Jes 7,1 – 25 (Zusammenfassung)

In Juda war Ahas König. Damals zogen Rezin, der König von Syrien, und Pekach, der König von Israel, gegen Jerusalem heran. Sie griffen die Stadt an, konnten sie aber nicht einnehmen.

Im Königspalast wurde gemeldet, die syrischen Truppen stünden schon im Gebiet von Efraïm. Der König zitterte und mit ihm das ganze Volk, wie Bäume, die vom Sturm geschüttelt werden.

Da gab der HERR dem Propheten Jesaja den Auftrag: „Geh zu König Ahas hinaus und sag zu Ahas: ‚Bleib ruhig, hab keine Angst! Werde nicht weich vor dem Zorn Rezins und Pekachs; sie sind nur qualmende Brennholzstummel.

Die Syrer und die Efraïmiten planen zwar Böses gegen dich. Sie sagen: Wir wollen nach Juda hinaufziehen, den Leuten dort Angst einjagen, das Land an uns bringen und dort einen neuen König einsetzen!

Aber der HERR, der mächtige Gott, sagt: „Das wird ihnen nicht gelingen! Vertraut auf den HERRN! Wenn ihr nicht bei ihm bleibt, dann bleibt ihr nicht!“

Weiter ließ der HERR dem König sagen:
„Fordere doch als Bestätigung ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, ganz gleich, ob aus der Totenwelt oder aus dem Himmel!“

Ahas antwortete: „Ich verlange kein Zeichen, ich will den HERRN nicht auf die Probe stellen.“

Da sagte Jesaja: „Hört, ihr vom Königshaus! Es reicht euch wohl nicht, dass ihr den Menschen zur Last werdet! Müsst ihr auch noch die Geduld meines Gottes auf die Probe stellen?
Deshalb wird der Herr euch von sich aus ein Zeichen geben: Die Jungfrau wird ein Kind empfangen und einen Sohn zur Welt bringen, den wird sie Immanuël  nennen. Er wird Butter und Honig essen müssen, bis er Gutes und Böses unterscheiden kann.

Noch bevor er alt genug ist, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, wird das Land der beiden Könige verwüstet sein, vor denen du jetzt Angst hast.
Aber der HERR wird auch für dich, dein Volk und deine Familie eine Unglückszeit kommen lassen, wie man sie seit der Trennung Israels von Juda nicht erlebt hat. Das wird durch den König von Assyrien geschehen.“

Der Tag kommt, an dem der HERR die Feinde herbeiholen wird. Und sie werden kommen und sich im ganzen Land breit machen.

Wenn es so weit ist, wird der König von Assyrien von jenseits des Jordan kommen und euch völlig entehren.
Wenn diese Zeit kommt, wird jeder nur noch eine Kuh und zwei Ziegen haben. Wer dann noch im Land übrig geblieben ist, muss sich allein von Butter und Honig ernähren.
Wenn diese Zeit kommt, wird man die Weinberge ungepflegt lassen müssen, sogar solche, die tausend Weinstöcke tragen, jeder ein Silberstück wert. Sie werden von Dornen und Disteln überwuchert.

Das ganze Land wird voller Dornen und Disteln sein, man wird höchstens noch mit Pfeil und Bogen dorthin gehen, um zu jagen.
Auch die Hügel, die jetzt noch mit der Hacke bestellt werden, wird niemand mehr betreten aus Angst vor den Dornen und Disteln. Rinder wird man dort weiden lassen und Schafe werden den Boden zertreten.

 

Ansprache:  Liebe Schwestern und Brüder,
„Die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären. Sie wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben.“

Das Mt. Ev. zitiert diesen Satz aus dem Buch des Jesaja ganz selbstverständlich, als ob da eine alte Verheißung erfüllt würde – doch ehrlich gesagt: Es ist ein wenig anders:

Als Jesaja dies sagt, schließt er daran die Unheilsankündigung:  Bevor das Kind sechs Jahre alt ist, wird sowohl Israel, als auch Syrien und dann auch Juda vernichtet sein.

