Direktor Christian Braun verstarb

CHRISTIAN BRAUN ist am Samstag verstorben.

Er hat so viel getan. Mut machen, den Glauben schmackhaft machen und stärken – jungen und Alten – das war sein Leben.

Am Dienstag um 17.00 Uhr wird für ihn der Sterberosenkranz gebetet.

Am Mittwoch um 16.30 Uhr feiern wir in der Herz Jesu Kirche ein Requiem für ihn.

Am Donnerstag um 15.00 Uhr ist die Beerdigung in Eslarn – seine Heimatpfarrei zu der er immer Kontakt gehalten hat.

23. Oktober 2011: 30. Sonntag im Jahreskreis

Tatsächlich finden sich die beiden Liebesgebote bereits in den 5 Büchern Mose – und zwar im Deuteronomium und im Buch Leviticus.
Allerdings eben nicht in dieser Zusammenfügung.

Du sollst Gott lieben! Und du sollst den Nächsten, deinen Mitmenschen lieben!

Ich lade sie zu einigen Gedanken über das Gebot der Liebe zu Gott ein:
Zunächst stelle ich mir eine ungewöhnliche Frage: Wie kann es heißen, dass wir Gott lieben sollen?  Braucht Gott unsere Liebe?

Gott, so denken wir doch, ist doch der eine, der wahre, der gute, Gott ist vollkommen und ewig. Das alles fassen wir zusammen, wenn wir Gott allmächtig nennen:
Gott braucht unsere Liebe nicht, um Gott zu sein!
Die Liebe zu Gott kann nur aus unserer menschlichen Sicht ein Gebot sein –
denn, welches Verhältnis zu Gott, der uns das Leben gibt, sollten wir sonst erstreben?
Gleichgültigkeit, Zurückweisung, Ablehnung, Hass?

Die Antwort versteht sich von selbst!

Doch bevor wir versuchen können, Gott zu lieben, darüber sind wir uns bewusst, liebt er uns schon immer – seit Ewigkeit her sozusagen.
Denn jeder von uns lebt, weil er Gottes Geist in sich trägt, Gottes Kraft ist das Leben in uns.

Doch wie können wir Gott lieben?
Damit wir uns nicht zu schnell auf kirchliche Gebote festlegen, hören wir einmal ganz bewusst und ganz genau hin:

„Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“

Gott ist also eine Herzensangelegenheit. Es geht um Gefühle: um Bewunderung, um Hingezogen sein, um Sehnsucht, um Willen.

Wenn wir mit ganzer Seele lieben, dann ist unsere ganze Existenz davon betroffen. Es ist sozusagen eine Frage der Menschlichkeit, dass wir Gott lieben. Die Liebe zu Gott und das Handeln aus Liebe zu Gott ist der Sinn unseres Daseins, der Selbstvollzug echter Menschlichkeit, weil wir darin anerkennen, dass wir unser Leben empfangen und dass Gott es bewahrt.

Mit allen Gedanken lieben wir Gott: das heißt, dass wir diese ganze Welt in der wir leben auf Gott hin und von Gott her deuten und verstehen:
Es ist Gottes Universum und wir dürfen immer mehr verstehen, wie Gottes Geist in diesem Universum waltet, wie er sich ausdrückt in der Ordnung dieses Alls und seiner Gesetzmäßigkeit.

Mit allen Gedanken lieben wir Gott, …
das lenkt unseren Blick auf das zweite Gebot, dass Jesus so eng mit dem ersten verbindet.

Unsere Gedanken sind darauf ausgerichtet, dass wir unserem Nächsten als Gottes geliebtem Kind begegnen. Wann immer wir mit einem anderen Menschen zu tun haben: Er ist Gottes geliebtes Kind – wie könnten wir da respektlos oder unbarmherzig zu ihm sein.

Dass wir Gott lieben –wir selbst und andere werden und dürfen es merken.

