18.10.26: Kirchweihsonntag

Als Lesungstexte wurden gewählt: 1 Thess 1, 1–5b und Lk 19,1-10

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder
Wir feiern das Kirchweihfest. Wir freuen uns über das Gebäude, in dem wir Gott danken und zu ihm beten und die Auferstehung Jesu feiern.

Viel wichtiger aber ist unsere Freude über die Gemeinschaft, zu der wir gehören:

Wir leben aus der gleichen Erfahrung: nämlich, dass wir diese Welt im Geist Gottes gestalten und dass wir durch Jesus Vertrauen in Gottes Liebe zu jedem Menschen haben dürfen.

Jesus,
Du schenkst uns die Liebe des Vaters
Du gibst uns Kraft für das Leben aus Liebe.
Du erfüllst uns mit deinem Geist, der lebendig macht.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder
Zum Beginn des neuen Schuljahres hat Bischof Rudolf einen Brief an alle Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden und auch an alle hauptamtlichen Seelsorgerinnen geschrieben. Sein Thema: wie die anstehenden Veränderungen in der kirchlichen Organisation gemeistert werden können. Den Brief habe ich auf unsere Homepage zugänglich gemacht.

In Ergänzung dazu will ich in dieser Predigt etwas konkreter werden:

Wer unter uns ist jünger als 50 Jahre? Wie viele pflegen noch die Feier der sonntäglichen Eucharistie? Wie viele Christen können das apostolische Glaubensbekenntnis auswendig? Oder die 7 Sakramente – die 10 Gebote? Wieviel wissen die Leute darüber, was die Evangelien von Jesus erzählen?
Wer könnte die Seligpreisungen auswendig rezitieren?

Aus dem erschreckenden Befund, den ich gerade angedeutet habe, geht hervor: Die Kirche – und besonders das Lehramt in der Kirche – hat in den vergangenen Jahrzehnten ihre Sendung, ihren Auftrag nicht besonders gut erfüllt. Heftige Widerstände setzen ihr außerdem zu und schwächen sie.

In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl der Katholiken in unserem Bistum ungefähr halbieren. Die Einkünfte durch die Kirchensteuer werden entsprechend weniger. Ob die Kirchensteuer in 20 Jahren noch durch die Finanzämter eingezogen wird, kann man in Frage stellen – wenn die derzeit beliebteste Partei die Regierung stellt, jedenfalls nicht mehr.

Derzeit sind etwa 350 Priester im aktiven Dienst. In 20 Jahren werden noch ca. 220 Priester sein. Für die Frauen und Männer in den anderen pastoralen Berufen habe ich keine Zahlen: aber ich weiß: auch Sie werden sehr schnell sehr viel weniger.

Das alles hat Konsequenzen für die Organisation des kirchlichen Lebens: immer größere Gebiete werden zusammengefasst. Pastoralteams von 3 bis 5 Leuten sind zuständig für Gebiete so groß wie ein halber Landkreis.

In Zahlen: ca. 650 selbstständige Pfarreien werden in 150 Pfarreien­gemein­schaften zusammengeführt.

Das beschreibt eine ziemlich traurige Entwicklung.

Dennoch werden wir ermuntert, noch näher mit den Menschen in Verbin­dung zu bleiben und sie zu begleiten. Aber wie geht das, wenn eine Pfarreiengemeinschaft einen Durchmesser von über 20 km hat und fünf Pfarreien umfasst?

Bischof Rudolf wirbt dafür, dies als geistlichen Prozess zu gestalten; die Menschen der künftigen Pfarreiengemeinschaften sollen jetzt schon zusammenkommen. Er ruft zu einer regen Praxis in der Feier von Gottes­diensten und Sakramenten auf. – Aber das sollten wir ja schon immer tun und dafür wurde schon immer geworben!

So einfach ist es nicht. Die wichtigste Frage ist für mich: Wie muss sich Kirche ändern, damit die Botschaft von der Gotteskindschaft eines jeden Menschen die Herzen der Menschen berührt?