Jesaja sagt: Ihr wiegt euch in Sicherheit, eure jungen Frauen bringen Kinder zur Welt und  – ihr denkt: Gott ist mit uns – doch ihr täuscht euch:
Weil ihr nicht auf Gott vertraut, sondern fremden Mächten und euch vor ihren Göttern niederwerft, werden diese euch aus dem Land vertreiben und euch alles wegnehmen.
Ihr denkt, Gott ist mit uns – doch habt ihr euch von Gott abgewandt. Ihr unterwerft euch dem König von Assur und stellt seine Götterbilder in eurem Tempel auf. Ihr werdet merken, dass euch das Schaden bringt:
Der König von Assur wird euch unterwerfen und euch alle Ehre nehmen!

Liebe Schwestern und Brüder, die das Mt. Ev. geschrieben haben, kennen natürlich den ganzen Jesaja Text – nicht nur den einen Satz vom Kind, das von seiner Mutter „Immanuel“ genannt wird Es löst aber diesen einen Satz aus seinem Zusammenhang heraus und bezieht ihn auf Maria und ihr Kind. Das Evangelium verkündet:
Jetzt ist es anders als zur Zeit des König Ahas: Das Kind, das Maria unter ihrem Herzen trug, das Kind, das von Josef den Namen Jesus erhalten hat, Dieser Jesus ist wirklich und tatsächlich der Immanuel: In ihm ist Gott mit uns.

Jesus ist der Immanuel, Weil Maria sagte: „Ich  bin die Magd des Herr, mir geschehe nach deinem Wort!“ und weil Josef die Mutter und das Kind zu sich nahm und als sein Vater gilt, im Vertrauen auf Gott, der ihm diesen Auftrag ins Herz legte.

Schwestern und Brüder, „Gott ist mit uns!“
zwar trägt Jesus nicht diesen Namen, aber ER ist dieser „Gott mit uns“.
Ich möchte bei diesem Namen, bei dieser Aussage verweilen:

Trauen wir Christen in Regensburg, in Herz Jesu uns zu sagen:
„Gott ist mit uns?“ Glauben wir das wirklich? Sind wir uns sicher?

Viele Menschen, mit denen wir täglich zusammenkommen, die mit uns im Supermarkt an der Kasse stehen, viele unserer Freunde und Bekannten, selbst in unseren Familien, interessieren sich kaum für den christlichen Glauben – und wissen nicht viel davon. „

Es muss etwas geben. Gott hat uns lieb. Jesus hatte die Menschen lieb.“
Sehr viel mehr wissen viele Menschen nicht vom Christentum.
Was Gottes Wille ist, darüber denken sie wenig nach.

Ich könnte vieles aufzählen, was nicht gerade darauf hindeutet, dass Gott mit uns ist.

Sind Beifall und am Zuspruch die Anzeichen dafür, ob Gott mit uns ist?
Jesus wurde schließlich verfolgt und getötet, ebenso viele Christen bis auf den heutigen Tag.

„Gott ist mit uns“ das haben wir durch und an Jesus Christus erkannt.
Denn in ihm hat Gott unser Leben mit uns geteilt:
Jesus hat an Gottes Liebe geglaubt und seinen himmlischen Vater und die Menschen geliebt – bis in den Tod.

So hat er uns die Tür geöffnet für den neuen Weg,
dass wir das Heil davon erwarten, dass Gottes Wille geschieht:

Durch uns, die wir auf ihn hören und an die Macht der Liebe glauben,
da Gott die Liebe ist. Dass Gott mit uns ist, merken wir, wenn wir Gottes Werke tun, wenn wir Not und Elend lindern und die Menschen um uns so annehmen, wie Gott uns annimmt.

Gott ist mit uns, er hat Jesus zu uns gesandt,
Durch ihn haben wir erkannt, dass Gott wir Gottes geliebte Kinder sind,
dass Gott mit uns ist. Amen.