Der Pfarrgemeinderat Herz Jesu erarbeitet Leitbild

Was hat die Neugestaltung der Unterkirche mit dem Pfarrfest zu tun?
Wo ist der Zusammenhang zwischen einem Ausflug der Jugendlichen
und adventlichen Gesprächen über Licht?

Der PGR hat in den vergangenen Monaten intensiv über seine Aufgaben und Ziele, Vorstellungen und Absichten, Grundlagen und Visionen diskutiert.

Als sichtbares Ergebnis dieser Überlegungen ist das folgende Leitbild entstanden. Das Leitbild drückt in wenigen Sätzen das Selbstverständnis des PGR aus, formuliert seine Ideale und fasst seine Aufgaben zusammen.

  • Der PGR fördert die positive Entwicklung der Pfarrei, indem er das Engagement der Pfarreimitglieder unterstützt und anerkennt.
  • Er öffnet Freiräume für neue Ideen,  übernimmt Verantwortung und gestaltet das Gemeindeleben aktiv mit.
  • Es ist dem PGR ein Anliegen, die Menschen für ein Miteinander in der ganzen Pfarrgemeinde zu begeistern.
  • Der PGR will Kirche trotz allen Diskussionsbedarfs als positiven Lebensraum erlebbar machen.
  • Innerhalb des PGR gehen wir wertschätzend miteinander um und arbeiten konstruktiv zusammen.
  • Gelebter Glaube verwirklicht sich in einer lebendigen Gemeinschaft; als solche versteht sich der PGR und möchte Gottes Liebe sichtbar werden lassen.

16. Oktober 2011: Kirchweihfest

Sicher ist die Kirche als Gemeinschaft des Glaubens wichtiger als die Kirche aus Stein. Wichtiger ist, wie Kirche lebt, als wie ihre Gebäude gestaltet sind. Also möchte ich heute an Kirchweih über uns predigen. Über unser Leben in einer Gesellschaft, in der die Kirche nicht mehr alleine das Sagen hat.

Benedikt XVI prangert den Relativismus in der Gesellschaft und warnt die Kirche davor. In Stil und Argumenten betont er die bleibenden Wahrheit.
Zu gleicher Zeit fordern viele, die Kirche solle mehr mit der Zeit gehen: sie soll sich mehr auf die moderne Gesellschaft einlassen; sie soll alte – veraltete – Regeln und Überzeugungen ändern.

Im Evangelium geht es heute auch um die Frage, wie sich Religion und Gesellschaft und Staat zueinander verhalten. Die kaiserliche Steuer war ein Reizthema: Würde Jesus wie die Aufständischen den römischen Besatzern die Steuer verweigern? Oder würde er opportunistisch antworten – als Kol­la­borateur der Römer?  – „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört!“

In Deutschland, in Bayern sind bei weitem nicht mehr alle Bürger Christen und der christlichen Ethik verpflichtet. Damit entsteht die Frage, wie wir als Christen, als Kirche uns in diesem Staat einbringen, wie wir unsere Beziehungen zu diesem Staat regeln. Und wir müssen diese Frage stellen und bedenken.
Es gibt die großen politischen Fragen, die neuerdings durch eine Bemerkung Benedikts XVI. wieder neu besprochen werden: Kirchensteuer, Religionsunterricht an staatl. Schulen, staatliche Gelder für die kirchlichen Aktivitäten im Sozialsystem …

Dass die Wertvorstellungen der kath. Kirche heute nicht mehr­heitsfähig sind, wird immer wieder deutlich: Und dass die Mehrheit der Menschen andere Werte hat, oder auch weniger, ist offensichtlich:
Eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle, Straffreie Abtreibung, Vorrang der Arbeit und des Menschen vor dem Kapital; extrakorporale Befruchtung, Präimplantationsdiagnostik …

Nun ist zum Beispiel die Präimplantationsdiagnostik vom Bundes­tag in engen Grenzen freigegeben worden – nach langen und sehr ernsthaften Debatten.

