14. Oktober 2012: 28. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Ein Kamel hat nichts mit einem Nadelöhr zu tun. Deshalb wechseln manche das Wort Kamel durch das Wort Schiffstau oder dickes Tau aus. Griechisch heißt das Kamel nämlich kamelos und das Schiffstau kamilos.
Aber ändert das wirklich etwas an der Gegenüberstellung: Dick und groß gegen schmal und klein? Und wird die Unmöglichkeit nicht viel drastischer ausgedrückt durch das Kamel, das niemals durch ein Nadelöhr passen wird und das niemand versuchen wird durch ein solches zu fädeln. Das ist eine geradezu surrealistische Vorstellung.

So verstörend wie die Zusammenstellung Kamel und Nadelöhr ist auch dieser ganze Abschnitt des Mk-Ev’s.
Was widerfährt diesem Mann, der den Weg ins Himmelreich sucht!
Jesus führt ihn erbarmungslos an seine Grenzen. Der Evangelist fügt noch hinzu: „weil er ihn liebte“.

„Gib alles, was du hast den Armen, dann hast du einen bleibenden Schatz im Himmel. Dann komm und folge mir nach“

Das ist also der Weg ins Himmelreich! Diese Episode und dieses Jesuswort überliefern übrigens auch das Lk. und das Mt. Ev.

Wenn ich dieser Mann wäre – was würde ich tun? Jeder sollte sich diese Frage stellen.

  • Würde ich aufbrausen und Jesus für diese Unverschämtheit beschimpfen?
  • Würde ich versuchen, darüber zu diskutieren und einen Mittelweg zu finden: Eine Selbstverpflichtung zum Spenden. Besser ein regelmäßiger Spender als noch ein Armer, der mittellos herumwandert.
  • Würde ich über diese Verrücktheit lachen und mich abwenden von einem solchen Spinner?

Was würde ich tun?

Tatsächlich aber ist das nicht die einzige Stelle in den Evangelien, die deutlich macht, dass Reichtum und Christ sein nicht zusammen passen. Ich kann nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon! (Mt. Bergpredigt)

Wer in dieser Welt reich sein will, muss über die Not der Armen hinwegsehen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss die AUgen davor verschließen, dass sein Reichtum etwas zu tun hat mit der Armut der Armen.
Wer in dieser Welt reich sein will, muss ausblenden, dass dieser Reichtum in Gottes Ewigkeit nichts zählt, sondern ihn eher von Gott trennt, der alles mit uns teilt.

Schwestern und Brüder, wir können es drehen und wenden, wie wir wollen:
weder ein Kamel noch ein Schiffstau passen durch ein Nadelöhr.

So unmöglich kommt ein Reicher in das Himmelreich. –  Jedenfalls nicht aus eigener Kraft.

Für Gott aber ist alles möglich!

Sein Erbarmen mit uns,  seine Bereitschaft mit uns zu teilen, sollte unser Herz bewegen,
damit unsere Hände sich öffnen,
damit sie nicht ängstlich festhalten, was in dieser Welt als Besitz kostbar ist,  sondern mit denen teilen,
die nicht vor Gott sondern in dieser Welt als Arme gelten.

Wer reich sein will vor Gott, braucht in dieser Welt Hände, die nicht festhalten, sondern die teilen und verschenken.

07. Oktober 2012: Erntedank

Schlendern sie auch gerne durch einen Markt? Im Urlaub bestaune ich gerne Gemüse, Käsesorten, Fisch und Fleisch und die Köstlichkeiten, die daraus zubereitet wurden. Es ist eine Pracht ‑ so wie der Erntealtar.

Warum legen wir Früchte und Gemüse vor den Altar? Weil es eine besonders schöne Dekoration ist? Oder geht es um mehr?

Herkömmlich spricht man von „Erntegaben“ – doch für wen sind die Gaben? Für Gott? Gott braucht sie nicht! Jedenfalls nicht für sich!
Was wir tun, ist eine Geste an den unsichtbaren Gott, dessen Gegenwart der Altar darstellt. Wir wollen die gute Ernte Gott zeigen.
– Auch wenn er dieser Information nicht bedarf –für  uns ist diese Geste wichtig. Wir freuen uns über die Ernte und die gut geratenen Früchte der Erde und wollen sie dem Schöpfer zeigen.

