4. Dezember 2011: 2. Adventsonntag

Advent – heißt Ankunft.
Es ist spannend, am Anfang in der Mitte und am Ende des Advents die verschiedenen Dimensionen des Advent zu entdecken.

Zuerst geht es um die erneute Ankunft des Herrn – am Ende der Zeit, wenn die alte Schöpfung vergeht und die neue Schöpfung kommt.

Dann geht es um die Ankündigung des Messias durch Johannes den Täufer, der auf Jesus hinweist, der nach der lukanischen Darstellung gerade ein halbes Jahr jünger ist als Johannes selbst.

Und schließlich geht es um die Geburt des Messias, die historisch betrachtet im Dunkel der Geschichte liegt.

Wir feiern und bedenken die dreifache Ankunft unseres Messias!

Heute wird unsere Aufmerksamkeit auf Johannes den Täufer gelenkt. Warum: Er ist sozusagen der Türöffner:

Er öffnet uns für Jesus, den verheißenen Messias, und er ebnet dadurch dem Messias den Weg. – Er bringt den Messias und die Menschen, zu denen er gesandt ist zueinander: Wie?

Indem er uns zur Umkehr ruft!

Schwestern und Brüder! Das fremdartige, herbe Auftreten des Johannes ist wichtig: Dadurch wird er glaubwürdig. Dadurch sieht jeder: er sucht nicht Anerkennung. Er sucht nicht den Weg in die Festsäle und zu den Banketten, um dort aufrüttelnde Worte zu sprechen.

Er lebt in der Wüste und er lebt von der Wüste.

Er kann zur Umkehr rufen. Ihm kann ich es abnehmen, weil er selbst prophetisch lebt.

Johannes ruft zur Umkehr und zur Taufe zur Vergebung der Sünden.

Habe ich Umkehr nötig? Haben Sie Umkehr nötig?

Eine schwierige Frage: denn einerseits habe ich gelernt. Umkehr habe ich immer nötig. Ich muss nur an das Bemühen um das Gebet denken und auch an die Bereitschaft, mein Geld mit Armen zu teilen.

Andererseits versuche ich als Christ zu leben. Anbetung Gottes,
Spenden für Arme, ein offenes Herz für die Nöte der Menschen, die helfende Hand – das alles üben sie – seit langem!

Auf unsere Pfarrei bezogen kann ich aber doch erkennen, dass Umkehr mindestens in dieser Hinsicht nötig ist:

Der Umkehrruf heißt:

Lasst ab von Eurer Teilnahmslosigkeit!

Zum Christ-Sein gehört nicht nur der Gottesdienst, sondern das tägliche Engagement. Es mangelt in unserer Pfarrei nicht an Christen, die einladen, die sich etwas ausdenken, die dafür etwas tun.

Es mangelt an denen, die sich beteiligen, die Interesse zeigen, die zusammen kommen, die Gemeinschaft bilden.

Zu dem Vortrag über das Gebet kürzlich kam niemand.

Zur der Veranstaltung über Präimplantationsdiagnostik kamen etwa 10 Mitglieder der Pfarrgemeinde;

Zu den adventlichen Gesprächen am Dienstag kamen drei.

Auch beim Festmahl zur Einweihung von St. Leonhard blieben Plätze leer.

Schwestern und Brüder!
Das ist mein Umkehrruf an die Gottesdienstbesucher in Herz Jesu!
Fangt an, Gemeinde zu werden! Nehmt Anteil! Macht mit!
Wendet Euch nicht ab! Wenn Sie Wünsche haben, sagen sie es!

Gemeinde lebt vom Miteinander!

27. November 2011: 1. Advent

Liebe Schwestern und Brüder
wie kann es geschehen, dass Industrieanlagen havarieren und schlimmste Katastrophen auslösen: Von der wochenlang Öl ins Meer ergießenden Bohrinsel bis zu den Kernkraftwerken, die offenbar doch nicht so gegen alle Eventualitäten gerüstet sind, wie man uns glauben machen möchte.

Wurde zu wenig aufgepasst?

Der Ruf: Seid wachsam! bewegt mich.

Mubarak war zu wenig wachsam und Gaddafi und Honecker:
sie  muteten ihrem Volk zu viel zu lange zu.

Sind wir wachsam genug: oder verschließen wir die Augen vor den drohenden Gefahren? Wir kaufen Geschenke für Weihnachten – obwohl unsere Gesellschaft dabei ist, das Gleichgewicht zu verlieren?