Als Christ denke ich aber selbst darüber nach: und möglicherweise fällt meine Entscheidung vom Glauben her anders aus.
Ich erwarte nicht, dass der Staat in ethischen und moralischen Fragen die Empfehlungen der Kirche übernimmt. Wir sind ja nur eine Gruppe unter anderen.
Umso mehr stehe ich vor der Herausforderung, mir ein eigenes vom christlichen Glauben geprägtes Urteil zu bilden.

Wir Katholiken haben gelernt, dass die Kirche der Pluralen Gesellschaft ihre Vorstellungen nicht aufzwingen kann – ja seit Jahrzehnten wird dies abgelehnt – und jeder Versuch als Anmaßung des katholischen Dogmatismus zurückgewiesen.
Nun dürfen wir wieder etwas lernen: Wir Christen haben andere Werte und andere Werturteile als andere. „Abtreibung kann für uns keine verantwort­liche Lösung sein bei einer unerwünschten Schwangerschaft.“ Deshalb bin ich allen dankbar, die als katho­lische Christen in der Beratungsarbeit versuchen, die werdenden Mütter und Väter zu einem „Ja“ für das Kind zu ermutigen.

Wir leben in einer Gesell­schaft, in der es noch viele Spuren einer Vergangenheit gibt, in der man die Werte selbstverständlich von der Kirche bezog. Auch heute gewährt und die Gesellschaft, der Staat enorme Rechte und Vergünstigungen. Umso mehr sind wir gefordert, uns in und für diesen Staat zu engagieren. Zugleich dürfen wir als Minderheit in dieser Gesellschaft unseren eigenen Weg suchen in den vielen ethischen Herausforderungen, die das Leben stellt.

Orientierung gibt uns vor allem und zuerst die Heilige Schrift. Unsere Vernunft versucht Antworten zu finden, die mit unserem christlichen Glauben im Einklang stehen, damit wir Gott geben, was Gott gehört – damit die Liebe zum anderen der Maßstab für all unser Handeln sei.

9. Oktober 2011: 28. Sonntag im Jahreskreis

„Mit welchem Recht tust du das?“ So hatten die Schriftgelehrten und die Hohenpriester Jesus zur Rede gestellt, nach seinem triumphalen Einzug in Jerusalem und der Reinigung des Tempels.

Ihr hättet merken müssen, dass Johannes im Auftrag Gottes gekommen ist – so wie es die Zöllner und Huren gemerkt haben und ihr Leben änderten
Gott hat euch als sein Volk auserwählt. Aber euer Glaube ist fruchtlos. Statt um Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sorgt ihr euch um euch selbst.

Das war die Botschaft der ersten beiden Gleichnisse, die dann erzählt werden.

Das Matthäusevangelium überliefert diese dritte Geschichte, in der den Hohenpriestern nochmals der Spiegel vorgehalten wird:

Ihr seid Menschen, die sich zwar wie Fromme geben – aber nur zum Schein steht ihr für Gottes Sache!

Das stellen die ursprünglich eingeladenen Gäste in dieser Geschichte dar:  Sie lehnen die Einladung ab. Sie haben kein Interesse. Einige gehen sogar mit Gewalt gegen die Boten der Einladung vor.

Der König lässt die Stadt der Mörder in Schutt und Asche legen. Das Matthäusevangelium spielt damit auf die Zerstörung des Tempels in Jerusalem an: Das hört sich brutal an.

Ich folge nicht der Interpretation des Matthäus, der die Zerstörung Jerusalems als Strafe Gottes interpretiert: Doch: was bleibt, wenn von dieser Welt nichts bleibt? Was bleibt von uns, wenn es keinen Gott gibt, der uns das Leben schenkt?
Es gibt keine Hoffnung. Die außer Handeln und Arbeit, außer Selbstbe­stimmung und Lustgewinn keinen Lebensinhalt haben, haben auch keine Hoffnung darüber hinaus. In ihren Augen ist es mit dem Tod schlussendlich aus.
Der Zahn der Zeit wird alles in Schutt und Asche verwandeln.
Schon an dieser Stelle muss ich mich als Hörer und Leser fragen: Wie steht es mit mir? Trifft mich diese Kritik Jesu an den Hohenpriestern?
Lebe ich so, als ob ich Gott nicht bräuchte? Oder sehe ich mein Leben als Geschenk Gottes an?
Lebe ich in der Gegenwart Gottes – oder wende ich ihm den Rücken zu?