Wem aber danken wir für die Ernte?
Wem danken der Patient und der Arzt für die Heilung?
Wem dankt der Lehrer, dass seine Bemühungen nicht vergeblich sind?
Wem dankt ein Jugendlicher für den Erfolg in der Schule?

Viele Menschen sind an der Ernte beteiligt: sie haben Saatgut gezüchtet, die Felder bestellt und die Ernte eingebracht – bis hin zu denen, die die Erntemaschinen erfinden und bauen.
Es ist würdig und recht, diesen allen zu danken für ihre Arbeit und Mühe, für ihr Können und ihre Sorgfalt.

Gerade die Landwirte wissen am besten, wie viele Stunden sie auf dem Traktor saßen, wie viel Dünger ausgestreut wurde und wie das Unkraut und Schädlinge zu bekämpfen waren.
Doch gerade sie feiern (wenn sie glaubend sind) oft mit großer Freunde Erntedank. Sie sind dankbar, weil sie wissen: trotz aller Mühe ist es nicht nur mein Werk!
Die Erde bringt die Frucht hervor!

Sie danken dem Schöpfer aller Dinge, dass ihrer Arbeit Frucht gebracht hat und nicht vergebens war. Dadurch wird ihr Tun und Können in keiner Weise geschmälert.
Vielmehr nehmen sie in ihrem Tun das Leben an und den Auftrag, für das Leben zu sorgen.

Wir danken Gott zu Recht für den Ertrag unserer Arbeit, für all das, was uns in Beruf und Familie und sonst irgendwo gut gelingt.
Denn was immer wir auch forschen, entwickeln und tun –  wir nutzen die Kräfte, den Reichtum, die Vielfalt die Gott in unsere Erde gelegt hat.

Die Erde, all ihre Kräfte und Schätze sind uns von Gott anvertraut. Wir erkennen den Auftrag, sie zu erforschen und zu nutzen –
je mehr wir aber unsere Möglichkeiten erweitern, desto mehr muss uns bewusst werden:
Das Leben und die Erde sind uns geschenkt. Uns ist die Sorge für das Leben anvertraut – aber nicht nur für unser eigenes Leben.

Wir werden uns immer mehr bewusst, dass wir den Auftrag haben, unser Wissen und Können für andere zu nutzen und auf das Wohl aller Lebewesen zu achten.
Denn diese Erde und das Leben hat Gott nicht nur uns geschenkt, sondern allen Menschen dieser Erde – im Norden und Süden, im Osten und Westen. Es ist die eine Erde für alle Menschen – heute und morgen.

Unser Dank für den Ertrag unserer Arbeit in Familie und Beruf, in Fabriken, Gärten, Äckern und Wald, kann nur ehrlich sein, wenn wir all das nicht nur für uns behalten, sondern wenn es allen zu Gute kommt. So wie Gott jedem Menschen Leben und Würde gibt.

30. September 2012: 26. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Zu Recht kreidet man es der Kirche an, wenn es ihr nur um sich selbst geht – um ihren Einfluss, ihre Finanzen und um ihr Ansehen!

Zu Recht geraten Politiker in Misskredit, wenn sie ihr eigenes Süppchen kochen, unliebsame Konkurrenten ausschalten, Vorteile im Amt annehmen!

Zu Recht werden Unternehmen boykottiert, die ihren Angestellten keinen angemessenen Lohn zahlen, sie mit Kameras überwachen und unwürdige Arbeitsbedingungen herstellen.

Zu Recht beklagen wir, wenn der Egoismus die Gesellschaft dominiert –
ich meine damit: eine Mentalität, die persönlichen Gewinn über Fairness und Gerechtigkeit stellt.

Der Jakobusbrief sagt dazu unverblümt und schonungslos: „Euer Reichtum verfault, eure Kleider werden von Motten zerfressen; euer Gold und Silber verrostet“

Der Egoismus, der Arbeitern ihren Lohn vorenthält, der nicht zurück-schreckt vor Lüge und Unwahrheit, der Blind macht für den Mitmenschen, dieser Egoismus trennt den Menschen von Gott. Er ist unmittelbar gegen Gott gerichtet und er bringt Spaltung, Unglück, Tod und Verderben zuerst über die Armen und Benachteiligten und dann über die, die Unrecht tun.

Davor warnt der Jakobusbrief und auch das Markusevange­lium mit seinen drastischen Sätzen, es sei besser mit einem Auge, Hand, Fuß in das Himmelreich zu kommen als mit beiden Augen, Händen, Füßen in das nie verlöschende Feuer.