Worauf sollen wir die Wachsamkeit richten? – wir erinnern uns an den letzten Sonntag: die Kranken, die Hungernden, die Gefangenen, die Fremden und Obdachlosen.

Doch statt dessen werden Leute ausgebeutet für 2,50 € die Stunde und weniger. – Dafür wird dann eine Tafel eingerichtet. Bürgerli­ches Engagement, selbstlos, ehrenamtlich – nötig, weil die Gesellschaft ihrer Verpflichtung nicht nachkommt für die gerechte Teilhabe aller an den lebensnotwendigen Gütern zu sorgen.

Die Großverdiener reden den Erwerbstätigen ein, die Empfänger der Sozialleistungen seien eine Gefahr für ihren Wohlstand.
Dabei ziehen die Großverdiener immer mehr für sich heraus – ohne eine entsprechende Leistung bringen zu können.

Seid wachsam! Während die Renditen steigen und die Solidarität unter den Menschen untergraben wird – und Gefahr droht, dass die Menschen die Geduld verlieren.

Was ist es, was uns davon abhält, wachsam zu sein, für die Ankunft des Herrn, der in denen zu uns kommt, die am Rande stehen?

Wenn im Hof zum Tanz gespielt wird, wenn ein Festmahl nach dem anderen gegeben wird und die Vorräte geplündert werden – dann späht der Türhüter nicht mehr aus nach dem Herrn. Er ist in Gefahr, seinen Posten zu verlassen. Er möchte auch etwas vom Festschmaus haben und zur Musik tanzen.

Schwestern und Brüder! Statt dessen sollten wir wachsam sein und spähen – ausspähen und die Vorboten einer neuen Zeit erkennen. Wir sollten mithelfen, dass eine neue Zeit anbrechen kann:

Eine Zeit, in der die Menschen nicht die Schätze der Erde plündern, bis nichts mehr da ist.

Ein Zeit, in der der Mensch nicht mehr das Objekt, sondern das Ziel des Handelns ist.

Eine Zeit, in der nicht die Gier regiert, sondern die Sorge für den anderen.

Diese neue Zeit braucht nicht viel Regeln und Gesetze:

Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!
Wenn dich einer bittet, dann gib!
Liebe deinen Nächsten so, wie du dich selber liebst.
Liebt einander, wie Christus euch geliebt hat – bis zur Hingabe seiner selbst.

Seid wachsam!

Was lässt uns Wachsam bleiben – für die Ankunft des Herrn? Für unsere Berufung? Für die neue Zeit?

Abstand halten – nicht von den Menschen, sondern von den Treiben, das müde macht und die Sinne trübt.

Die Ruhe – die Stille suchen: damit die Sinne sich erholen können.

Die Erinnerung an den Herrn, der uns alle Verantwortung übergeben hat – bis er kommt.

Seien wir wachsam – für ihn. Wenn er kommt und mit ihm das Licht und der Glanz, dass wir ihn nicht überhören. Er kommt leise!

20. November 2011: Christkönigssonntag

Jesus preist die Barmherzigen selig und die Friedliebenden, die Gewaltlosen und die ein reines Herz haben.
Jetzt – unmittelbar bevor man ihm den Prozess macht – gibt er den Jüngern noch einmal ähnliche Gedanken – wie ein Testament:

Das Verhalten zu den Hungernden und Dürstenden und zu den Nackten, zu den Gefangenen und den Kranken, zu den Obdachlosen und Fremden,
das Verhalten zu Schwächsten und am meisten Ausgegrenzten entscheidet letztlich darüber, ob ein Mensch sein Ziel erreicht: das Weiterleben in Gottes Herrlichkeit.

Zwei Gedanken gehen mir durch den Kopf:
Der erste:
Wie verhalte mich? Wie verhalten wir uns als Christen?
Leben wir diese Werte? Dass wir die Not der geringsten Schwestern und Brüder lindern oder beseitigen?
Oder gehen wir an Ihnen vorüber – unberührt von ihrem Leid?

Sicher: Niemand kann die ganze Not der Menschen beseitigen.
Aber tue ich, was ich kann? Gibt es wenigstens einen Gefangenen, den ich besuche? Einen Armen für den ich sorge?

Hier ist eine Gewissenserforschung angesagt.

Der zweite Gedanke:
Jesus spricht vom Kommen des Menschsohnes in seiner Herrlichkeit.
Er spricht von der Scheidung der Menschen: Er spricht von der ewigen Strafe und vom ewigen Leben.

