19. Dezember 2010: 4. Adventsonntag

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die römische Glaubensbehörde heutzutage Paulus vielleicht kritisieren würde, weil er schreibt:
Jesus ist der Abstammung nach Nachkomme Davids. Seit der Auferstehung ist er eingesetzt als Sohn Gottes in Macht.

Drücken diese Sätze ausreichend aus, dass Jesus schon bei seiner Geburt, ja bei seiner Entstehung im Mutterleib Sohn Gottes war?
Das Evangelium nach Matthäus und nach Lukas sagen doch in aller Deutlichkeit: Maria erwartete ein Kind durch das Wirken
des Hl. Geistes.

Immerhin: Paulus wie das Evangelium wollen Jesus als Sohn Gottes verkünden. „Sohn Gottes“ – das ist aber auch ein schwieriger Begriff. Jahrhunderte lang wurde in der Christenheit hart darum gerungen, wie dies richtig zu verstehen sei und mit welchen Worten es angemessen ausgedrückt werden kann.

Hat Gott, der jenseitige, einen Sohn?
Wie kann der unsichtbare, der größer ist als alles, der eine, der alles im Dasein hält, wie kann der, den wir mit Gott meinen, einen Sohn haben, der von einer menschlichen Frau geboren wird?

Wie kann dieser Gott sein und Mensch?

Der Glaube an Jesus ist unzertrennlich mit diesem Bekenntnis verbunden. Matthäus legt es bei der Kreuzigung einem römischen Hauptmann in den Mund, der sagt:
„Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“

Vielleicht geht es aber weniger darum, zu erklären, wie Gott ein Mensch werden und sein kann, den wir dann Sohn Gottes nennen.
Vielleicht geht es mehr darum, dass Jesus so lebt uns stirbt, dass sein ganzes Leben offenbart, wie Gott eigentlich zum Menschen steht.

Jedenfalls stellten sich das Lukas- und das Matthäusevangelium die Aufgabe, etwas über die Geburt Jesu zu schreiben – auch wenn ihnen nur wenige biografischen Angaben darüber zur Verfügung standen.

Beiden war klar: das wenige muss so erzählt werden, dass deutlich wird: nicht irgendein Kind, wird da geboren, sondern der, den man Sohn Gottes nennen wird.

Nazareth und Bethlehem, Maria und Josef, das war das wenige, was an Daten verfügbar war. Darum herum wurde nun die Geschichte vom Werden Jesu Christi erzählt. Nehmen wir das Evangelium als das was es ist: Verkündigung des Glaubens an Jesus als Sohn Gottes, als Nachkomme Abrahams und Davids.
Die Evangelien erzählen nicht ein Geschehen, das beweist, wer Jesus ist. Sie verkündigen Jesus in dem Geschehen, das sie erzählen. Hören wir auf die Botschaft des Evangeliums:

1. Das Kind, das Maria empfing, ist vom hl. Geist.
Man darf ergänzen: Das Kind ist erfüllt vom hl. Geist, von Gottes Geist. Wichtig ist nicht die Aussage über die Zeugung des Kindes; wichtig ist: Jesus, der Sohn Marias, handelt in seinem ganzen Leben aus der Kraft Gottes und ist ganz und gar durchdrungen von Gottes Geist. Sein Leben, seine Botschaft, sind etwas neues, das nur als Gottes Wirken in Jesus zu erklären ist.

2. Dieses Kind hat den Namen Jesus. Das ist ein sprechender Name, der bedeutet: Gott rettet. Gott rettet sein Volk. Er gibt allen, die an Jesus glauben, Anteil an seinem Leben.

3. verkündet das Evangelium: Jesus erfüllt, was der Prophet Jesaja versprochen hat: die junge Frau wird einen Sohn gebären, den man Immanuel – Gott ist mit uns – nennen wird. Jesus wird nicht so genannt. Aber am Ende des Matthäusevangeliums sagt der Auferstandene zu seinen Jüngern: Ich bin bei euch, alle Tage bis zum Ende der Welt. So verwirklicht er, was der Name Immanuel sagt, auch wenn er diesen Namen nicht trägt.

4. geht es dem Evangelium auch darum, Josef, den Vater Jesu, als Vorbild darzustellen. Josef gehorcht dem Engel, dem Wort Gottes.
Das ganze Evangelium fordert dazu auf und Jesus gib am Ende seinen Jüngern diesen Auftrag: Lehrt die Menschen alles zu befolgen, was ich euch geboten habe! Gehorchen wir Gott – damit sein Friede sich ausbreitet unter den Menschen.