Bußgottesdienst im Advent 2016: O komm, o komm Immanuel

o-komm
Portal der Kirche in Melle, Poitou-Charentes

Lied                 O Heiland reiß die Himmel auf                                    GL 231

Eröffnung:

Gut, dass wir heute Abend zusammenkommen.
Wir wollen uns wieder ausrichten auf Gott hin,
oder in biblischer Ausdrucksweise: Wir wollen Buße tun.

Christliche Buße hat ja nichts mit Strafe und Selbstbestrafung zu tun,
sondern Buße ist das ständige Bemühen, auf dem Weg zu bleiben,
auf dem engen Weg, wie Jesus gesagt hat, um schließlich das Ziel zu erreichen.

Wir wollen uns neu ausrichten, wir schauen mutig auf das, was uns bedrückt, was uns beugt: So manche Verletzung und Enttäuschung;
so manches, was uns leid tut und was wir lieber zurück nehmen würden.

Er, vor dem wir nun da sind, vor dem wir Rechenschaft ablegen,
er wird uns aufrichten, denn er will nicht den Tod des Menschen, sondern er will uns Anteil geben an seinem Licht und seinem Leben.

GEBET
Gott, du bist uns nahe, noch bevor wir zu dir kommen.
Schau auf unsere Sehnsucht nach Glück, unseren Willen zum Guten.
Wir verbergen nicht unser Versagen.
Habe Erbarmen mit unserer Armut.
Fülle du unser Herz mit deiner Freude, mit deiner Liebe, mit deinem Licht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Verkündigung

Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 63,15 – 64,11)

15 Blick vom Himmel herab und sieh her!
Wo ist dein leidenschaftlicher Eifer und deine Macht,
dein großes Mitleid und dein Erbarmen? /
Halte dich nicht von uns fern!

16 Du Herr, bist unser Vater, / „Unser Erlöser von jeher“ wirst du genannt.

17 Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren /
und machst unser Herz hart, / sodass wir dich nicht mehr fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen, / die dein Eigentum sind.

19 Uns geht es, als wärest du nie unser Herrscher gewesen,
als wären wir nicht nach deinem Namen benannt.
Reiß doch den Himmel auf und komm herab, /
so dass die Berge zittern vor dir.

643 Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, /
kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen,
dass es einen Gott gibt außer dir, /
der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.

4 Ach, kämst du doch denen entgegen, /
die tun, was recht ist, / und nachdenken über deine Wege.
Ja, du warst zornig; / denn wir haben gegen dich gesündigt.

5 Wie Menschen, die sich im Schmutz baden,
die Freude haben an Bosheit und Grausmkeit, sind wir alle geworden, /
unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid.
Wie Laub sind wir alle verwelkt, /
unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind.

6 Niemand ruft deinen Namen an, /
keiner rafft sich dazu auf, fest zu halten an dir.
Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen /
und hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen.

7 Und doch bist du, Herr, unser Vater. /
Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, /
wir alle sind das Werk deiner Hände.

8 Herr, zürne uns doch nicht allzu sehr, /
denk nicht für immer an unsere Schuld! /
Sieh doch her: Wir sind dein Volk.

9 Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden. /
Zion ist eine Wüste, Jerusalem eine Öde.

10 Unser heiliger, herrlicher Tempel, / wo unsere Väter dich priesen,
ist ein Raub der Flammen geworden; /
alles, was uns lieb war, liegt nun in Trümmern.

11 Kannst du dich bei all dem zurückhalten, Herr, /
kannst du schweigen und uns so sehr erniedrigen?

Lied:                O Herr nimm unsre Schuld                                    GL 273,1-4

Evangelium     Joh 1,19-34

19 Priester und Leviten kamen aus Jerusalem zu Johannes
und fragten ihn: Wer bist du?

20 Da bekannte er: Ich bin nicht der Messias.

22 Sie fragten weiter: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?

23 Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft:
Ebnet den Weg für den Herrn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.

28 Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan,
wo Johannes taufte.

29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte:
Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.

31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen.

32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb.
34 Das habe ich gesehen und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.