Schwestern und Brüder, es geht darum, ob wir unser Leben auf Gott ausrichten, ob wir Gott anerkennen in unserem konkreten Tun und Lassen. Das Evangelium beschwört seine Leser geradezu, sich für Gott zu entscheiden. Es ist die Entscheidung zwischen Leben und Tod.

Denn Gold und Silber verrosten, und die Motten zerfressen die Kleider.
Niemand kann etwas mitnehmen, wenn er stirbt, doch das Gute, das Menschen tun, die Liebe, die sie empfangen und schenken, bleibt in Ewigkeit.

23. September 2012: 25. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Bei einer Wanderung mit Freunden kürzlich, lief ich um die Wette mit einem Kind, das gerade in die Schule gekommen ist. – Es versteht sich von selbst, dass das Mädchen gewonnen hat. Es sollte ja nur sein Ehrgeiz angestachelt werden.
Habe ich damit gegen Jesu Wort vom Dienen verstoßen, weil ich das Kind animierte, gewinnen zu wollen?

Beim Spiel, im Sport, in der Wirtschaft – überall geht es um Konkurrenz: Wer ist schneller, wer kann es besser, wer kann mehr verkaufen, wer macht größeren Gewinn ….

Es ist ein Naturgesetz, das der ganzen Schöpfung eingeschrieben ist. Die vielfältigen Lebensformen, die wir heute beobachten entstanden, weil jedes Lebewesen und jede Art versuchen, sich immer besser der Umwelt anzupassen und in Konkurrenz mit anderen Arten zu bestehen.

Aber heute hören wir: Wer der Erste sein will, soll der Letze von allen und der Diener aller sein.

Für die gesunde Entwicklung eines Menschen ist es aber wichtig, dass er lernt, seine Kräfte einzusetzen, dass er sich vergleicht und mit anderen misst. Es ist notwendig, um seine Kräfte zu entwickeln und einschätzen zu lernen. Es wäre ein schwerer Fehler, den Kindern das Wetteifern zu verbieten.

Aber heute hören wir: Wer der Erste sein will, soll der Letze von allen und der Diener aller sein.

Ich kenne aber auch eine andere Erfahrung:
Ich ärgere mich über Leute, die dauernd das Sagen haben wollen;
wenn jemand immer und überall nur seine Interessen sieht und durchsetzen will;

Ein Gruppe ist anstrengend und belastend, wenn man das Gefühl hat, man muss dauernd kämpfen, um akzeptiert und gesehen zu werden.

Statt Selbstsucht und Egozentrik wird Teamgeist gefördert, man soll Zuhören können, und lernen, die Bedürfnisse des anderen zu respektieren:
Wie sehr schätzen wir Menschen, die zuvorkommend und rücksichtsvoll sind.

Ist das gemeint mit den Worten  Wer der Erste sein will, soll der Letze von allen und der Diener aller sein.

Ich glaube, es geht in diesem Jesuswort um mehr als um Formen der Höflichkeit und des Anstands:
Erinnern wir uns, dass vorher davon die Rede ist, dass Jesus getötet werden wird und achten wir darauf, dass danach die Aufnahme eines Kindes als Beispiel für das Dienen genommen wird.

Kinder galten damals nichts. Sie sollten möglichst bald etwas arbeiten und leisten. Ihre Bedürfnisse galten damals nichts und viele Kinder liefen als Waisen auf der Straße herum.
Wer für ein solches Kind sorgt, weil er sich Jesus zum Vorbild nimmt,  der hat das Wort vom Dienen verstanden.
Er tut dies einfach um des Kindes willen, um es zu behüten und um ihm zu helfen. Das Evangelium geht so weit zu sagen: Wer so etwas tut, der nimmt Gott auf, der diesem Kind das Leben geschenkt hat.

Das Wort vom Dienen und vom Letzter sein ist so wie das Wort von der Selbstverleugnung eine Herausforderung und Jesus mutet uns einiges zu.
Es richtet sich an uns, als Jünger Jesu und macht uns deutlich:
Wer zu Jesus gehört und ihn zum Vorbild nimmt,  geht in der Entwicklung der Menschlichkeit einen Schritt weiter:
Was ich am besten kann, soll nicht dazu dienen, dass ich über anderen stehe, sondern dass ich damit anderen und der Gemeinschaft nützen kann.