Ohne Zweifel ist es nicht angebracht, Höllenangst zu schüren.
Keinesfalls ist Christus ein kleinkrämerischer Gesetzeshüter, der jede kleine Sünde, Unachtsamkeit, Lüge, jedes unterlassene Gebet bestraft.

Aber ist die extreme Gegenmeinung richtig, nach der das Leben in dieser Welt eine Einbahnstraße ist, die sozusagen automatisch in den Himmel führt. Ich kann quasi das Ziel gar nicht vermeiden?
Es gibt die Möglichkeit das Mensch Sein ganz und gar zu verfehlen? Sich selbst vom Leben auszuschließen – indem man andere vom Leben ausschließt?

Würden wir uns vorstellen, das eigene Handeln habe keinen Einfluss darauf, ob wir das Ziel erreichen – dieser Glaube würde dem Egoismus in dieser Welt Tür und Tor öffnen. Dann könnten die Starken wirklich denken: Hier hole ich mir auf Kosten der Schwächeren, was ich kriegen kann und in der Ewigkeit habe ich dafür keinen Nachteil zu erwarten.

Der Himmel, den Jesus verheißen hat und an den er geglaubt hat, dieser Himmel ist nicht der Himmel der Armen oder der Reichen, der Mächtigen oder der Schwachen.
Der Himmel, von dem Jesus sprach, gehört denen, die Not lindern und von Armut befreien.
Er gehört denen, die Achtung vor dem Leben – gerade der Schwächsten haben.

13. November 2011: 33. Sonntag im Jahreskreis

Wer hat dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben! Wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

In der neutestamentlichen Exegese nennt man dies „Weisheitsspruch“!
Ich frage mich: Welche Weisheit ist hier ausgedrückt? Auf Anhieb erschließt sich mir das nicht.

Wer hat was? Also zum Beispiel: Wer Geld hat, dem wird Geld gegeben?
Das würde aber so gar nicht zum Leben Jesu passen: er besaß kein Haus und keinen Geldbeutel und keine Vorratstasche. Nichts liegt Jesus ferner, als das Geld als Lebensziel darzustellen.

Aber was dann? Was muss ich haben, damit mir noch mehr gegeben wird und ich die himmlische Freude empfange?

Bei der Suche nach einer Antwort setze ich bei der Gemeindesituation an, für die dieses Gleichnis in das Mt. Ev. aufgenommen wurde.
So wie am vergangenen Sonntag ist die frühchristliche Gemeinde an, die dabei ist, mutlos zu werden. Die Christen erwarteten, dass Jesus auf den Wolken des Himmels wiederkommt – und zwar zu ihren Lebzeiten – nicht Jahrzehnte später. Der Advent, die Ankunft zog sich hin: nicht 4 Wochen, nicht vier Monate, nicht vier Jahre – Die Zeit wurde immer länger!
Aber er kam nicht. So gab es immer öfter Christen, die sich abwandten. Manche starben. Die Gemeinde wurde kleiner und kleiner.

Niemand von uns heute erwartet diese endgültige Wiederkunft Christi konkret für seine Lebenszeit. Damit ist eine Gefahr verbunden:
Nämlich gar nicht mehr mit ihm zu rechnen. Er wird niemals kommen!
Wenn er aber niemals kommt, warum dann überhaupt ihn erwarten?
Wenn er niemals kommt, braucht er auch nichts vorzufinden.
Wenn er niemals kommt, dann ist er Vergangenheit – und damit bedeutungslos.

Das Mt.Ev. ermahnt deshalb die junge Kirche: Es ist zwar eine lange Zeit – aber er wird ganz sicher kommen. Lasst also nicht nach. Werdet nicht müde, Jesus nachzufolgen!

Wir heutigen Christen – wir sind uns nach 2000 Jahren Geschichte und mit unserem heutigen Wissensstand sicher:
Er wird niemals auf den Wolken des Himmels kommen ‑ Die Welt wird nicht untergehen – außer wir richten sie selbst zugrunde.
Wir rechnen nicht mit seiner Wiederkunft.

Vorsicht: Bevor wir aufhören, mit Jesus zu rechnen, schauen wir nochmal auf ihn.

Er hat das Reich Gottes nicht nur angekündigt als ferne oder nahe Zukunft – Er hat es als Gegenwart verkündet.
Diese Zeit, heute, der Augenblick – jetzt ereignet sich Reich Gottes – oder nicht. Es ist mitten unter uns.

Der Mann vertraute den Knechten sein Vermögen an! Zwei Knechte haben das Vertrauen angenommen – einer aber nicht!

Das Reich Gottes ist uns anvertraut – ob es wächst oder im Untergrund verschwindet – das liegt an mir, an jedem selbst.