Ansprache:

Die Israeliten waren tief verzweifelt, mutlos und ohne jede Hoffnung, als sie verschleppt in ein fremdes Land einem fremden König dienen mussten, der sie und ihren Glauben an JAHWE verachtete.
Voller Verzweiflung kommt es über die Lippen:

19 Uns geht es, als wärest du nie unser Gott gewesen, / als wären wir nicht nach deinem Namen benannt. Reiß doch den Himmel auf
und komm herab, / sodass die Berge zittern vor dir.

Liebe Schwestern und Brüder, Wenn wir das auf uns Christen in unserem Vaterland anwenden müssten, würde es heißen:

Jesus Christus, es ist, als wärest du nie da gewesen, als würden wir den Namen Christen nicht tragen. Zeige dich doch und zeig deine Macht,
dann werden alle wieder auf dich hören und dir glauben.

Zum Teil ist es so: die Gewissheit des Glaubens ist verloren gegangen;
viele können das Wirken Gottes in der Welt nicht erkennen;
wenige nur noch nehmen das Evangelium
wirklich als Richtschnur für ihr Leben.

Zugleich sehen wir, wie viele Menschen jede Hemmung verlieren:
Brutale Gewalt bis zum Erschlagen, Häuser anzünden,  die Wahrheit verachten, Lügen ist hoffähig geworden und wird manchmal sogar belohnt. Wie ist es aber mit uns selbst?

Wir wollen Jünger Jesu sein. Verlassen wir nicht trotzdem immer wieder den Weg, den er uns gezeigt und den er uns voraus gegangen ist?

Entlang dem Lied „O komm, o komm Immanuel, denken wir heute über uns nach, erforschen unser Gewissen, ob es uns anklagt, dass wir das Licht des Lebens verdunkelt haben, statt es zum Leuchten zu bringen.

Es geht in der Besinnung nicht nur um Sünden, die wir getan haben,
es geht auch um Verletzungen und die Spuren,
die sie in unsrer Seele hinterlassen haben.

Wir dürfen vertrauen, dass Gott uns aufrichtet, dass er und das Vertrauen in seine Güte und wieder ganz und heil werden lassen.

Gewissenserforschung

Lied                 O komm, o komm Immanuel                                         759,1

  1. Strophe:
    O komm Immanuel, In Angst und Elend liegen wir,
    mach frei dein Armes Israel, flehn wir voll Sehnsucht auf zu dir.

Angst und Elend sind keine Sünde,
die Sehnsucht nach Gott ist ein Zeichen der Liebe zu ihm und des Wartens.

  • Sehe ich das Elend der Menschen in dieser Zeit?
    Wer fällt mir dazu ein? –
  • Wovor habe ich Angst?
  • Wonach sehne ich mich?

2 Minuten meditative Musik

Lied                 O komm, o komm Immanuel                                         759,2

2. StropheO komm du wahres Licht der Welt, das unsre Finsternis erhellt.
Wir irren hier in Trug und Wahn, o führ uns auf des Lichtes Bahn.

Kenne ich diese Erfahrungen auch im übertragenen Sinn – auf mich und mein Leben bezogen?
Herumirren, falschen Zielen nachjagen, nicht wissen, wie es weitergeht, den Weg verloren haben.

  • Was ist mir wichtig? Wofür strenge ich mich an?
  • Welche Fragen treiben mich um? Welche Unsicherheiten?
  • Halte ich für wichtig, was gar nicht wichtig ist? Übersehe, was wirklich wichtig ist?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

Lied                 O komm, o komm Immanuel                                         759,3

3. Strophe
O komm du holdes Himmelskind, so hehr und groß, so mild gesinnt.
Wir seufzen tief in Sündenschuld; o bring uns deines Vaters Huld.

Wir Seufzen über die eigene Sündenschuld – aber wir flehen dabei,
dass Jesus uns Gottes Huld bringt: dass Gott uns also nicht verurteilt, sondern uns das Leben schenkt.