Schön, wenn es dafür auch noch ein Lob gibt.

16. September 2012: 24. Sonntag im Jahreskreis

Das Christentum wird von vielen Menschen geschätzt – wegen seiner Werte: Ob da der Wert der Selbstverleugnung auch im Bewusst sein ist?

Sich selbst verleugnen – das klingt – schrecklich.
Soll ich meine ureigenen Bedürfnisse verleugnen:  Soll ich darauf verzichten, etwas gelten zu wollen?
Soll ich darauf verzichten, meine Rechte zu gebrauchen und auch gegenüber anderen einzufordern?
Soll ich aufhören, Bedürfnisse und Wünsche zu haben? Soll ich mich aufgeben und sozusagen auflösen?

Es ist nicht verwunderlich, wenn sich einem da die Nackenhaare aufstellen und sich alles in einem dagegen sträubt.

Ich will weder sie noch mich zu dieser Art der Selbstverleugnung drängen – denn ich bin mir sicher, dass dies nicht im Sinne des Evangeliums und im Sinne Jesu wäre. ‑ Es gibt genügend Sätze im Evangelium, die eine andere Sprache sprechen.

Dennoch steht hier: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst. Er nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!
Das erinnert an Jesu Kreuzestod, den er mit so vielen anderen Menschen im römischen Reich teilte.

Es ist auch heute ‑ wie zu Zeiten des Evangelisten – nicht leicht zu glauben, dass dieser Gekreuzigte Jesus aus Nazareth der Messias sein soll.
Und es ist heute wie damals schwer, sich für diesen Glauben einzusetzen und dafür gerade zu stehen.

Denn heute wie damals stehen Jesus und seine Botschaft quer zu den alltäglichen Vorstellungen von Lebensqualität:
Jesus predigt die Bereitschaft, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen, er fordert dazu auf, eigene Interessen zurückzustellen, er widerspricht dem Leistungsprinzip, er verweigert sich dem Machtstreben, er ist alles andere als angepasst und bequem.

Das einzige, was er gegen dies alles setzt, ist das, was er Auferstehung und ewiges Leben nennt, das sogenannte Reich Gottes, das er ausruft und gekommen sieht.
Das ist aber im Jenseits unseres Lebens und des Todes! Dieses Jenseits stellt Jesus uns vor als Glückseligkeit für den einzelnen Menschen und für Alle: Im Jenseits hat der Mensch Anteil am Leben Gottes, an seiner Fülle, an seiner Herrlichkeit.
Jesus lädt dazu ein, dass wir bereits jetzt so leben, wie es dem Jenseits entspricht. Mit dem Wort vom Leben retten und verlieren, mit dem Wort von der Selbstverleugnung macht er auf einen Zusammenhang aufmerksam, der bei genauerem Hinsehen gar nicht so widersprüchlich ist, wie es den Anschein hat:

Die Liebe zu anderen ist eine unbändige Triebfeder: Aus Liebe geben Menschen ihr letztes Hemd,  verzichten, reiben sich auf, riskieren ihr Leben, verschenken ihr Leben.

Die Liebe zu Gott beginnt damit, dass er uns ins Dasein ruft, das Leben in uns hat göttlichen Ursprung,
Die Liebe zu Gott sollte nicht aufhören, wenn es darum geht, sich und seine Möglichkeiten einzusetzen, damit das Leben, Gottes Gabe, sich entfalten und entwickeln kann.

Im Ernstfall müssen wir uns immer wieder entscheiden ob wir in diesem Leben und in dieser Welt die Werte des Himmelreiches gelten lassen: Frieden, Gemeinschaft, Geborgenheit.

Ob die Menschen, die die christlichen Wert schätzen: Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Rücksicht und ähnliches  dabei daran denken, dass diese Werte mit Verzicht und dem Aufbieten eigener Kraft und Möglichkeiten zu tun haben??

02. September 2012: 22. Sonntag im Jahreskreis

Ein Klick zu den litugischen Texten:

Ich möchte gut dastehen – vor der Gemeinde, vor ihnen. Das möchte doch jeder.
Deshalb versuche ich durch mein Verhalten einen guten Eindruck zu machen.
Dazu gehört das äußere Aussehen, gewisse allgemein übliche Verhaltensweisen …

So entsteht hoffentlich der Eindruck, dass ich in Ordnung bin.
Dieses Bedürfnis so zu gelten, teile ich – das nehme ich an ‑ mit vielen Menschen.
Ebenso teile ich vermutlich mit den meisten Menschen, die Erfahrung und das Wissen, dass es „hinter den Kulissen“ nicht immer so ist, wie der Anschein, der äußerlich aufrechterhalten wird.
Tatsächlich aber will ich, wie fast alle Menschen, nicht nur den Eindruck erwecken, sondern wirklich in Ordnung sein – auch wenn nicht jeder Fehltritt an die große Glocke gehängt werden braucht.