12. Dezember 2010: 3. Adventsonntag

Markus Lanz unterhielt sich in den vergangenen Tagen mit Prof. Michael Tsokos. H. Tsokos ist Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts der Charité in Berlin. Im Laufe des Gesprächs sagte Tsokos: „Ich kann nicht mehr an eine höhere Gewalt glauben, die zulässt, dass Kinder auf so grässliche Weise getötet werden. Ich habe durch meinen Beruf meinen Glauben verloren!“

Ich höre die Enttäuschung eines Menschen, der denkt: Eine höhere Gewalt müsste in der Lage sein, solche Exzesse zu verhindern.

Kann ich, muss ich von Gott erwarten, dass er in seiner höheren Macht Unmenschlichkeiten verhindert?

Johannes dem Täufer mag es mit Jesus von Nazareth ähnlich gegangen sein: Welche großartige Verheißungen machten die Propheten, besonders Jesajas über den Messias! Sie sprechen von ewiger Freude, von der Wiederherstellung Israels und vom Frieden, der vom Zionsberg aus die ganze Welt erfasst, weil alle Völker kommen, um von Gott Weisung zu empfangen.

Jesus erfüllt diese Verheißungen nicht!
Er gibt sich mit den Armen ab, er sammelt eine kleine Schar von Freunden um sich, er muss sich den Angriffen seiner Widersacher entziehen. Johannes sieht seine Erwartungen enttäuscht und zweifelt: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?

Prof. Tsokos ist ein Beispiel dafür, dass der Zweifel des Johannes nach wie vor den Glauben an Jesus in Frage stellt. Ist Jesus wirklich der, der die Menschen vom Übel befreit: von Gewalt und Krankheit, Von Bosheit und Tod?

Ist Jesus der Messias? Wird es das Paradies, den Himmel jemals geben? Oder ist die Welt so wie sie ist, weil es keinen Gott gibt und wird sie deshalb immer so bleiben?

Hat Gott sich von der Welt abgewandt und ihr seine Huld entzogen? Ist das Leben, das wir kennen nur noch ein Kampf um Leben und ein bisschen Lebensqualität – bis es vorbei ist?

Jesus sagt: Mitten in dieser Welt mit ihren Grauen kannst Du sehen, wie das Grauen überwunden wird: Kranke werden gesund. verlassene und verlorene Menschen fassen neuen Mut.
Gerade sie glauben die frohe Botschaft, dass Gott ihnen nahe ist, dass sie das Reich des Friedens erben, das Reich Gottes!

Und er fügt hinzu: „Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt!“

Schwestern und Brüder, welcher Stimme, welchem Urteil, welcher Lebenshaltung wollen sie folgen und angehören:

Jener, die angesichts des Grauens in der Welt nicht, an die Göttlichkeit der Liebe glauben kann. Sie denkt: Ich bin ein Teil dieser Welt. Ich lebe und versuche, gut zu leben. Dem Grauen versuche ich, aus dem Weg zu gehen. Ich weiß aber, dass der Tod mein letztes Schicksal ist.

Oder wollen Sie auf die Stimme Jesu hören, die sagt:
Das erste und das letzte im Leben ist Gott, der uns aus Liebe das Leben schenkt, der unser Leben in Liebe begleitet und der uns, wenn unser Körper stirbt aus Liebe neues Leben gibt.

Entscheiden sie sich für die Absolutheit des Todes!
Oder entscheiden sie sich für die Absolutheit der Liebe als Quelle und Ziel des Lebens?

Ja, man kann leicht Anstoß nehmen. Gott kommt in diese Welt und wird ein Teil von ihr – von der Geburt, bis zum Tod.
Er nähert sich dieser Welt nicht mit mächtigen Überwesen, die den grausamen Taten der Menschen ein Ende setzen.
Er vollzieht keine Gehirnwäsche durch überirdische Wellen, die alle Menschen zu friedliebenden Menschen verwandeln.

Er lässt sich vielmehr ein auf diese Welt, wird ein Teil von ihr, um in dieser Welt ein Licht anzuzünden. Wir, die das Evangelium glauben, dass Gott uns nahe ist, haben einen Auftrag:

Durch uns soll es hell werden in der Welt. Freude soll aus unseren Gesichtern strahlen, die Freude darüber, dass wir geliebte Gotteskinder sind.

28.11.2010: 1. Adventsonntag

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
Sie schmieden  Pflugscharen aus ihren Schwertern? Ist diese Vorhersage mehr als ein Wunschtraum?“

An so vielen Stellen ist Krieg. Zurzeit fürchten wir eine neue Auseinandersetzung in Korea.

Wir sehnen uns aber trotzdem nach Frieden, nach Geborgenheit, nach Gerechtigkeit!