  • Was sind meine Sünden? Was habe ich Böses getan?
  • Wem habe ich Unrecht getan?
  • Habe ich Gott vergessen? Sein Gebot missachtet?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

Lied                 O komm, o komm Immanuel                                         759,4

4. Strohe
O komm, Erlöser, Gottes Sohn, und bring uns Gnad‘ von Gottes Thron.
Die Seele fühlt hier Hungersnot; o gib uns dich, lebendig Brot,

Die Seele fühlt hier Hungersnot. Sie sehnt sich nach etwas, was diese Welt nicht geben kann. Jesus hat gesagt: Ich gebe euch einen Frieden, den die Welt nicht geben kann.

  • Wende ich mich Gott zu, dass er meinen Hunger stillt?
  • Was bedeutet mir die Kommunion in der hl. Messe?
    Ist sie für mich Begegnung mit dem,
    der meinen Hunger stillen kann?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

Lied                 O komm, o komm Immanuel                                         759,5

5. Strophe
O komm, o komm, Gott Sabaoth, du unser Hort in aller Not!
Mit Jesses neuem Herrscherstab treib weit von uns die Feinde ab.

Jesses neuer Herrscherstab – damit ist Jesus gemeint, der die Menschen von den Dämonen befreit hat: dass sie dunkle Gedanken haben,
davon dass sie das Böse mehr lieben als das Gute, dass sie sich verschließen und taub und stumm und blind werden.

  • Welche dunklen Gedanken sind in mir: böse Wünsche, Rachegedanken, Verfluchungen, Zweifel,
  • Habe ich mich verschlossen? Warum?

2 Minuten Stille oder meditative Musik

Lied                 O komm, o komm Immanuel                                         759,6

6. Strophe
O Gott mit uns, wir harren dein, komm, tritt in unsre Mitte ein.
Die Sünde schloss die Himmelstür, du öffnest sie, wir jubeln dir.

Wenn ich auf Gott harre, dann rechne ich mit seinem Kommen. Das  Warten hat eine große Dringlichkeit. Es ist wichtig, dass du BALD kommst.
Denn wenn Gott in unsrer Mitte ist, wird dies alles ändern.
Erfüllung, Glück, Freude, Frieden, Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit.

  • Was sind meine Erfahrungen der Nähe Gottes?
    Wann merke ich, dass er in unsrer Mitte ist?
  • Wann durfte ich spontane Freude erfahren durch den Glauben, in der Gemeinschaft des Glaubens? Das Glück und den Jubel darüber, dass Gott da ist?

 Versöhnung

Schuldbekenntnis
Wir haben über uns nachgedacht.
Wir haben unser Gewissen geprüft, ob es uns anklagt.
Wir haben es gewagt, unsere Verletzungen anzuschauen.
Wir haben unsere Sehnsucht nach Frieden, nach Gott wahrgenommen und gestärkt.

Bekennen wir nun miteinander und voreinander, dass wir gesündigt haben und bitten wir Gott, dass er uns seine Barmherzigkeit schenkt:
dass er uns annimmt, dass er unsere Verletzungen heilt, uns von dunklen Gedanken befreit und unseren Hunger stillt:

Wir beten den Psalm 130 im                                                        GL 639,3+4

Vergebungsbitte
Gott ist barmherzig. Er verzeiht uns unsere Sünden. Er sieht voll Liebe auf uns als seine geliebten Kinder. Er stärkt uns im Entschluss, gleich ihm barmherzig zu sein. So führt er uns durch das Leben, bis er uns aufnehmen wird in seiner Herrlichkeit und sein ewiges Licht.
Amen.

Abschluss

Friedensgruß
Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch

Lied                 Nun danket alle Gott                                             GL 405,1+2

Vater Unser

Segen

Lied                 Tauet Himmel den Gerechten                                    764,1-3

04. Dezember 2016: 2. Adventsonntag

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Was macht die Katze mit der Maus?
Was macht der Löwe mit der Gazelle?
Was macht das Krokodil?
Was macht der Mensch?

Es ist ein Fressen und Gefressen werden in dieser Welt?
War das immer so? Muss das immer so bleiben?

Die Bibel – das Alte und das Neue Testament – spannen einen weiten Bogen: Am Anfang sei ein Paradies gewesen. Da hätten Adam und Eva ungeschützt – nackt – wohnen können und vor nichts und niemand Angst haben müssen.