Es ist ein ziemlich großes Kompliment, wenn man von jemanden sagt:  Die ist schwer in Ordnung!

Wie kann ich ein Mensch werden, der „in Ordnung“ ist? Einer, auf den man sich verlassen kann, der andere versteht, der weiß, was anderen und ihm selbst gut tut, der sich nicht gehen und treiben lässt?

Das Markusevangelium nennt solche Menschen rein, es sind Menschen die mit sich, die den Mitmenschen und mit Gott im Reinen sind.
Das kann nicht von außen in den Menschen hinein kommen, sondern das muss im Inneren des Menschen in seinem Herzen heranreifen und groß werden.
Da seinen Jüngern Unreinheit vorgeworfen wird und die Missachtung der Überlieferung vorgehalten wird, beschreibt Jesus den Zusammenhang vom schlechten her: aus dem Inneren des Menschen kommen die bösen Gedanken, die den anderen und seine Bedürfnisse und Ehre missachten.

Wenn ich in Ordnung sein möchte, muss ich also auf mein Inneres achten, muss ich darauf achten, dass ich gute Gedanken habe:
Ich muss mein Herz, meine Seele trainieren und üben, dass ich voll Respekt vor dem Anderen und seinen Bedürfnissen und seiner Ehre bin.

Wie kann ich das üben?
Voraussetzung ist natürlich der Glaube, das Vertrauen in Gott, den Ursprung und die Quelle des Lebens, der seine Geschöpfe liebt und will, dass sie heil werden.

Weil ich üben will, nehme ich mit etwas ganz bestimmtes vor:  ich suche mir einen Menschen aus, gegenüber dem ich mich ganz besonders bemühen will, ihn, seine Bedürfnisse und seine Ehre zu achten. Und nun geht es los, dass ich mein Verhalten, meine Gesten und meine Sätze so gestalte.
Je schwerer die Aufgabe, desto länger werde ich üben müssen.
Desto öfter wird es nötig sein, dass ich inne halte,  dass ich Gottes guter Kraft in meinem Inneren Raum schaffe und wieder anfange.

Denn aus dem Inneren des Menschen kommen die guten Gedanken!

29. Juli: 17. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

Kürzlich ergab sich irgendwo eine kleine Diskussion, woran es wohl liegt, dass immer mehr Leute der Kirche und auch dem Glauben den Rücken zukehren.
Man könnte aber auch fragen: Was müsste geschehen, damit wieder mehr Leute an Jesu glauben, und die Gemeinschaft in der Kirche suchen?

Würde Wunder helfen?
Wenn durch ein Gebet zu Jesus die Sahara grün und fruchtbar würde?
Würden dann mehr Menschen an Christus glauben und zur Kirche gehen?

Ich vermute:  die Menschen würden verschieden reagieren:
die einen suchten eine Erklärung: physikalisch oder astromisch oder metereologisch.
Manche würden sagen: Warum nicht schon früher?
Wieder andere entwickeln eine Wunschliste, was auch noch erledigt werden müsste.

Wunder sind auf verschiedenste Weise zu  deuten und zu verstehen – wie jedes andere Ereignis auch – ist es überhaupt ein Wunder, das Johannes da erzählt? Hat das wirklich stattgefunden?
Dann hätten doch eigentlich viel mehr Menschen erkennen müssen, dass Jesus von Gott gekommen ist.

Gerade das Johannesevangelium schließt an die Speisung der 5000 ein langes Gespräch Jesu mit den Juden an:
Im Verlauf des Gesprächs wenden sich viele – immer mehr von Jesus ab und fühlen sich durch seine Worte vor den Kopf gestoßen.

Am Ende der Wundererzählung selbst hören wir bereits von der ersten Enttäuschung:
Jesus wird zwar der erwartete Prophet genannt –  man will ihn deshalb zum „König“ machen.

