07.06.2026: 10. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
am Ende der Lesungen wird immer gesagt: „Wort des lebendigen Gottes“.
Ich bin darüber nicht ganz glücklich, weil die Texte, die uns vorgetragen werden nicht unmittelbar Wort Gottes sind – so wie die Worte unserer Regierung, die fast alle wortgetreu aufgezeichnet werden.

Es sind Worte und Gedanken von Menschen, die nach dem Woher und Wohin des Lebens und des Weltalls fragen. Die zwar die Natur beobachten, aber nach dem Sinn suchen. Woher kommen Gut und Böse.

In dieser Suche ist Gottes Geist wirksam und offenbart sich dem Menschen. Aber die Gedanken des Menschen sind begrenzt und er denkt sich Gott immer wieder nach seinen menschlichen Maßstäben.

In der 1. Lesung aus dem Buch Hosea hören wir heute das Wort eines Propheten, der sich weit geöffnet hat für das Geheimnis Gottes.
Er hat Einsicht gewonnen, dass Gott nicht durch Tribut und Abgaben befriedigt werden braucht. Hören sie gespannt hin, was Gott von uns erwartet:

Jesus, gesandt vom Vater –
erfüllt vom Heiligen Geist –
du rufst uns, dir nachzufolgen

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
es waren schwierige Zeiten in Israel: Der Süden hatte einen König.
Der Norden verweigerte ihm die Gefolgschaft. Israel spaltete sich in zwei fast verfeindete Teile. So wie es auch in der Zeitgeschichte mehrfach passiert ist.

Die Menschen im Nordreich nahmen es mit der Religion ihrer Väter nicht so genau: Sie stellten auch anderen Göttern Altäre auf und opferten ihnen. In diese Götzen macht sich der Mensch selbst zu Gott.

Die Propheten – zum Beispiel Hosea – prangerten dies als Bundesbruch an. Und sie wurden nicht müde, auf die Ungerechtigkeiten hinzuweisen:
Denn die Reichen nützten die Armen aus und erließen Regeln, durch die sie immer noch reicher wurden.

Die Mahnungen wurden durchaus gehört: man opferte Tiere und wollte dadurch Gott besänftigen. Aber Hosea, der Prophet, durchschaute die Oberflächlichkeit dieser Opfer. Äußerliche Riten, mit viel Rauch und Gestank – aber die Menschen änderten sich nicht.
Die Sonntagsreden brachten den Armen keine Erleichterung.

In der Schimpfrede des Propheten Hosea finden sich zwei Sätze, die ganz offensichtlich im Geist Gottes gesprochen sind:

An Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern,
An Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich kann fast nicht anders, als dies direkt auf unsere Zeit zu beziehen:

An Feiertagen wird unser demokratischer Grundgedanke beschworen, dass alle Menschen gleich sind und die gleichen Rechte haben.

An Feiertagen wird beschworen, dass alle Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben teilhaben sollen.

An Feiertagen wird beschworen, dass Verfolgte bei uns Schutz und Aufnahme finden.

Es wäre verfehlt zu sagen: das stimmt alles gar nicht. Ja, die Gesetze gelten für alle und wir wählen ein Parlament, das die Gesetze beschließt.

Es gibt eine Grundsicherung für Menschen, die schon lange keine Arbeit mehr oder eine zu geringe Rente haben.

Aber vieles davon wird aktuell in Frage gestellt. Und der Abstand zwischen den Reichsten und den Menschen mit sehr wenig Einkommen wird immer größer. Und zwischen Menschen mit gering bezahlter Arbeit und Menschen ohne Arbeitsstelle ist fast gar kein Unterschied – weil die Löhne zu niedrig sind.

Ich wünschte mir, die 2 bis 3 Millionen unvorstellbar reichen Menschen, würden sich die Worte des Propheten Hosea zu Herzen nehmen:

An Liebe habe ich Gefallen, nicht an schönen Reden, an Gotteserkenntnis mehr als an Kongressen und Kulturevents für die Vermögenden.

Das Mt. Ev. zitiert den Propheten: Jesus sagt: Lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

So erklärt Jesus, warum er einen Mann in seine Jüngerschaft aufnimmt, der von Haus aus im schlechten Ruf steht: er ist ein Verräter, der mit den Besatzern, den Römern zusammenarbeitet. Er ist ein Zöllner: Die sind berüchtigt, , weil sie mehr Abgaben verlangen als festgesetzt sind und sich über Gebühr bereichern.

Jesus spitzt es sogar noch zu: Ich bin gekommen, um Sünder zu berufen!

Niemand ist abgestempelt. Niemand wird von Gott ausgemustert.
Jeder ist gerufen, ein Jünger Jesu zu werden.

Jeder kann lernen und in seinem Leben befolgen, was das Buch Hosea inspiriert vom Heiligen Geist als Gottes Wort verkündet hat:

Gott hat an Liebe Gefallen und an Gotteserkenntnis –
feierliche Beschwörungsformeln ohne die Konsequenzen haben vor ihm keinen Wert.

Entscheidend ist, was ein Mensch tut:

Matthäus verließ die Zollstation und folgte Jesus nach.

Wir sind Matthäus! – Sind wir Matthäus?

Allgemeines Gebet

Lektor/in: Gott, du bist barmherzig und du bist deiner Schöpfung treu. Im Geist Jesu Christi beten wir zu Dir:

Treuer und Barmherziger Gott  Wir beten voll Vertrauen zu dir

  • Für das ganze Volk Gottes: dass es ein lebendiges Zeichen deiner Barmherzigkeit ist.
  • Für die Menschen aller Religionen: dass ihr Glaube sie antreibt, den Frieden zu suchen.
  • Für unsere Gesellschaft, dass wir nicht vergessen, dass kein Mensch als Mittel zum Zweck gebraucht werden darf, sondern immer das Ziel des Handelns ist.
  • Für die Länder der europäischen Union: dass es den Regierungen gelingt, den Frieden mit allen Nachbarn zu bewahren und zu erringen.
  • Für die Ukraine und Russland: dass die Regierung Russlands den Angriff auf sein Nachbarland beendet.
  • Für die ganze Menschheitsfamilie, dass wir unsere Erde behüten und bewahren, damit sich auch für die kommenden Generationen ein guter Lebensraum ist.

Lektor/in: Guter Gott, du bist das Leben und du schenkst uns das Leben. Durch uns preist dich die ganze Schöpfung. Gib, dass dein Lob erklingt in alle Ewigkeit. Amen.