Kirche – das sind zuallererst wir – hier in unserer Pfarrgemeinde. Doch die Gestalt der Kirche im Bistum und weltweit wird geprägt von den Bischöfen und ihren Ordinariaten und vom Vatikan mit dem Papst an der Spitze.

Diese Kirche unten und oben ist berufen, es wie Jesus zu machen: die Leute sehen, sie ansprechen und ihnen sagen: ich will bei dir zu Gast sein.

Du bist von Gott geliebt. Du bist sein Kind! Gott lebt in dir und durch dich!

  • Diese Botschaft befreit von den Zwängen, was man alles tun und können und leisten und haben muss, um anerkannt zu werden.
  • Diese Botschaft gibt Kraft und Mut, auf den anderen Menschen wohlwollend und voll Empathie zuzugehen.
  • Diese Botschaft hat die Kraft, dass Feinde zu Geschwistern werden.
  • Diese Botschaft bewegt dazu, anderen selbstlos Gutes zu tun.
  • Diese Botschaft öffnet das Herz für die Armen, die Kranken und die Notleidenden.
  • Diese Botschaft ist ein Heilmittel gegen Gier und Geiz und Neid und jede Art von Egoismus.
  • Diese Botschaft weckt die Liebe zum Frieden und macht dazu bereit, die Wege zum Frieden zu suchen und zu gehen.

Deshalb muss diese Botschaft die Menschen erreichen! Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du lebst in und durch und mit deiner Schöpfung. Du rufst uns als Deine Kirche zusammen. Wir beten zu dir:

Gott, der du die Liebe bist   L/A Schenke Liebe und Vertrauen

  • Wir beten für Leo XIV., den Bischof von Rom, und für alle Kranken
  • Wir beten für das ganze Volk Gottes: für alle Getauften in allen christlichen Kirchen.
  • Wir beten für die Menschen jüdischen Glaubens und für die Angehörigen des Islams und für die Menschen jeder Religion
  • Wir beten für die die, die nicht an Dich glauben, du Ursprung und Kraft des Lebens.
  • Wir beten für unsere Pfarreien St. Anton und St. Albertus Magnus und für unsere Schwestergemeinde St. Matthäus.
  • Wir beten für die Frauen und Männer in den Parlamenten und in den Regierungsämtern.
  • Wir beten für alle, die sich selbst Vorwürfe machen, die schlecht über sich denken und sich selbst verurteilen.
  • Wir beten für alle, die Kinder und Jugendliche erziehen.

Lektor/in: Gott, wir loben und preisen Dich durch unsere Gebete und Lieder und durch unser ganzes Leben bis in die Ewigkeit. Amen.

11.10.26: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder,
wir atmen alle die gleiche Luft. Wir sitzen alle in einem Boot.
Dieses Raumschiff heißt Erde.

Über 8 Milliarden Menschen, unzählige Ameisen, Katzen, Hunde, Hasen bevölkern diese Erde – dazu die Fische im Wasser und die Vögel. ‑ Wir leben nicht jeder für sich selbst sondern wir leben füreinander.

Hoffen wir, dass die Menschheitsfamilie immer wieder einsieht, dass unsere gute Zukunft nur im Miteinander liegt – wenn wir Ehrfurcht voreinander haben, wenn einer den anderen höher schätzt als sich selbst.

Jesus hat uns dies vorgelebt und er macht uns klar:
Es geht dabei um unser Leben: um das der anderen und um das eigene. Grüßen wir ihn, der uns mit so großer Demut begegnet ist:

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
haben Sie ein Sonntagsgewand für die Messfeier? Wenn man dieses Gleichnis hört, könnte man denken: Das wäre wichtig im Himmelreich.