Schwestern und Brüder! Matthäus hat als er diese Gleichnisgeschichte in sein Evangelium aufnahm auch an die christlichen Leser und Hörer gedacht.
Und damit sie sich auch angesprochen fühlten, kam es noch zu der Szene mit dem, der kein hochzeitliches Gewand an hat:
Es geht nicht um Textilien. Es geht darum, was das Taufkleid ausdrückt. Ihr habt Christus als Gewand angelegt.

Wer der Einladung Gottes folgt, wer zum himmlischen Festmahl geht, der muss das Festkleid tragen: Das Kleid der Barmherzigkeit, der Freude, der Hoffnung, der Sorge für den anderen – mit dem Kleid der Selbstsucht und Selbstbezogenheit kann er nicht in Gottes Gegenwart sein.

Heulen und Zähneknirschen – das kann uns bevorstehen, wenn wir – trotz christlichen Glaubens, trotz aller Gebete und Lieder nicht leben, wie es Christus entspricht.

02. Oktober 2011: 27. Sonntag im Jahreskreis (Erntedank)

Sind wir dankbar, wenn wir in diesen Tagen von der sehr guten Kartoffelernte hören, wenn wir Gemüse und Früchte hier so schön aufgebaut sehen, wenn wir jeden Tag frische und gute Nahrungsmittel auf dem Tisch haben?
Sind wir den Produzenten dankbar – oder braucht es das nicht, weil wir ja ihre Produkte mit Geld bezahlen?

Sind wir dankbar, dass die Früchte gedeihen konnten! Danken wir bei der täglichen Mahlzeit dem Schöpfer aller Dinge?
Und wie zeigen wir ihm gegenüber unsere Dankbarkeit?

Sowohl der Abschnitt aus dem Buch Jesaja wie auch aus dem Philipperbrief geben uns klare Hinweise, welche Art von Dankbarkeit wir Gott zeigen können:

Jesaja spricht vom Recht und von der Gerechtigkeit – die jedem gibt, was Recht ist;
Paulus wirbt dafür: seid darauf aus, was wahr und edel, gut und rein, schön und liebenswert ist – übt das in eurem eigenen Verhalten.

Das Gleichnis von den Weinbergsbesitzern und den bösen Winzern ist zwar nicht ureigentlich eine Dankbarkeitsgeschichte – aber es hat auch damit zu tun:

Ich erinnere daran: die Hohenpriester hatten Jesus gefragt: Mit welchem Recht vertreibst du die Händler mit ihren Opfertieren aus dem Tempel?

Jesus antwortete darauf mit dieser Geschichte:
Jesus kommt – so interpretiere ich das Mt.Ev. – und erinnert alle, die ihn hören, daran, was es heißt, auf Gott zu hören und ihm Dankbarkeit zu zeigen – ihm seinen Anteil an den Früchten zu geben:

Jesus kommt im Auftrag dessen, dem der Tempel geweiht ist, der sein Volk aus Ägypten geführt hat, der ihm Gebote gegeben hat, damit Frieden und Gerechtigkeit die Leute erfreuen.

Die nicht auf Jesus hören, erweisen sich nicht als dankbar dafür,
dass Gott sich ihnen offenbart hat,
dass er sie in das Land geführt hat,
dass er ihnen den Weg zum Leben weist.

Sie handeln undankbar, indem sie sich ihm verweigern,
weil sie mehr ihren Vorteil im Sinn haben und ihre Vorrangstellung
– als das Heil der Menschen.