Dass Lebewesen einander fressen, das kann nicht Gottes ursprüngliche Schöpfung sein. Die Ordnung der Schöpfung ist verdorben worden – durch die Arglist, durch den Neid, durch das Aufbegehren gegen die Geschöpflichkeit. Dieser Gedanke steht hinter der biblischen Dichtung.

Da kein Mensch Gott in die Karten schauen kann, erfahren wir in der Geschichte vor allem etwas über den, der so denkt:
Er sehnt sich nach Frieden. Keine Gefahr, keine Angst.

Bis heute fragen wir: Warum fressen Lebewesen einander in dieser Welt?

Die Bibel spannt den Bogen bis ans andere Ende der Weltgeschichte und sagt: Es wird so sein, dass Friede ist zwischen allen Lebewesen: Kuh und Bärin werden Freunde und ihre Jungen liegen beieinander. Niemand tut Böses, es gibt kein Verbrechen.

Die Sehnsucht ist Frieden. Ein Leben ohne Gefahr, ohne Angst.

Das liegt für den Menschen in weiter Ferne: das ist klar. Das ist bis heute so. Aber die Sehnsucht nach Frieden ist lebendig im Menschen.

Durch wen wird dieser Friede eines Tages kommen?

Ein junger Trieb aus dem abgehauenen Baum Isais wird Frucht bringen.
sagt Jesaja. Er wird für Gerechtigkeit sorgen – und benötigt dazu keine Waffen – sein Wort genügt.

Johannes hat auf ihn hingewiesen – auf den, der nach ihm kommt – auf Jesus von Nazaret.

Jesus sprach vom Reich Gottes, vom Frieden – aber seine Gedanken sind anders als die des Propheten Jesaja und auch als in der Paradies-geschichte: Er sagt:

Auf der Erde unterjochen die Könige ihre Untertanen.
Es gibt Kriege und es wird immer Arme geben –
Erdbeben und Überschwemmungen, Sturm und Blitz.

Jesus hat das nicht geändert. er konnte es nicht ändern und deshalb wollte er es auch nicht.

Dennoch war seine Botschaft eine Friedensbotschaft, denn sie verändert jede und jeden, der auf ihn hört:
Bei euch soll es nicht so sein. Wer bei euch der Größte sein will, soll der Diener aller sein. Tut denen Gutes, die euch hassen.
Das Reich Gottes ist mitten unter euch:
Glaubt nicht, dass es ohne euch kommt. Es kommt durch mich und durch euch.

Ihr seht es doch: Sünden werden vergeben, Kranke werden gesund,
das Reich Gottes ist da – wenn wir es durch friedvolles Tun errichten.

Das Reich Gottes, das Riech des Friedens, kann kommen – jederzeit – durch uns.

Das hört sich fast an, als ob Gott dafür gar nicht nötig wäre:
Doch Jesus glaubt bis in die tiefste Fasen an seinen himmlischen Vater:

Diese Schöpfung hat ihren Ursprung in ihm. Das Leben des Menschen führt ihn zu Gott und Gott schenkt dem Menschen Anteil an seiner Herrlichkeit. Kein Haar bleibt ungesehen, das vom Kopf fällt.
Doch dieser Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, ist der Friede der kommenden Welt.

In dieser Welt ist uns der Friede aufgetragen – in der Nachfolge unseres Herrn, der gerade deshalb für uns die Frucht aus dem jungen Trieb ist.
Er ist das Zeichen für die Nationen: das Zeichen des Friedens.

20. November 2016: 34. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: schott

Liebe Schwestern und Brüder,
David ist der große König Israels. Von 1000 vor Christus an regierte er 40 Jahre lang als König. Über Ihn und seinen Vorgänger berichten das 1. und 2. Buch Samuel, das etwa 200 bis 400 Jahre später entstand.

Vom Hirtenjungen, der den Goliath besiegte, entwickelte sich David zum Liebling Sauls, der ihn dann aber hasste und töten wollte. David gelang es bei den Philistern, den Feinden Israels Zuflucht zu finden, bis ihm nach dem Tod Sauls die Königswürde übertragen wurde.