Wenn ich dann in mein Leben schaue, dann sehe ich: Spuren des Reiches Gottes, Spuren des Vertrauens, Spuren der Freiheit –
oder aber: Spuren der Angst, Spuren des Zwangs, Spuren der Herrschaft des Geldes, der Ausbeutung, der Unterdrückung.

Gott wird nicht kommen, um alles durcheinander zu werfen,
Gott ist gekommen, und mit ihm die Möglichkeit zu Vertrauen, Freiheit zu geben, und Leben zu teilen.

Wer mit ihm rechnet, wird ihn auch entdecken,
Wer aus Vertrauen und Freiheit und Zuversicht lebt, durch den wird die Welt immer mehr zu einem Ort des Lebens, zum Reich Gottes.
Wer aber kein Vertrauen hat in den himmlischen Vater und seine Treue, der wird auch noch das bißchen Geld und Ansehen verlieren, das er sich in diesem Leben mühsam erworben hat.

6. November: 32. Sonntag im Jahreskreis

Ist Ihnen der Widerspruch aufgefallen? Am Ende gibt Jesus den Jüngern als Quintessenz dieser Geschichte mit auf den Weg: „Seid wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde!“
Doch der Unterschied zwischen den klugen und den törichten Jungfrauen ist gerade nicht das Schlafen, sondern das Öl, das sie in die Reserve dabei hatten.
Müsste es am Ende nicht heißen: „Achtet darauf, dass ihr immer etwas in Reserve dabei habt?“

Klug sin die Jungfrauen wegen dem Öl in Kanistern und somit gelten sie im Gleichnis als „wachsam!“
Bedrohlich ist, was mit den anderen geschieht: Sie bleiben draußen vor der Tür.

Leistungsbezogen, wie wir nun mal sind, könnten wir denken: Jesus droht allen, die nicht klug und wachsam sind an, dass ihnen das Himmelreich verschlossen bleibt!
Ist das wirklich die Botschaft?  Die Botschaft ist: Seid klug! Seid wachsam!
Denn der Bräutigam wird kommen, und euch mit zur Hochzeitsfeier nehmen.

Das Adventlied – wir werden es in wenigen Wochen wieder singen – betont diesen Aspekt des Gleichnisses:

1. Wachet auf, ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne,  wach auf, du Stadt Jerusalem.
Mitternacht heißt diese Stunde;  sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohl auf, der Bräutgam kommt;  steht auf, die Lampen nehmt. Halleluja.
Macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müsset ihm entgegengehn.

2. Zion hört die Wächter singen; das Herz tut ihr vor Freude springen, sie wachet und steht eilend auf.
ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,  Herr Jesu, Gottes Sohn. Hosianna.
Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.

Da ist von der Freude die Rede, und von der Stärke und Macht des Freundes, der kommt. Als er kommt, beginnen die zu strahlen,
die ihn erwartet und ersehnt haben.
Die zweite Strophe identifiziert den Hochzeitssaal mit dem Abendmahl, das wir Christen feiern. Die Ankunft des Bräutigams ereignet sich also nicht nur zu einem fernen unbestimmten Zeitpunkt – dann, wenn die Erde vollendet wird.

Die Ankunft des Bräutigams – uns sie hat immer endgültigen Charakter – kann mitten in unserem Leben geschehen.
Die Freude, mit Christus, dem endzeitlichen Bräutigam im Hochzeitssaal zu sitzen, kann jeden Augenblick wirklich werden – das können wir erleben, wenn wir klug und wach sind ‑

wenn wir also Öl in Krügen dabei haben;
wenn wir darauf hoffen und warten, dass Christus kommt – und mit ihm die Freude der Erlösung und der Friede.

Was es für jeden einzelnen bedeuten kann, Öl in Krügen mitzunehmen,  – da möchte ich keinem vorgreifen: jeder kennt sich selbst am besten.

Doch mit einem Gedanken möchte ich schließen: Offenbar kommt es in dem Gleichnis auf die eigene Klugheit an: werde teilen ist möglich und auch nicht die Lösung zu sagen: Wir stellen uns neben euch, wir gehören alle zusammen.
Klug und wachsam muss ich schon selber sein und warten und hoffen, dass ER kommt und wir die Hochzeitsfreude empfangen.

1. November 2011: Allerheiligen

Sicher haben sie schon ein barockes Deckengemälde besichtigt, das die Heiligste Dreifaltigkeit dar stellt, die umgeben ist von den Heerscharen des Himmels. Päpste sind dargestellt und Ordensgründer, Mütter und Väter, Kaiser und Könige. Alle sind gekleidet, wie sie in ihrem Leben gekleidet waren.