Wer erwartet, dass Christen, dass die Kirche sozusagen die Regierung der Welt übernehmen sollte, kann sich nicht auf Jesus berufen – auch nicht auf das Joh.ev.:
Jesus zog sich zurück: Seine Sendung ist es nicht, ein König zu sein neben oder über anderen Königen der Welt.

Dagegen haben wir Christen, hat die Kirche (ev. u. kath.), in der Kirche schon viele Male verstoßen. Oft wollte sie die Macht über Soldaten und Steuern an sich reißen – und hat damit ihren eigentlichen Auftrag verletzt, die Menschen für Gott zu öffnen, damit sie die Welt so gestalten, wie es Gottes Wille ist.

An den nächsten Sonntagen werden wir noch andere Gründe kennenlernen, warum sich die Menschen von Jesus abgewandt haben – wer mag kann versuchen, dies mit unserer Zeit und Erfahrung zu vergleichen.

Am Ende aber überliefert das Johannesev. das Ziel Jesu: dass Menschen zum Glauben kommen und den Glauben bekennen  und sich von Jesus in Anspruch nehmen lassen.

Vielleicht gelingt es uns ja auch, ein endgültiges Ja zu Jesus und seiner göttlichen Sendung zu sagen.

22. Juli 2012: 16. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten: 

Während Jesus in Nazareth Misserfolg hatte, weil man nicht glauben konnte, dass Gott in einem ganz normalen Menschen handelt – hatten seine Jünger offenbar glänzenden Erfolg:
Jesus hatte sie ausgesandt, die Botschaft zu verkünden und die unreinen Geister auszutreiben. Die Leute liefen ihnen von überall her nach – so dass nicht einmal mehr Zeit zum Essen blieb. Selbst der Versuch, dem Andrang durch eine Bootsfahrt zu entkommen, konnte den Ansturm nicht beruhigen.

Wir Kirchgänger, oder wir Leser, oder wir Christen sind sozusagen unter den vielen Menschen, die zu Jesus strömen – weil wir „Hunger“ haben – Hunger nach seinem Wort, Hunger nach ihm, der etwas hat, was sonst keiner hat. Dieser Hunger beschäftigt mich. Was ist das für ein Hunger? Welche Menschen spüren diesen Hunger? Wer kann den Hunger stillen? Womit?

Nicht alle Menschen spüren diesen Hunger:

Es waren nur wenige von den Führenden unter ihnen: die Hohenpriester und Schriftgelehrten spürten keinen Hunger, sie saßen ja sozusagen an der Quelle;

Gebildete und Reiche waren selten unter ihnen zu finden: sie spüren keinen Hunger: sie können die Annehmlichkeiten des Lebens genießen: Festessen, Konzerte, Schauspiel, Philosophie und Wissenschaft: Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Es gibt kein Problem, das nicht zu lösen wäre durch Geschick, Eifer, Beharrlichkeit, Geduld und Geld.

Die zu Jesus kamen, waren Menschen, die Probleme hatten:  vielen waren krank: ob und körperlich oder seelisch krank. –  andere waren arm: der Hunger war ihr täglicher Gast –
wieder andere plagte ihr schlechtes Gewissen: sie lebten nicht nach dem Gesetz, oder konnten es nicht.
Jedenfalls hatten sie einen Mangel, ihnen fehlte etwas – das suchten sie bei Jesus.

Der Mangel, die eigene Schwäche ließ sie suchen und öffnete sie für die Botschaft:
Wer um seine Gesundheit kämpft, wer sich um das tägliche Brot müht, wer sich nach Anerkennung und Frieden sehnt, hat leichter Zugang zu dem existentiellen Hunger, zu der Ur-Sehnsucht, die in jedem Menschen ist: Es ist die Sehnsucht nach dem Ursprung, nach der Quelle aus der wir hervorgehen und zu der wir wandern.

Wir können versuchen diesen Hunger zu übertönen mit den schrillen Tönen, mit dem Rausch der Geschwindigkeit, mit den grellen Farben und dem Überfluss im Genuss.

Doch der Hunger nach der Quelle wird dadurch nicht gestillt. Es ist der Hunger nach etwas, das wir uns selber nicht geben können.