Einerseits wird David zum Vorbild stilisiert: Seine Regierungszeit ist die glanzvollste Zeit Israels. Nie mehr wird Israel diese Stärke erreichen. Von David wird aber auch berichtet, wie er schuldig wird, einen seiner Generäle in den Tod schickt, um dessen Frau nehmen zu können.

Wenn die biblischen Verfasser von Kriegen und Erfolgen, von der Politik des Königs berichten, verfassen sie nicht nur eine Chronik.
Sie wollen kundtun, wie Gott in der Geschichte Israels wirkt.
David ist von Gott erwählt. Gottes Kraft ist in ihm – solange er auf Gott hört, geht er mit seinem Volk einen guten Weg.

Die Geschichte ist die Geschichte Gottes mit den Menschen. Wenn auch die Menschen immer Unheil anrichten und das tun, was Gott nicht gefällt:
Gott bleibt uns Menschen treu. Er überlässt uns nicht dem Untergang, sondern sein Geist bewegt immer wieder Menschen dazu, den Frieden zu suchen.

David ist so ein von Gott Erwählter: Der Herr hat zu dir gesagt: „Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein.“

Liebe Schwestern und Brüder, wie können wir diese unsere Jahre deuten?
Können wir erkennen, dass es Gottes Geschichte mit den Menschen ist?

Menschen reißen die Macht an sich, die nicht den Frieden suchen: weder für ihr eigenes noch für die anderen Völker: Sie überziehen die Erde mit Gewalt und Krieg. Das Leben eines Menschen bedeutet ihnen nicht viel. Sie verführen die Menschen mit Versprechungen ihnen zu folgen: Sie versprechen Macht und Stärke für das eigene Land, größeren Reichtum und die Herrschaft über die anderen Völker.

Von ihren Gefolgsleuten fordern sie Opfer: Verzicht auf die Freiheit; sie müssen hinnehmen, dass ihre Städte zerstört werden.
Doch diese Gewalt ist nicht Gottes Wille.

Gottes Wille ist der Frieden der Völker, die Gerechtigkeit, die niemanden ausschließt von den Gütern des Lebens. Doch dagegen haben wir schon zu lange verstoßen.

Das Volk Gottes, die an Christus glauben, haben eine Sendung: dass sie die Stimme erheben und für den Frieden eintreten und für Gerechtigkeit.

Jesus Christus hat den Weg des Friedens gewählt:
Er hat den Kranken Heilung gebracht; den Ausgeschlossen gab er Achtung und Ansehen: den Kleinen, den Armen, den Witwen und denen, die als „Sünder“ gebrandmarkt waren.
Sie erkannten ihn als den Gesalbten des Herrn, den neuen David, den Hirten, den Gott gesendet hat, damit Friede wird.

Selbst am Schandpfahl, am Kreuz, an das man ihn geschlagen hatte, in seiner letzten Stunde, gibt er dem Verbrecher neben ihm Frieden und Hoffnung: Du wirst heute noch mit mir im Paradies sein.

Deshalb rühmen wir ihn: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes!
Er ist der Ursprung allen Lebens, der erste, der von den Toten zu neuem Leben auferstand, denn Gott wollte durch ihn alles versöhnen.
Als Christus am Kreuz sein Blut vergoss, hat er Frieden gestiftet
für alle im Himmel und auf Erden.

Liebe Schwestern und Brüder, wir glauben an Christus;
wir glauben, dass Gott seine Schöpfung nicht dem Untergang überlässt.
Die Gewalt säen und die Güter der Welt für sich alleine haben wollen, werden nicht immer das Sagen haben.

Vielmehr wird Gott Menschen mit seinem Geist erfüllen, mit dem Geist Christi, damit sein Friede in diese Welt kommt, der Friede, der niemanden ausschließt. Diesen Geist haben wir im Glauben an Christus angenommen. Wir sind gesandt, Frieden zu bringen durch Christus,