Allerheiligen ist das Fest des Triumphes. Gerade heute ist das Lied angebracht: Ein Haus voll Glorie schauet. Die Kirche stellt uns heute die glorreiche Zukunft der Menschen vor Augen, die in ihrem Leben auf Gott hören und anderen Gutes tun.

Die Trauernden sind selig zu preisen sind und die Friedensstifter – nicht die Gewalttätigen und Kriegstreiber.
Selig sind die Barmherzigen und nicht die, die über Leichen gehen.

Den Armen, die ausgenützt werden und sich nicht wehren können, widerfährt endlich Gerechtigkeit. Deshalb sind sie selig zu preisen und nicht die Ausbeuter, die vom Thron gestoßen werden und letztlich leer ausgehen.

Das Fest Allerheiligen lenkt unseren Blick auf die himmlische Zukunft, in der die groß sind, die dem Leben der anderen dienten.

Dass endlich einmal die Gerechtigkeit zum Zuge kommt – das ist ein tröstlicher Gedanke für alle, denen Unrecht getan wird.
Es ist ein mahnender Gedanke für jeden Lebenden, der an das denkt, was kommt.

Doch: glauben wir an diese Zukunft im Himmel? Glaube ich an das Leben in der zukünftigen Welt?
Oder ist es zu wenig vorstellbar? Zu unwirklich? Zu unsicher? Um wirklich darauf zu setzen?

Ich gebe zu, letztlich ist es nicht beweisbar. Es bleibt eine Sache des Glaubens – ebenso wie der Glaube an Gott selbst.

Doch der Glaube an Gott ist fast unlösbar mit dem Glauben an das ewige Leben verbunden.

Denn Gott, der einzige und ewige, der unser Herz kennt, unsere Freude und Trauer, unsere Angst und unsere Hoffnung, ‑
er vergisst niemanden. Wenn Gott an mich denkt, bedeutet das Leben! Ich lebe in den Gedanken Gottes, der mich erschaffen hat, der mir das Leben geschenkt hat, der für mich und zu meinem Heil Jesus Christus in diese Welt gesandt hat.

Wie dieses Leben sein wird, kann ich mir nicht vorstellen. Ich weiß nicht, wie Gott ist – er ist Geist, sagt Joh.
Ich weiß deshalb auch nicht, wie es sein wird, Gott ähnlich zu sein.

Doch dies gilt für mich: Jeder der dies erhofft, wird versuchen, schon auf der Erde Gott ähnlich zu werden – wie immer der eigene Lebensweg auch verläuft.
An Gott, die Quelle des Lebens glauben,
Ein Herz haben für die Armen,
Gerechtigkeit üben,
den anderen und sein Leben achten,
Versöhnung und Frieden suchen,
voll Sehnsucht sein nach dem Leben.

Das alles gehört zusammen.
Der erste Johannesbrief beschreibt es so: Wer das ewige Leben von Gott erhofft, wird sich heiligen, weil auch Gott heilig ist.

Der Glaube an Gott und das ewige Leben sollte die Kraft haben,
dass wir lernen, wirklich mit ‑ menschlich zu handeln.

30. Oktober 2011: 31. Sonntag im Jahreskreis

Was sind Sonntagsreden?
Hehre Ideale beschworen und begründet, die im Alltag nicht gehalten werden. Diese Sonntagsreden kennen wir und fürchten wir.

Nicht die Worte sind entscheidend, sondern das Tun.

Dies gilt genauso für uns Christen. Jesus hat uns das Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe gegeben und eifrig bringen wir diese Gebote in Erinnerung.
Und nicht nur das: anspruchsvolle Gebote gibt es in der Kirche für die Sexualität des Menschen, für die Treue in der Ehe,
Fastengebote, und vieles mehr.

Hohe und höchste moralische Ansprüche werden in der Kirche an die Menschen gestellt – umso schlimmer, wenn offenbar wird, dass offizielle Vertreter der Kirche – Priester, Ordensleute – in gröbster Weise gegen diese Ansprüche und Gebote verstoßen haben.

Die Glaubwürdigkeit ist schnell verloren.

Für uns Christen – und zwar für alle – geht es darum, dass wir tatsächlich leben, wie es dem Glauben an Jesus entspricht und dass wir keine größeren Ansprüche stellen, als wir selbst halten können.

Die Sonntagsreden werden meistens von Menschen gehalten, die im Licht der Öffentlichkeit stehen – Prominente, Honoratioren – nennen wir sie.