Jesus weiß um dieses Geheimnis, er kennt den Schlüssel, mit dem wir Zugang erhalten. Wer immer auch zu ihm kommt, dem ist er bereit, nicht nur aufzuschließen, sondern sogar den Schlüssel zu geben.
Denn die Quelle, die diesen Hunger stillen kann, trägt der Mensch in sich selbst. Jesus offenbart uns, dass wir diese Quelle in uns tragen und dass die Wasser für das ewige Leben in uns sprudeln.
Jesus offenbart uns, dass wir Töchter und Söhne Gottes sind – dass jede und jeder unmittelbar Zugang hat zu der Quelle und nicht der Vermittlung durch andere Bedarf.

Damit wir uns daran erinnern, damit die Quelle nicht versiegt, damit das Wasser des Lebens in uns fließt, trinken wir immer wieder aus der Quelle.
In der Messfeier lassen wir die Dinge zurück, die den Hunger übertönen, wir wenden unseren Blick nach innen: dorthin, wo die Quelle in uns ist, wo Gottes ewiges Leben uns durchströmt, wo unsere Liebe sich nährt.
Das Evangelium von Jesus, das Gebet über Brot und Wein,  die heilige Kommunion – sie sind die sichtbaren Zeichen, für das, was Gott in uns wirkt: Leben und Liebe.

15. Juli 2012: Pfarrfest

Lesung: aus dem Römerbrief.

Seid einander in geschwisterlicher Liebe zugetan; übertrefft euch in gegenseitiger Achtung.
Lasst nicht nach in eurem Eifer; lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn.
Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis,
beharrlich im Gebet! Freut euch mit den Fröhlichen  und weint mit den Weinenden!

Seid untereinander eines Sinnes,  strebt nicht hoch hinaus,  sondern bleibt demütig!  Haltet euch nicht selbst für weise.
Vergeltet niemand Böses mit Bösem.

Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!
Soweit es euch möglich ist,  haltet mit allen Menschen Frieden.
Lass dich nicht vom Bösen besiegen,  sondern besiege das Böse durch das Gute!

EVANGELIUM: Mt 6,25 – 34

Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen;  euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?

Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.

Ansprache: Grillen – Spiele – Jung und alt – Tombola – Kaffee und Kuchen – Bierbänke – Musik – Limo und Bier – Couscous und Wein  ‑ wir feiern unser Pfarrfest!

Das besondere an unserem Fest ist? – wir beginnen mit der Messfeier in der Kirche – Weil wir Gemeinde Jesu sind! Er ist unser Dreh- und Angelpunkt.

Er gibt uns Vertrauen: Vertrauen in das Leben. Vertrauen in den Ursprung des Lebens und Vertrauen, dass wir Mitarbeiter Gottes sein können –
Mitarbeiter, denen die Sorge für das Leben anvertraut ist, die Sorge für – wie Jesus sagt: Gottes Reich!

Die Sätze Jesu aus dem Mt. Evangelium, die ich für diese Messe ausgewählt habe, ist – ich habe es schon manchmal erwähnt – sind für mich Schlüsselsätze in der Botschaft Jesu:

Diese Gedanken Jesu überzeugen mich, dass ich
1. Vertrauen haben darf zum himmlischen Vater, dass er für mich sorgt!
Sind Blumen nicht einfach herrlich? Sie müssen sich nicht sorgen: Um ihrer selbst willen sind sie so herrlich geworden in der langen Kette ihrer Entwicklung und auch Züchtung.
Gott hat durch und in diesem Universum das Leben hervorgebracht – also kann ich ihm vertrauen, dass er auch mein Leben behütet und bewahrt.

2. Diese Gedanken Jesu überzeugen mich, welche Prioritäten mein Leben hat: Die erste Priorität ist Gottes Mitarbeiter zu sein:  Jeder an seiner Stelle: Wie kann ich jetzt Gottes Willen tun?
Wie kann ich Vertrauen schaffen? Wie kann ich Frieden schaffen? Wie kann durch mich die Gerechtigkeit und die Wahrheit sich durchsetzen? Und vor allem: Wie kann ich Gottes Liebe Gestalt werden lassen – durch mein Reden und Tun?

Liebe – Achtung – Eifer – Freude – Hoffnung – Gebet – Mitgefühl – Einigkeit – Demut – Vergebung und Barmherzigkeit – Gut sein – so umschreibt Paulus dies alles – ganz im Sinne Jesu.

Das erste aber ist: Gott sorgt für Himmel und Erde – für Pflanzen und Tiere und auch für mich und für sie – er gibt uns das Leben in Ewigkeit.

Zum Abschluss einer kurzen Predigt  werden die Leute eingeladen, ihre Blumen bankweise nach vorne zu bringen und in „Herz Jesu“ einzukleben.

