01. Januar 2012

In den Evangelien wird es nach den beiden Geburtserzählungen von Matthäus und Lukas sehr still um die Mutter Jesu.

Johannes erwähnt sie überhaupt nur bei der Hochzeit von Kanaan und unter dem Kreuz. Die anderen drei Evangelien kennen nur eine Begeg­nung Jesu mit seiner Mutter. Als sie mit ihm reden wollte, sagte er: Wer den Willen meines Vaters tut, ist für mich Mutter und Bruder. Jedes Ev. erwähnt, dass Maria unter dem Kreuz Jesu steht.

Dennoch wird Maria in der kath. Kirche so außerordentlich verehrt. Es gibt dafür den einen wesentlichen Grund:
Maria ist die Mutter Jesu, der uns versöhnt und befreit hat.

Es ist keine Verminderung, wenn ich sage: Maria ist vor allem wichtig geworden und sie wird so stark verehrt, weil sie uns Katholiken – wie vielen anderen christlichen Konfessionen ein Symbol geworden ist: Sie ist – wie Abraham ‑ das Urbild eines Menschen, der ja sagt zu einer Berufung, die ganz und gar unerwartet ist:

Gott beansprucht sie, um mit ihrer Hilfe etwas Neues zu beginnen. Was geschehen wird, wie es sein wird, sie kann – wie einst Abraham, der in unbekanntes Land zog ‑ keine Vorstellung davon haben – doch sie hört auf Gottes Stimme in ihrem Herzen und ist bereit.

Maria – die Mutter Jesu – ist Urbild und Symbol für jeden Menschen, der wachsam in sich hinein horcht, damit er hört, was Gott mit ihm vor hat und von ihm will. Maria ist Symbol für jeden Menschen, der sein Leben von Gott „bestimmen“ lässt.

Durch und an Maria hat Gott unglaubliches gewirkt: Er ist Mensch geworden. Maria ist Symbol dafür, dass Gott durch und an den Menschen großes vollbringt und in ihnen Mensch, Fleisch werden will.

Weil Gott an Maria handelte und weil sie dazu ja sagt, ist Maria das Urbild der Kirche – also der Menschen, die an Christus glauben.

Christen sind Menschen, durch die und an denen Gott in der Welt handelt und die ihr Leben von Gott bestimmen lassen – jeder Einzelne und nicht weniger die Gemeinschaft der Christen.
Christen sind Menschen, die daran glauben, dass es nicht Zufall ist, was geschieht: was immer andere oder ich selbst in meinem Leben vollbringen – es geschieht nichts, was mich von Gott und seiner Liebe trennen könnte.

Letztendlich birgt er mein Leben in seiner Hand. In den Menschen, die mir in seinem Geist begegnen und auch in den Geschehnissen die nicht vorhersehbar sind – wie der Wind, der weht wo er will. Auch wenn wir vieles erklären können durch die Gesetze der Natur: Die Materie, die Schöpfung, ist auch nicht durch die Naturgesetze vorherbestimmt.

Maria ist ein Symbol für den Glauben, dass unser Leben in Gottes Hand liegt, dass er Großes an uns und durch uns tut, wenn wir ja sagen zu dem Plan, den er mit uns hat.

Am Ende steht Maria unter dem Kreuz. Der Glaube – auch dieser Frau – wird auf die Probe gestellt: kann ich auch angesichts des Hasses, der Verzweiflung, des Todes glauben, dass mein Leben in Gottes Hand geborgen ist?

Entgegen dem Augenschein steht sie zu ihrem Sohn. Sie steht zu ihrem Glauben, der nichts anderes ist, als ein sich Anvertrauen an das große Geheimnis, das wir Gott nennen, dass er niemand vergisst, sondern dass wir in seiner Hand geborgen sind.

Wir dürfen auch in diesem neuen Jahr das Wagnis des Glaubens eingehen und darauf vertrauen, dass Gott in uns und durch uns handelt, dass er unser Leben bestimmt, dass wir in seiner Hand geborgen sind.