Wie sehr können sie die Menschen in den Bann ziehen und zu ungewöhnlichem Engagement motivieren, wenn sie eine natürliche Autorität haben. Diese Autorität entsteht nicht nur einen Titel oder ein Amt – sondern wenn Leben und Reden im Einklang stehen.
Wenn sie nicht sagen, was man von ihnen erwartet oder was ihnen angemessen erscheint, sondern das, was sie wirklich denken und mit ihrem Leben ausfüllen.
Diese Menschen haben es nicht nötig, dass sie besonderen Respekt erwarten. Sie beanspruchen keine roten Teppiche – weil es ihnen nicht darum geht, im Mittelpunkt zu stehen.

Den Anschein waren, strenge Verhaltensregeln und Personenkult wie bei Stars und Machthabern – das passt nicht zum Lebensstil Jesu.

Christen sind – das ist die Vorstellung des Matthäusevangeliums – eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüder!

Es widerspricht geradezu dem Kern des christlichen Glaubens, wenn Christen danach streben, von anderen als Lehrer, als Vater, als Großer bezeichnet und geachtet zu werden.

Christen sind nicht Menschen, die Gehorsam einfordern, sondern Menschen, die alles für andere tun.
Christen sind nicht Menschen, die bedient werden wollen, sondern Menschen, die anderen gerne einen Dienst erweisen.

Liebe Schwestern und Brüder,
diese Anrede soll mehr als eine Floskel sein – egal wer sie in den Mund nimmt. Sie drückt aus, dass der Redner seine Zuhörer als Schwestern und Brüder betrachtet – und weiß, dass viele darunter sind, die mehr zu sagen haben und hätten als er selbst.

Gerne würde ich auch Ihnen zuhören und ihren Gedanken und mich davon ermuntern lassen.

Zutiefst bin ich davon überzeugt: Keiner steht Gott näher, weil er einen bestimmten Dienst ausübt, keiner ist mehr wert und würdiger als ein anderer – sondern wir alle sind Schwestern und Brüder im Glauben an den himmlischen Vater, der durch Christus unseren Bruder zu uns gesprochen hat.

26. Oktober 2011: Ansprache beim Requiem für Christian Braun in Herz Jesu

Folge mir nach! Christian Braun hat diesen Ruf Jesu auf sich bezogen – er wollte Jesus nachfolgen. Dafür gibt es verschiedene Möglich­keiten. Auf welchem Weg sollte Christian Braun dem Ruf Jesu folgen? Immer deutlicher merkte er: Jesus möchte, dass ich wie die Apostel in seinem Auftrag die frohe Botschaft verkünde, dass die Menschen Gottes geliebte Kinder sind und dass Gott sie nie im Stich lässt.

Das ist schnell gesagt – aber Christian Braun musste auch einige Hürden überwinden, um diesen Weg gehen zu können:

Seine Eltern wollten das nicht gleich. Er sollte ja wie sein Vater Holzhauer werden und eine Familie gründen. Aber der Weg von Christian war anders. Er wollte seine Begeisterung für Jesus mit den Menschen teilen.

Es gab noch ein Problem: Er wurde nach der Schulzeit zum Kriegsdienst verpflichtet – auch das hat er hinter sich gebracht. Er ist wieder gut nach Hause gekommen.

Jetzt konnte er endlich Theologie studieren.
Am 29. Juni 1954 war es soweit. Er wurde zum Priester geweiht: Dabei legte ihm der Bischof die Hände auf und dann salbte er seine Hände mit Chrisam – damit es segnende Hände sind, Hände, durch die in den Sakramenten Gottes Liebe sichtbar und spürbar wird.

Für seinen Dienst als Priester Jesu Christi hat sich Christian Braun einen Wahlspruch genommen: den Wahlspruch des heiligen Johannes Bosco:
Fröhlich sein, Gutes Tun und die Spatzen pfeifen lassen.

Und wieder: das ist leicht und schnell gesagt.

Aber Christian Braun, hat es nicht nur gesagt – er hat es getan: er hat nicht nur von Gottes Liebe geredet: er hat viel Liebe geschenkt: als Kaplan war er Präses der Kolpingsfamilie und hat die Männer begeistert – weil er offen war für sie und weil er ihr Leben verstand. Dadurch gab er ihnen Kraft und Mut.

Und er war fröhlich mit ihnen, er hat sie zum Lachen gebracht und mit manchem Vortrag und Gespräch zum Nachdenken – beides ist wichtig.