Der Sinn der Geschichte und ihrer Deutung durch Jesus besteht nicht darin, die Juden,  die Hohenpriester als solche zu maßregeln, weil sie Juden sind.
„Böse Winzer“ gibt es in jedem Volk und in jeder Religion – auch unter uns Christen.

Der Sinn dieser Worte ist: Alle, die sie hören, sollen ermahnt werden, Gott gegenüber die Dankbarkeit zu zeigen, indem sie das tun, was Gott entspricht:
Gerechtigkeit üben, Verzeihung gewähren, mit den Armen teilen, Kranke heilen und pflegen.

25. September: 26. Sonntag im Jahreskreis

Es ist ein weiter Sprung im Matthäusevangelium von der Geschichte des Gutsherrn, der alle Knechte gleich bezahlt (25. Sonntag im Jahreskreis) – bis zu der für heute vorgesehenen Gleichnisgeschichte vom Vater, der seine beiden Söhne anweist, im Weinberg zu arbeiten:

Inzwischen ist Jesus nach Jerusalem gekommen und wurde von den Menschen wie ein König empfangen – auf einem Esel reitend.
Im Tempel hatte Jesus Aufsehen erregt: Er hatte die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben und Blinde und Lahme geheilt.
Da kamen die Hausherren zu ihm und fragten: „Mit welchem Recht, mit welcher Vollmacht tust du das?“ – Jesus ist in einer Zwickmühle:

Würde er sagen: der Vater im Himmel hat mir befohlen, dies zu tun – man würde ihn der Gotteslästerung beschuldigen.
Würde er antworten: Aus eigenem Antrieb handle ich. Dann würde er verschweigen, dass er in Gottes Kraft und Gottes Geist handelt. Er würde seinen Vater im Himmel verraten.

Deshalb bracht er seinerseits die Hohenpriester und Schriftgelehrten in die Zwickmühle und fragte: „Woher stammt die Taufe des Johannes?“
Würden sie antworten: vom Himmel, dann hätten sie ihm glauben müssen. Antworten sie: „Das war seine eigene Idee.“ – dann hätten sie die Leute gegen sich, die Johannes für einen Propheten hielten. Also sagten sie: Wir wissen es nicht.

Darauf erzählt Jesus drei Gleichnisse. Das erste ist das von den beiden Söhnen, die der Vater zum Arbeiten in den Weinberg schickt:
Da kommen die Hohenpriester schlecht weg. Denn durch ihren Unglauben gleichen sie dem einen Sohn, der zwar seine Bereitschaft kundtut – aber doch nichts tut. Die Kreditbetrüger und Prostituierten hingegen, die Johannes glaubten und ihr Leben änderten – sie gleichen dem anderen Sohn, der schließlich doch in den Weinberg ging.

Das Matthäusevangelium stellt damit einen engen Zusammenhang her zwischen „Glauben“ und „Tun“.

Hier berührt sich die Botschaft dieser Geschichte mit dem Brief des Paulus an die Philipper.
Paulus ruft uns Christen auf, einmütig zu sein, dass einer den anderen achtet und unterstützt, dass jeder das Wohl des anderen im Auge hat – genauso wie da eigene.
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht, der nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern Mensch wurde und den Tod am Kreuz erlitt – um die Treue Gottes und die Vergebung Gottes zu offenbaren.

An Jesus glauben – das heißt:
Für den Frieden, die Versöhnung und für den gerechten Ausgleich zwischen den Menschen zu leben.
Denn genau dies ist die Botschaft Jesu:  Das Reich Gottes, die ewige Zukunft der Menschen,  ist Versöhnung, ist Frieden, ist Gerechtigkeit und Leben in Fülle.

Das sind unsere Ideale, denen wir folgen sollen.

18. September 2011: 25. Sonntag im Jahreskreis

Jungen laufen um die Wette.
Viele Menschen strengen sich an, um die besten, die ersten zu sein,
oder auch die schönsten oder um ganz nach oben zu kommen.