Viele suchen den Frieden wenigstens in ihrem privaten Bereich aufzubauen. Eine kleine Insel – wo ich gut leben kann. Wenn nicht immer wieder etwas diesen Frieden stören würde:

Meinungsverschiedenheiten in der Familie; drohende Arbeitslosigkeit;
gesundheitliche Beschwerden; die permanente Überlastung am Arbeitsplatz; Konflikte mit der Nachbarschaft: ein Unglück in der Familie. ‑ Es gibt so vieles – was den Frieden stört!

Auch das kleine privaten Glück ist also sehr störanfällig und unsicher.
Es hängt zu stark von den Umständen in der Umgebung ab.

Es kann einem nicht wirklich und auf Dauer gut gehen, wenn in der Umgebung Unfriede, Not, Ungerechtigkeit die Leute plagen. Es bleibt nichts anderes übrig: Wir müssen über unseren Kreis hinausschauen. Wenn wir das Glück erhoffen, muss es ein Glück für alle sein – sonst ist auch das eigene Glück nur ein kurzer, vielleicht trügerischer Schein!

Vor diesem Hintergrund hören wir die Prophezeiung des Jesaja:

Die Nationen machen sich auf den Weg zu Gott.
Sie sagen: Gott zeige uns seine Wege!
Er gebe uns Weisung für unser Leben!
Er spricht Recht im Streit der Interessen!
Wenn das eintritt, dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern!
Dann übt man nicht mehr für den Krieg!
Dann ist der Krieg vorbei!

Liebe Schwestern und Brüder! Ich fürchte: Solange die Zeit in der wir leben immer weiter fortschreitet, Jahreszahl an Jahreszahl gefügt wird, wird dies wohl nie Wirklichkeit werden!

Dennoch sehnen wir uns nach Frieden, nach Glück und Geborgenheit!
Können wir dieser Sehnsucht trauen?
Oder sollen wir sie abstreifen, sollen wir sie aufgeben?

Aber, Schwestern und Brüder, wenn es Gott gibt,

  • wenn alles Leben und jedes Atom seinen Ursprung in Gott hat, dann ist er es, in dessen Hand unsere Zukunft liegt.
  • Wenn Gott wirklich Gott ist, dann wird er Frieden schaffen – wenn nicht in unserer Zeit, dann in der jenseitigen Welt.
  • Warum sollte Gott sein Leben in uns und in das All hineinlegen, wenn er uns und das All dann dem Untergang überließe?
  • Doch! Gott will das Leben! Er ist der Gott des Lebens!

Wenn wir an Gott glauben, glauben wir auch an den Frieden und das Glück für alle!
Wir können nicht an diese Zukunft glauben und Waffen schmieden!
Wir können nicht an den Frieden glauben und zugleich betrügen.
Wir können nicht an den Frieden glauben und tatenlos zusehen, wie Ungerechtigkeit verübt wird!

Wenn wir an Gott glauben und an seinen Frieden für alle, dann werden wir für den Frieden unter uns etwas tun – alles tun, was in unserer Macht steht!

Von nichts anderem handelt auch das Evangelium:

Seid wachsam! – ruft Jesus uns  zu, die wir seinen Namen tragen!
Vergesst nicht, welche Zukunft ihr erwartet und ersehnt!
Denn Gott kommt unerwartet und schnell. Er soll euch auf den rechten Wegen finden!

Adventmarkt am Ramwoldplatz

Einladung zum Adventmarkt

Am Samstag, 04.Dezember 2010
ab 19.00 Uhr vor dem Josefsaal

Am gemütlichen Feuer gibt es Glühwein, Knacker-/Bratwurstsemmel oder Kartoffelsuppe

Wir verkaufen faire Waren, Schnitzereien, Schmiedewaren, selbstgefertigte Schmankerl und vieles mehr!

Mit dem Erlös des Verkaufs unterstützen wir

Ein Haus für Mutter und Kind in Rumänien

Veranstalter: Arbeitskreis Mission Entwicklung Frieden

21. November 2010: 80jähriges Jubiläum der Kirchweih

80jährige sind teilweise schon ziemlich gebrechlich und man sieht ihnen ihr Alter an. Manche aber wirken agil und wach und stehen mitten im Leben. Nur kleine Einschränkungen und die Falten im Gesicht lassen andere das Alter ahnen.

Unsere Herz Jesu Kirche zähle ich zu den agilen 80jährigen.
Sie sieht noch ganz gut aus. Vor 16 Jahren hat sie eine Kur gemacht und seitdem steht sie erneuert da. Nur an ein paar Ecken sieht man: nichts ist von Ewigkeit. Irgendwann einmal wird sie wieder eine Kur nötig haben – unsere Herz Jesu Kirche!