Gutes Tun – das war ihm selbstverständlich: Er hat viel für die Mission gespendet. Pater Thamm hat mir aus Simbabwe nochmal geschrieben, wie sehr Christian Braun ihn und seine Arbeit unterstützt hat. Es gäbe noch viele Beispiele und Namen von Menschen, denen Christian Braun geholfen und Gutes getan hat (St. Leonhard – Kirche)

Da muss ich nochmal von den Händen reden, die der Bischof gesalbt hat, damit es segnende Hände sind: Der Christian Braun hat so gerne die Kinder und die alten Menschen gestreichelt – die eben, die dankbar sind für eine kleine liebevolle und achtsame Geste.

Er war einfach glücklich, wenn er gut sein konnte. Der dankbare Blick eines alten Menschen machte ihn genauso froh wie die strahlenden Augen eines Kindes, weil er‑ der Herr Direktor – es gesehen und angesprochen und sogar gestreichelt hat.

Weil Christian Braun die Menschen gemocht hat, mochten sie ihn auch. Das war seine Freude.

Unglücklich machte ihn das Gefühl, man bräuchte ihn nicht. Dann dachte er, dass es an ihm liegt, dass er etwas falsch gemacht hat. Das machte ihn traurig –aber nur, wenn er alleine war. Dann ging er wieder auf die Menschen zu und erzählte eine lustige Geschichte und lachte mit den Leuten.

Ich möchte noch auf den dritten Teil seines Wahlspruchs zu sprechen kommen: „Und die Spatzen pfeifen lassen“ – Das kann man ganz verschieden auslegen: Spatzen pfeifen ja ganz lustig vor sich hin – da soll man sie nicht stören. „Die Spatzen pfeifen lassen“ das heißt aber auch: nicht alles was gesagt wird, ist gleich wichtig. Der Christian Braun hat sein ganzes Leben für die Kirche gelebt – aber er hat auch gewusst: Manches wird verlangt und angeordnet, was nicht hilfreich ist – und deshalb auch nicht wichtig – er ließ die Spatzen pfeifen, er ließ sich davon nicht beirren.

Für ihn war wichtig, dass es den Menschen gut geht, gerade den Jugendlichen und den Kindern in St. Leonhard.

Dafür hat er sich eingesetzt – praktisch jeden Tag.

Jesus Christus hat Christian Braun gerufen: „Folge mir nach!“ Christian Braun folgte diesem Ruf: Er verkündete geschickt und gekonnt wie wenig andere die frohe Botschaft: Gott liebt euch – als seine Kinder!

Jetzt, da er verstorben ist, stelle ich mir vor, dass der liebe Gott ihn nun über den Backen streichelt, ihn auf den Arm nimmt und zu ihm sagt: Schön dass du da bist, Christian.

27. Oktober 2011: Requiem für Christian Braun in Eslarn

So viele sind heute von nah und fern zusammen gekommen – wegen dem Christian Braun. Es kann nicht anders sein, denn der Christian Braun reiste ja durch das Land und sprach mit den Menschen und zu den Menschen.

Er wurde einfach nicht müde – so ähnlich wie es Paulus von sich sagte:
Bereits stark geschwächt vom Krebs feierte er noch vor 2 Wochen am
9. Oktober mit den Senioren im Altenheim die hl. Messe.
Er wurde noch in der Buchhandlung gesehen – vielleicht suchte er Anregungen für die Besinnungstage, die er am 16. November im Exerzitienhaus Johannistal mitgestalten wollte.
Sein Thema: „Der Mensch ist des Menschen beste Medizin!“

Es war ihm eine Freude und zugleich eine Aufgabe den Glauben, die frohe Botschaft zu verkünden, dass Gott da ist und dass er die Welt zusammenhält. Und wie der hl. Paulus tat er alles um der Menschen willen. Wenn er die Menschen zum Lachen brachte, dann, weil er wusste: Lachen ist eine Medizin.
Wenn er ihnen aufmunternde Worte sagte, nachdenkliche Worte und schöne Sätze weitergab – dann, damit die Menschen neue Kraft schöpften – eine andere Kraft, als die Medizin geben kann. Eine Kraft, die auch den Schmerzen und der Traurigkeit standhalten kann.

Christian Braun wusste, dass die Menschen Kraft brauchen – eine innere Kraft – um ihr Leben zu meistern. Manchmal zeigte er auf ein Kind und erzählte mir leise in kurzen Worten seine dramatische, nicht selten auch tragische Lebensgeschichte. Es berührte ihn tief im Herzen, wenn er erfuhr, welch schweres Schicksal ein Kind, eine Frau, ein Mann meistern muss.