Ehrgeiz ist menschlich!

Damit verbindet sich noch ein anderes Bedürfnis: Wer besser ist, verdient die Medaille;
der 1. Preis ist Gold, der zweite Silber, der dritte Bronze!

Dieses Bedürfnis nach Gerechtigkeit ist menschlich!

Und deshalb provoziert diese Gleichnisgeschichte, die Jesus seinen Jüngern erzählt hat! Am Ende wiederholt Jesus den Satz, den er mit dieser Geschichte erklären wollte: So werden die letzten die Ersten sein!
Zuvor nämlich hatte Petrus gefragt: „Jesus, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen?“
Für Petrus – den Jesus zum Felsenmann erklärt hatte – und die anderen Jüngern, die Aposteln, und für alle, die sich zu Jesu Freunden zählen, hat Jesus diese Geschichte erzählt. Die Geschichte ist so erzählt, dass Petrus sich mit den Arbeitern identifiziert, die schon früh am Morgen in den Weinberg gegangen waren.
Petrus musste sich die Geschichte anhören, weil er das Gefühl hatte: er und die anderen Apostel müssten im Himmel doch ein wenig besser dastehen als andere.

Was soll er nun verstehen durch diese Geschichte??

Ich persönlich würde es so sagen: Wenn das Glas voll ist, dann ist es voll!
Gönne es jedem, wenn sein Glas genauso voll wird wie das deine!
Beanspruche nicht einmal, der erste sein zu wollen, dessen Glas gefüllt wird. Sei zufrieden mit dem vollen Glas!

Auf das Himmelreich bezogen:  Wenn wir einmal in Gottes Herrlichkeit leben, gibt es kein weniger oder mehr. Gottes Herrlichkeit ist vollkommen. Es gibt keinen Himmel 1. Oder 2 Klasse! Im Himmelreich gibt es nur Goldmedaillen!

Doch auch in diesem Leben kann ich daraus meine Lehren ziehen:

Ich kann mir und anderen viel Verdruss und Leid ersparen, wenn ich das Leistungsprinzip durch Gerechtigkeit nach Gottes Art überwinde.
Ich muss nicht beanspruchen, mehr zu gelten als andere!
Ich kann anderen gönnen, wenn es ihnen gut geht.
Ich brauche nicht zu denken: das hat die doch gar nicht verdient.
Ich kann – aus freien Stücken – das meine mit anderen teilen und es ihnen zur Verfügung stellen.
Ich darf aufhören, mich mit anderen zu vergleichen, um zu beweisen, dass ich besser, schneller, klüger bin und deshalb größere Ansprüche stellen darf.
Ich kann zufrieden sein mit dem was ich habe!

Das ist keine Anweisung für Tarifpartner und Finanzminister!
Das ist kein Geheimwissen für Personalentscheidungen!
Das ist eine freundschaftliche Einladung an Petrus und alle Christen,
das Prinzip der Selbstbezogenheit,
Neid und Konkurrenz endgültig aufzugeben.

11. September 2011: 24. Sonntag im Jahreskreis

Diese Geschichte im Mt. Ev verstehe ich auf Anhieb: Die Christen sollen sich bewusst werden, dass jeder einzelne Gottes Vergebung erbittet und empfängt. Darum sollen die Jünger Jesu bereit sein, einander zu vergeben!

Dieser Gedanke hat einige Voraussetzungen – ich bin mir nicht sicher, ob wir und unsere Mitmenschen vor der Kirchenmauer, sie so verstehen und annehmen können. Darüber muss geredet und nachgedacht werden.
Und darüber hinaus: Am Ende dieser Geschichte erscheint Gott als unerbittlichen Richter – um dem Aufruf zur Vergebungsbereitschaft durch die Drohung mit der ewigen Verdammung Nachdruck zu verleihen – Ist das nicht ein Rückfall in die Angst vor Gottes Strafgericht?