Maria ist das Urbild für diesen christlichen Glaubens, der bekennt: Gott ist die Liebe, die im Sohn Marias Fleisch geworden ist.

1. Januar 2013: Neujahr

Hier geht es zu den liturgischen Texten: Beuron(Evangelium: Johannes Prolog)

Ich bin froh, dass ich am Beginn des neuen Kalenderjahres nicht alles neu anfangen muss. Ich hoffe, dass das Leben in ‑ Großen und Ganzen – weiter­geht wie bisher!

Ich weiß auch: Es gibt immer etwas zu verbessern. Und das geht nicht, ohne Veränderung. Veränderungen aber sind schwierig aus mehreren Gründen: Wer etwas verändern will, muss sich anstrengen.
Er muss bereit sein, etwas aufzugeben, etwas zurückzulassen.
Wer Veränderungen herbeiführt, gerät dadurch leicht in Konflikt mit anderen, die entweder keine Veränderung wollen oder eine andere.

Nicht übersehen möchte ich: Dass ich mir Verbesserungen wünsche, ist eine Sache. Eine andere Sache ist, ob ich die Verbesserungen selbst herbeiführen oder vornehmen kann.

Es war vermutlich der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr, der diese Fragen in ein Gebet fasste, das vielen von ihnen bekannt ist:

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,

Gott gebe mir den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,

Gott gebe mir und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.

Es gibt Dinge, die man nicht ändern kann und es gibt Dinge, die man ändern kann – oder sogar ändern soll. Beides liegt oft nicht weit auseinander: die Gesundheit ist eines der größten Geschenke. Wir können zwar gesunde oder ungesunde Lebensweisen haben – Doch selbst der Kettenraucher Helmut Schmitt ist inzwischen 94 Jahre alt, während manchmal schon Kinder schwer erkranken.

Unser Leben ist mit Gott verbunden.
Er ist die Quelle des Lebens, aus seiner Hand empfangen wir, was wir zum Leben brauchen. Auch die Vergänglichkeit entspringt seinem Schöpferwillen – obgleich er – wie Paulus es ausdrückt – auch das Vergängliche mit Unvergänglichkeit umkleidet.

Deshalb dürfen wir am Anfang des Jahres über unser Leben nachdenken und darüber, was Gott mit uns vorhat.
Wir dürfen fragen: Gott, was hältst Du im neuen Jahr für mich bereit?

Was muss ich hinnehmen und annehmen?
Was könnte mir helfen, dass ich darin gelassener werde?

Diese Dinge lehren mich, meine Grenzen und meine Begrenztheit anzunehmen. Dadurch lerne ich, mich und meine Leben anzunehmen und Gott anzuvertrauen. Daran kann ich denken, wenn ich bete:
Vater, dein Wille geschehe – und ich darf Gott vertrauen, dass er für mich das Heil will.

Was muss ich hinnehmen und annehmen? …

Wir dürfen uns auch fragen: Gott, was willst du, das ich tun soll?
Was will ich dieses Jahr anfangen? Solange wir Anteil nehmen am Leben anderer, können wir anfangen, neu anfangen:

Aufmerksamer zu werden für den Mitmenschen,
den Verstand zu üben, eine neue Gewohnheit zu erlernen,
neue Gedanken zu haben, barmherziger zu werden, Dinge zu ordnen, …,

Auch daran denke ich, wenn ich bete: Vater, dein Wille geschehe – denn Gottes Wille geschieht dort, wo Menschen seinen Willen tun.

Als Maria Jesus empfangen hat, hat Gott einen neuen Anfang mit den Menschen gemacht:
Jesus ist der neue Mensch, der in allem den Willen seines Vaters getan und angenommen hat.
In jedem Kind, das empfangen wird, macht Gott einen neuen Anfang mit uns Menschen, damit dieser Mensch Gottes Willen annimmt und tut.

Wir dürfen jeden neuen Tag annehmen als Gottes Geschenk und ihn füllen mit der Frage:
Gott, was hältst Du an diesem Tag für mich bereit?
Gott, was willst Du, das ich tun soll?