Wie kann geholfen werden? Was können und müssen wir tun?
Diese Frage trieb ihn an. Und so bewahrheitete sich durch ihn –
„Der Mensch ist des Menschen beste Medizin.“

In den letzten Jahren erlebte er es in seiner Familie und am eigenen Leib: Jahrelang war sein Bruder krank – und immer wieder erzählte er, wie seine Schwägerin alle Kräfte zusammennahm, um ihn zu  pflegen, obwohl sie doch selber gesundheitlich schwer angeschlagen war.

Beide verstarben inzwischen – es fiel ihm nicht leicht, das zu ver­kraf­ten. Sie haben ihm viel bedeutet.

Gerade da bestätigte sich, wie wichtig es ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen –so erlebte er es und dafür wollte er werben: „Der Mensch ist des Menschen beste Medizin.

In den letzten Jahren hatte er selbst seelisch und gesundheitlich zu kämpfen: Operationen – Chemotherapie und Bestrahlungen machte er mit – die Mallersdorfer Schwestern, mit denen er solange verbunden war, wurden abgezogen – aber er durfte auch erleben, wofür er warb:
Denn alte und neue Freunde schauten auf ihn und ließen ihn nicht allein. Sie unterstützen ihn wo es nötig war und flochten ein Netz, in dem er geborgen war und sich immer noch bewegen konnte Er erfuhr: Der Mensch ist des Menschen beste Medizin!

An Jesus Christus glauben hieß für ihn also zuerst einmal glauben, dass der Mensch für den anderen da sein soll.
Christian Braun setzte sich deshalb für die Menschen ein – für die Kinder, die von den Eltern nicht genügend unterstützt werden, für die alten Leute, die nicht mehr zuhause leben können, für die Menschen in den armen Ländern,

Woher nahm er die Kraft dafür?

An Jesus Christus glauben hieß für ihn, an den gütigen Gott glauben:
Er schenkt das Leben, er bewahrt das Leben, er gibt die Kraft zum Leben und wenn es zu Ende geht, dann empfängt er uns und nimmt uns auf, so dass wir bei ihm ein neues Leben haben.

So wie Paulus es sagte: Wenn unser irdischer Leib zerfällt, dann gibt Gott uns eine neue Wohnung und wir dürfen ihn schauen, wie er ist.

Christian Braun hat sein Leben so verstanden: er ging ganz und gar in seiner Berufung auf; alle Kraft bot er für die Menschen auf und wurde – das darf man sagen – wie ein Weizenkorn, das im Boden alles einsetzt und verbraucht – so dass es Frucht bringt.
Er hing wohl am Leben: aber nicht, weil er es genießen und Schätze sammeln wollte, sondern weil er für andere da sein wollte.
Er konnte sich kaum vorstellen, dass ihm dazu einmal die Kraft fehlen könnte, dass dies zu Ende geht.

Schwestern und Brüder! In zwei Wochen wollte Christian Braun darüber sprechen: Der Mensch ist des Menschen beste Medizin!
Diesen Vortrag müssen wir nicht hören – er hat es uns vorgelebt. Nehmen wir es mit und versuchen wir es: Geben wir anderen Kraft und Mut, schenken wir ihnen ein Lachen oder einen freundlichen Blick.

Und versuchen wir den Unfrieden immer wieder zu überwinden, den Stolz, den Ärger, den Neid, damit wir erleben können:

Der Mensch ist des Menschen beste Medizin.

PID Fluch oder Segen?

Vortrag mit Podiumsdiskussion

Ein kontroverser Abend über die Möglichkeiten und Risiken der Präimplantationsdiagnostik.

 

 

 

 

Frau PD Dr. Ute Hehr, eine der führenden Humangenetikerinnen in Deutschland,
Herr Prof. Dr. Schlögel, Moraltheologe an der Universität Regensburg und
Herr Joachim Unterländer, MdL,

werden ihre Meinungen und Standpunkte vertreten.

Was ist die P.I.D. überhaupt? In welchen Fällen kann sie Anwendung finden?
Werden jetzt Kinder nach Wunsch zusammengestellt? Darf man eingreifen?
Fragen über Fragen, die an diesem Abend unter reger Beteiligung des Publikums geklärt werden sollen.

Preis: Eintritt frei

Zeit: Dienstag, 15. November um 19.30 Uhr

Ort: Pfarrsaal von Herz Jesu, Kreuzgasse 24

Veranstalter: PGR Herz Jesu

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