Es fängt an mit der Frage des Petrus: Wie oft muss ich meinem Bruder, meiner Schwester vergeben? Siebenmal? Also praktisch uneingeschränkt? Ich höre einen besorgten Ton heraus: „Muss ich meinem Bruder, meiner Schwester wirklich immer wieder – unbegrenzt – vergeben?“

Diese Frage thematisiert eine Schwierigkeit im menschlichen Zusammen­leben: Es gibt Streit und Zerwürfnisse – und zwar zwischen Menschen, die eigentlich in Frieden miteinander leben sollten, um gut leben zu können: Nachbarn, Familienmitglieder, Freundeskreise, Kollegen, Gemeindemitglieder.

Petrus spricht vom „Vergeben“. Was heißt eigentlich vergeben und wie geht es? Wenn es mir gelingt, zu vergeben, passiert etwas in meinem Inneren: ich höre auf, die andere Person auf das Unrecht festzulegen, das sie mir angetan hat. Ich höre auf, ihr Vorwürfe zu machen.
Vergeben heißt: ich bin wieder in der Lage, offen und ohne Vorbehalt mit dieser Person umzugehen.
Vergeben wird leichter, wenn ich verstehen kann, warum die Person so gehandelt hat; was sie beabsichtigte. Erst recht, wird Vergebung leichter, wenn die andere Person ihr Unrecht einsieht.

Wie ist das nun zwischen Mensch und Gott? Ist der Mensch vor Gott wirklich schuldig? Sind wir Sünder vor Gott?
Ist es also nötig und angebracht, dass wir zu Beginn der Messfeier jedes Mal Gott um Vergebung bitten?
Die Bibel spricht jedenfalls von Anfang bis Ende davon, dass der Mensch vor Gott ein Sünder ist. Jesus spricht beim letzten Abendmahl davon, dass er sich hingibt, zur Vergebung der Sünden.

Eigentlich erübrigt sich die Frage: denn wenn ich zugebe, dass ich an einem Mitmenschen schuldig geworden bin, dann ist damit zugleich gesagt, dass ich vor Gott schuldig geworden bin, der der anderen und mir das Leben schenkt.
Die Gebote, nicht zu lügen, nicht zu betrügen, nicht die Ehe zu brechen, Vater und Mutter zu ehren – nicht mal diese grundlegenden Gebote befol­gen wir Menschen alle und immer. Geschweige denn das Gebot Jesu, dass ich jeden Mitmenschen lieben soll: dass ich ihm gutes und gut tun soll.

Diese Voraussetzung der Geschichte von den beiden Knechten stimmt: Vor Gott, der mir das Leben gibt und mich beruft, als sein Ebenbild zu leben, vor ihm bin ich ein Mensch, der immer wieder Schuld auf sich lädt, der vieles schuldig bleibt.
Befreiend ist die Zusage, dass Gott bereit ist, mir zu vergeben, selbst wenn ich unvorstellbare große Schuld auf mich laden sollte.

Dennoch kann ich mich, wenn ich mein Leben vor Gott ernst nehme, nicht aus der Verantwortung stehlen: Gerade, weil ich auf Gottes Vergebung vertraue, gerade deshalb, möchte ich doch so sein und leben, dass ich Gottes Vergebung nicht zu sehr beanspruchen muss.
Ich kann nicht anders, als auch meinem Mitmenschen zu vergeben – und immer wieder zu vergeben. Wollte ich ihn auf seine Schuld mir gegenüber festnageln – ich würde doch damit das Vergebungsangebot Gottes aus der Hand schlagen. Ich würde leugnen, dass ich selbst Vergebung nötig habe.

Ich will versuchen, in einem Satz zusammenzufassen, was dieses Gleichnis mich lehrt:
Habe keine Bedenken, dem anderen immer wieder zu vergeben; dem anderen die Vergebung zu verweigern würde bedeuten, das göttliche Geschenk der Vergebung abzuweisen und zurückzufallen in die Angst vor Gottes Strafe.