Aber heute erfüllt sie gut und sehr gut ihre Aufgabe und sie steht mitten im Leben: wir, die Kirche Jesu Christi versammeln uns in ihr, um Liturgie zu feiern und um Gottes Nähe in der Gemeinschaft zu spüren.

Unsere Herz Jesu Kirche zeigt uns, wozu Kirche da ist, was Kirche ist und sein soll. Denn das Haus ist ein Sinnbild für die Kirche, der wir angehören und die wir zugleich selber sind.

1. Wir sind Menschen, die auf Jesus Christus schauen!
Christus, dargestellt als Gekreuzigter zieht alle Blicke in dieser Kirche auf sich. Durch ihn erhielt dieser römische Schandpfahl eine neue Bedeutung: Nicht mehr ein Symbol menschenverachtender Dominanz, sondern ein Symbol der Liebe: Jesus liebte die Menschen: seine Mutter, seine Jünger, die Kranken, die Armen, die Sünder. Jesus liebte Gott, seinen „abba“, seinen himmlischen Vater. Das Kreuz wurde zum Symbol seiner Liebe: Aus Liebe zum Vater und zu den Menschen gab er sein Leben hin.
Kirche, das sind die Menschen, die Jesu Liebe dankbar annehmen und sich von ihm mit dem Leben, mit dem himmlischen Vater versöhnen lassen.

2. Froh bin ich, dass Jesus in unserer Kirche nicht nur als gekreuzigter dargestellt ist. Das Relief an der Kanzel zeigt Jesus umgeben von Menschen, die ihm zuhören. Jesus lehrt die Menschen zu hoffen, und zu vertrauen und zu lieben.
Denken wir nur an die Seligpreisungen – wer ihnen folgt, lebt anders – in ihm ist eine Zuversicht und eine Freude und ein Frieden – größer und tiefer als alles, was die Welt bieten oder auch zerstören kann.

3. Unsere Kirche ist sehr groß, sehr weit! Sie hat viel Platz!
Auch die Kirche, der wir alle angehören, soll den Menschen Platz: geben, soll Raum für sie haben: für ihre Ängste und Hoffnungen, für ihre Leiden und Freuden.
Hier ist jeder willkommen, der auf Jesus schauen will, der Versöhnung sucht und neue Hoffnung.
Die Kirche darf nicht Menschen ausgrenzen, weil sie etwas falsches denken oder tun, sondern sie soll sie einladen und ihnen Jesu Botschaft anbieten und verkünden.

4. Eine große Orgel ist in unserer Kirche: Sie macht immer noch wunderbare Musik – auch wenn sie ein wenig der Renovierung bedarf.
In der Kirche ist Musik drin! Musik belebt, bewegt das Herz und manchmal den ganzen Körper. Musik ist Freude, ist beschwingt, ist Begeisterung. Musik ist vielfältig: sie drückt unsere Stimmung aus und kann sie verändern. Das wünsche ich unserer Kirche, die wir selber sind: dass wir begeistert sind, dass wir die Stimmungen zulassen, aber auch zulassen, dass sie sich ändern können. Ich wünsche uns, die wir in dieser Kirche zuhause sind, dass immer mehr Musik in uns kommt. Nicht nur die Töne.

Musik machen unsere Vereine und Gruppen, wenn sie sich treffen und etwas unternehmen, die Firmlinge, die sich vorbereiten, die kleinen Kinder in der Kinderkirche und die größeren in der Familienmesse.

Die Kirche ist so lebendig wie die Menschen, die von Jesus Christus Freude, Hoffnung und Leben empfangen.
Ich wünsche der Kirche, dass sie lebendig bleibt
und will meinen Beitrag dazu leisten! Machen Sie mit?

80jähriges Jubiläum der Kirchweih in Herz Jesu

Herzliche Einladung
zur Mitfeier des 80 – jährigen Jubiläums der Pfarrkirche Herz Jesu

Am 23. November 1930 weihte Erzbischof Dr. Michael Buchberger die Herz Jesu Kirche nach nur etwas mehr als einjähriger Bauzeit. Bereits am 13. März 1925 war die Neugründung der Pfarrei „Zum heiligsten Herzen Jesu“ von Bischof Antonius von Henle vollzogen worden. Seit 80 Jahren ist die Herz Jesu Kirche vielen Christen zur religiösen Heimat geworden.

Zum 80. Geburtstag unserer Pfarrkirche feiern wir einen Festgottes­dienst am Sonntag, 21. November 2010 um 10.00 Uhr. Anschließend sind alle Kirchenbesucher zu einem Stehempfang in den Josefssaal eingeladen.

Dr. Franz Josef Helmig                     Martin Müller                            Dr. Judith Helmig

Kirchenpfleger                                  Pfarrer                                Vorsitzende des PGR