Überhaupt geht es in dieser Gleichnisgeschichte sehr grausam zu:
Die Einladung zur Hochzeit wird ausgeschlagen. Die Boten, die die Einladung überbringen werden umgebracht. Die Mörder werden ebenfalls getötet und ihre Stadt in Schutt und Asche gelegt. Am Ende wird einer wegen des fehlenden Hochzeitsgewand ins Elend hinausgeworfen.

Ich frage mich: Was will dieses Gleichnis mir und ihnen heute sagen?
Und ich mache mir klar: Es ist leicht möglich, dass es das nicht für jeden unter uns gleich ist. Jeder lebt in einer anderen Situation und jeder hat eine andere Berufung.

Ich werde deshalb nur einige Bemerkungen machen. Vielleicht können sie wie ein Türöffner den Zugang zu dem Gleichnis aufschließen.

1. Die viele Gewalt in dem Gleichnis darf uns ruhig irritieren. Es wird aber nicht Gottes Gewalttätigkeit verkündet. Wohl aber geht es um Leben und Tod: Wer der Einladung Gottes folgt, ist im Leben – wer Gottes Einladung verschmäht, wählt den Tod. Dabei ist gar nicht ausgeschlossen, dass Gott den Verstorbenen ewiges Leben schenkt, selbst wenn sie in ihrem irdischen Leben den Tod gewählt haben.

2. Dass die vielen Menschen von der Straße eingeladen werden erinnert an den Auftrag des Auferstandenen an seine Jünger: „Geht zu allen Völkern!“ Gottes Reich ist kein Reich für ein Volk – es ist universal und alle Menschen sind berufen.

3. Selbstverständlich geht es bei dem fehlenden Hochzeitsgewand nicht um Textilien. Es ist eine bildliche Rede für etwas anderes. Gut ist es, dem Ruf Gottes zu folgen und das Leben zu wählen. Das Reich Gottes ist mitten unter uns. Es ist denen aufgegeben, die den Ruf Gottes hören. Wer aber diesem Ruf gefolgt ist und nicht danach handelt – der ist nicht anders als die, die Gottes Ruf erst gar nicht gefolgt sind. Er hat den Weg des Lebens verlassen und lebt wieder in den Fesseln des Gesetzes, des Verdienstes, der Feindschaft und des Neids.

Liebe Schwestern und Brüder,
ohne Zweifel liegt es nahe, die Finsternis als ewige Verdammnis zu deuten. So wurde es immer gedeutet.

Aber – vielleicht ist diese Finsternis nicht die jenseitige Finsternis der Verdammnis, sondern die diesseitige Finsternis der Hoffnungslosigkeit, der Angst und der Feindseligkeit und des Geizes.

Dann kann ich es so verstehen:
Jeder, der dem Ruf Gottes ins Reich Gottes folgt, lebt im Licht, er wählt Freude und Gemeinschaft, Vertrauen und Zuversicht. Er wählt das Leben!

Wir dürfen jetzt Gottes Gastfreundschaft genießen. Amen.

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Barmherziger Gott, du rufst uns in dein Reich und befreist uns von Angst und Hoffnungslosigkeit. Wir beten zu dir:

Gott, du Ziel unseres Lebens      L/A: Wir vertrauen dir.

  • Dass es der Menschheitsfamilie gelingt, die Folgen des Klimawandels besonders für die armen Länder der Erde abzumildern.
  • Wir beten für die Menschen in Not, dass sie Hoffnung haben und nicht allein gelassen werden
  • Für alle, die sich für andere Menschen einsetzen: für die jungen Menschen in der Jugendhilfe und für die alten und kranken Menschen in der Krankenpflege: dass sie immer wieder neuen Antrieb für ihren Dienst finden.
  • Für alle Menschen, die an Gott glauben: dass sie Mitmenschlichkeit üben, Verständnis für die Probleme anderer zeigen und die Freude der Kinder Gottes bewahren.
  • Für alle Menschen, die am Guten zweifeln: dass sie im Glauben bestärkt werden.

Lektor/in: Guter Gott, du erfüllst uns mit Leben und Hoffnung und Liebe. Wir preisen dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.