Schwestern und Brüder! „Vergeben“ ist nicht leicht. Denken wir darüber nach: Gibt es jemand, gegen den ich Groll im Herzen trage? Wie könnte ich diesen Groll überwinden? Was hindert mich daran?
Manchmal komme ich nicht weiter als zu sagen: Ich möchte vergeben können – aber auch das ist schon ein erster Schritt.

31. Juli 2011: 18. Sonntag im Jahreskreis

1. Kauft Getreide, Wein und Milch ohne Bezahlung!
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen!
Kommt zu mir, dann werdet ihr leben!
Ich will einen ewigen Bund schließen!

Wer das versprechen und halten könnte – zu ihm würde ich gehen und wahrscheinlich noch viele andere.

2. Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe –
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

3. Sie teilten die Brote aus – und alle wurden satt.

Drei Bibelstellen von der göttlichen Fülle, die für alle reicht.

Das Wunder der Brotvermehrung ist sicher eine ganz besondere Herausforderung. Soll ich es glauben, dass Jesus mit 5 Broten und zwei Fischen 5000 Männer zuzüglich Frauen und Kinder gesättigt hat? Ich möchte diese Wundergeschichte nicht als Reportage über ein Ereignis missverstehen. Ich möchte sie so lesen und bedenken, wie sie gemeint ist: als Verkündigung über Jesus Christus und als Einladung zu Hoffnung und Vertrauen.

Alle 4 Evangelien berichten von wunderbaren Speisungen einer Vielzahl von Menschen. Jedes Mal dienen Jesus wenige Brote und Fische, um alle zu sättigen.

Brot – und zwar das gebrochene Brot ‑  deutet ganz gewiss auf Jesus Christus hin, der sich selbst das Brot des Lebens genannt hat. Der beim Mahl vor seinem Tod das Brot bricht und sagt: Das ist mein Leib.
Sollte jemand diese Sprache noch nicht verstehen, wird ein zweiter Hinweis gegeben: Die Fische: Das griechische Wort für Fisch ist ein urchristliches Akrostichon: Die Anfangsbuchstaben der Worte Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser ergeben das Wort „Fisch“.

Mir sagt diese Speisungsgeschichte: Jesus ist Geber und Gabe zugleich!
Er ist der Geber, dessen Vorrat nie leer wird und er ist die Gabe, die nie ausgeht. Wer zu ihm kommt, dem schenkt er sich selbst.

Wer zu ihm kommt, wird Erbe des Himmelreiches.  Es gibt dort weder Überbevölkerung noch Hungersnot.
Vielmehr empfängt jeder den Geist und das Leben, um selber die Gabe weiterzugeben, die er empfangen hat.

Nun werden die sich selbst so bezeichnenden Realisten einwenden: So viele Menschen können doch im Himmel gar nicht Platz haben.
Das ist dasselbe Unverständnis, in dem sie sagen: Es ist nicht möglich, mit fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen zu sättigen.

Zwei Gedanken seien dagegen gesetzt:
Der erste Gedanke greift die Argumentationsebene derer auf, die scheinbar rational sich dem Glauben verweigern:
Wenn schon diese kleine Erde 6 Milliarden Menschen beherbergt –  Wenn schon der Mars ein Vielfaches der Erde ist,
Dann kann doch sicher der Himmel, alle Menschen beherbergen, die jemals leben.

Der zweite Gedanke aber ist wichtiger:
Gott ist Geist. Jedenfalls ist Gott kein Ding und keine Materie. Wenn er uns das ewige Leben verspricht, wird es ganz gewiss kein Umzug sein von einem Planeten auf einen größeren. Wir werden Anteil haben an seinem geistigen Leben und Sein. Wir werden ein Teil von ihm sein. Wir werden merken, wie wahr die Glaubensschau des Apostels Paulus ist:
Nichts kann uns trennen von seiner Liebe, die Christus Jesus ist, unserem Herrn.