8. Juli 2012: 14. Sonntag im Jahreskreis

Hier geht es zu den liturgischen Texten:

„Niemals wird so gelogen, wie bei einer Beerdigung oder einem Jubiläum“, sagt man.
Bei diesen Gelegenheiten wird gelobt und gepriesen: es wird so getan, als ob es keine Schwäche, keine Fehlleistung, keinen Misserfolg gegeben hätte.

Aufsehen erregte es, als der Orden Mutter Teresas an ihrem 10 Todestag erlaubte, dass ihre Aufzeichnungen veröffentlicht werden, in denen sie selbst von ihren quälenden Glaubenszweifeln sprach.
Es war deshalb so schlimm, weil man in ihr die personifizierte Menschenliebe Gottes zu erkennen glaubte.

Das Markusevangelium – wie auch die anderen Evangelien – sind geschrieben worden, um Jesus als Sohn Gottes zu verkünden.
Das tun sie auch – mehr oder weniger kunstvoll verarbeiten sie dafür die mündlichen und schriftlichen Überlieferungen in den christlichen Gemeinden.

Um Jesus als Sohn Gottes zu verkünden überlieferte man die Geschichten, wie er in göttlicher Kraft lehrte und Menschen heilte und die befreite, die nicht mehr Herr über sich selbst waren.
Unmittelbar im Anschluss an solche Geschichten erzählt das Markusevan­gelium von einem katastrophalen Misserfolg Jesu in seiner Heimatstadt Nazareth.

Warum? Wozu? Was beabsichtigt das Evangelium mit dieser Geschichte?
Schauen wir genau hin:

Jesus lehrte in der Synagoge. Zunächst reagieren die Leute in seiner Heimat ähnlich wie die Leute in Kafarnaum und anderswo: sie staunen über seine Lehre. Dann aber halten sie ihm vor:
Du sagst, dass du von Gott gesandt und berufen bist. Du meinst Gott würde durch dich sprechen?
Das traust du dich, obwohl du nicht mehr bist als ein Bauarbeiter, der dorthin gehen muss, wo er Geld verdienen kann.
Das traust du dich, obwohl deine Mutter und deine Brüder unter uns leben. Sie selbst sagen ja, „ dass du von Sinnen bist!“

Die Menschen in Nazareth konnten Jesus nicht als Boten Gottes annehmen: sie konnten nicht glauben, dass Gott sich in einem ganz normalen Menschen anderen Menschen offenbart.
So staunenswert seine Worte auch waren, auch wenn sie Weisheit enthielten und auch wenn er Machttaten vollbrachte. –  Das ist nicht möglich, dass Gott durch einen so ganz normalen Menschen spricht, an dessen Kindergeschrei sich alle noch erinnern können.

Kann Gott sich durch und in einem Menschen offenbaren?
Kann ein Mensch so Gottes Willen tun und so mit Gott verbunden sein, dass wir in ihm Gott am Werk sehen?
Etwas einfacher gesagt: Gibt es so etwas wie Berufung?

Mutter Teresa war davon überzeugt, während einer Zugfahrt von Kalkutta nach Darjeeling am 10. September 1946 die Stimme Jesu gehört zu haben. „Meine Kleine, bring die Seelen der armen kleinen Straßenkinder zu mir“,
Franziskus hörte vom Kreuz herab die Stimme Jesu: „Baue meine Kirche wieder auf!“
Priester glauben sich von Gott berufen, ebenso wie Ordensleute!
Auch Eheleute erkennen in ihrer partnerschaftlichen Liebe ein Geschenk und einen Auftrag Gottes.

Das ist die Botschaft Jesu: Gott offenbart sich in den Menschen, die auf ihn hören, die seinen Willen tun. Sie verkörpern seine Liebe zum Leben.
Wir dürfen glauben, dass Gott auch heute noch Menschen anregt und ihnen die Kraft gibt zu jedem guten Werk.
Wir dürfen glauben, dass in der Liebe eines Menschen Gottes Liebe sich zeigt.

Das nimmt dem Menschen nichts weg: denn er stimmt Gottes Willen und Berufung zu und entscheidet sich und setzt seine Kräfte für Gottes Reich ein – statt sich ihm in den Weg zu stellen.

Wir selbst können Gott sichtbar machen in dieser Welt und Gottes Mitarbeiter sein. Dazu sind wir berufen.